Sprachlerngruppe

Hallo,

hat jemand Erfahrungen gesammelt mit einer Gruppe, die sich aus sehr verschieden beschlagenen Teilnehmern zusammensetzt? Das einzige, was alle vereint, ist das Interesse an der gleichen Sprache; Lernmotivation ist unterschiedlich, der eine moechte Umgangssprache lernen, der andere Juristenslang, der dritte interessiert sich fuer Liebesgedichte.

Koennte sich die Idee bewaehren, dass die Fortgeschrittenen von den Anfaengern durch ihre Fragen profitieren und die Anfaenger natuerlich von den Antworten?

Danke fuer kreative Antworten!

Herbert

Moin, Herbert,

vor vielen Jahren habe ich an der VHS eine Französisch-Gesprächsrunde geleitet. Dort saßen einige Schüler, die ihre sprachlichen Fertigkeiten trainieren wollten; überwiegend waren es Erwachsene, die entweder sprachlich auf dem Laufenden bleiben, oder verschüttete Kenntnisse wiederbeleben wollten.
Das Niveau der Kenntnisse war durchaus unterschiedlich, allerdings gab es das von Dir genannte Extrem „Fortgeschrittene und Anfänger“ nicht.

Ich erinnere mich daran, dass die Teilnehmer in diesem Kurs auch voneinander lernten. Wenn z.B. ein Schüler sagte, dass in der Schule ein bestimmtes Grammatikproblem gerade behandelt wurde, dann ließen es sich fortgeschrittenere Teilnehmer von ihm wieder erklären, weil es ihnen nicht mehr bewusst war. Das geschah teilweise in Einzelgesprächen oder Mini-Gruppen.
Weniger Sprachgewandte baten die Fortgeschritteneren, einen Beitrag zu wiederholen, oder ihn anders auszudrücken - das war für beide Seiten hilfreich.
Bei solchen „Privatgesprächen“ war ich nicht mehr der Kursleiter, sondern eine Art Moderator.

Außerdem haben die Teilnehmer Tipps und Tricks zum Lernen einer Fremdsprache untereinander ausgetauscht, und dabei habe ich als Kursleiter auch noch einiges gelernt.
Die Teilnehmer waren zufrieden mit dem Kurs, und ich ebenfalls.

Grüße
Pit

Danke Gargas. Ich habe aehnliche Erfahrungen, allerdings mit EDV-Kursen und war mir nicht sicher, ob man das einfach so uebertragen kann. Dann werde ich das mal in Angriff nehmen, allerdings nicht als vorne stehender, sondern von vornherein als Moderator und Teilnehmer.

Ich bin English Trainer und kann nur sagen, dass eine Gruppe mit Teilnehmer, die unterschiedlich „gut“ sind, leider sehr selten funktioniert. Die, die schon fortgeschritten sind, haben meistens weniger Hemmungen und reden schneller los. Das bedeutet, dass die, die weniger können, sehr oft kaum zu Wort kommen.

Wenn man bei einfacheren Themen bleibt, werden manche Teilnehmer Langeweile kriegen. Wenn es schwierige wird, können andere Teilnehmer nicht folgen. Für irgendjemand wird es auf jeden Fall frustrierend.

Auch ist es manchmal schwierig, was Charakter angeht; es gibt Menschen, die unbedingt korrigieren müssen. Ob sie tatsächlich besser wissen oder nicht… Das kann sehr nervig werden, für Student & Lehrer/in.

Aus Erfahrung würde ich sagen, dass Hintergrund (sozial, beruflich, etc.) weniger wichtig ist. Wenn die Teilnehmer ungefähr gleich sind, was ihre Sprachenbeherschung angeht, klappt es meistens ganz gut. Es gibt immer wieder neue Themen, und alle können was neues lernen.

Hi, MacD,
ich kann Deine Beobachtungen nur bestätigen. Ich nehme an einem „Stammtisch“ teil, der sich 14tägig trifft. Es handelt sich um simple Konversation, Essen, Trinken und eben Gespräche über „Gott und die Welt“ in englisch.
Das Problem dabei ist, dass die Muttersprachler und die Fortgeschrittenen die Konversation dominieren und die weniger Wortgewandten sich nur selten melden.

Wenn es das Ziel ist, die Sprachfähigkeit zu verbessern, sollte man methodisch und didaktisch moderieren und auch die Schweigsamen auffordern zu sprechen, ggf. korrigieren oder unterstützen.

