Hallo,
ich habe zufällig (d. h. ohne dabei viel zu denken) vor etlichen Jahren eine Stahlaktie gekauft, die in den letzten Jahren über alle Erwartungen gestiegen ist. Und jetzt habe ich (von wirtschaftlichen Zusammenhängen nicht viel Ahnung) zwei vielleicht sehr naive Fragen:
Grüße,
I.
Hallo,
- Wieso ist Stahl zyklisch?
weil die Nachfrage nach Stahl von der Konjunktur abhängt.
- Wieso laufen die Stahlaktien derzeit so gut?
Weil die Nachfrage nach Stahl so hoch ist und das kommt wiederum u.a. daher, daß die Nachfrage der Schwellenländer in den letzten Jahren massiv gestiegen ist.
http://www.wdr.de/themen/wirtschaft/wirtschaftsbranc…
Gruß,
Christian
Hallo,
ich habe zufällig (d. h. ohne dabei viel zu denken) vor
etlichen Jahren eine Stahlaktie gekauft, die in den letzten
Jahren über alle Erwartungen gestiegen ist. Und jetzt habe ich
(von wirtschaftlichen Zusammenhängen nicht viel Ahnung) zwei
vielleicht sehr naive Fragen:
- Wieso ist Stahl zyklisch?
Ganz oberflächlich umrissen: Zyklisch heißt, gleichlaufend mit der Konjunktur (also dem allgemeinen Wirtschaftsgeschehen). Geht die Konjunktur aufwärts, werden mehr Waren produziert -> die Auslastung der Unternehmen steigt -> es wird wieder mehr investiert (z.B. in neue Maschinen aus Stahl).
- Wieso laufen die Stahlaktien derzeit so gut?
Der Stahlpreis ist in den letzten Jahren sehr stark gestiegen. Einer der Preistreiber dabei ist China. Das spült den Stahlaktien viel Geld in die Kassen. Diese Unternehmen sind dadurch sehr gesund. Außerdem ist ja auch das allgemeine Marktumfeld sehr positiv (zumindest noch).
Grüße,
I.
Danke Euch beiden, weitere Frage…
Hallo,
danke Jörg und Christian, jetzt bin etwas schlauer. Und ich bin auch erstaunt darüber, daß die Nachfrage aus China einen so großen Effekt auf die Kurse der Stahlaktien hat.
Aber wie groß schätzt Ihr die Gefahr ein, daß dieser Trend zu Ende geht oder sich umkehrt: daß also die Konjunktur aufhört und den Stahlsektor bremst, oder die Nachfrage aus China und Co. aufhört?
Mir scheint, daß es nicht nach einer Trendwende in den nächsten paar Monaten aussieht. Was meint Ihr?
Grüße,
I.
Na in den nächsten Monaten nicht. Aber einige, die jetzt erst oder erst in ein paar Monaten einsteigen, könnten ihre hohen Erwartungen wohl etwas begraben.
Der Preisanstieg wird wohl weitergehen, das dürfte allerdings irgendwie schon in den Kursen enthalten sein. Und irgendwann ist auch der ganz große Hunger nach Stahl gedeckt. Selbst China wird irgendwann fertig. Und dann werden ganz sicher wieder einige Tränen vergossen. Eben von denen, die nicht verstehen können, dass man in der richtigen Phase auf die richtige Sparte setzen sollte.
Drin bleiben ist sicher nicht verkehrt, ganz groß einsteigen würde ich persönlich nicht mehr.
[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]
Preisgleitklauseln und Rohstoffpreise
Hallo,
Aber wie groß schätzt Ihr die Gefahr ein, daß dieser Trend zu
Ende geht oder sich umkehrt: daß also die Konjunktur aufhört
und den Stahlsektor bremst, oder die Nachfrage aus China und
Co. aufhört?
Mir scheint, daß es nicht nach einer Trendwende in den
nächsten paar Monaten aussieht. Was meint Ihr?
so sehe ich das auch. Die Formel steigende Stahlnachfrage=steigende Aktienkurse ist allerdings zu einfach. Einerseits braucht man zur Produktion von mehr Stahl auch mehr Rohstoffe. Die Preise dafür (insbesondere für Stahlschrott und für Eisenerz) sind zu Beginn des Stahlbooms 2004/2005 stark gestiegen. Das hat dazu geführt, daß die Gewinne der Stahlhersteller nicht so stark gestiegen sind wie die Stahlpreise.
Hinzu kommt, daß die Stahlhersteller teilweise langfristige Lieferverträge mit ihren Abnehmern (d.h. Verarbeiter und Händler) haben, so daß Preissteigerungen an diese nicht sofort weitergegeben werden können. Das kann im Einzelfall sogar dazu führen, daß die Gewinne trotz steigender Stahlpreise rückläufig sind.
2006 und 2007 waren die Rohstoffpreise jedoch sogar teilweise rückläufig, so daß die Gewinne der Stahlproduzenten und -händler vielfach stark gestiegen sind.
