Hallo,
Wollte nur mal fragen, ob Sprachlosigkeit (oder etwas in die Richtung) ein anerkanntes psychologisches Krankheitsbild ist, und durch was das kommen kann…
Es findet sich ja oft, Männer würden pro durchschnittlichen Tag 10000 Wörter von sich geben, Frauen um die 20000.
Najah, wenn ich bei mir mal überschlage, sind es allerhöchstens 500, wenn ich unter Leuten bin; an normalen Tagen bestimmt nur etwa 100. Am Tach. Dieser Artikel hier treibt also meine persönliche Statistik schon enorm in die Höhe *g* Aber schriftlich is das ja ganz was anderes.
Also auch wenn ich mit einer Gruppe zusammensitze, fällt mir einfach nix ein, was ich zum Gespräch beitragen könnte (außer wenns um Fachsimpeleien geht), und wenn, dann bin ich fest überzeugt, dass es eh niemanden interessiert, und behalte es für mich. Und falls doch nicht, scheint wirklich niemand es zu hören.
Ich verhalte mich wie Luft, drum werde ich auch wie solche behandelt.
Habe mir schon oft vorgenommen, heute einfach mal offener zu sein und auf die Leute zuzugehen - nix. Komplett unfähig zur Kontaktaufnahme, auch meist wenn jemand anders den Versuch startet. Mir fällt einfach nichts ein als Antwort auf „na?“.
Nicht dass ich mich nicht für die Leute interessieren würde…
Wer weiß Rat?
Grüße,
Thomas
Hallo, also es gibt die Aphasie, aber das ist eher Sprachlosigkeit aufgrund einer neurologischen Störung, nach Schlaganfall zB.
Dabei gibt es unterschiedliche Ausprägungen, ich wil es hier nicht ausschweifend behandeln, da es eben nicht DAS ist, aber dabei fällt mir immer meine omi ein, die hatte einen so einen Ausfall nur auf Hochdeutsch, konnte anschließend nur noch Plattdütsch schnacken und hatte einen Bayrischen Arzt im KH, der sich immer eine Schwester als Dolmetscher dazuholen musste:wink:
Bei dir dürfte es sich eher um eine Kontaktstörung handeln, eine echte Sozialphobie ist es ja wohl noch nicht. Wenn es dich belastet lässt sich das durchaus in einer Verhaltenstherapie trainieren. Aber wirkliches Interesse für die gespräche der anderen wirst du nicht unbedingt entwickeln (vielleicht ticken die auch einfach anders, oder sind zu banal.)
Also schau dir mal die üblichen Gesprächsthemen an, die innerhalb deiner Gruppen solaufen. wenn die sich über Fußball unterhalten und das interessiert dich nicht die Bohne, dann ist es kein Wunder, wenn du dazu nichts sagen kannst oder magst. Vielleicht sucht du dir passende themen, die alle interessieren könnten (Frauenfußball? Die haben vielleicht noch andere Qualitäten, die interessant sind, wenn man sich nicht um die Spiel-Regeln interessiert, ich reg mich zB. lieber über die Frisuren der Spieler auf). Oder der andere Schritt wäre sich andere Freunde zu suchen…
Wenn also nur die Themen das Problem sind, dann gehts auch ohne Therapie, aber ist evtl. schwieriger.
Gruß Susanne
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Hallo Susanne,
Vielen Dank für deine Antwort!
Nö, einen Schlaganfall hatte ich zum Glück noch nicht *g*
Bei dir dürfte es sich eher um eine Kontaktstörung handeln,
eine echte Sozialphobie ist es ja wohl noch nicht.
Hm, „Kontaktstörung“ klingt passend… Nein, es ist tatsächlich keine Phobie, ich habe keine Angst o.ä. vor der Situation, versuche es immer wieder, wenns Anlass dazu gibt… Eher das Gefühl, dass ich nach außen wohl aussehen muss wie der Inbegriff des langweiligen Ignoranten.
