Hallo, Heinz,
gegen diese Unart hat schon im 19. Jhdt. der Sparchkritikaster Gustav Wustmann in seinen „Allerlei Sprachdummheiten“ gewettert:
„Ein Hauptübel unsrer ganzen Relativbildung liegt zunächst nicht im Satzbau, sondern in der Verwendung des langweiligen Relativpronomens welcher, welche, welches. Das Relativpronomem welcher gehört, wie so vieles andere, ausschließlich der Papiersprache an, und da sein Umfang, seine Schwere in gar keinem Verhältnis zu seiner Aufgabe und Leistung steht, so trägt es ganz besonders zu der breiten, schleppenden Ausdrucksweise unserer Schriftsprache bei.
In der ältern Sprache wa welcher [swelher] durchaus nicht allgemeines Relativpronomen, sondern nur indefinites Relativ, es bedeutete: wer nur irgend (quisquis), jeder, der noch bei Luther: „welchen der Herr lieb hat, den züchtigt er“.“
Ich zitiere aus der zweiten Auflage von 1896; S. 107.
Beispiel:
“Das Auto, welches auf der Straße steht“
Das tut mir weh. Ich würde stattdessen sagen
“Das Auto, das auf der Straße steht“
Kollegen behaupteten, das sei DDR Jargon.
Wustmann macht Süddeutschland als den Hauptverbreitungsraum dieser Unsitte aus.
Zitat S. 108:
„Nurin Süddeutschland und Österreich wird welcher auch gesprochen, aber immer nur von Leuten, die sich „gebildet“ ausdrücken möchten. In deren falschem, halbgebildeten Hochdeutsch - da grassiert es. In Wien und München, dort sagen es nicht bloß die Professoren in Gesellschaft, sondern auch schon die Droschkenkutscher, wenn sie zusammengekommen sind, um zu einem neuen Tarif „Stellung zu nehmen“. Ja sogar der norddeutsche Professor spricht, wenn er nach Wie berufen worden ist, nach einigen Jahren „bloß mehr“ welcher. In Mittel- und Norddeutschland aber spricht es kein Mensch.“
Kann mir ein grammatisch und sprachlich Geschulter sagen, ob ich den Kampf aufnehmen kann, ohne als Don Quixote verlacht zu werden?
Du wirst nicht ausgelacht werden, aber dein Kampf wird vergebens sein!
Gruß
Fritz