Spindel

Hallo!
Wahrscheinlich beeinflusst von „Dornröschen“ und der „Schönen Müllerstochter“ dachte ich bei „Spindel“ immer an ein bauchiges, oben und unten zugespitztes Gebilde und habe erst ziemlich spät begriffen, es handelt sich im Grunde um einen zylinderförmigen Stab:

"Spin|del [f. 11] 1 [an Spinnrädern und Spinnmaschinen] die Garnspule tragender Teil 2 [an Werkzeugmaschinen] Welle mit Gewinde, die das Werkzeug oder Werkstück dreht 3 Säule der Wendeltreppe 4 [Biol.] Hauptachse des Blütenstandes oder gefiederter Blätter 5 [allg.] Achse, Stange 6 [EDV] bestimmte Packungsform für Speichermedien (z. B. CD-ROM) in größeren Mengen; 25er-S.

© Wissen Media Verlag"

Hat das märchengläubig von mir angenommene „linsenförmige“ Gebilde nun einen eigenen Namen oder heißt es auch in der Gestalt „Spindel“? Das „bauchige“ kommt ja nur von dem darauf gewickelten Faden beim Spinnen.

Danke & Gruß,
Eva

Hallo Eva!

Wahrscheinlich beeinflusst von „Dornröschen“ und der „Schönen
Müllerstochter“ dachte ich bei „Spindel“ immer an ein
bauchiges, oben und unten zugespitztes Gebilde und habe erst
ziemlich spät begriffen, es handelt sich im Grunde um einen
zylinderförmigen Stab:

[…]

Hat das märchengläubig von mir angenommene „linsenförmige“
Gebilde nun einen eigenen Namen oder heißt es auch in der
Gestalt „Spindel“? Das „bauchige“ kommt ja nur von dem darauf
gewickelten Faden beim Spinnen.

meinst Du vielleicht die Spule?
Zumindest meine Mutter und Großmutter bezeichneten jedwede Form von aufgewickeltem Garn mit diesem Wort.

viele grüße
geli

Hallo Eva,

"Spin|del [f. 11] 1 [an Spinnrädern und Spinnmaschinen] die
Garnspule tragender Teil 2 [an Werkzeugmaschinen]

Wenn du dir mal eine Nähmaschine ansiehst, so ist der Unterfaden auf eine Spule gewickelt. Diese wiederum wird in die Spindel eingesetzt und beides dann in die Maschine.
Die Spule ist nur eine simple Garnaufbewahrung (daher auch die Spule auf der man Nähgarn kauft), die Spindel übernimmt die Garnführung und -spannung, damit die Maschine arbeiten kann.

Historisch gab es vor der Erfindung von Spinnrädern Handspindeln. Die hatten Ähnlichkeit mit der von Dornröschen und die gleiche Aufgabe wie heute in den Nähmaschinen, nämlich den Faden zu führen. Die Spindel wurde per Hand gedreht, die Fasern dadurch gesponnen, mühsam in kleinsten Stückchen (max. Hand bis Fußboden). Das Spinnrad war deshalb eine super Erfindung. Man konnte nun um ein vielfaches schneller Spinnen und außerdem den gesponnenen Faden zwirnen, was ihn fester machte und der Faden wurde nun feiner und gleichmäßiger. Beim Spinnen dreht sich das Rad immer in eine Richtung. Zum Zwirnen nimmt man zwei gesponnene Fäden und zwirnst sie mit gegenläufigem Rad. Daher auch der Begriff Zwirn für einen kräftigen haltbaren Faden.

Das ging nun etwas über die Spindel hinaus, ist in dem Zusammenhang aber sicher interessant.

Gruß Steffi

Hallo, Eva,
vor der Erfindung des Spinnrades wurde mit der Hand gesponnen. Dazu verwendete man einen Stab, der am unteren Ende ein Schwunggewicht , den Spinnwirtel, trug. Der Stab wurde in Drehung versetzt und nahm die verzwirnte Wolle/Flachs auf und wurde dadurch zur Spindel.

Geometrisch ist eine Spindel ja ein an beiden Enden zugespitzter Rundkörper.

Wie die Spinnerei mit der Hand, das Verzwirbeln der Fasern zum Zwirn, genau vor sich ging ist a.a.O. ausführlich beschrieben, aber noch besser ist es, wenn man es gezeigt bekommt. Hilfreich vielleicht diese Seite: http://www.handspinnen.de/spindel/spindel.html

Spinnwirtel gehören zu den häufigen archäologischen Fundstücken. Es sind meist Rundkörper aus Stein, die in der Mitte ein Locch aufweisen (zur Aufnahme des Stabes). Bilder von Spinnwirteln findest Du zuhauf bei der Google-Bildersuche.