Eigendlich, normalerweise, belastet es mich kaum, ich bin sowieso ein ziemlicher Einzelgänger und ‚normalerweise‘ mit meinem Leben zufrieden… nur im Moment fühle ich mich etwas arg einsam und stelle mal wieder fest, dass ich unfähig bin zu reden.
Ich will also nicht unbedingt gleich zum Psychodoktor gehen, sondern erstmal selbst ergründen, warum das so ist.
Aber wirkliches Interesse für
die gespräche der anderen wirst du nicht unbedingt entwickeln
(vielleicht ticken die auch einfach anders, oder sind zu
banal.)
*g* Ja, ich ticke anders als die allermeisten, scheinbar. Wogegen ich ja auch nix habe, erstmal. Banalität kann man meinen Gesprächspartnern sicher weniger vorwerfen.
Öfters interessiert mich das Thema auch einigermaßen, was sich dann allerdings nur darin äußert, dass ich die Ohren spitze. Wenn ich was nicht ganz verstehe, vertraue ich drauf, dass jemand anders nachfragt, der sowieso schneller ist als ich(was meistens auch so aufgeht) , und wenn niemand nachfragt, ist es schon zu spät dazu; Oder ich sehe mich als sowieso-Außenseiter, dem alles zu erklären viel zu umständlich wäre. Wenn ich Fakten dazu weiss, teile ich die mit, (unernsthafte) Ideen zu der Sache hab ich nicht.
Also schau dir mal die üblichen Gesprächsthemen an, die
innerhalb deiner Gruppen solaufen.
Ja, das ist ja das, was mir Sorgen macht: Meine Sprachlosigkeit ist auf alle Themenbereiche ausgedehnt, die nicht irgendeinen fachlichen Hintergrund haben. Über physikalische Problemchen diskutieren und selbige von allen Standpunkten auseinandernehmen, das ist kein Problem.
Aber wer außer mir Volltrottel um alles in der Welt redet in seiner Freizeit über Physik?? Gut, ein paar wenige, mehr oder weniger seelenverwandte (Nicht-Volltrottel!) habe ich gefunden. Auch über das Wesen der /meiner Seele kann ich mich auslassen, in letzter Zeit, wenn ich jemandem vertraue…
Was nicht funktioniert, ist die Plauderei; hintergrundlos, ziellos, nur um sich zu unterhalten. Die scheinbar übliche Freizeitbeschäftigung also. Ein paar Kommentare in die Menge werfen, die einfach nur witzig und unterhaltsam sein sollten, und gleichzeitig doch irgendwie die Position in der Gruppe zu stärken scheinen…
Mir wurden schon manchmal einige Versuche an solcher Ironie arg angekreidet, weils wohl doch zu böse war, obwohl nur witzig gemeint und keinesfalls abwertend.
[lol Mir fällt grade auf, verdrehte Welt: Vielleicht wurde mir zum Verhängnis, dass mein ungeübtes RL-Grinsen einfach zu stupide oder bösartig aussieht, und ich es nicht mit einem „(-;“ untermalen konnte…]
Auch gegenüber denjenigen, mit denen ich mich prima verstehe und fast auf einer Wellenlänge schwinge: Auf die Frage „wie war dein Tag?“ weiß ich nichts zu erzählen… Solche Dinge, die andere Leute dann mal erzählen, „derundder hats mal wieder verrissen und ist kurz vor Ende der Vorlesung reingekommen“, oder „war beim Zahnarzt, aua“ fallen mir dann überhaupt nicht ein, die scheinen in irgendeinem Hirnbereich zu stecken, der in der Gesprächssituation nicht zugänglich ist. Und wenn, dann scheints mir viel zu banal, um jemand anderes damit unterhalten zu können. Und vollheulen will ich ja auch wieder niemanden…
SOH, und nu hab ich bis hier grad ganze 562 Wörter produziert, und fange schon wieder an zu rätseln, wer das alles lesen soll… Daher DANKE an alle, die bis hier unten durchgehalten haben!
