Staatsverschuldung - wo ist die Kohle?

Wenn ich immer solche Geschichten wie Staatsverschuldung, neue Schuldenaufnahme, die Schuldenuhr, etc. dann frage ich mich, wo das Geld wohl ist?
Welche Länder haben noch Geld über und sind schuldenfrei? Wenn es nicht so ist, wäre eine Rückabwicklung und ein gegenseitiges Aufrechnen nicht zum Nutzen aller? Oder sind es einfach inländische Negativbilanzen, die ohne Fremdmittel auflaufen?

Einfach gefragt, wie muß ich mir das vorstellen, wo die Kohle ist?

Danke Euch

Hi,

die Kohle schulden wir ja nicht anderen Ländern!
Hauptsächlich sind es wohl inländische und ausländische Banken und Versicherungen, die die Papiere halten. Aber auch Firmen oder Privatleute, wenn Du z.B. einen Bundesschatzbrief hast, dann bist Du auch ein Gläubiger des Staates.

Gruss
Steffen

Hi Steffen!

Danke für die Antwort. Sicher merkt man schon an der Fragestellung das ich in Sachen Finanzpolitik völlig unbedarft bin.
Wann war denn der Zeitpunkt erreicht, das unsere Finanzsituation (also die des Staates) umgekippt ist? Ich denke doch mal, das am Anfang das Steuersystem kostendeckend funktionierte, oder nicht?

Hi,

Wann war denn der Zeitpunkt erreicht, das unsere
Finanzsituation (also die des Staates) umgekippt ist? Ich
denke doch mal, das am Anfang das Steuersystem kostendeckend
funktionierte, oder nicht?

kleinere Defizite gab es bis Mitte der 70er immer wieder mal, insbesondere während der Wirtschaftskrise 67/68 (rd. € 4 Mrd. Euro). Richtig los ging es dann 1974 mit rd. 5 Mrd € und 1975 mit 15 Mrd. €. Wirklich weniger ist es dann bis heute nich geworden, mit Ausnahme von 1985, 1986 und 1989 mit jeweils um die 10 Mrd. €.

Gruß,
Christian

Nochmals danke :o)

Echten Experten wird meine Fragerei eventuell etwas doof vorkommen, aber ein kleiner Einblick in die weite Welt des Geldes sollte mir noch gewährt werden.
Was war denn in den Anfangsjahren der Verschuldung anders? Wurde der Beamtenapparat massiv aufgebläht, waren es konjukturell schwache Jahre, haben wir auf Kredite verzichtet, oder…?

Echten Experten wird meine Fragerei eventuell etwas doof
vorkommen, aber ein kleiner Einblick in die weite Welt des
Geldes sollte mir noch gewährt werden.
Was war denn in den Anfangsjahren der Verschuldung anders?
Wurde der Beamtenapparat massiv aufgebläht, waren es
konjukturell schwache Jahre, haben wir auf Kredite verzichtet,
oder…?

Die Veschuldung Mitte/Ende der 60er entsprang der damaligen Wirtschaftskrise. Es wurden Kredite für Investitionsprogramme aufgenommen, die dann eigentlich™ nach einem Konjunkturaufschwung nebst steigenden Steuereinnahmen wieder getilgt werden sollten. Daran hielt man sich Ende der 60er noch im weitesten Sinne, unter der SPD-Regierung in den 70er warf man diese Einstellung samt des 1967 beschlossenen Stabilitäts- und Wachstumsgesetzes http://www.students.uni-marburg.de/~Schulzt/politik/… flugs über Bord und das fröhliche Schuldenmachen ward geboren.

Die Begründungen für die weiter steigende Verschuldung wechselten, der Trend blieb. Relativ schnell wurden die Schulden nicht mehr für einmalige Ausgaben gemacht, sondern für laufende Kosten wie den aufgeblähten Sozial- und Verwaltungsstaat.

Eichel hat jetzt übrigens eine neue Dimension entwickelt, nämlich den Verkauf von Bundeseigentum zur Deckung laufender Kosten.

Gruß,
Christian

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Hallo Christian!

Danke für dne etwas vertieften Einblick.

Wie sieht denn das Ende des Tunnels aus? Ich meine damit mehr den GAU. Wann ist der Staat am Ende? Denn eine Umkehr scheint ja derzeit kaum realisierbar.

Hallo nochmal,

Danke für dne etwas vertieften Einblick.

Wie sieht denn das Ende des Tunnels aus? Ich meine damit mehr
den GAU. Wann ist der Staat am Ende?

naja, da ist schon noch etwas Luft. Derzeit belaufen sich die Zinsausgaben auf rd. 37 Mrd. Euro pro Jahr bei Gesamtausgaben von 250 Mrd. bzw. Gesamteinnahmen von rd. 220 Mrd. Selbst wenn irgendwann der gesamte Bundeshaushalt (als Gedankenspiel) nur noch für Zinszahlungen draufgehen würden, könnte man noch die Steuern erhöhen.

Tatsache ist aber, daß der Staat an Handlungsfähigkeit verliert, weil die Zinszahlungen die frei verfügbaren Mittel auffressen. Die geplante Neuverschuldung liegt für 2004 bei knapp 30 Mrd. (Eichel glaubt wohl an den Wihnachtsmann), d.h. selbst wenn die Zinsen wegfielen, blieben nur 7 Mrd. als Handlungsspielraum. Hinzu kommt, daß der Bund in den vergangenen Jahren Verpflichtungen an Länder und Gemeinden abgegeben hat, ohne sie in nennenswertem Ausmaß mit neuen Einnahmen zu versorgen. D.h. die Länder aber vor allem die Gemeinden (die durch die Sozialhilfezahlungen und die wegbrechenden Einnahmen (beides Folgen der Konjunktur) aus der Gewerbesteuer ohnehin schon gekniffen sind) pfeifen aus dem letzten Loch.

Ob der Bund einen weiteren Panzer nicht bezahlen kann, betrifft uns nicht direkt, wohl aber, wenn es den Ländern und Gemeinden am Geld für das nötigste fehlt. Straßenbau und -erhaltung, Schulen, Kultur usw. Die Verschuldung der öffentlichen Hand schränkt also das öffentliche Leben im weitesten Sinne erheblich ein.

Nicht zuletzt sollte man nicht vergessen, daß wir uns derzeit auf dem niedrigst denkbaren Zinsniveau befinden. Wenn die Zinssätze wieder steigen würden, gäbs ein wahres Desaster, weil Eichel den wunderbaren Weitblick hatte, aufgrund der niedrigen kurzfristigen Zinsen in erheblichen Maße von lang- in kurzfristige Schuldtitel umzuschichten. Jedes halbe % im Kurzfristbereich würde den Bund sofort und unmittelbar über den Daumen gepeilt eine Mrd. pro Jahr kosten.

Denn eine Umkehr scheint
ja derzeit kaum realisierbar.

Natürlich ist eine Umkehr möglich, nur würden einige sehr laut schreien. Die Steuerverschwedung liegt pro Jahr bei geschätzten 30 Mrd. Das wäre ein guter Ansatzpunkt, um mit einer Haushaltssanierung zu beginnen. Das Ziel „19,5 Mrd. Neuverschuldung 2008“ ist es nicht.

Gruß,
Christian

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Danke schön! :o)

Wenn weitere Fragen auftauchen, weiss ich ja, wo ich meine Experten finde.

Danke schön! :o)

Wenn weitere Fragen auftauchen, weiss ich ja, wo ich meine
Experten finde.

http://www.staatsverschuldung.de/ :wink: