Hallo M.C!
Ich habe folgendes Problem: An diejenigen unter euch die sich
mit der Sprechakttheorie von Austin/Searle auskennen. Dabei
können die Sprechakte ja implizit oder explizit ausgedrückt
werden. Meine Frage ist jetzt folgende: Wie wird diese
Implizitheit in der deutschen Sprache grammatikalisiert ? Ich
versteh nicht recht, wie man etwas nit konkret ausgedürcktes,
eben implizites, in der Grammatik finden soll. Hat da jemand
eine Ahnung ?
Eigentlich soll es im deutsch-italienischen Vergleich
ausgedrückt werden. Als Beispiel habe ich zB den italienischen
Satz: questo va fatto così (auf deutsch: Das wird so gemacht)
Leider kenne ich mich im Italienischen zu wenig aus, um zu wissen, ob auch „Questo va fatto così” auch beide Bedeutungen haben kann, aber im Deutschen kommt es natürlich ganz auf den Zusammenhang an, in dem der Satz „Das wird so gemacht” gebraucht wird:
Es kann sich um eine explizite Tatsachenfeststellung handeln, wie etwas üblicherweise gemacht wird. Es kann sich aber auch um eine implizite Aufforderung handeln, wie etwas im Sinne dessen, der den Satz äußert, (gefälligst) zu machen sei/gemacht werden soll. Da passt dann sowohl im Italienischen als auch im Deutschen vielleicht auch noch ein „basta” dahinter.
In letzterer Bedeutung können dann ja z.B. auch intransitive Verben wie schlafen oder spucken, mit denen man normalerweise kein Passiv bilden kann, Pseudo-Passivformen bilden, um eine implizite Aufforderung auszudrücken:
Jetzt wird geschlafen!
Soll heißen:
Sei still und sieh zu, dass du endlich einschläfst!
Jetzt wird wieder in die Hände gespuckt,
wir steigern das Bruttosozialprodukt!
http://www.geiersturzflug.de/ram/bruttosozialprodukt…
http://www.canoo.net/services/OnlineGrammar/Wort/Ver…
Ich vermute, dass dieses Pseudo-Passiv ein Beispiel dafür sein könnte, wie ein impliziter Sprechakt im Deutschen grammatikalisiert wird.
Bestimmt gibt es für solche Sprechakt-Phänomene noch ganz andere Beispiele.
Gruß Gernot