Ehe die Frage kommt " was willst du eigentlich wissen":
Nein, ich will nicht hören, dass das doch alles nicht so schlimm ist oder dass es schlimm ist und ich ein ignorantes Arschloch, dass doch alle zulabert hier. Das wäre mir eigendlich egal.
Interessieren würden mich eben „außensichten“, die mir helfen, mich zu verstehen, und Tips von „Plauderern“, die mir andeuten, was da tatsächlich läuft… (Kann man das wie eine Fremdsprache lernen?)
Liebe Grüße!
Thomas
Hi Thomas,
Es gibt halt Leute, die viel und gerne reden, und Leute, die viel lieber zuhören. Zu den letzteren zählst wahrscheinlich auch du.
Ein „Small Talk“ kann man lernen, sagt man. Es gibt sogar auch einschlägige Bücher dazu. Mir persönlich ist es aber nicht unbedingt gelungen. Also habe ich die Sache gelassen und sitze oft tatsächlich wie ein gelangweilter Ignorant da.
Das stört mich auch nicht weiter. Und ich habe aufgehört, mich selbst dauernd zu fragen, wie ich wohl nach außen aussehen mag und was die anderen so von mir denken.
Mit der Zeit pendelt sich das ganze ein, und der Umkreis weiss, dass du nun mal nicht so gesprächig bist.
Bei den unbekannten oder weniger bekannten Menschen pflege ich mich schon im Vorfeld zu entschuldigen, dass ich eher schweigsamer Natur bin, so wissen sie schon zu Beginn der Unterhaltung, woran sie sind, und nehmen es mir nicht übel, wenn ich nicht gleich auf jede Replik mit einem Wortschwall antworte.
Dass dich nur bestimmte Themen interessieren, ist auch verständlich. Die wenigen verwandten Seelen, die du gefunden hast und die bereit sind, in ihrer Freizeit über Physik zu reden, ist angesichts des Themenkreises schon sehr viel. Da darfst du dich glücklich schätzen. Wirklich.
Alles in einem, glaube ich nicht, dass es ein Fall für den Arzt ist. Sondern eher eine Besonderheit deiner Persönlichkeit, die nun mal so ist wie sie ist.
Eins solltest du allerdings nicht machen: die Themen, die die anderen diskutieren, für dich aber weniger oder gar nicht interessant sind, als Unsinn und Quatsch abzutun. Sonst verfällst du in die Position eines Misanthropen, die dich auf Dauer nicht glücklich machen kann und nur Einsamkeit mit sich bringt.
Bist du also in einer Runde, bleib ruhig sitzen, höre den Menschen zu und gib zur Bestätigung, dass du ihnen zuhörst, ein paar Laute von sich, wie „Hm“, „Aha“, „Sicher-sicher“, „das glaube ich auch (nicht)“ usw.
mir fällt auf,
Tach,
…
dass Du bei allem was Du schreibst und sagst der Meinung bist, dass es das Gegenüber nur geringfügig interessiert.
Du bist ein Volltrottel, du bist uninteressant und langweilig, Du hast keine Ideen zu dem Erzählten, Du magst nicht nachfragen, weil es „zu spät“ sein könnte, niemand interessiert sich für Physik, Du bist u.U. ein ignorantes Arschloch, dass hier alle zuzulabern gedenkt und sich bedankt, dass jmd. 3 Absätze liest… usw. usf.
(nur eine grobe Zusammenfassung der markanten Punkte)
Erfolgreich kommunizieren / Plaudern hat was mit „sich auf Augenhöhe“ begeben zu tun. Im mom präsentierst Du Dich jedoch so klein mit Hut
*fingerzeig*
Solang Du selbst der Meinung bist, dass Du als Typ mit allen Päckchen und Säckchen eine gesellige Runde unter Freunden nicht bereicherst, wird das so weiterlaufen wie bislang.
