Hallo NanaBanana84,
tut mir leid, dass ich erst heute Zeit finde, Dir zu antworten.
Da ich nicht weiß, aus welchen Gründen Du der Meinung bist, dass Dein VAter eine Psychotherapie braucht, ist eine Antwort auch nicht ganz leicht. Ich versuche einfach mal, Dir verschiedene Möglichkeiten aufzuzeigen.
Da wäre einmal die ambulante Therapie bei einem Therapeuten seiner Wahl. Man muss unterscheiden zwischen kassenzugelassenen Therapeuten und heilkundlichen Therapeuten.
Erstere bezahlt die Krankenkasse. Die Wartezeiten auf einen Termin sind lang (wie ihr schon festgestellt habt), und die Therapeuten dürfen auch nur bestimmte zugelassene Therapieverfahren anwenden (Tiefenpsychologische Verfahren, Psychoanalyse, Verhaltenstherapie). Sind alles erprobte Verfahren, die sich aber teilweise über einen langen Zeitraum hinziehen können (bei Psychoanalyse vielleicht sogar mehrere Jahre, auch bei mehreren Sitzungen pro Woche). Eine Kassentherapeut rechnet direkt mit der Krankenkasse ab und hat natürlich eine ärztliche bzw. gleichwertige Ausbildung genossen. Das muss aber noch lange nicht heißen, dass er ein „guter“ Therapeut ist. Das allerwichtigste bei einer Psychotherapie ist ein absolutes Vertrauensverhältnis zwischen Klient und Therapeut, die Chemie muss einfach stimmen, sonst wird das mit der Therapei nichts.
Wesentlich schneller bekommt man einen Termin bei einem heilkundlichen Therapeuten, der allerdings nur privat abrechnet. Wenn Dein Vater als Selbständiger privat versichert sein sollte, kann es sein, dass seine Kasse die Kosten übernimmt - vorher nachfragen. Ein heilkundlicher Therapeut hat freie Wahl zwischen allen möglichen Therapieverfahren - neben den schon genannten gibt es da eine ganze Unzahl von Methoden, auch Kurzzeittherapien sind z.T. sehr erfolgreich. Er wird als seriöser Therapeut Deinem Vater verschiedene Methoden anbieten und dann gemeinsam mit ihm das herausfinden, was am besten passt. Aber Vorsicht, auf diesem Markt tummelt sich allerhand, was sich Therapeut nennt, aber keiner ist. Auf jeden Fall den Nachweis über die abgelegte Heilpraktikerprüfung (Psychotherapie) verlangen, Ausbildungsnachweise, auch Mitgliedschaft in einem Verband wie VFP o.ä. sind von Vorteil. Und wie gesagt, die Chemie muss stimmen. Ein seriöser Therapeut wird immer zunächst auch ein kostenloses Erstgespräch anbieten, um dieses zu erkunden (die Chemie).
Eine stationäre Therapie kann entweder in einer Ganztagsklinik oder „Teilzeitklinik“ - meist Tageskliniken, aber es gibt auch Nachtkliniken)stattfinden. Das sind im Prinzip krankenhausähnliche Einrichtungen mit einer meist straffen Tagesstrukturierung. Aus der kann man sich auch nicht einfach ausklinken, wenn die Therapie erfolgreich sein soll. Da achten schon die Kassen drauf, dass der Betreffende auch mitarbeitet, denn schließlich ist so eine Therapie nicht billig und die Kassen möchten natürlich, dass das in den Versicherten investierte Geld auch was bringt. Bei privaten Kassen ist es manchmal noch schwieriger, kommt drauf an, ob so eine stationäre Psychotherapie auch mitversichert ist.
Eine Psychotherapie ist ganz allgemein nicht so ganz nebenbei zu erledigen, da sie ja Veränderungen der Persönlichkeit, der Verhaltens- und Denkmuster anstrebt. Man setzt sich da nicht nur eine Stunde lang hin und redet, sondern die Sitzungen wirken in der Person nach, und das kann schon anstrengend werden (auch für die Angehörigen etc). Sie erfordert das Mitwirken des ganzen Menschen, und vor allem muss der Betreffende diese Veränderungen auch selbst wollen, sonst kann man es gleich vergessen. Sollte Dein Vater nur deshalb zur Therapie gehen, weil Du der Meinung bist, er braucht es, dann kann er es auch sein lassen.
Eine stationäre Therapie, die ja noch viel intensiver ist als eine ambulante, macht man bestimmt nicht so neben dem Beruf her, das würde wohl auch wenig erfolgversprechend sein.
Nun möchte ich Dir und Deinem Vater das Allerbeste wünschen, dass ihm schnell geholfen werden kann. Hast Du noch Fragen, kannst Du mich gerne kontaktieren.
Alles Gute, Marlis