Sprache als Maschine

Moin, moin!

Ich hab mal die These aufgeschnappt, dass die Sprache eine Maschine sei.

Weiß jemand, wer sie vertritt?
Oder welche Theorie der Sprache diese These impliziert?

Kann es sein, dass Peirce damit was zu tun hat?

Gruß Eddie.

http://drpalm.toonster.de/seite3.htm
siehe V. Postliterare Welt

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Automatentheorie
Hallo Eddie,

Ich hab mal die These aufgeschnappt, dass die Sprache eine
Maschine sei.

Oje, da gehts aber arg durcheinander. Nicht die Sprache ist eine Maschine bzw. Automat, vielmehr entsprechen Sprachen jeweils einem Automaten, der in der Lage ist, beliebige Zeichenfolgen als syntaktisch richtig zu akeptieren bzw. zurückzuweisen. Das betrifft zunächst mal formale Sprachen (= Programmiersprachen), kann aber auch auf natürliche Sprachen angewandt werden.

Such mal nach Automatentheorie, Chomsky-Hierarchie, Turing-Maschine etc.

http://de.wikipedia.org/wiki/Automatentheorie
http://de.wikipedia.org/wiki/Chomsky-Hierarchie
http://de.wikipedia.org/wiki/Turingmaschine

Grüße
Wolfgang

Hallo Wolfgang,

zunächst einmal Dank besonders für den Hinweis auf Chomsky.

Oje, da gehts aber arg durcheinander. Nicht die Sprache ist
eine Maschine bzw. Automat, vielmehr entsprechen Sprachen
jeweils einem Automaten, der in der Lage ist, beliebige
Zeichenfolgen als syntaktisch richtig zu akeptieren bzw.
zurückzuweisen.

Worin soll genau der Unterschied liegen zwischen erstens eine Maschine sein und zweitens einem Automaten entsprechen?

Oder liegt Deine Betonung eher auf dem Akzeptieren des syntaktisch richtigem? Dann beträfe es aber nicht mehr natürliche Sprachen, weil deren Besonderheit grob gesagt m.E. in der semantischen Unschärfe bzw. Nicht-Eindeutigkeit liegt.

Das betrifft zunächst mal formale Sprachen (=
Programmiersprachen), kann aber auch auf natürliche Sprachen
angewandt werden.

Gerade die natürlichen Sprachen interessieren mich dabei. Die Verbindung von formalen Sprachen und Maschinen erscheint mir eher unproblematisch. Mich interessiert eher die Frage, wie man eine natürliche Sprache mit ihren semantischen und z.T. auch syntaktischen Mehrdeutigkeiten als Maschine auffassen kann. Oder handelt es sich bei einer solchen These (Sprache als Maschine) einfach um das Ideal von (angelsächsischen) Sprachphilosophen, die hoffen, durch die Formalisierung der Sprache den Weg zur Wahrheit zu finden?

Gruß Eddie.

Hallo Eddie,

Worin soll genau der Unterschied liegen zwischen erstens eine
Maschine sein und zweitens einem Automaten entsprechen?

Der Automat ist der Algorithmus, die Verarbeitungsvorschrift. Die Sprache ist der Input für den Automaten.

Oder liegt Deine Betonung eher auf dem Akzeptieren des
syntaktisch richtigem?

Ja.

Dann beträfe es aber nicht mehr
natürliche Sprachen, weil deren Besonderheit grob gesagt m.E.
in der semantischen Unschärfe bzw. Nicht-Eindeutigkeit liegt.

Es ist eine alte Diskussion, wie weit sich die Syntax von der Semantik abstrahieren lässt.

Immerhin kann man es ja für bestimmte Zwecke als ausreichend erachten, dass sich die syntaktische Wohlgeformtheit von natürlichsprachlichen Aussagen unabhängig von deren Sinnhaftigkeit überprüfen lässt, vgl. Chomskys berühmtes Nonsense-Beispiel „Colorless green ideas sleep furiously“.

Andererseits könnte man darüber philosophieren, ob sich ein derartiger Spracherkennungsautomat nicht so erweitern ließe, dass er auch semantische Informationen mitverarbeitet.

Mich interessiert eher die Frage, wie
man eine natürliche Sprache mit ihren semantischen und z.T.
auch syntaktischen Mehrdeutigkeiten als Maschine auffassen
kann.

Dann lies dich mal unter dem Stichwort Turing-Maschine ein. Die Literatur dazu beschäftigt sich genau mit dieser Frage.

Oder handelt es sich bei einer solchen These (Sprache
als Maschine) einfach um das Ideal von (angelsächsischen)
Sprachphilosophen, die hoffen, durch die Formalisierung der
Sprache den Weg zur Wahrheit zu finden?

Ich glaube schon, dass das der Ausgangspunkt der These war, aber derart vereinfachte Modelle vertritt heute in der Sprachwissenschaft bzw. -philosphie niemand mehr ernsthaft.

Grüße
Wolfgang

Moin Wolfgang,

Worin soll genau der Unterschied liegen zwischen erstens eine
Maschine sein und zweitens einem Automaten entsprechen?

Der Automat ist der Algorithmus, die Verarbeitungsvorschrift.
Die Sprache ist der Input für den Automaten.

Ich verstehe immer noch nicht, wo deiner Meinung nach der Unterschied liegen soll. Immerhin besteht ein Algorithmus aus einer formalen Sprache, die, um den sprachlichen Input verarbeiten zu können, einer Logik gehorchen muss, die in der Lage ist, die Logik der Inputsprache zu reflektieren, damit der Output Information enthalten kann.

Mich interessiert eher die Frage, wie
man eine natürliche Sprache mit ihren semantischen und z.T.
auch syntaktischen Mehrdeutigkeiten als Maschine auffassen
kann.

Dann lies dich mal unter dem Stichwort Turing-Maschine
ein. Die Literatur dazu beschäftigt sich genau mit dieser
Frage.

Da muss ich dir widersprechen. Gerade mit natürlichen Sprachen kann eine Turing-Maschine nicht arbeiten. Denn es ist gerade für eine Turing-Maschine wesentlich, dass sie durch einen Algorithmus beschrieben werden kann. Oder anders ausgedrückt: Jede Turing-Maschine ist ein Algorithmus; und jeder Algorithmus lässt sich durch eine Turing-Maschine darstellen. Und ein Algorithmus kann nur aus einer formalen Sprache bestehen, die notwendig keine Mehrdeutigkeiten enthalten darf.

Dank und Gruß Eddie.