Integration benötigt immer Menschen die integrieren und einen der integriert werden möchte. Erstere hören idr bei fehlendem Gegenüber irgendwann auf.
frosch
Hallo Thomas.
anbei die gewünschte „Außenansicht“ von einer ihrer unmaßgeblichen Meinung nach ausgewiesenen Small-Talk-Expertin (vulgo Labertasche):
Ich liebe es, „zweckfrei“ zu plaudern; das war schon bei meiner Einschulung so, was ganz zweifelsfrei der Zeugniskopf aus der 1. Klasse belegt (schwatzhaft, leicht abzulenken bla). Naturgemäß fällt mir das auch alles andere als schwer, was mich allerdings, wie ich glaube, ein wenig davon abgehalten hat, nen anständigen Beruf zu ergreifen (Physiker z.B.)
Und nun zu dir: Weißt du, ich kenne nämlich auch einen Physiker. Der legt mir jedesmal mit unerschütterlicher Geduld alle möglichen Probleme naturwissenschaftlicher Art dar; ich bin auf diesem Gebiet leider vollkommen unbeleckt, um nicht zu sagen, strunzblöde. Auch einen Mathematiker darf ich zu meinem Bekanntenkreis zählen, nen halbfertigen Chemiker, einen Musikwissenschaftler sowie etliche Computerfachmenschen ebenso. Für die gilt das Gleiche, man lächelt verständnisvoll über mich doofe Nuss und erklärt das ganze nochmal für dummies.
Jetzt aufgemerkt: Allesamt reagieren diese Leutchen ganz extrem empfindlich auf jeglichen Versuch, die Unterhaltung auf artfremdes Rumgeplauder zu lenken! Ich werde ganz explizit und sehr nachdrücklich darauf hingewiesen, dass ich doch bitteschön deren Zeit nicht mit irgendsoeinem Schwachsinn zu vergeuden habe.
Nun, diese meine Kumpels sind herzensgute Menschen, keinesfalls ignorante Volltrottel oder gar arrogante Arschlöcher, ich habe die allesamt sehr sehr gerne und wenn ich ausschließlich mit Kreti und Pleti rumlabern würde, hätte ich nen IQ von 3 Metern Feldweg und das ist nicht eben viel.
Ich empfinde das Verhalten von diesen Zeitgenossen, zu denen du ja augenscheinlich zu gehören scheinst, in keiner Weise befremdlich, sondern als eine mir jederzeit hochwillkommene Erweiterung meines in dieser Hinsicht recht beschränkten Horizontes.
Also gräm dich nicht und bleib einfach so.
Liebe Grüße Awful Annie
Hallo Thomas,
ich teile die Meinung von Jarolep voll und ganz. Ergänzen möchte ich nur, dass du als guter Zuhörer mehr lernst als als guter Redner. Und bei vielen Leuten sind gute Zuhörer beliebter als gute Redner, denn reden wollen sie ja selbst. Zuhören können/wollen viele Leute gar nicht. Die Leute, die gut Reden und auch gut Zuhören können, mit denen kommt man auch in ein interessantes Gespräch. Meiner Erfahrung nach sind das aber nicht viele.
Also: Sieh dich als guten Zuhörer. Mit dieser positiveren Einstellung wird es dir sicher besser gehen. Vielleicht kannst du dir noch ein paar Phrasen oder Fragen suchen, die dir helfen, einen Dialog zu starten oder in Gang zu halten. Beispiel: „Wie geht es dir?“ Antwort: „Gut, und wie geht es dir?“
Gruß, Sigrid
Hallo,
Vorweg: Ich kenne das aus eigener Erfahrung.
Im Kern, glaube ich, fällt es dir einfach schwerer (als vielen anderen), grundsätzlich soziale Kontakte einzugehen (und eben auch aktiv zu gestalten). Das äußert sich schlicht (u.a.) in dem Unvermögen, von sich aus ein Gespräch rein wegen sozialer Interaktion zu führen (für dich muss zwangsläufig der Informationsaustausch im Vordergrund stehen).
