Hallo Erik,
Können wir das je zurückzahlen?
Die Frage muß lauten: Müssen wir das je zurückzahlen? Wer will
dieses Geld wieder haben?
Diejenigen Anleger, die unserem Staatswesen ihr Geld zur Verfügung gestellt haben. Ich glaube nicht, dass es viele gibt, die ihre Bundesschätzchen gerne abschreiben. Und um weitere Kredite jemals zu bekommen ist es notwendig, 100%(!!!) der aufgenommenen Summe + Zinsen zurückzuzahlen, sonst wird der Schuldner niemals wieder einen Gläubiger finden…
Staatsverschuldung gibt es, seit es
Staaten gibt. Ich halte sie auch für vertretbar. Überleg mal:
Heute wird eine Autobahn gebaut, aber die nächsten 100 Jahre
genutzt.
Nicht nur genutzt, sondern verbraucht! Autobahnen werden verbraucht wie alles andere auch (und schneller als 100Jahre, wenn die 10 Jahre halten, dann ist das IMHO viel). Nur dass Autobahnen (mit wenigen Ausnahmen) nicht handelsfähig sind. Deshalb ist der Vergleich mit Unternehmensinvestitionen müßig, da Autobahnen keinen Wert für den Staatshaushalt darstellen.
Warum sollten die volkswirtschaftlichen Kosten nur in
diesem Jahr anfallen?
Das ist richtig. Da aber der Staat keine GuV oder Bilanz macht, ist das so richtig oder falsch, wie die Bergündung eines Kaufs eines Wohnzimmers auf Pump eines Privathaushalts. Es werden schlicht keine Einnahmen erzielt, so dass Du GuV-Begründungen vergessen kannst.
Und: wie in der BWL gilt doch, wer nicht
investiert, hat auch keine Aussicht auf Gewinne.
Falsch, ich kann natürlich auch ohne Investitionen Gewinne machen. Und Schulden muss ich noch lange nicht machen, selbst wenn ich investiere…
Das nennt
sich „Leverage-Effekt“: Die Rendite des Investitionsprojekts
ist höher als die Kosten der Finanzierung, also die Zinsen.
Falsch, „leverage“ (Hebel) heisst schlicht und ergreifend, dass ich auf das eingesetzte Eigenkapital eine umso höhere Rendite erziele, je mehr Fremdkapital ich gleichzeitig einsetze. Voraussetzung ist hierbei aber, dass ich Gewinne mache! Mache ich nämlich Verluste, mache ich mit dem gleichen Hebel umso mehr Miese bezogen auf mein EK. Ist also nicht ungefährlich und schon gar keine Begründung für Schulden.
Das gilt genauso bei staatlichen Investitionen, zb.
Autobahnbau.
Wo sind die möglichen Gewinne für den Haushalt? Ich sehe nur Verluste derzeit, da es an sich auch nur Konsum ist.
Schwieriger ist es beim Konsum. Staatsschulden sollten niemals
dazu aufgenommen werden, um Konsumausgaben zu bezahlen, also
zb. Sozialhilfe, Kreditzinsen und Beamtengehälter. Dieses Geld
ist nämlich KEINE Investition in die Zukunft und muß daher
auch aus aktuellen Finanzmitteln aufgebracht werden. Aber
bitte jetzt nicht auf den Politikergehältern rumhacken -
zahlen wir diesen Leuten weniger, machen nur noch Leute diesen
Job, die sonst nix finden, und die Qualität der Politik wird
noch schlechter!
ACK
Abgesehen davon wurde ja auch schon das deficit spending, also
Ausgaben während wirtschaftlicher Krisen zur Ankurbelung der
Wirtschaft, erwähnt. (Allerdings ist das so gedacht, daß in
Zeiten des wirtschaftlichen Aufschwungs dieses Geld
zurückgezahlt wird…)
Doppelt ACK
Zugegeben, momentan ist die Überschuldung etwas aus dem Rahmen
geraten und schwer kontrollierbar. Liegt wohl auch daran, daß
es uns 50 Jahre lang zu gut ging und wir jetzt schwer
akzeptieren können, daß wir uns den Luxus teurer
Medizinversorgung, üppiger Sozialleistungen, modernster
Sporteinrichtungen etc. nicht mehr leisten können. Da wird
aber in den nächsten Jahren ein Umdenken erfolgen. Das
zeichnet sich jetzt schon ab. Zwar werden immer noch Schulden
gemacht, aber immerhin schämt man sich schon dafür.
Schon Kohl kam mit dem Argument vor 20 Jahren an die Macht, dass Schmidt zuviele Schulden gemacht hätte und damit die Zukunft verspielen würde… Dauert halt lange, das Umdenken…
Auf jeden Fall halte ich
die Staatsverschuldung für weitaus weniger dramatisch, als es
oft dargestellt wird bzw. als es für den Normalbürger
erscheint. Der Staat besitzt wesentlich mehr Vermögen als
Schulden.
Mit dem ersten stimme ich mit Dir überein. Ich sehe auch weniger das Problem in der absoluten Höhe der Schulden als vielmehr in der Höhe des Schuldendienstes. Dieser schränkt nämlich langsam und sicher den politischen Gestaltungsspielraum unglaublich ein. Denn jeder Euro, der für Zins und Tilgung aufgebracht werden muss, liegt felsenfest jeder Beeinflussung entzogen im Haushalt. Wie willst Du noch politisch das System ändern, wenn Du Geldmittel nicht mehr nach Prioritäten vergeben kannst?
Und das Vermögen des Staates anzuführen ist genauso schwierig, wie zu sagen Microsoft, wäre derzeit soundso viele Doller wert. Versuche mal einen Käufer zu finden…
Grüße
Jürgen