Sprachfehler durch Synchronisation?

Hai, Sprachauskenner,

in den letzten Jahren erscheint es mir immer schwieriger zu werden, Kindern und Jugendlichen den Unterschied und richtigen Gebrauch von z.B. ihm und ihn klarzumachen - also daß es z.B. „Ich schlage ihn“ und nicht „Ich schlage ihm“ heißt…

Nun ist mir gestern beim Fernsehen aufgefallen, daß die Lippenbewegungen in synchronisierten Filmen bei dem Satz „Ich schlage ihn“ am Ende auf ein „m“ schließen lassen („I hit him“ im Orginal)…

…und da Kinder ja Sprache auch durch abkucken lernen, frag ich mich jetzt, ob das wohl damit zusammenhängt.

Weiß da irgendwer was? Gibt es dazu überhaupt irgendwas zu wissen, oder hab ich da 'ne völlig hanebüchene Idee produziert?

Gruß
Sibylle

Hai, Sprachauskenner,

in den letzten Jahren erscheint es mir immer schwieriger zu
werden, Kindern und Jugendlichen den Unterschied und richtigen
Gebrauch von z.B. ihm und ihn klarzumachen - also daß es z.B.
„Ich schlage ihn“ und nicht „Ich schlage ihm“ heißt…

Sagt man nicht von (richtigen) Berlinern, daß sie das immer falsch machen würden?

Nun ist mir gestern beim Fernsehen aufgefallen, daß die
Lippenbewegungen in synchronisierten Filmen bei dem Satz „Ich
schlage ihn“ am Ende auf ein „m“ schließen lassen („I hit him“
im Orginal)…

…und da Kinder ja Sprache auch durch abkucken lernen, frag
ich mich jetzt, ob das wohl damit zusammenhängt.

Ich kann mir kaum vorstellen, daß ein Kind in dem Alter, in dem es noch nicht richtig sprechen kann, schon auf Lippenbewegungen im Fernsehen achtet.

Hallo Sybille,

schlimmer finde ich, dass Wendungen falsch und gleich vollständig aus der englischen Sprache in die deutsche übersetzt werden:

Es macht Sinn (makes sense)
Etwas erinnern (to remember sth)

etc.

Ich erwische mich selbst dabei, dass mir sowas gelegentlich rausrutscht…

Dass Kinder wirklich exakt auf die Lippenbewegungen achten, glaube ich nicht. Der Einfluss von hoffentlich korrekt sprechenden Eltern macht das doch mehr als wett.

Gruß
Ramona

Hallo, Ramona!

schlimmer finde ich, dass Wendungen falsch und gleich
vollständig aus der englischen Sprache in die deutsche
übersetzt werden:

Es macht Sinn (makes sense)

Diese Übersetzung macht durchaus Sinn. Bei der Synchronisation müssen eben auch die Mundbewegungen berücksichtigt werden - und genau das macht diese Art von Übersetzung so schwierig. Insbesondere Labial-Laute wie „p“ oder „m“ in „makes“, die man halt so deutlich sieht , müssen (bei Großaufnahmen) in der deutschen Version unbedingt beibehalten werden. Stell dir mal vor, wie lächerlich das ausgesehen hätte, wenn der Sprecher anstatt „Es macht Sinn“ „Das leuchtet mir ein“ gesagt hätte. Du hättest dich noch viel mehr aufgeregt…

Etwas erinnern (to remember sth)

Okay, da würde es sich vielleicht lohnen, etwas besseres zu suchen. Aber das ist leichter gesagt als getan. Versuch doch mal… gar nicht so einfach, nicht wahr?

Gruß,
Benjamin

Hallo, Ramona!

schlimmer finde ich, dass Wendungen falsch und gleich
vollständig aus der englischen Sprache in die deutsche
übersetzt werden:

Es macht Sinn (makes sense)

Diese Übersetzung macht durchaus Sinn. Bei der Synchronisation
müssen eben auch die Mundbewegungen berücksichtigt werden -
und genau das macht diese Art von Übersetzung so schwierig.
Insbesondere Labial-Laute wie „p“ oder „m“ in „makes“, die man
halt so deutlich sieht , müssen (bei Großaufnahmen) in
der deutschen Version unbedingt beibehalten werden. Stell dir
mal vor, wie lächerlich das ausgesehen hätte, wenn der
Sprecher anstatt „Es macht Sinn“ „Das leuchtet mir ein“ gesagt
hätte. Du hättest dich noch viel mehr aufgeregt…

Etwas erinnern (to remember sth)

Okay, da würde es sich vielleicht lohnen, etwas besseres zu
suchen. Aber das ist leichter gesagt als getan. Versuch doch
mal… gar nicht so einfach, nicht wahr?