Ich denke, der krankhafte Fall davon ist Autismus. Davon bist du aber sicher sehr, sehr weit entfernt. Doch die Richtung ist IMHO ähnlich (so wie viele Leute mehr oder weniger Vergesslich sind - das geht auch in Richtung Demenz; weder würde man einen etwas überdurchschnittlich Vergesslichen als [krankhaft] dement bezeichnen oder Dich als Autist; also bitte verstehe das nicht falsch!).
Es fällt mir heute noch schwer, „einfach so“ zu reden. Aber ich habe eine Methode, wie ich meine „Sprachlosigkeit“ ganz gut wegtrainieren konnte:
Ich habe die soziale Situation als Experiment aufgefasst und wollte herausfinden, wie das gegenüber oder die Gruppe auf bestimmte Verhaltensweisen/Äußerungen reagiert. Ein Satz wie „Oh man, das war vielleicht wieder ein Verkehr in der Stadt. Haben die alle kein Zuhause?!“ ist dann nicht einfach ein „sinnfreier“ Satz (den man angeblich zur sozialen Interaktion zählt), sondern ein kleines Experiment, um zu sehen, wie (andere) Menschen auf solche Sätze reagieren. Ich kann das garnicht so genau erklären, was ich meine, aber vielleicht verstehst du es ja trotzdem. Indem du so Erfahrung sammelst und die „Spielregeln“ lernst, kannst du es immer besser „spielen“. Die Fragestellungen an diese „Experimente“ können dann auch komplexer werden, weg von der individuellen Reaktion hin zur längerfristigen Entwicklung von Bindungen und Gruppendynamik usw. Letzlich sind das alles genau die Sachen, zu welchen die „Small talks“ da sind. Die Vorgänge laufen üblicherweise vollkommen unterbewußt ab, sie sind aber an sich wirklich sehr komplex und intelektuell nur schwer zu verstehen (darauf ist der Mensch evolutiv vorbereitet). Du hast das Talent nicht, das unterbewußt zu machen, aber du kannst deinen Intellekt nutzen, um in kleinen Schritten letzlich das Gleiche zu erreichen: Soziale Interaktion um ihrer selbst Willen, hoffentlich mit Freude und positivem Feedback.
Mit der „sozialen Intelligenz“ ist es eben wie mit allen anderen Eigenschaften (zB. der Ausdauer, dem Gedächtnis, der logischen Intelligenz,…): Die Variationsbreite in den Ausprägungen ist groß, durch Training lassen sich die rein genetisch und umweltbedingten Werte noch ein gutes Stück ändern.
Außerdem finde ich es schön, dass wir nicht alle gleiche Fähigkeiten haben, so können wir alle voneinander lernen.
LG
Jochen
Hallo Thomas,
du erinnerst mich an mich selbst vor, hm, 7-8 Jahren. Ok, ich war damals noch eine Jugendliche, da kann man sagen, dass sich sowas einfach rauswächst und gut ist. Aber auch wenn es von außen wie ein „rauswachsen“ aussah, war es das nicht. Die Situation hat mich allerdings ziemlich fertig gemacht, das heißt, es bestand ein nicht unerheblicher Leidensdruck.
Wie ich da herausgefunden habe? Indem ich an mir gearbeitet hatte. Zuhause ließ ich die Gesprächssituationen des Tages revue passieren und überlegte mir, was ich hätte einwerfen oder aus meinen Erfahrungen beitragen können, was meine Meinung zu dem Thema sei. In Gesellschaft versuchte ich, allgemein das Thema zu erfassen und dann bewusst zu überlegen, ob ich so etwas ähnliches wie das, worüber gerade gesprochen wurde, schon mal erlebt habe, was ich dazu denke etc. Dafür „klinkte“ ich mich für einen Moment raus (hörte also nicht weiter zu), sondern dachte wirklich bewusst über mich und das Thema nach und was ich überhaupt dazu sagen könnte. Dann überwand ich mich und warf meinen Satz in den Raum und wartete beängstigt, wie die anderen wohl reagiern würden, denn ich war der festen Überzeugung, nur Blödsinn zu reden und niemanden zu interessieren. Ich nahm mir vor, pro Unterhaltung auf dem Schulhof mindestens einmal etwas zu sagen. Ich zwang mich regelrecht dazu. Ich muss dazu sagen, dass mich die allermeisten Gesprächsthemen meiner Mitschüler nicht die Bohne interessierten, aber ich wollte halt irgendwie dazugehören. Außenseiter zu sein ist ja auch nicht gerade lustig.
