Staats-Schulden

Hallo, Ihr VWL Experten

Ich habe da so meine Probleme mit der Staatsverschuldung, die ja wohl schon gigantisch sein soll.
Aber wem schulden wir das Geld eigentlich?
Können wir das je zurückzahlen?
Wird denn da nicht so viel Kaufkraft aus dem System gezogen, dass die Wirtschaft vollends mangels Nachfrage zusammenbricht?

Riesiges Fragezeichen

von Tommy

Hallo Tommy,

Ich habe da so meine Probleme mit der Staatsverschuldung, die
ja wohl schon gigantisch sein soll.

Nicht nur Du:frowning:

Aber wem schulden wir das Geld eigentlich?

Allen, die Kunden hiervon sind:
http://www.deutsche-finanzagentur.de/

Können wir das je zurückzahlen?

Mal sehen, ist noch nicht geklärt…

Wird denn da nicht so viel Kaufkraft aus dem System gezogen,
dass die Wirtschaft vollends mangels Nachfrage zusammenbricht?

Andere Länder (z.B. USA) machen vor, dass man jahrzehntelang sehr gut über seine Verhältnisse leben kann… Aber gutes Wirtschaften ist das nicht!
Problematisch wird es aber erst, wenn man das Vertrauen der Anleger verliert (s. Entwicklungsländer) oder versucht gegenzusteuern (s. EU-Quote)…
Beim ersten schnellen die Kosten (Zinsen) in die Höhe, beim zweiten läuft man Gefahr, durch Rasenmähersparen die Wirtschaft abzuwürgen…

Grüße
Jürgen

beim zweiten läuft man Gefahr, durch Rasenmähersparen die
Wirtschaft abzuwürgen…

passiert das denn nicht grade?

fragt

Tommy

Hallo Tommy

passiert das denn nicht grade?

neben manch anderem durchaus…
Einige der Probleme am Bau z.B. resultieren aus der „Sparsamkeit“ des Staates, was Infrastrukturmaßnahmen angeht.
Die Rüstungswirtschaft würde sicher gerne auch mehr Wehretat sehen…

Grüße
Jürgen

Hallo Tommy

passiert das denn nicht grade?

neben manch anderem durchaus…
Einige der Probleme am Bau z.B. resultieren aus der
„Sparsamkeit“ des Staates, was Infrastrukturmaßnahmen angeht.
Die Rüstungswirtschaft würde sicher gerne auch mehr Wehretat
sehen…

Hallo Jürgen,

kannst du allen ernstes hier behaupten, daß Sparen, wo auch immer, eigentlich ist es überall nötig, nicht richtig ist?

Du forderst staatliche Ausgaben? Wovon sollen die denn ausgegeben werden? Gegen Steuererhöhungen wetterst du dann wahrscheinlich auch wieder!

Hier kann man Spar-Proteste lesen, hier kann man Ausgaben-Steigerungs-Verlangen lesen, Hier kann man Verschuldungsproteste lesen, Hier kann man eigentlich alles lesen, was angeblich schlauer ist, alös das was die Regierung macht.

Aber keiner denkt über die Folgen seiner Brett-Vor-Dem-Kopf-Argumentation nach.

Versucht doch mal diese Problematik zusammenzubringen. wird wohl nix ohne jemandem oder allen auf die Füße zu treten. Wenn ich bedenke, was die Stoiber-Kompetenz-Leute alles versprochen haben und wie die wohl auf die Situation reagiert hätten, dann wird mir wesentlich schwummriger.

gruss
winkel

Hallo Winkel,

kannst du allen ernstes hier behaupten, daß Sparen, wo auch
immer, eigentlich ist es überall nötig, nicht richtig ist?

Sparen ist eben niemals zu allen Zeiten richtig, weder im privaten Leben noch beim Staat… Jede andere Meinung ist Fundamentalismus

Du forderst staatliche Ausgaben? Wovon sollen die denn
ausgegeben werden? Gegen Steuererhöhungen wetterst du dann
wahrscheinlich auch wieder!