Dieser Stab hatte meist wie ein Kreisel eine Spitze, damit er auch wenn er die Erde berührte sich weiterdrehen konnte. Das sollte jedoch nicht vorkommen („Langes Fädchen - faules Mädchen“ d.h. zu nachlässig regelmäßig aufzuwickeln). Sich an einer solchen „Spitze“ jedoch zu stechen, dazu bedurfte es schon besonderen Ungeschicks. (Was bei einer Königstochter, noch dazu mit dem Spinnen unvertraut, nicht Wunder nimmt.)

Kurz gesagt: Eine Spindel in dem von Dir gefragten Sinn ist ein Spinnstock (mit oder ohne Wirtel) zusammen mit dem aufgewickelten Faden.

Gruß
Eckard

eine Frage der Form :smile:
zu „Spindel“ das Meyers Konversationslexikon:
„Spindel, i. d. Verkleinerung Spindelchen, ein Wort, welches für Spille üblich ist, und so wie dieses sowohl d. Begriff der langen dünnen Spitze, als auch der Bewegung um seine Achse hat. – 1. Mit dem herrschenden Begriffe der langen dünnen Spitze ist die Spindel in vielen Fällen ein langer dünner, entweder an einem oder an beiden Enden zugespitzter Körper, von welcher Art die Spindel ist, deren man sich noch in einigen Gegenden, besonders Ober=Deutschlands, zum Spinnen bedient, welche ein spitz zulaufendes Hölzchen ist, das man zwischen den Fingern der rechten Hand herumdreht. Man gebraucht dieses Werkzeug um Flachs darauf zu spinnen, damit es einen feinen Faden erhält, so wie man fast alle feine Garne zu Spitzen und Zwirne auf dieser Spindel spinnt. Dieses Werkzeug ist ein gedreheter Stock, der anstatt des Rockens dient, woran der Flachs gewickelt wird, welcher gesponnen werden soll, unten ist ein Brettchen, welches auf kurzen Füßen ruht, befestiget, worauf die Spinnerin die Füße stellt, und damit den Wocken festhält. Mit der linken Hand zieht sie den Faden aus dem Flachse, welchen sie an die Spindel anlegt, und indem sie mit der rechten Hand die Spille umdreht, so dreht sie zugleich den aufgezogenen Faden, und nachdem derselbe so lang ausgezogen worden, als die Spinnerin mit der rechten Hand reichen kann, so wickelt sie den fertigen Faden auf die Spille, welche unten an dem einen Ende eine runde Scheibe hat, woran sich der aufgewickelte und gesponnene Faden anlegt, und die Spinnerin wickelt den gesponnenen Faden kegelförmig auf, und wenn die Spille voll ist, so zieht sie das Ganze leicht von der Spindel, und spinnt solche von neuem voll. Mit einer bewunderungswürdigen Geschwindigkeit wird der Faden mit der Spindel gesponnen, und dieses so fein als auf keinem Trittrade;“

Mir geht es um die Form. Was seht ihr vor euch, wenn ihr „Spindel“ hört: den „spindeldürren“, graden, zugespitzten Stab oder diese Katzenpupillenform zwischen kreisrund und ganz schmal: in der Mitte etwas breiter, bauchig halt, an beiden Enden spitz zulaufend? Ich nehme an, der Fachausdruck für letztere Form ist „lentikular“, also linsenförmig? Ich quäle mich grade mit der Übersetzung von etwas Unübersetzbarem und probiere herum. Sorry, wenn ich euch auf die Nerven falle…

Danke!
Eva

Hallo.

Hat das märchengläubig von mir angenommene „linsenförmige“
Gebilde nun einen eigenen Namen oder heißt es auch in der
Gestalt „Spindel“?

Der Biologe oder Mediziner verwendet für solche Formen ohne Gewissensbisse das Wort „spindelförmig“. Es dürfte also anzunehmen sein, dass Du, wenn Du von einer Spindelform redest, genau den gewünschten Assizo Asusi Azzuro [such Dir was aus, kosten alle dasselbe] Hintergrund erzeugst, nämlich

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Das meintest Du doch, oder?

Gruß Eillicht zu Vensre

@ alle: Danke…
…das hat mir geholfen, Klarheit zu gewinnen.

@ Eillicht: Unter einem „Bitschubser“ würden wir hier in der Stadt des „Bitte ein Bit“, einen Kellner verstehen :wink:))))

Grüßle,
Eva

volle Spindel
Hallo Eva,

Du hast sicher dasselbe Bild vor Augen wie ich, aus dem Märchenbuch. Und da ist
die Spindel bauchig. Aber das liegt daran, dass die Spindel voll ist – es ist
Faden darauf gewickelt. Und der liegt auf Grund des Aufwickelns in der Mitte der
Spindel dicker als an den Enden – daher die bauchige, „ellipsoide“ Form.

Gruß
Bolo2L