Anfangs war das schwierig, jeder Satz kostete mich ganz viel Überwindung und „Selbstberuhigung“ („Was ist das schlimmste, was mir jetzt passieren könnte, falls ich etwas Falsches oder Langweiliges sage?“ war meine Lieblingsfrage an mich selbst). Mit der Zeit wurde es immer einfacher und irgendwann entwickelte ich mich zu einer regelrechten Labertasche.
) Zwar bin ich immer noch sehr wählerisch, was meinen Freundeskreis angeht, denn oberflächliches Gelaber kann ich nach wie vor nicht ausstehen. Aber wenn es nötig ist, kann ich auch da mitreden, indem ich mir eben jedes Mal wieder die Fragen stelle „Was ist meine Meinung dazu? Was sind meine Erfahrungen?“. Die Antworten auf diese stillen Fragen herauszubringen kostet mich dann mittlerweile meist keine oder nur wenig Überwindung.
Eine Empfehlung habe ich noch: Lerne, dich selbst zu akzeptieren. Es hat mir geholfen, mit der Zeit zu erkennen, dass es nun mal ein Charakterzug von mir ist, dass ich oberflächliche Themen und Leute langweilig finde, dass das völlig ok ist und dass es kein Weltuntergang ist, wenn ich jemanden langweile - das bedeutet nur, dass wir nicht auf einer Wellenlänge liegen, aber das passiert nun mal. Im Gegenzug langweilen mich ja auch viele Menschen.
)
Auf jeden Fall wünsche ich dir, deinen eigenen Weg zu finden, um das, was du als echtes Problem empfindest, zu überwinden und das, was nun mal einfach zu deiner Persönlichkeit gehört, trotz gesellschaftlicher Vorgaben („er muss doch auch mal was sagen“) gelassen zu nehmen/zu akzeptieren. Hey, auch du hast der Welt viel Interessantes zu berichten!
Viele Grüße,
Anja
PS: Ich find’s übrigens toll, wenn mir jemand in verständlicher Weise etwas aus seinem Fachgebiet erklärt. Das gilt gerade für Physik - ein Fachgebiet, in dem ich eine Niete bin, das mich aber sehr interessiert. Vielen anderen Menschen geht es sicher genauso.
)
Hallo, Frosch,
Wow, da hast du den Nagel auf meinen Kopf getroffen *g*
Und dann laufe ich auch noch meistens ohne Hut rum, kein Wunder dass mich keiner sieht.
Da hat mir meine Mutter früher immer (glaubhaft) eingeredet, ich sei wohl zu hochnäsig, um mich mit anderen abzugeben, dabei war es eben genau das Gegenteil.
Ich danke dir!
Viele Grüße,
Thomas-mit-Hut
Solang Du selbst der Meinung bist, dass Du als Typ mit allen
Päckchen und Säckchen eine gesellige Runde unter Freunden
nicht bereicherst, wird das so weiterlaufen wie bislang.
Integration benötigt immer Menschen die integrieren und einen
der integriert werden möchte. Erstere hören idr bei fehlendem
Gegenüber irgendwann auf.
Hallo,
ein herzliches Dankeeee an euch alle!
Habt mir Mut machen können.
Erstaunlich, dass es ja tatsächlich ein ziemliches Naturwissenschaftlerproblem zu sein scheint *g*
Denke wohl echt zu viel (negativ) darüber nach, wie ich aussehe.
Werd mir eure Tips zu Herzen nehmen. 
Viele Grüße!!
Thomas
(Auf Forschungreise als guter Zuleser im Plauderbrett)