Vom deficit spendig hast Du wahrscheinlich noch nichts gehört. Und meine Postings in den Politikbrettern, mit denen ich mich hier wirklich nicht beliebt mache, wohl auch nicht… Schade eigentlich, sonst würdest Du meine Meinung kennen…

Hier kann man Spar-Proteste lesen, hier kann man
Ausgaben-Steigerungs-Verlangen lesen, Hier kann man
Verschuldungsproteste lesen, Hier kann man eigentlich alles
lesen, was angeblich schlauer ist, alös das was die Regierung
macht.

Von mir erhälst Du immer die gleichen Aussagen, so Du sie nur wahrnehmen würdest, bevor Du postest… (Nebenbei, ich bin hier wohl der einzige, der sich noch traut zu sagen, dass er Schröder gewählt hat, also vorsichtig mit Deinen „Vorwürfen“)

Versucht doch mal diese Problematik zusammenzubringen. wird
wohl nix ohne jemandem oder allen auf die Füße zu treten. Wenn
ich bedenke, was die Stoiber-Kompetenz-Leute alles versprochen
haben und wie die wohl auf die Situation reagiert hätten, dann
wird mir wesentlich schwummriger.

Mein Worte seit Wochen hier…

Grüße
Jürgen

andere Meinung…
Hi Tommy,

Ich habe da so meine Probleme mit der Staatsverschuldung, die
ja wohl schon gigantisch sein soll.

OK, es ist eine Menge, aber man muß es relativ sehen. Wenn Du es mit der Bilanzsumme der Deutschen Bank vergleichst, scheint es schon viel weniger… Und andere EU-Länder haben prozentual vom BIP fast doppelt so viele Schulden wie wir.

Aber wem schulden wir das Geld eigentlich?

Naja, zb. Privatpersonen, die sich Bundesschatzbriefe kaufen. Aber zb. auch den Sparkassen (die ja witzigerweise dem Staat wieder gehören), da diese als „Hausbank der Gewährträger“ kommunale Projekte finanzieren, zb. die neue Schwimmhalle. Oft wird übersehen, daß die Schulden ja zum geringen Teil von der Regierung gemacht werden als vielmehr von den Kommunen (zb. Berlin).

Können wir das je zurückzahlen?

Die Frage muß lauten: Müssen wir das je zurückzahlen? Wer will dieses Geld wieder haben? Staatsverschuldung gibt es, seit es Staaten gibt. Ich halte sie auch für vertretbar. Überleg mal: Heute wird eine Autobahn gebaut, aber die nächsten 100 Jahre genutzt. Warum sollten die volkswirtschaftlichen Kosten nur in diesem Jahr anfallen? Und: wie in der BWL gilt doch, wer nicht investiert, hat auch keine Aussicht auf Gewinne. Das nennt sich „Leverage-Effekt“: Die Rendite des Investitionsprojekts ist höher als die Kosten der Finanzierung, also die Zinsen. Das gilt genauso bei staatlichen Investitionen, zb. Autobahnbau.

Schwieriger ist es beim Konsum. Staatsschulden sollten niemals dazu aufgenommen werden, um Konsumausgaben zu bezahlen, also zb. Sozialhilfe, Kreditzinsen und Beamtengehälter. Dieses Geld ist nämlich KEINE Investition in die Zukunft und muß daher auch aus aktuellen Finanzmitteln aufgebracht werden. Aber bitte jetzt nicht auf den Politikergehältern rumhacken - zahlen wir diesen Leuten weniger, machen nur noch Leute diesen Job, die sonst nix finden, und die Qualität der Politik wird noch schlechter!

Abgesehen davon wurde ja auch schon das deficit spending, also Ausgaben während wirtschaftlicher Krisen zur Ankurbelung der Wirtschaft, erwähnt. (Allerdings ist das so gedacht, daß in Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs dieses Geld zurückgezahlt wird…)

Zugegeben, momentan ist die Überschuldung etwas aus dem Rahmen geraten und schwer kontrollierbar. Liegt wohl auch daran, daß es uns 50 Jahre lang zu gut ging und wir jetzt schwer akzeptieren können, daß wir uns den Luxus teurer Medizinversorgung, üppiger Sozialleistungen, modernster Sporteinrichtungen etc. nicht mehr leisten können. Da wird aber in den nächsten Jahren ein Umdenken erfolgen. Das zeichnet sich jetzt schon ab. Zwar werden immer noch Schulden gemacht, aber immerhin schämt man sich schon dafür.

