Sprachebenen in französisch !HILFE!

hi ihr alleswisser *gg*

ich halte übermorgen in französisch einen vortrag über die sprachebenene wie z.b. die umgangssprache. war in der bibliothek und habe im inet gesucht und nix gefunden. muss mich nun an euch wenden. habe überhaupt keine ahnung was ich dazu sagen kann. hat einer von euch ahnung was man dazu schreiben kann oder hat einer eine seite mit material? würde mich echt erleichtern. danke im vorraus!

mfg ramil

Vielleicht solltest Du es in Richtung Dialekte
und regionale Unterschiede vertiefen ?

Z.B.
Provencialisch, bretonisch etc.

Gruß

Merkur

Hallo Ramil,

weit weg von „Alles“, aber vielleicht eine Anregung - allerdings mit Vorsicht zu genießen, weil nicht von einem Linguisten, Philologen oder native speaker, sondern bloß von einem Fän:

Kürzlich (frag mich wo, jedenfalls nicht bei Wickert) gelesen: „Es gibt vier Gruppen von Franzosen - den Bauern, den Landedelmann, den Bourgeois und den Pariser“. Letzteren könnte man vielleicht noch differenzieren in (a) Bewohner des 1.-9. arrondissements, vielleicht noch das 5. extra; (b) alles ab dem 10. © „Ceinture rouge“ von Ivry bis Villejuif (d) alle anderen Cités (e) der Rest der banlieue und (f) die „jeunes loups“ von la Défense.

Im Gegensatz zu Deutschland sind die regionalen Dialekte so gut wie ausgestorben, es gibt nur noch ganz paar Eigenarten (z.B. Auvergnat, Lyonnais) und eine grobe Nord/Süd-Differenzierung, der Süden unter dem Einfluss des Okzitanischen.

Die bretonischen Sprachen (heute ersetzt durch ein etwas artifizielles Gallo, das so ähnlich originär bloß in einem kleinen Teil der Bretagne gesprochen wurde), Baskisch, das Vlaams der Ch’tis von Lille und die verschiedenen Okzitanischen Sprachen darf man vernachlässigen, zumal sich die Frage auf Sprachebenen bezieht. Das Elsässer Alemannisch wird eher noch gesprochen.

Nach diesem vagen Rundumschlag ein paar Sprachebenen (ohne jeden Anspruch auf Vollständigkeit):

Die Standardsprache, die im Gegensatz zum deutschen Sprachraum eindeutig durch die zuständige Instanz der Académie Francaise definiert ist. Von dieser eventuell abgrenzbar die etwas altertümelnde Kanzleisprache von Notaren, Anwälten, gehobenen Exekutivorganen und dergleichen einerseits und die Sekretärinnensprache andererseits, die, obwohl nicht familier oder argotique, zunehmend auf Grammatik verzichtet (z.B. einheitliche Schreibung aller Verbendungen, die auf ein langes „e“ enden, mit dem Infinitiv, oder auch „zur Vorsicht“ als „-ez“). Ferner eine eigentlich korrekte Standardsprache, die aber auch schriftlich ohne passé simple auskommt und bei der der subjonctif selten wird.

Zwischen dieser und dem Argot etwas, was man wohl „familier“ nennen kann.

Im Argot, der sich wie jede Umgangssprache ständig weiter entwickelt, unterscheiden sich die Tendenzen (wie dieses auch in Deutschland stattfindet) nach Subkulturen von Jugendlichen. Zwei Extreme sind die Beurs aus den Cités und die „jeunes loups“ von la Défense, die sich der Weiterentwicklung des in den 1960er Jahren entstandenen und eher spöttisch so genannten „Héxagonal“ widmen.

Soweit ein paar Fährten zum Einstieg.

Schöne Grüße

MM

danke euch!

ihr habt mir den entscheidenden tipp gegeben!
werde mich immer an euch wenden wenn ich nicht weiter weiß!

mfg ramil :smile:

Hallo Martin,

also, im Allgemeinen gehöre ich ja ob Deines Wissens speziell zu Frankreich zu Deinen Bewunderern (oder Bewunderinnen?), aber hier mmuss ich widersprechen:

die Sekretärinnensprache andererseits, die, obwohl nicht familier
oder argotique, zunehmend auf Grammatik verzichtet (z.B.
einheitliche Schreibung aller Verbendungen, die auf ein langes
„e“ enden, mit dem Infinitiv, oder auch „zur Vorsicht“ als
„-ez“). Ferner eine eigentlich korrekte Standardsprache, die
aber auch schriftlich ohne passé simple auskommt und bei der
der subjonctif selten wird.

Wo kommt denn das her? Was die Verbendungen betrifft, ist das einfach nur ein typisch muttersprachlicher Fehler, weil man phonetisch denkt - machen sehr viele Franzosen, auch mit höherer Bildung. Merkt man an sich selber, wenn man gut franz. spricht - je besser, desto eher passiert einem sowas, wenn man schnell mal was aufschreibt. Deswegen ist es trotzdem falsch, und wird auch nicht als stillschweigende Entwicklung der Sprache anerkannt. Guten Sekretärinnen sollte so etwas nicht passieren.

Was den Subjonctif betrifft, den kann man ja nicht einfach abschaffen, oder sich gegen den Gebrauch wehren, da er einfach mit bestimmten Präpositionen steht. Da kann man nicht sagen, der Subjonctif wird freiwillig stilistisch nicht mehr gebraucht, weil er halt nicht nur ein Stilmittel ist - wenn ich sans que, pour que etc. benutze, steht er einfach, Punkt. Egal, auf welcher Sprachebene.