Aber das Spiel ist noch lange nicht vorbei. So reagiert die Wirtschaft natürlich auf die steigende Nachfrage und erhöht durch den Neubau von Produktionsanlagen und höhere Auslastung die Produktion, was für Entspannung auf dem Markt und damit letztlich stabileren Preisen führt.
Außerdem ist Stahl nicht gleich Stahl, d.h. es gibt verschiedene Sorten und Qualitäten für verschiedene Aufgaben. Vereinfacht gesagt benötigen China und Indien als wichtigste Schwellenländer eher einfachere Qualitäten, die sie inzwischen auch verstärkt herstellen, während sich bspw. ThyssenKrupp auf Edel- und Spezialstähle spezialisiert hat. Mit anderen Worten: DIE Stahlnachfrage gibt es eigentlich nicht, sondern spezifische Marktsituationen in den verschiedenen Segmenten.
Gruß,
Christian
Hinzu kommt, daß die Stahlhersteller teilweise langfristige
Lieferverträge mit ihren Abnehmern (d.h. Verarbeiter und
Händler) haben, so daß Preissteigerungen an diese nicht sofort
weitergegeben werden können. Das kann im Einzelfall sogar dazu
führen, daß die Gewinne trotz steigender Stahlpreise
rückläufig sind.
Wenn die Erzeugung auf dem gleichen Stand bleibt, ja. Steigen aber die Produktionszahlen im Rahmen der höheren Nachfrage, können die zusätzlichen Tonnen zum höheren Preis verkauft werden. Andererseits sieht es bei solchen Verträgen auch so aus, dass diese auch gewisse Sicherheiten bieten, wenn die Preise zwischendurch auf Talfahrt gehen.
2006 und 2007 waren die Rohstoffpreise jedoch sogar teilweise
rückläufig, so daß die Gewinne der Stahlproduzenten und
-händler vielfach stark gestiegen sind.
Ich gehe aber davon aus, dass langfristig die Rohstoff-, und damit auch die Stahlpreise, steigen.
Aber das Spiel ist noch lange nicht vorbei. So reagiert die
Wirtschaft natürlich auf die steigende Nachfrage und erhöht
durch den Neubau von Produktionsanlagen und höhere Auslastung
die Produktion, was für Entspannung auf dem Markt und damit
letztlich stabileren Preisen führt.
Hoffentlich schaffen es diese Anlagen auch, sich zu amortisieren.
Baut ein anderer als Mittal ein Werk, könnte es vielleicht darauf hinauslaufen, dass der mal eben die Produktion erhöht und damit die Preise senkt.
Bin mal gespannt, wann die Deutsche Bahn ihre Werte versilbert, die jetzt rostend in der Heide liegen. Viel günstiger dürften sie es nicht mehr hinbekommen.
Außerdem ist Stahl nicht gleich Stahl, d.h. es gibt
verschiedene Sorten und Qualitäten für verschiedene Aufgaben.
Vereinfacht gesagt benötigen China und Indien als wichtigste
Schwellenländer eher einfachere Qualitäten, die sie inzwischen
auch verstärkt herstellen, während sich bspw. ThyssenKrupp auf
Edel- und Spezialstähle spezialisiert hat. Mit anderen Worten:
DIE Stahlnachfrage gibt es eigentlich nicht, sondern
spezifische Marktsituationen in den verschiedenen Segmenten.
Gruß,
Christian
Das klingt auch logisch
Hinzu kommt, daß die Stahlhersteller teilweise langfristige
Lieferverträge mit ihren Abnehmern (d.h. Verarbeiter und
Händler) haben, so daß Preissteigerungen an diese nicht sofort
weitergegeben werden können. Das kann im Einzelfall sogar dazu
führen, daß die Gewinne trotz steigender Stahlpreise
rückläufig sind.
Wenn die Erzeugung auf dem gleichen Stand bleibt, ja. Steigen
aber die Produktionszahlen im Rahmen der höheren Nachfrage,
können die zusätzlichen Tonnen zum höheren Preis verkauft
werden. Andererseits sieht es bei solchen Verträgen auch so
aus, dass diese auch gewisse Sicherheiten bieten, wenn die
Preise zwischendurch auf Talfahrt gehen.
Das kann sein, muß aber nicht. Wenn der Produzent Gleitklauseln für steigende Preise vereinbaren will, muß er in der Regel auch entsprechendes für fallende Preise hinnehmen. Ansonsten ließe sich kaum ein Kunde nennenswerter Größe auf Preisgleitklauseln ein.
Gruß
Christian
Jetzt gehen wir aber ins Detail.
))
Wir können uns wahrscheinlich drauf einigen, dass in den nächsten Monaten keine anhaltende Korrektur erfolgt, oder?
Ich würde, wie schon beschrieben, drin bleiben. Für den Fall der Neuanlage würde ich nicht übermäßig viel in Stahl investieren.
