Sprachgeschichte - Namensfindung

Hallo,
ich bin mir nicht sicher, ob meine Frage besser bei Geschichte oder bei Sprachwissenschaften aufgehoben ist - ich probeirs erst mal hier.

Wie kam es dazu, dass sich alle Menschen sich auf einen Namen für geographische oder auch andere Objekte geeinigt haben.
Der Rhein z.B mit seinen paar Hundert Km Länge. Da leben ja seit Urzeiten Menschen dran und ich stelle mir vor, dass zuerst jede Sippe einen eigenen Namen für den Fluss hatten, der in der Nähe des Bodensees erst mal ein anderer war als zB in der Nähe von Köln.

Wie kann ich mir das geschichtlich vorstellen? Gibt es noch andere überlieferte Namen, die sich nicht durchsetzen konnten?

liebe Grüße
Manfred

Hallo Manfred,

das Stichwort heißt „Flurnamen“.

Vielleicht findest Du hier und in den weiterführenden Links etwas:

http://www.flurnamen.uni-bonn.de/index.html

Grüße,

I.

Flussnamen: rei-no, Rhenos, Rhein
Hallo, Manfred

„… Als die dauerhaftesten und altertümlichsten unter allen Eigennamen, dauerhafter als
Siedlungsnamen und altertümlicher selbst als Gebirgsbezeichnungen, haben sich die
Gewässernamen erwiesen. Sie sind in weitesten Teilen Europas die frühesten Zeugen
menschlicher Geschichte und Daseinsführung. (Hans Krahe) …“
http://www.di-sein.de/lino/pro/teilII.php

Doris Marszk: rei-no – Rhenos – Rhein: Wie die Flüsse zu ihren Namen kamen
„Warum heißt der Rhein „Rhein“? – Weil er ein Fluss ist. Denn „Rhein“ bedeutet tatsächlich einfach nur
„Fluss“ oder „Strom“, allerdings in einem sehr, sehr alten Sprachzustand. …“
http://www.tuev-nord.de/downloads/explore2007-01.pdf

„Der Rhein ist ein Zufluss der Aare, denn die Aare führt mehr Wasser. Dennoch heisst der vereinigte Fluss
Rhein. Welcher Flussname setzt sich durch? …“
http://www.geography.unibe.ch/lenya/giub/live/about/…
artikel_348779.pdf

Matthew H. Volm: Ist der Flussname Rhein keltischen Ursprungs? University of Virginia Press

Gruss
Adam

Wie kam es dazu, dass sich alle Menschen sich auf einen Namen
für geographische oder auch andere Objekte geeinigt haben.
Der Rhein z.B mit seinen paar Hundert Km Länge. Da leben ja
seit Urzeiten Menschen dran und ich stelle mir vor, dass
zuerst jede Sippe einen eigenen Namen für den Fluss hatten,
der in der Nähe des Bodensees erst mal ein anderer war als zB
in der Nähe von Köln.

Einer der meist „namensbereinigende Effekte“ war mit Sicherheit die kriegerische Auseinandersetzung. Das gab es ja schon in der Steinzeit, und wenn man seine Nachbarn entsprechend ausgerottet hatte, war natürlich auch der von ihnen verwendete Name für den Fluß, an dem beide lebten, verschwunden.
In ähnlicher Weise funktionierte das auch sicher während der Völkerwanderung. Als Stämme mit einer einheitlichen Sprache erst einmal ein größeres Gebiet besiedelten, setzte sich auch nur der Name für diesen Fluß durch, der in dieser Sprache verwendet wurde. Die Verlierer hatten selten das Recht, die eigene Sprache als Hauptsprache durchzusetzen. Und irgendwann veränderte sich die Sprache und der alte Name war eben nur noch Name. Und ein besonderer Effekt trat ein, wenn die „Eroberer“ gemischter Nationalität waren, also nicht die gleiche Sprache sprachen. Dann wurden z.T. ältere Bezeichnungen der Besiegten übernommen.
Beispiele:
Rhein

‚Panta rhei‘ - ‚Alles fließt‘
Hallo Manfred,

so kann man sich erschließen, dass Rhein vermutlich schlicht „Fluß“ bedeutet.

Übrigens dürfte auch die (Dach)-Rinne bzw. das „Rinnsal“ eine Verwandtschaft zum „Rhein“ bzw. haben.

Orts - und Flurnamensforschung ist etwas Hochspannendes, denn es sagt etwas aus über die Siedler, die dort gewohnt haben. So ist z.B. der Name der Stadt „Köln“ bekanntlich einer der zahlreichen Namen, die sich aus der lateinischen Sprache der römischen Siedler herleite („Colonia“ („Kolonie“) -> „Köln“.) Allerdings sind viele der Vororte von Köln Ortschaften der späteren Franken (z.B. „Merheim“ „Mauenheim“ usw.) Die Endung „-heim“ ist typisch Fränkisch, während die Endung „-hausen“ (wie in „Mühlhausen“) eher alemannisch ist. Die Endung „-ing“ (wie in „Straubing“ oder „Dingolfing“ ) ist bairisch bzw. bajuwarisch.

Übrigens soll einer Theorie zufolge ein großer Teil der Orts- und Gewässernamen auf das Urbaskische („Vaskonische“) zurückgehen:

http://www.spektrumverlag.de/artikel/828702

Gruß Jasper.

Wie kann ich mir das geschichtlich vorstellen? Gibt es noch
andere überlieferte Namen, die sich nicht durchsetzen konnten?

Hallo Manfred,

ich habe mal ein Buch gelesen, das hiess „Die Sprache der Eiszeit“ von Richard Fester. Dieses Buch ist sehr interessant und behandelt genau Deine Frage. Bestimmt kannst Du es Dir in der Bücherei besorgen.

und schau mal hier:

http://de.wikipedia.org/wiki/Richard_Fester_(Linguist)

Gruss
Uli