letztens kam in einem Gespräch folgendes Thema auf. Lehrer (angehender) Bewirbt sich bei einer Schule, diese stellt ihn nicht ein da es sich um eine Katholische Schule handelt und diese keine evangelen Einstellen möchte. ähnliches habe ich schon von Caritas, Kindergärten… gehört. Ist das wirklich rechtens das jemand keinen Job bekommt weil er nicht in der Richtigen Kirche ist???
Kirchen sind genauso wie Parteien, Gewerkschaften o.ä. als Arbeitgeber so genannte Tendenzbetriebe und genießen daher hier besondere Freiheiten. Wäre ja auch komisch, wenn die Vorzimmerdame des SPD-Vorsitzenden ein aktives CDU-Mitglied wäre, etc. D.h. entsprechende Arbeitgeber dürfen erwarten, dass sich die Mitarbeiter mit den Grundüberzeugungen des Hauses in Einklang befinden.
Allerdings wird die Sache längst nicht so heiß gegessen, wie sie gekocht wird. Gerade bei den Kirchen ist man da eigentlich recht offen und sieht es normalerweise als ausreichend an, wenn eine christliche oder zumindest den christlichen bzw. konfessionellen Einstellungen nicht entgegenstehende Haltung eingenommen wird. D.h. zwischen den beiden großen christlichen Konfessionen gibt es da üblicherweise keinerlei Probleme und auf meiner katholischen Schule gab es schon vor über zwanzig Jahren einige evangelische Lehrer. Außerdem kommt es natürlich auch auf die Stelle selbst an. Bei Stellen ohne Außenwirkung kann man natürlich viel großzügiger sein, als bei hohen Positionen, die in der Öffentlichkeit stehen. D.h. nach Putzfrau und Hausmeister kräht kein Hahn, wenn er nicht gerade für den heiligen islamischen Krieg eintritt, beim Schulleiter sieht die Sache schon anders aus, insbesondere da er auch im Bildungsbereich tätig ist, also den Schülern nicht nur fachlich, sondern auch grundsätzlich die Werte vermitteln soll, auf denen die Schule aufbaut.
Es stimmt also nicht, dass jemand einen Job nicht bekommt, weil er in der falschen Kirche ist, sondern es wird umgekehrt ein Schuh daraus. Der Arbeitgeber darf die eigenen Anhänger bevorzugen. Der Job wird also nicht absichtlich jemand verweigert, sondern positiv jemand bestimmtem gegeben. Und warum soll man nicht dafür sorgen dürfen, dass die eigenen Kirchensteuereinnahmen steigen
Problematisch im Bereich katholisch/evangelisch ist allerdings die Frage der Wiederheirat von Geschiedenen. Nach katholischer Auffassung ist die Ehe nicht auflösbar und katholische Lehrer an meiner alten Schule, die sich trotzdem scheiden ließen mussten das Haus verlassen. Bei evangelischen Lehrern gab es hingegen das Privileg, dass dies erst bei der Wiederheirat der Fall war, da man anerkannte, dass die evangelische Kirche die Scheidung zulässt, man aber die Wiederheirat als unvereinbar ansah.
Gruß vom Wiz
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Hallo Wiz
(alle anderen natuerlich auch)
und danke für die umfassende Antwort. In dem mir bekannten fall ist es bei einer Lehrerstelle nicht mal zur Bewerbung gekommen, weil am Telefon schon gesagt wurde das Katholiken bevorzugt würden und damit keine chance bestehe.
Ich verstehe die Grundthematik und würde mich auch wundern wenn es sich um einen Moslem,Hindu… gehandelt hätte da diese Religionen schon anders ist. Kat und ev sind aber beide Christlich und damit besteht die gleiche Grundhaltung.
Aber es ist halt so wie es ist. Schade eigentlich.
Bis denne Frank
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und danke für die umfassende Antwort. In dem mir bekannten
fall ist es bei einer Lehrerstelle nicht mal zur Bewerbung
gekommen, weil am Telefon schon gesagt wurde das Katholiken
bevorzugt würden und damit keine chance bestehe.
Da muss man sich dann aber auch die mal die Modalitäten einer Stellenbesetzung ansehen. Es ist ja nicht so, dass man einfach irgendwo anruft und dort dann überlegt wird, ob man gerade jemanden braucht und dann aufgrund der Konfession entscheidet, ob man den Anrufer nimmt.
Vielmehr ist es so, dass eine Planstelle eingerichtet und dann ausgeschrieben wird. In der momentanen Arbeitsmarktlage melden sich dann Unmengen von Leuten. Und wenn da jetzt schon einige katholische 1er Absolventen auf dem Tisch liegen, ist es eigentlich nur nett, wenn mann gleich darauf hinweist, dass eine weitere Bewerbung keine Chance hat. Es umgekehrt würde sich der katholische 1er Absolvent ja auch ärgern, wenn die eigene Kirche an die er Steuern zahlt, nicht ihn, sondern einen evangelischen Lehrer eingestellt hätte.
Gruß vom Wiz, der zwischen beiden Konfessionen steckt und z.B. momentan als Anwalt regelmäßig eine evangelische Kirchengemeinde vertritt und auch regelmäßig dort im Kirchenvorstand auftaucht, obwohl er katholisch ist, und es sicher auch genug evanglische Anwälte in der Nähe geben würde (katholische Diaspora).