Außer natürlich, man bekommt einen heißen Tipp vom Bäckermeister Frick
))
Historisches
Hallo,
wenn ich so 30 bis 40 Jahre zurück denke, dann gab es ja viel mehr Konsumartikel, die aus Metall waren. Z. B. bei einer Schreibmaschine.
Dann wurde nach und nach fast alles durch Kunststoffe ersetzt. Diese Kunststoffe besieren alle auf Ölprodukten. Nun frage ich mich, wie lange Öl noch verwendet wird, um irgendwelche Wegwerfartikel herzustellen.
Im Gegensatz zum Öl ist Eisenerz in viel größeren Mengen verfügbar (ich meine speziell für die Kunststoffindustrie, nicht als Kraftstoff für Kfz/PKW). Zudem kann man Eisen/Stahl fast unbegrenzt wiederverwenden.
Ich frage mich, ob nicht in mittelbarer Zukunft der Weg weg vom Kunststoff zurück zum Metall führt.
Gruss
Andreas
Schon lange geschehen, wenn auch nicht unbedingt vom Kunststoff, aber von anderen Metallen weg.
In der Automobilindustrie gehen immer mehr Anbieter weg von Leichtmetall. Besonders an kritischen Stellen bringen hochfeste Stähle mehr Gewichtsersparnis als Alukonstruktionen. Und sind nicht so teuer.
Na in den nächsten Monaten nicht. Aber einige, die jetzt erst
oder erst in ein paar Monaten einsteigen, könnten ihre hohen
Erwartungen wohl etwas begraben.
Der Preisanstieg wird wohl weitergehen, das dürfte allerdings
irgendwie schon in den Kursen enthalten sein. Und irgendwann
ist auch der ganz große Hunger nach Stahl gedeckt. Selbst
China wird irgendwann fertig. Und dann werden ganz sicher
wieder einige Tränen vergossen. Eben von denen, die nicht
verstehen können, dass man in der richtigen Phase auf die
richtige Sparte setzen sollte.
Drin bleiben ist sicher nicht verkehrt, ganz groß einsteigen
würde ich persönlich nicht mehr.
Das sehe ich ähnlich. Was in China wirklich den Rohstoffhunger treibt, sind die Infrastrukturinvestitionen (Autobahnen, Brücken, Olympiastadien…). Irgendwann sind die tatsächlich damit durch. Vielleicht schaust Du Dir mal ein anderes Thema an. Wie wärs mit EcoTrends, d.h. nachhaltige Energien. Ich finde das Thema Wasser, Sonnenenergie usw sehr interessant. Allerdings ist das Thema auch nicht mehr ganz taufrisch…
Hallo,
danke Jörg und Christian, jetzt bin etwas schlauer. Und ich
bin auch erstaunt darüber, daß die Nachfrage aus China einen
so großen Effekt auf die Kurse der Stahlaktien hat.
Aber wie groß schätzt Ihr die Gefahr ein, daß dieser Trend zu
Ende geht oder sich umkehrt: daß also die Konjunktur aufhört
und den Stahlsektor bremst, oder die Nachfrage aus China und
Co. aufhört?
Mir scheint, daß es nicht nach einer Trendwende in den
nächsten paar Monaten aussieht. Was meint Ihr?
Grüße,
I.
Das sehe ich ähnlich. Was in China wirklich den Rohstoffhunger
treibt, sind die Infrastrukturinvestitionen (Autobahnen,
Brücken, Olympiastadien…). Irgendwann sind die tatsächlich
damit durch. Vielleicht schaust Du Dir mal ein anderes Thema
an. Wie wärs mit EcoTrends, d.h. nachhaltige Energien. Ich
finde das Thema Wasser, Sonnenenergie usw sehr interessant.
Allerdings ist das Thema auch nicht mehr ganz taufrisch…
Finger weg von diesen Modewerten!
Fällt hoffentlich bald die Entscheidung, dass die Förderung auf Solarstrom stärker fällt als geplant, werden diese Dinger, die in meinen Augenn sowieso schon sehr teuer sind, eine deutliche Korrektur machen. Hier würde ich persönlich nicht mal mehr drinbleiben, geschweige denn investieren!
Das sehe ich ähnlich. Was in China wirklich den Rohstoffhunger
treibt, sind die Infrastrukturinvestitionen (Autobahnen,
Brücken, Olympiastadien…). Irgendwann sind die tatsächlich
damit durch.
Der Logik folgend müßte der Stahlbedarf in den westlichen Industrienationen seit Jahrzehnten rückläufig sein. Das Gegenteil ist der Fall.
Gruß,
Christian
Warum rückläufig?
Selbst Stahl hält nicht ewig. Und irgendwann muss auch dieses Material ausgetauscht werden. Gebaut wird immer, allerdings hat man in China offenbar noch etwas Nachholbedarf.
Bambus ist zwar sehr stabil, aber hat sicher Grenzen
))
Der Logik folgend müßte der Stahlbedarf in den westlichen
Industrienationen seit Jahrzehnten rückläufig sein. Das
Gegenteil ist der Fall.
Gruß,
Christian