Hi,
mein Mann und ich überlegen schon länger unsere Stammzellen
und die unserer Kinder einzulagern. Gibt es hier jemanden, der
schon Erfahrungen damit gemacht hat, oder genaueres zu dem
Thema (und den Anbietern) weiß? Wir haben bisher nur Anbieter
gefunden, die die Zellen aus dem Nabelschnurblut nehmen. Das
ist bei uns ja nun nicht mehr möglich. Es gibt noch eine Firma
(„Nanorepro“), die die Zellen aus der Haut entnimmt. Das wäre
bisher so die einzige Möglichkeit für uns. Für weitere Tipps
und Optionen wären wir sehr dankbar 
Nun, dazu muss man sich über folgende Sachen klar werden:
- Stammzelle ist nicht gleich Stammzelle. Wichtig ist hierbei die Unterscheidung von embryonalen und adulten Stammzellen. Während die embryonalen Stammzellen wirklich omnipotent sind (sich also in alle Zelltypen entwickeln können) gilt dies für adulte Stammzellen (wahrscheinlich) nicht. Diese sind eher als „pluripotent“ (= können vieles, aber nicht alles) anzusehen.
Während embryonale Stammzellen nur im frühen Embryo vorkommen, sind adulte (auch: somatische) Stammzellen im Organismus nach der Geburt (postnatales Stadium) vorhanden. Aus diesen Zellen werden während der gesamten Lebensdauer des Organismus neue spezialisierte Zellen gebildet. Adulte Stammzellen, die in Organen (besonders im Knochenmark, in der Haut, aber auch im Fettgewebe, in der Nabelschnur und im Nabelschnurblut, im Gehirn, der Leber oder der Bauchspeicheldrüse) zu finden sind, haben aber im allgemeinen in Zellkultur ein deutlich geringeres Selbsterneuerungsvermögen und ein eingeschränkteres Differenzierungspotential als embryonale Stammzellen. So können sich neurale Stammzellen zu allen Zelltypen des Nervengewebes (Neuronen, Glia etc.), wohl aber nicht zu Leber- oder Muskelzellen entwickeln. Ein Keimblatt-überschreitendes Differenzierungspotential bestimmter Stammzelltypen (Fähigkeit zur Transdifferenzierung) wurde in verschiedenen Studien beobachtet, ist jedoch höchst umstritten.
- Steckt die Gewinnung von Stammzellen aus der Haut noch in den Kinderschuhen. Sie ist übrigens nicht mit der Neuprogrammierung (siehe Kazutoshi Takahashi and Shinya Yamanaka) von Hautzellen zu verwechseln.
Weiterhin ist immernoch umstritten, dass adulte Stammzellen über die erhoffte Plastizität (= Fähigkeit sich in alle möglichen Zelltypen zu entwickeln) verfügen.
(siehe z.B. diesen leider kostenpflichtigen Artikel)
http://www.sciencedirect.com/science?_ob=ArticleURL&…
Auf der Seite des Abieters wird (zumindest auf den ersten Blick) nicht ersichtlich, ob sie Stammzellen aus der Haut gewinnen, Stammzellen aus den Hautzellen durch Umprogrammierung herstellen oder ob sie lediglich eine Probe Hautzellen, die unter anderem auch Stammzellen enthalten (können) einfrieren. Letzteres ist aber am wahrscheinlichsten (weil billigsten). Außerdem wäre die „recovery“-Rate interessant, d.h. wie viele der eingefrorenen Zellen sich wirklich „wiederbeleben“ lassen.
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Muss man sich klar werden, dass fraglich ist, ob sich die Behandlung mit eigenen Stammzellen für die Behandlung der genannten Krankheiten eignet (eignen wird). Schließlich sind zahlreiche Krankheiten das Ergebnis von angeborenen Gendefekten. Diese Defekte tragen die eingefrorenen Zellen ja auch. Natürlich kann es sein, dass man in der Zukunft einmal in der Lage sein wird, nicht nur die Stammzellen beliebig „umzuprogrammieren“ sondern dabei auch vorhandene Gendefekte zu reparieren.
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Welchen Vorteil soll die Entnahme und das Einfrieren haben? Schließlich tragen wir ja zahlreiche Zellen mit uns herum, die sich auch ständig erneuern. Wenn die Methoden so weit sind, dass man aus adulten Stammzellen verlässlich wieder oimnipotente Stammzellen herstellen kann (was für den Nutzen der eingefrorenen Hautstammzellen Voraussetzung wäre), dann ist es auch möglich, dass man auch einem 90jährigen Stammzellen gewinnen kann.
Fraglich ist außerdem, ob man im akuten Fall nicht doch lieber frische Stammzellen z.B. aus dem Knochenmark gewinnen wird, als irgendwelche eingefrorenen Hautstammzellen zu nutzen.
Gruß,
Sax