Sicher nicht einfach, aber nicht zu vermeiden, da es nicht angeht, der Einfachheit halber sprachlich falsche Ausdrücke und Redewendungen zu schaffen.

Sicher nicht einfach, aber nicht zu vermeiden

es ist durch untertitel zu vermeiden. dadurch werden nicht nur deutschverhunzungen sondern auch noch englischdefizite vermieden.

schöne seite
http://uebersetzungsfallen.de/stilblueten.html

»Als sie die Leiche gefunden haben, war sie da schon tot?«

dataf0x

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Sagt man nicht von (richtigen) Berlinern, daß sie das immer
falsch machen würden?

Naja, das war mal zu Zilles Zeiten so. Inzwischen ist das eher Legende. Unsichere Grammatik und falsches Deutsch überhaupt scheint doch in weniger gebildeten Schichten in allen Städten und Dörfern vorzukommen.
Aber ich denke auch, dass die Synchron-Verantwortlichen einfach im Sprach-Niveau abgesunken sind. Ich höre öfters „richtig schön falsches Deutsch“ bei symchronisierten Fernsehfilmen; z.B. neulich „Eß!“ statt „Iß!“
Gruß,
Branden

Moin, Sibylle,

da Kinder von Gehörlosen das Gebärden ebenso leicht erlernen wie das normale Sprechen, schließen die Wissenschaftler nicht aus, dass zum Spracherwerb auch das Beobachten der Mundbewegungen beitragen könnte. In Spektrum der Wissenschaft war vor kurzem ein Artikel, der die Unterschiede in den Hirnregionen bei Affe und Mensch darstellt, die bei Handbewegungen aktiv werden. Dabei fiel auf, dass Bewegungen und beobachtete Bewegungen die gleichen Areale aktivieren - und beim Menschen läuft genau hier auch das Sprechen sowie das stumme Sprechen ab.

Dass sich Kinder jedoch Sprachfehler vom Fernseher besorgen, glaube ich nicht. Als Trainer für Mundbewegungen ist der zweidimensionale Bildschirm kaum zu gebrauchen.

Gruß Ralf

Hallo Banjamin,

Ostlandreiter und Datafox haben das Wesentliche ja schon gesagt.

Diese Übersetzung macht durchaus Sinn.

Nein! Wie unten schon geschrieben, ist das einfach nicht richtig. Es geht hier nicht um Feinheiten der Übersetzungskunst oder darum, wie Nuancen wiedergegeben werden - erwartet ja auch niemand von Hollywoodfilmen. Allerdings gibt es die Wendung „Sinn machen“ einfach im Deutschen nicht! Was macht man mit „umbrella“? Es gibt leider keine deutsche Alternative wie „Ambrälla“, es muss „Schirm“ heißen. Erfindet man deshalb also ein neues Wort „Ambrälla“?

Am schlimmsten jedoch ist, dass offenbar kaum noch jemand merkt, dass es sich um falsche Wendungen handelt und sie auch im eigenen Wortschatz führt (Du scheinst auch ein Opfer zu sein).

Etwas erinnern (to remember sth)

Okay, da würde es sich vielleicht lohnen, etwas besseres zu
suchen. Aber das ist leichter gesagt als getan. Versuch doch
mal…

Ist nicht mein Job, ich gehe davon aus, das die Menschen, die sich damit beschäftigen, auch qualifiziert sind. Außerdem muss ich Datafox ausnahmsweise mal recht geben: das sind Argumente gegen Synchronisation. Andere Länder kommen prima ohne aus und die Ansässigen haben in der Regel dadurch auch weniger Probleme, Englisch zu lernen und richtig auszusprechen.

Gruß
Ramona

hi benjamin,

eben nicht: es hat sinn, ergibt einen sinn oder ist sinnvoll. aber niemals macht es sinn.
das ist schlechtes deutsch.
das stellt doch dem fritz die nackenhaare auf.

strubbel
S:open_mouth:)

Hai, Ostlandreiter,

Sagt man nicht von (richtigen) Berlinern, daß sie das immer
falsch machen würden?

Frechheit! Ick bin richtija Berlina - und ick mach jaanüscht falsch! Nur dit dit mal kla is… *grummel*

Ich kann mir kaum vorstellen, daß ein Kind in dem Alter, in
dem es noch nicht richtig sprechen kann, schon auf
Lippenbewegungen im Fernsehen achtet.

