Spurenlose türkische Besetzung

Hallo Wissende,

der Balkan war 4-500 Jahre von den Türken besetzt, im Vergleich zu den Römern vor ca. 2000 Jahren haben die Türken für Touris jedoch kaum wahrnehmbare Spuren hinterlassen: In Griechenland und Bulgarien z.B. waren nach der Befreiung die eigene Schrift, Sprache und Religion (sofort?) wieder präsent; haben die Türken nicht mit Macht versucht, ihre Sprache, Lebensweise und Religion durchzusetzen? Oder haben Griechen und andere nach der Befreiung das Rad zurükgedreht?
Meine Fragen: Inwieweit versuchten die Türken die beherrschten Völker umzuerziehen bzw. zu missionieren, oder wieviel kulturelle Freiheiten beließen sie? Warum sind in Griechenland und anderen Balkanstaaten relativ wenig Sakral- und Profanbauten übrig, wurden die nach der Befreiung größtenteils als unliebsames Souvenir abgerissen, oder haben die Türken nur wenige Bauten hinterlassen?

Danke für Eure Antworten

Wolfgang D.

Was mit den Bauwerken passiert ist, kann ich nicht sagen, aber afaik gibt es beispielsweise sind Bosnien und Albanien weitgehend muslimisch.

Hallo,

die Türken dürften den Balkan hauptsächlich kolonialisiert aber nicht besiedelt haben. Dazu dürften es einfach zu wenige gewesen sein.

Die eigentlichen Türken stammen irgendwo aus Zentralasien und schon Kleinasien wurde vermutlich nur von einem Stamm oder Stammesverband der Gesamttürken erobert.

Die Türken in der heutigen Türkei sind geographisch von ihren in Zentralasien verbliebenen Stammesgenossen (Usbeken, Turkmenen, Uiguren z.B.) getrennt.
Es dürfte selbst in der heutigen Türkei nicht sehr viele reinrassige Türken geben, weil sich das Eroberervolk mit den Eroberten Griechen, Galatern, Phrygern und anderen anatolischen Völkern vermischt hat.

Auf dem Balkan haben sie vor allem die Religion hinterlassen und vor allem die Sprache.
Die namen der Fußballer Hasan Salihamidzic oder Zlatan Ibrahimovic sind Original türkisch und es wurde von den Slawen später nur das typische „ic“ angehängt.

Gruß
Lawrence

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Nicht von ‚besetzt‘ und ‚befreit‘ sprechen
.

der Balkan war 4-500 Jahre von den Türken besetzt, im
Vergleich zu den Römern vor ca. 2000 Jahren haben die Türken
für Touris jedoch kaum wahrnehmbare Spuren hinterlassen: In
Griechenland und Bulgarien z.B. waren nach der Befreiung die
eigene Schrift, Sprache und Religion (sofort?) wieder präsent;
haben die Türken nicht mit Macht versucht, ihre Sprache,
Lebensweise und Religion durchzusetzen? Oder haben Griechen
und andere nach der Befreiung das Rad zurükgedreht?
Meine Fragen: Inwieweit versuchten die Türken die beherrschten
Völker umzuerziehen bzw. zu missionieren, oder wieviel
kulturelle Freiheiten beließen sie? Warum sind in Griechenland
und anderen Balkanstaaten relativ wenig Sakral- und
Profanbauten übrig, wurden die nach der Befreiung größtenteils
als unliebsames Souvenir abgerissen, oder haben die Türken nur
wenige Bauten hinterlassen?

.

Guten Tag, Wolfgang

Bei 500 Jahren Zugehörigkeit zu einem Land kann man nicht von ‚besetzt‘ und ‚befreit‘ sprechen.

Ab 1459 eroberte das Osmanische Reich den Balkan – 1463 Bosnien und 1483 die Herzegowina.

Die Machtausübung des Osmanischen Reiches erfolgte über das System des mittelalterlichen Lehnswesens, nicht über Besiedlung; so entwickelte sich keine Leibeigenschaft.

Mit dem osmanischen Machtverfall im 19. Jahrhundert wuchs der Widerstand der nationalistischen Kräfte auf dem Balkan und führte zur Bildung unabhängiger Nationalstaaten.

In der deutschen Sprache gibt es osmanische Begriffe wie Sand am Meer; ich gehe davon aus, dass die osmanische Kultur auch in der serbischen und in der albanischen Sprache Spuren hinterlassen hat.

Boeckh: Von den Balkankriegen zum ersten Weltkrieg, online
http://www.oppisworld.de/zeit/kalender/tuerkei.html

Freundlich grüsst
Adam

.

Hallo,

wegen der fehlenden türkischen Architektur würde ich jetzt behaupten, das liegt daran, dass die Türken ursprünglich Nomaden waren.
Nomadische Völker hinterlassen in der Regel keine architektonischen Spuren.
Nicht die Hunnen, nicht die Mongolen und auch nicht die Türken.
Selbst in der heutigen Mongolei findet sich so gut wie nichts architektonisch Beeindruckendes.

Die Türken wurden dann zwar sesshaft, aber das Bauen von großartigen Monumenten mussten sie sozusagen erst lernen.

Wobei es großartige Moscheen in Mostar oder Sarajevo gibt. Da weiß ich aber nicht, wer die wirklichen Baumeister waren.

Gruß
Lawrence

Hallo,

sprachlich und kulturell haben die durchaus etwas hinterlassen. Die ganzen Sprachen auf dem Balkan wimmeln nur so von türkischen Worten und Namen, die aber im Laufe der Zeit Lautverschiebungen bzw. Erweiterungen ausgesetzt waren. Jemand erwähnte ja bereits das aus dem Slawischen stammende ic am Ende.
Da aber der Balkan nicht wirklich von den Türken besiedelt wurde, war die Bautätigkeit eingeschränkt. Vor allem Befestigungen und Kasernen wurden errichtet wobei die jedoch zumeist ebenfalls aus einfachen luftgetrockneten Ziegeln bestanden von denen ja nach ein paar Jahrzehnten schon nichts mehr übrig ist. Beispiele für diese Bauweise finden sich ja auch im heutigen Irak (in Mosul z.B. wegen des Klimas besser erhalten). Bauwerke, wie wir sie heute als „türkisch“ ansehen, waren ja überall im osmanischen Reich eher die Ausnahme. Die berühmte Hagia Sophia beispielsweise begann nicht als Moschee sondern als Kirche und wurde auf Befehl eines römischen Kaisers (Justinian) durch zwei griechische Architekten (Anthemios von Thralleis und Isidor von Milet) erbaut. Also der in den Augen der Touristen türklische Klassiker ist etwa so türkisch wie eine Boulette.

Gruß
Peter B.

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Hallo Wissende,

der Balkan war 4-500 Jahre von den Türken besetzt,…

Hallo die Runde,

Mir fallen speziell die kulinarischen Spuren in der griechischen Küche ein, die z.T nur in der Schreibung angeglichen wurden wie Tsatsiki (Cacik), manche aber auch gleich „griechisch“ wurden wie Gyros (Kebap) oder der „Griechische“ Kaffee im kleinen Kupferkännchen. Ich bin sicher, dass Spezialkenner noch viel mehr Beispiele nennen werden.

Besten Gruß
von Julius