Gruß
Eckard

Vielleicht habe ich mich missverstaendlich ausgedrueckt. Es soll keine Sprechgruppe werden, sondern wir wollen hauptsaechlich unsere Grammatik verbessern oder neu erlernen. Da wir auch und gerade Wert auf das Verstaendnis fuer umgangssprachliche Wendungen legen, die zumeist in keinem Buch stehen, wird viel als Frage-Antwort-Spiel ablaufen mit anschliessender Regelformulierung sofern moeglich. Wir werden uns bemuehen, die Fremdsprache dabei anzuwenden, es aber nicht erzwingen.

Soweit die Ideen und die Theorie…

hat jemand Erfahrungen gesammelt mit einer Gruppe, die sich
aus sehr verschieden beschlagenen Teilnehmern zusammensetzt?

Ja, sowohl als Lehrer als auch als Schüler: Es funktioniert nicht.

Die fortgeschrittenen langweilen sich und sind unterfordert, oder die Anfänger sind überfordert und kommen nicht mit.

Eine Gruppe darf nicht zu inhomogen sein, sonst hat niemand etwas von dem Unterricht. (Das betrifft nicht nur Sprachen sondern EDV-Kurse in gleichen Maße, überhaupt jeden Gruppenunterricht.)

Außerdem halte ich persönlich einen Sprecherkreis, bei dem keine Muttersprachler dabei sind, für völlig sinnlos. Man lehrt sich nur gegenseitig Fehler und imitiert die schlechte Aussprache.

Grüße Bellawa.

Hallo!

Ich bin English Trainer und kann nur sagen, dass eine Gruppe
mit Teilnehmer, die unterschiedlich „gut“ sind, leider sehr
selten funktioniert. Die, die schon fortgeschritten sind,
haben meistens weniger Hemmungen und reden schneller los. Das
bedeutet, dass die, die weniger können, sehr oft kaum zu Wort
kommen.

Was du da schreibst, entspricht auch meinen Erfahrungen. Besonders die Kombination ‚extrovertierter Fortgeschrittener‘ mit ‚zurückhaltendem Anfänger‘ ist total frustrierend. Umgekehrt würde es einigermaßen funktionieren.

Ich war schon in einer Gruppe, in der ein solcher extrovertierter Fortgeschrittener (Niveau C1/C2 anstatt des im Kurs ausgeschriebenen Niveaus B2) ständig das Wort ergriff und die Versuche der Kursleiterin, die anderen mit einzubeziehen, völlig überrannte. Am Ende kam es zu einem Dialog zwischen den beiden mit mehreren frustrierten Zuhörern.

Wenn man bei einfacheren Themen bleibt, werden manche
Teilnehmer Langeweile kriegen. Wenn es schwierige wird, können
andere Teilnehmer nicht folgen. Für irgendjemand wird es auf
jeden Fall frustrierend.

Das habe ich anders erlebt. Auch für Schüler auf mittlerem Niveau ist es möglich, sich über anspruchsvollere Themen zu unterhalten. Egal, ob man dabei über Politik, Wirtschaft oder Kultur redet. Bei schwächeren Kursen kann man vorher eine Art Brainstorming veranstalten und infrage kommende Vokabeln sammeln und aufschreiben. Danach geht es an die Diskussion und bei Bedarf werden fehlende Worte hinzugefügt.

Nach meinen Erfahrungen sind oft sogar anscheinend schwere Vokabeln leichter, weil sie den deutschen Fremdwörtern entsprechen bzw. in vielen Sprachen ähnlich sind.

Auch ist es manchmal schwierig, was Charakter angeht; es gibt
Menschen, die unbedingt korrigieren müssen. Ob sie tatsächlich
besser wissen oder nicht… Das kann sehr nervig werden, für
Student & Lehrer/in.

Das ist aber nicht unbedingt vom Niveau abhängig. Korinthenkacker sind einfach immer nervig.

Aus Erfahrung würde ich sagen, dass Hintergrund (sozial,
beruflich, etc.) weniger wichtig ist. Wenn die Teilnehmer
ungefähr gleich sind, was ihre Sprachenbeherschung angeht,
klappt es meistens ganz gut. Es gibt immer wieder neue Themen,
und alle können was neues lernen.

Das stimmt! Gerade in Sprachkursen gefällt mir, dass man mit so vielen unterschiedlichen Leuten ins Gespräch kommt. Oft mit Leuten, mit denen man im Alltag niemals reden würde, weil man einfach - abgesehen von dem Sprachkurs - überhaupt keine Berührungspunkte hat.

Gruß

Anne