Ich meinte auch kein bewußtes Drauf-Achten, sondern eher frühzeitiges Falsch-Lernen … aber mir ist inzwischen aufgegangen, daß ich das falsche Brett gewählt habe, da sich die Frage doch eher um frühkindliche Sprachentwicklung dreht…

Gruß
Sibylle

Hai, Datenfuchs,

schöne seite
http://uebersetzungsfallen.de/stilblueten.html

die sind ja auch schön - kommen aber immer noch nicht an meine Favoriten
„Ich bekomme ein Schnitzel“ - „I became a Schnitzel“ und
„Eventually we all die“ - „Eventuell werden wir alle sterben“
ran…

Gruß
Sibylle

Hai, Ramona,

Es macht Sinn (makes sense)
Etwas erinnern (to remember sth)

Ich erwische mich selbst dabei, dass mir sowas gelegentlich
rausrutscht…

Stimmt - passiert mir auch gelegentlich - füüürchterlich!

Dass Kinder wirklich exakt auf die Lippenbewegungen achten,
glaube ich nicht. Der Einfluss von hoffentlich korrekt
sprechenden Eltern macht das doch mehr als wett.

Ich erwähnte weiter unten schon, daß ich eigentlich auf frühkindliche Sprachentwicklung aus war - aber da hab ich mich im Brett vergriffen…

Gruß
Sibylle

Hai, Ralf,

da Kinder von Gehörlosen das Gebärden ebenso leicht erlernen
wie das normale Sprechen, schließen die Wissenschaftler nicht
aus, dass zum Spracherwerb auch das Beobachten der
Mundbewegungen beitragen könnte. In Spektrum der
Wissenschaft war vor kurzem ein Artikel, der die Unterschiede
in den Hirnregionen bei Affe und Mensch darstellt, die bei
Handbewegungen aktiv werden. Dabei fiel auf, dass Bewegungen
und beobachtete Bewegungen die gleichen Areale aktivieren -
und beim Menschen läuft genau hier auch das Sprechen sowie das
stumme Sprechen ab.

Ich halte das eigentlich für ziemlich wahrscheinlich - wegen der instinktiv gesteuerten Aktionen der Erwachsenen…
Ähnlich, wie alle Erwachsenen der Welt, sobald man ihnen einen Säugling in die Hand drückt und sie sich dem Kind zuwenden, automatisch die Entfernung einnehmen, in der das Baby sieht, mit höherer Stimme sprechen und sich wiederholende Silben von sich geben („Gugugu…“), scheint es einen Instinkt für das Vormachen von richtiger Aussprache zu geben. Nach dem, was ich bisher beobachten konnte, sieht das so aus: der Erwachsene hebt den Kopf an, wendet sich frontal dem Kind zu und spricht mit betonten Lippenbewegungen -das Kind schließt nicht etwa die Augen, um ohne Ablenkung lauschen zu können, sondern starrt wie gebannt auf den Mund des Erwachsenen und oft bewegen sich die Lippen stumm mit…

Dass sich Kinder jedoch Sprachfehler vom Fernseher besorgen,
glaube ich nicht. Als Trainer für Mundbewegungen ist der
zweidimensionale Bildschirm kaum zu gebrauchen.

Gerade weil der Fernseher als Sprachtrainer untauglich ist, trotzdem aber immer mehr Kinder immer früher und immer mehr Fernsehen konsumieren (ich sag nur Tele-Tubbies), hab ich ihn ja im Verdacht…

Gruß
Sibylle
(die jetzt aber mit ihren Überlegungen in ein NaWi-Brett umzieht…)

Hallo, Ramona!

Nein! Wie unten schon geschrieben, ist das einfach nicht
richtig. Es geht hier nicht um Feinheiten der
Übersetzungskunst oder darum, wie Nuancen wiedergegeben werden

  • erwartet ja auch niemand von Hollywoodfilmen. Allerdings
    gibt es die Wendung „Sinn machen“ einfach im Deutschen nicht!

Okay, in der Schweiz braucht man die Wendung „das macht Sinn“ sehr häufig, deshalb bin ich in die Falle getappt.

Diese Übersetzung macht durchaus Sinn.

Ich wollte damit nur sagen, dass es eine einfache Erklärung gibt, wieso der Übersetzer diese Variante gewählt hat.

Was macht man mit „umbrella“? Es gibt leider keine deutsche
Alternative wie „Ambrälla“, es muss „Schirm“ heißen. Erfindet
man deshalb also ein neues Wort „Ambrälla“?

Niemand sagt in einem Film lediglich „Umbrella“. Auch die Satzstellung bietet viel Spielraum…

ich gehe davon aus, das die Menschen, die
sich damit beschäftigen, auch qualifiziert sind.

Zu dieser Qualifikation gehört auch die Fähigkeit, Entscheidungen zu fällen. Auch bei falschen Übersetzungen - welche ich hiermit keinesfalls verteigen möchte - kannst du davon ausgehen, dass sich da jemand etwas gedacht hat. Zudem stehen Übersetzer in aller Regel unter enormem Zeitdruck; man kann einfach nicht eine halbe Stunde für zwei Wörter aufwänden. Es wird überall nur mit Wasser gekocht…

Gruß, Benjamin