Sprachverhunzung

„Deutschlands bekannteste Dativ-Schänderin“ (Der Markenartikel „Verona“) - so begann gestern ein Artikel in der Rheinischen Post. Dennoch mögen wir Verona.

Aber für mich ist das ein Aufhänger, die Verhunzung der deutschen Sprache auch einmal aufzugreifen.

Mir ist nicht bekannt, dass durch die Rechtschreibreform der Bindestrich abgeschafft wurde.

Beispiel: „Die XYZ Show“ statt „Die XYZ-Show“ Das ist auch bei Firmen beliebt, wenn in der Werbung Produkte genannt werden: „Finden Sie Ihren T-D1 Tarif“ statt „Finden Sie Ihren T-D1-Tarif“

Noch schlimmer: Das zweite Wort wird ohne Zwischenraum groß geschrieben an das erste angehängt. Beispiele: SpätAbendschau (SFB1), ServiceZeit (WDR)

Warum müssen wir immer unsere Beine halten?: Die Kiste beinhaltet vier Gegenstände. Früher sagten wir: Die Sache enthält vier Gegenstände.

Es hängt an der Decke und besteht aus Fäden, dünnen, runden Holzstäbchen und Anhängern. Was ist das? Richtig! Ein Mobilé! Zwar französisch ausgesprochen, aber in der deutschen Sprache enthalten.

Warum wird dieses Gebilde an der Decke jetzt englisch und mit einer Vorsilbe ausgesprochen (tieh-mobail)? Ach so, das ist ja gar kein Gebilde, das an der Decke hängt, sondern der neue Name der ganz früher Deutsche Telekom Mobilfunk GmbH genannten Firma!

Was meint Ihr dazu?

Herzliche Grüße

Black Eddy

Hallo Black Eddy!

Gnadenlos deiner Meinung!
Schön sind auch diese modischen Apostrophe für Genitiv (wie im Englischen) oder Plural (nicht mal das); wenn man sie wirklich bräuchte („Was soll’s!“), lässt man sie dann lieber weg.

Gruß, Wolfgang Zimmermann

Hallo,

ich denke zwar auch, dass die deutsche Sprache sich immer weiter von ihren Ursprüngen entfernt, aber ich finde Du gehst etwas zu weit.

Bei Eigennamen, die ja in einer gewissen Weise Kunstprodukte sind, kann man ruhig auch mitten im Wort gross schreiben, wenn damit ein Name oder Markenname auusgedrückt werden soll. So gewinnt es an Wiedererkennungswert.

So sind Deine Beispiele (zumindest für mich) durchaus in Ordnung.

Gruss

Daniel

locker bleiben :wink:
hallo schwarzer eduard (warum ein englischer nick und ein französischer email-name?)

Aber für mich ist das ein Aufhänger, die Verhunzung der
deutschen Sprache auch einmal aufzugreifen.

oh ein kreuzzug für die deutsche sprache :smile: darf ich mitmachen?

Beispiel: „Die XYZ Show“ statt „Die XYZ-Show“

Englisch ist modern! es heißt ja auch „tonight show“ und nicht „tonight-show“. und weil englisch modern ist, sagt man auch show und nicht schau. ist halt kühler.

T-D1-Tarif"

ohweh ta’arif ist sogar ein hebräisches wort! wie wärs mit zahlentabelle oder preisliste? huch, tabelle und liste sind schon wieder fremdwörter :smile:

(SFB1), ServiceZeit (WDR)

wie wärs mit Dienst-Zeit? :smile:

Früher sagten wir: Die Sache
enthält vier Gegenstände.

früher sagte man auch fernsprecher und bernsteinkraft. klappte aber nicht so richtig, das mit der bernsteinkraft!

Holzstäbchen und Anhängern. Was ist das? Richtig! Ein Mobilé!
[…]Warum wird dieses Gebilde an der Decke jetzt englisch und mit einer Vorsilbe ausgesprochen (tieh-mobail)?

[…]

Name der ganz früher Deutsche Telekom Mobilfunk GmbH genannten
Firma!

weil die deutsche fernsprechübertragungs-tragbarfunk gmbh keine kinderspielzeuge sondern „mobile phones“ im angebot hat, die wiederum das englische wort tragen, statt dem deutschen: HANDY.

:wink:)

nicht zu ernst nehmen, konnte mir dsa nicht verkneifen, oder wie man im weltnetz sagt: SCNR

lehitraot (auf wiedersehen!)