Das Passé Simple wird auch nur in bestimmten Situationen benutzt (Erzählmodus in der Vergangenheit, Verknüpfung verschiedener Zeitebenen), und Korrespondenz gehört einfach nicht zu diesen Situationen.

So, das wollte jetzt einfach raus…

Trotzdem viele liebe Grüße,
Lisa

Hallo Lisa,

das ist jetzt so eine Sache: Zur Frage, wann ein Fehler aufhört ein Fehler zu sein und anfängt, Element einer Entwicklung zu werden, sind im Deutsch-Brett von Berufeneren als mir schon viele Standpunkte zu lesen gewesen - so recht definieren kann man die Grenze wohl nicht.

Es ist sicherlich ziemlich gewagt bis heroisch, die Fehler, die aus Flüchtigkeit oder auch vor dem Hintergrund einer eingeschränkten oder zu anderen Schwerpunkten übergegangenen Schulbildung gemacht werden, kurzerhand zu einer eigenen „doch nicht so sehr falschen“ Sprachebene zu erklären.

Andererseits kann man eben erst im Nachhinein sagen, was tatsächlich Teil einer Entwicklung war: Wenn man nämlich weiß, wohin sie geführt hat oder auch nicht.

Wann haben die Töchter von Mutter Latein angefangen, etwas anderes zu sein als eben falsches Legionärslatein? Amerikanisch etwas anderes als stellenweise falsches Englisch?

Obwohl Mehrheit kein Indiz für Richtigkeit ist (eher im Gegenteil, leider), kommt es mir so vor, als nähmen die „phonetischen Fehler“ der im jeweiligen Zusammenhang falschen -er und neuerdings -ez-Endungen stark zu, und zwar ziemlich analog zu der Verschiebung von der papierschriftlichen zur Kommunikation per courriel, die irgendwo zwischen mündlichem und schriftlichem Ausdruck hängt. Das -ez erbost mich besonders, weil es ein Element von neuentdeckter Untertänigkeit enthält: Parallel dazu das, wie ich meine erst seit ein paar Jahren im Deutschen auftretende falsch großgeschriebene „Sie“ in den seltsamsten Zusammenhängen. („Bitte stellen Sie vor dem Einlagern der Behälter unbedingt sicher, dass Sie gleichmäßig und fehlerfrei abgefüllt sind“).

Wenn jemand, der sich an den „Imzweifelsfallinfinitiv“ gewöhnt hat (kein Legastheniker, und wohnhaft seit Generationen im Herzen Frankreichs - Essonne -) etwas besonders amtlich formulieren will - hier ein Text, der hundertfach als vorgeschriebene CE-Gebrauchsanleitung für Schutzkleidung publiziert werden wird - gibt er wieder großzügig ein paar mehr konjugierte Endungen zu, vor mir liegt grade:

"L’utilisation de ces produits est destinés à des personnes compétentes et ayant subit une formation appropriée.

Ne pas utilisé sans la veste de protection." etc.

– Das passé simple in der auch mündlichen Erzählung zu hören, in Differenzierung der Erzählung zum passé composé in der bloßen Nachricht „der und der hat dieses und jenes getan“, genieße ich jedes Mal bei dem einzigen mir persönlich bekannten Franzosen, der dieses ohne jede Anstrengung beherrscht. Der hat uns allerdings auch gezeigt, wo er als Bub bei der deutschen Kommandatur den Passierschein holen musste, wenn er seine Großeltern auf der anderen Seite der Demarkationslinie besuchen wollte; ganz jung ist er demnach nicht mehr. Auch hier also: Falsch bleibt falsch, aber ich kann mir schon vorstellen, daß eine Veränderung von Quantitäten im Zeitablauf eine Entwicklung ausmacht.

Die Grenze vom Fehler zur „anderen Ebene“ ist im Französischen sicherlich enger als im Deutschen und dort enger als im Englischen. Trotzdem glaube ich, dass sich einiges heute noch Falsche in irgendwieviel Zeit als auch richtige „andere Möglichkeit“ etablieren wird, tant pis. Prognosen darüber, was das im einzelnen sein wird, mag ich allerdings nicht wagen.

Schöne Grüße

MM

Hallo Martin!

Obwohl Mehrheit kein Indiz für Richtigkeit ist (eher im
Gegenteil, leider), kommt es mir so vor, als nähmen die
„phonetischen Fehler“ der im jeweiligen Zusammenhang falschen
-er und neuerdings -ez-Endungen stark zu, und zwar ziemlich
analog zu der Verschiebung von der papierschriftlichen zur
Kommunikation per courriel, die irgendwo zwischen mündlichem
und schriftlichem Ausdruck hängt.

Ich würde noch die SMS dazunehmen. Die falschen -er- und -ez-Endungen fallen mir in einem französischen Forum, in dem ich bin (die meisten dort sind Jugendliche oder in ihren Zwanzigern), auch regelmäßig auf. Viele dort schreiben SMS-Sprache, also „phonetisch“. Wenn man ständig Sätze wie „K C bo“ schreibt (bin mir bei dem Beispiel nicht sicher, es geht aber um die Richtung), ist klar, dass man -er und -ez nicht mehr auseinanderhalten kann. Denen ist die Rechtschreibung offensichtlich egal, wenn sie doch gebeten werden, bitte normales Französisch zu schreiben, geloben sie zwar Besserung, das war’s aber auch. Noch gibt es dort einige, die häufig auftretende Fehler korrigieren, aber das ist eine Minderheit. Wenn man dazu übergeht, zu schreiben wie man spricht, schleichen sich logischerweise dann Fehler ein.

MfG
Car