Wird denn da nicht so viel Kaufkraft aus dem System gezogen,
dass die Wirtschaft vollends mangels Nachfrage zusammenbricht?

Warum? Das Geld wird ja nicht bei Schröders unter der Matratze aufbewahrt! Wenn ein Schwimmbad gebaut wird, ist schon wieder die örtliche Baufirma um einen Auftrag reicher. Sie zahlt schön Steuern, entläßt keine Arbeiter, diese Arbeiter haben also fett Kohle in der Tasche und liegen vor allem dem Staat nicht auf selbiger, der Konsum steigt. Wird Kindergeld gezahlt, haben die Familien mehr Geld, das sie ausgeben können.
Das Ganze ist also besser, als wenn die Gläubiger des Staates (also letztlich die Bürger) ihr Geld auf Privatbanken legen oder in Aktien investieren, da das Geld dann zu einem großen Teil außer Landes geschafft wird!
Schwierig wird es höchstens bei den Importen (wenn sich der Arbeiter also einen Honda und keinen VW kauft) und bei Fremdarbeitern (wenn also der Bauunternehmer lieber Tschechen einstellt, die ihr Geld dann in Tschechien konsumieren). Das sind aber eher unwichtige Nebeneffekte.

Riesiges Fragezeichen

Ich hoffe, ich konnte das Fragezeichen ein bißchen kleiner machen. Aber die ganze Sache ist so haarig, daß keiner so recht weiß, was wahr ist und was Quatsch ist. Das Problem ist auch VIEL zu komplex, als daß man es mal eben so in einem Artikel abhandeln könnte. Da spielen 1000 Faktoren hinein, die sich alle gegenseitig beeinflussen. Auf jeden Fall halte ich die Staatsverschuldung für weitaus weniger dramatisch, als es oft dargestellt wird bzw. als es für den Normalbürger erscheint. Der Staat besitzt wesentlich mehr Vermögen als Schulden.

ciao,
erik

Hallo Erik,

Können wir das je zurückzahlen?

Die Frage muß lauten: Müssen wir das je zurückzahlen? Wer will
dieses Geld wieder haben?

Diejenigen Anleger, die unserem Staatswesen ihr Geld zur Verfügung gestellt haben. Ich glaube nicht, dass es viele gibt, die ihre Bundesschätzchen gerne abschreiben. Und um weitere Kredite jemals zu bekommen ist es notwendig, 100%(!!!) der aufgenommenen Summe + Zinsen zurückzuzahlen, sonst wird der Schuldner niemals wieder einen Gläubiger finden…

Staatsverschuldung gibt es, seit es
Staaten gibt. Ich halte sie auch für vertretbar. Überleg mal:
Heute wird eine Autobahn gebaut, aber die nächsten 100 Jahre
genutzt.

Nicht nur genutzt, sondern verbraucht! Autobahnen werden verbraucht wie alles andere auch (und schneller als 100Jahre, wenn die 10 Jahre halten, dann ist das IMHO viel). Nur dass Autobahnen (mit wenigen Ausnahmen) nicht handelsfähig sind. Deshalb ist der Vergleich mit Unternehmensinvestitionen müßig, da Autobahnen keinen Wert für den Staatshaushalt darstellen.

Warum sollten die volkswirtschaftlichen Kosten nur in
diesem Jahr anfallen?

Das ist richtig. Da aber der Staat keine GuV oder Bilanz macht, ist das so richtig oder falsch, wie die Bergündung eines Kaufs eines Wohnzimmers auf Pump eines Privathaushalts. Es werden schlicht keine Einnahmen erzielt, so dass Du GuV-Begründungen vergessen kannst.