Was ist denn „Verhunzung“ ?

Mit Deutschem Gruß, Max.

Ganz einfach:
Das war Ende der 60-er Jahre während der Lehre mein Spitzname.

Damals hatte ich auch Interesse, eine Band unter Verwendung des Spitznamens zu gründen und akustische Rhythmusgitarre zu spielen.

3 Semester Studium der akustische Rhythmus-Gitarre und 2 „Workshops“ (schon wieder ein englischer Ausdruck!) an der VHS brachten 30 Jahre später den Band-Gedanken zurück.

Der Spitzname lebt seit Februar 2002 wieder (in den w-w-w-Foren und Macintosh-Foren).

Der Email-Name ist korrekt: Ursprung: Westfälischer Hugenotten-Name eines Gutshof-Verwalters (vor mehreren Hundert Jahren)

Zum fehlenden Bindestrich:
Der Lesefluss stoppt genau dort, wo man den Bindestrich erwartet. Man ist irritiert und versteht den Sinn des Satzes nicht!

Was meinst Du denn zu den Beinen, die wir immer halten müssen?

Herzliche Grüße

Black Eddy
:wink:) :wink:) :wink:)

urspünge?
hallo daniel,

über sinn und unsinn von wortschöpfungen zu reden ist was anderes.
aber was bitte verstehst du denn unter den urspüngen deutscher sprache?
könntest du die urspünge denn überhaupt noch verstehen?

das etwa:

Ein ritter sô gelêret was,
daz er an den buochen las,
swaz er dar an geschriben vant:
der was Hartman genant,

dienstman was er ze Ouwe.
er nam im manige schouwe
an mislîchen buochen:
dar an begunde er suochen,
ob er iht des funde,

dâ mite er swære stunde
möhte senfter machen,
und von sô gewanten sachen
daz gotes êren töhte
und dâ mite er sich möhte

(aus : „Der arme Heinrich“ von Hartmann von Aue, um 1190)

ich will damit nur sagen: die sprache ist etwas lebendiges! und es hat wenig sinn, auf die einhaltung „reiner lehren“ zu pochen - es sei denn eventl. bei sog. toten sprachen wie latein.

gruß
ann

4 „Gefällt mir“

* owt
kann noch nicht anders

Warum wird dieses Gebilde an der Decke jetzt englisch und mit
einer Vorsilbe ausgesprochen (tieh-mobail)? Ach so, das ist ja

Ich spreche englisch, nehme mir aber die Freiheit, Verkäufern gegenüber alles gnadenlos deutsch auszusprechen:

Z.B. das „Monta-Imbicke“ im Fahhradladen.

Nur selten will man mich dann korrigieren, und in dem Fall bestehe ich darauf, daß ab jetzt nur noch Englisch gesprochen wird.

Gruß,

Wolfgang Berger

Sprache wird heutzutage von der Werbung geprägt.

Was ist Sinn und Zweck von Werbung? richtig --> Auffallen !!

In der Masse der Werbeangebote in der heutigen Zeit geht ein durchschnittlicher Spot unter. Also geht man verschiedene Wege, um die Aufmerksamkeit zu erreichen. Einer davon ist Schmerz.
Einen Durchschnittsdeutschen schmerzt es, wenn er Veronas „Da werden Sie geholfen“ hören muss, und siehe da, Aufmerksamkeit ist gewonnen. Bei einem „Da wird Ihnen geholfen“ nähme kein Mensch die Werbebotschaft überhaupt noch war.

Auch muss in der Werbebranche ein neues Produkt interessant benannt werden, damit es in der Masse der Konsumgüter bzw. der zugehörigen Werbebotschaften überhaupt noch wahrgenommen wird. Wer würde sich schon für „Bergzweiräder“, „Blechroller“ oder „Innenseitenradrollschuhen“ interessieren ? Eine solche Bezeichnung wäre der Tod eines Produkts, das am Markt eingeführt werden soll.

Fazit:
Das Problem ist die Masse von Informationen, der man ausgesetzt ist. Also muss man schon extreme Anstrengungen machen, damit die eigene Botschaft überhaupt noch gehört wird.

Die entsprechenden Veränderungen der deutschen Sprache sind natürliche Konsequenzen aus der Kommerzialisierung unserer Gesellschaft.
Ich provoziere: Eine Kritik an diesen sprachlichen Veränderungen ist eigentlich eine (indirekte) Kritik an dieser gesellschaftlichen Entwicklung.

