Nachtrag
P.S.:
Wenn du dir einen Roman genauer anguckst, werden dir noch viel viel mehr kleine sprachliche Bilder auffallen, und viele Ausdrücke, die nicht wörtlich zu verstehen sind.
Wenn ich z.B. willkürlich mal Seite 147 im 5. Silberband von Perry Rhodan (ein Science-Fiction-Roman) aufschlage, fallen mir auf:
• …fing ich einige Gedankenfetzen auf…
→ Hier geht’s um einen Telepathen, aber auch der fängt die Gedanken ja nicht mit den Händen auf.
• …zusammenhängende Gedanken…
→ Gedanken bestehen nicht aus Materie, können daher eigentlich auch nicht zusammenhängen.
• …und ließ das Deck nicht aus den Augen…
→ Natürlich befindet sich das Deck nicht in seinem Auge.
• …er hegte einen klaren Verdacht…
→ Verdachte sind keine Haustiere und können nicht wörtlich gehegt werden. Allerdings ist „Verdacht hegen“ ein fester Ausdruck, wandernde Augen eher nicht.
• Ich werde sie mir alle auf einmal vornehmen.
→ Auch hier ein fester Ausdruck, und es wird eigentlich niemand hergenommen und irgendwo hingestellt.
• Mit einem schnellen Blick…
→ Ein Blick kann nicht schnell, höchstens kurz sein; das ist hier auch zu verstehen. Kein Fehler aber, da man das durchaus so ausdrücken kann. Man bewegt sich aber vielleicht selbst schnell, während man blickt.
• Das Geschehen […] berührte sie nicht.
→ Ganz klassisch. Natürlich findet keine physische Berührung statt.
• …überfiel sie immer wieder das Grauen…
→ Nur Lebenwesen können wirklich jemanden überfallen. Eigentlich.
• …die kaum faßbare Veränderung der Betroffenen…
→ Veränderungen kann man sowieso nicht anfassen; aber „fassbar“ ist auch schon im mentalen Sinne lexikalisiert.
Das war nur von einer Seite. Vieles sind noch nicht einmal sprachliche Bilder oder sprichwörtliche Wendungen, sondern einfach nicht-wörtliche Verwendungen, viele davon sind bereits lexikalisiert und bei manchen ist die nicht-wörtliche Verwendung sogar viel häufiger. Das ist ganz normal in einer Sprache.
In keiner Sprache der Welt (außer vllt. Lojban
) ist alles wörtlich zu verstehen.
Viele Grüße,