Und: wie in der BWL gilt doch, wer nicht
investiert, hat auch keine Aussicht auf Gewinne.

Falsch, ich kann natürlich auch ohne Investitionen Gewinne machen. Und Schulden muss ich noch lange nicht machen, selbst wenn ich investiere…

Das nennt
sich „Leverage-Effekt“: Die Rendite des Investitionsprojekts
ist höher als die Kosten der Finanzierung, also die Zinsen.

Falsch, „leverage“ (Hebel) heisst schlicht und ergreifend, dass ich auf das eingesetzte Eigenkapital eine umso höhere Rendite erziele, je mehr Fremdkapital ich gleichzeitig einsetze. Voraussetzung ist hierbei aber, dass ich Gewinne mache! Mache ich nämlich Verluste, mache ich mit dem gleichen Hebel umso mehr Miese bezogen auf mein EK. Ist also nicht ungefährlich und schon gar keine Begründung für Schulden.

Das gilt genauso bei staatlichen Investitionen, zb.
Autobahnbau.

Wo sind die möglichen Gewinne für den Haushalt? Ich sehe nur Verluste derzeit, da es an sich auch nur Konsum ist.

Schwieriger ist es beim Konsum. Staatsschulden sollten niemals
dazu aufgenommen werden, um Konsumausgaben zu bezahlen, also
zb. Sozialhilfe, Kreditzinsen und Beamtengehälter. Dieses Geld
ist nämlich KEINE Investition in die Zukunft und muß daher
auch aus aktuellen Finanzmitteln aufgebracht werden. Aber
bitte jetzt nicht auf den Politikergehältern rumhacken -
zahlen wir diesen Leuten weniger, machen nur noch Leute diesen
Job, die sonst nix finden, und die Qualität der Politik wird
noch schlechter!

ACK

Abgesehen davon wurde ja auch schon das deficit spending, also
Ausgaben während wirtschaftlicher Krisen zur Ankurbelung der
Wirtschaft, erwähnt. (Allerdings ist das so gedacht, daß in
Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs dieses Geld
zurückgezahlt wird…)

Doppelt ACK

Zugegeben, momentan ist die Überschuldung etwas aus dem Rahmen
geraten und schwer kontrollierbar. Liegt wohl auch daran, daß
es uns 50 Jahre lang zu gut ging und wir jetzt schwer
akzeptieren können, daß wir uns den Luxus teurer
Medizinversorgung, üppiger Sozialleistungen, modernster
Sporteinrichtungen etc. nicht mehr leisten können. Da wird
aber in den nächsten Jahren ein Umdenken erfolgen. Das
zeichnet sich jetzt schon ab. Zwar werden immer noch Schulden
gemacht, aber immerhin schämt man sich schon dafür.

Schon Kohl kam mit dem Argument vor 20 Jahren an die Macht, dass Schmidt zuviele Schulden gemacht hätte und damit die Zukunft verspielen würde… Dauert halt lange, das Umdenken…

Auf jeden Fall halte ich
die Staatsverschuldung für weitaus weniger dramatisch, als es
oft dargestellt wird bzw. als es für den Normalbürger
erscheint. Der Staat besitzt wesentlich mehr Vermögen als
Schulden.

Mit dem ersten stimme ich mit Dir überein. Ich sehe auch weniger das Problem in der absoluten Höhe der Schulden als vielmehr in der Höhe des Schuldendienstes. Dieser schränkt nämlich langsam und sicher den politischen Gestaltungsspielraum unglaublich ein. Denn jeder Euro, der für Zins und Tilgung aufgebracht werden muss, liegt felsenfest jeder Beeinflussung entzogen im Haushalt. Wie willst Du noch politisch das System ändern, wenn Du Geldmittel nicht mehr nach Prioritäten vergeben kannst?

Und das Vermögen des Staates anzuführen ist genauso schwierig, wie zu sagen Microsoft, wäre derzeit soundso viele Doller wert. Versuche mal einen Käufer zu finden…

Grüße
Jürgen

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