KDK

verständnisfrage:

Was meinst Du denn zu den Beinen, die wir immer halten müssen?

diesen satz verstehe ich nicht. worauf bezeihst du dich?

grüße an dich
lehitraot.

den Beinen, die wir immer halten müssen?
Hi Eduard, der Schwarze und Lehi,
gemeint war offensichtlich das Bein-halten, das man fälschlich aus dem etwas überflüssigen be-inhalten (statt enthalten) herauslesen kann. Ich stolpere beim Lesen auch stets darüber.
Grüße
Eckard.

Danke,
ann, dass ich das hier lesen durfte!

Sowohl den Text als auch deine Meinung.

Fritz

Was meinst Du denn zu den Beinen, die wir immer halten müssen?

diesen satz verstehe ich nicht. worauf beziehst du dich?

Genau auf Eckards Antwort! Er hat es erfasst!:

gemeint war offensichtlich das Bein-halten, das man fälschlich aus dem etwas überflüssigen be-inhalten (statt enthalten) herauslesen kann. Ich stolpere beim Lesen auch stets darüber.

Tata-ta! Der Kandidat hat 99 Punkte!

Black Eddy

Hallo,

jetzt, wo ich meinen Artikel von gestern Nacht noch einmal lese, stelle ch fest, dass ich etwas an der ursprünglichen Thematik vorbei geantwortet habe.

Es ging mir eigentlich mehr um die Wortschöpfungen, die ich in den dort genannten Fällen durchaus in Ordnung finde.

Mit „Ursprung“ wollte ich nicht bis ins Mittelhochdeutsche oder weiter zurückgehen. Es ist mir ja auch klar, dass Sprache etwas lebendiges ist und sich immer weiter entwickelt. Ich denke, der Punkt, auf den ich hinauswollte, war, dass sich die gesprochene Sprache immer stärker von der Schriftsprache ablöst.
Aber das war ja eigentlich nicht Sinn des Artikels…

Daniel

gemeint war offensichtlich das Bein-halten, das man fälschlich
aus dem etwas überflüssigen be-inhalten (statt enthalten)
herauslesen kann.

achso. naja es gibt halt wörter die verschieden gelesen werden können. wo ist der zusammenhang mit sprachverhunzung und englischen bindestrichen?

lehitraot!

fritz?
freut mich, wenn ich dir gutes tun konnte :smile:

noch mehr deutschen text findest du hier:
http://www.fh-augsburg.de/~harsch/germanica/Chronolo…
oder alphabetisch
http://www.fh-augsburg.de/~harsch/germanica/Autoren/…

gruß
ann

1 „Gefällt mir“

und auch hier wieder der Klassiker
Jil Sander im Frankfurter Allgemeine Magazin
aufgelesen im Hohlspiegel 14/1996

„Ich habe vielleicht etwas Weltverbesserndes. Mein Leben ist eine giving-story. Ich habe verstanden, daß daß man contemporary sein muß, das future-Denken haben muß. Meine Idee war, die hand-tailored-Geschichte mit neuen Technologien zu verbinden. Und für den Erfolg war mein coordinated concept entscheidend, die Idee, daß man viele Teile einer collection miteinander combinen kann. Aber die audience hat das alles von Anfang an auch supported. Der problembewußte Mensch von heute kann diese Sachen, diese refined Qualitäten mit spirit eben auch appreciaten. Allerdings geht unser voice auch auf bestimmte Zielgruppen. Wer Ladyisches will, searcht nicht bei Jil Sander. Man muß Sinn haben für das effortless, das magic meines Stils.“

http://www.eddh.de/x-files/dl_files/telefon.mp3

viel Spaß :smile:

German Telecom

Warum wird dieses Gebilde an der Decke jetzt englisch und mit
einer Vorsilbe ausgesprochen (tieh-mobail)? Ach so, das ist ja
gar kein Gebilde, das an der Decke hängt, sondern der neue
Name der ganz früher Deutsche Telekom Mobilfunk GmbH genannten
Firma!

Die Deutsche Telekom (wie lange heisst sie wohl noch so, irgendwann muss man ja mal German Telecom daraus machen, man muss ja mit der Zeit gehen!) ist in dieser Beziehung schon seit langem sehr „fortschrittlich“. „freecall“, „city Tarif“ und aehnlicher Quark waren alles Dinge, die mir das Unternehmen sehr sympathisch gemacht haben.

Jan