Liebe ExpertInnen,
zu folgendem Fall wüsste ich gerne Eure Meinung:
Ein Kunde hat Mitte Januar seinen seit drei Jahren bestehenden Vertrag mit seinem Fitnessstudio verlängert: 12 Monate Laufzeit, wird nicht automatisch verlängert, Jahresgebühr von 408,- EUR im Voraus zu zahlen.
Er trainiert zwei Monate und steht Ende März eines Tages plötzlich vor verschlossener Tür. Daran hängt ein Schild: Wegen Problemen mit der Wasserversorgung geschlossen.
Auf der Webseite des Studios dann eine ganz andere Begründung. Zitat:
"Der Vermieter, die Firma (…), hat einfach das Wasser abgestellt, nachdem das Insolvenzverfahren über den Hauptmieter eröffnet worden ist.
Die (Sportstudio-GmbH), mit der Euer Trainingsvertrag besteht, ist in den Räumen lediglich Untermieter. Sie hat sämtliche ihrer Mietzinsverpflichtungen laufend erfüllt und in den letzten Jahren die Miete direkt an den Hauseigentümer überwiesen. Wir haben keinerlei Veranlassung zu so einem Schritt gegeben. Wir sind auch bereit, in das bestehende Hauptmietverhältnis einzutreten. Wir haben aber den Eindruck, dass sich der Hausbesitzer in den Besitz von Räumen versetzen will, die erst der Mieter unter dem Einsatz von vielen Hunderttausend Euro in seinen heutigen Zustand versetzt hat. Nun sind wir und unsere Kunden Opfer von Methoden die wir von einem Vermieter nicht erwartet haben und die wir für inakzeptabel und unseriös halten. Wir bemühen uns, eine rechtliche Lösung zu finden und bitten unsere Kunden um etwas Geduld" Zitat Ende.
Als Ersatz-Trainingsmöglichkeit wird ein ca. 40 Min. (mit dem Fahrrad) entferntes Studio angeboten, das nicht im Entferntesten eine vergleichbare Ausstattung hat. Es handelt sich um eine kleine, triste, schmucklose Fabriketage in einem entlegenen Gewerbegebiet mit ein paar Standardgeräten (Laufband, Gewichtmaschinen, Freihanteln), das ist alles. Es werden keine Kurse angeboten (wo auch?), es gibt keine Sauna, nur eine Gemeinschaftsumkleide, die Duschen kosten 50 Cent (und eine davon ist auch noch kaputt).
Es gibt trotz der o.a. gegenteiligen Behauptung dennoch einige Anzeichen, dass der Besitzer kurz vor der Insolvenz steht:
- Der Angestellte am Tresen in dem Ersatzstudio, der aber normalerweise im anderen Studio arbeitet, antwortet auf die Frage „Seid ihr pleite?“: „Das steht noch nicht genau fest, weiß ich auch nicht.“
- Würde ein finanziell gesunder Sportstudiobesitzer auf einer Duschgebühr von 50 Cent bestehen, wenn er seinen Kunden einen solch minderwertigen Ersatz anbietet?
- Seit Monaten bleiben kleinere Reparaturen im Sanitärbereich aus (Urinal kaputt, eine Dusche ebenso)
- Es gäbe ungefähr ein halbes Dutzend andere Sportstudios in der unmittelbaren Umgebung mit vergleichbarer Ausstattung - warum wird dort kein Ersatztraining geboten?
Jetzt die Frage nach dem Kleingedruckten im Vertrag:
Sonderkündigungsrecht besteht im Falle eines Umzugs (d.h. des Mitglieds) mit einer Frist von drei Monaten. Ansonsten nur bei Schwangerschaft, Einberufunng zur Bundeswehr, dauerhafte Trainingsunfähigkeit wg. Krankheit, Unfall, Verletzung usw.
Frage: Besteht eine Möglichkeit, unter diesen Umständen dennoch von dem Vertrag zurückzutreten und sein Geld für die restlichen zehn Monate anteilig wiederzubekommen?
Danke für eventuelle Antworten!