Sehr geehrte Frau Jordan,
>>> :Meine Freundin (ja ich weiß, das klingt jetzt gelogen…is
aber nicht) will in den Schulferien evtl. zur Behandlung von
Borderline (schreibt man das so??)…
Ja, man schreibt das so. Gemeint ist die so genannte „Emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typus“, kurz auch „Borderline-Persönlichkeitsstörung“ genannt.
>>> … in eine spezielle Klinik gehen.
Sie ist in ambulanter Therapie aber sagt, dass sie es doof
findet, die Therapeutin nur 2mal im Monat zu sehen.
Ich weiß nicht warum, aber sie sagt, öftere Termine werden ihr
nicht gegeben und deshalb will sie jetzt ihre Therapeutin nach
Überweisung in eine Klinik bitten.
Das ist in der Tat ein Problem. Die meisten niedergelassenen Psychotherapeuten haben sehr lange Wartefristen, und man kann dann froh sein, wenn man einen 50-minütigen Termin pro Woche kriegt (mehr würden außerdem auch die Krankenkassen in den meisten Fällen nicht bezahlen). Bloß einmal in 14 Tagen erscheint mir aber gerade bei diesem Störungsbild doch ein bißchen wenig zu sein…
>>> :Meine Frage (und Befürchtung) ist folgende:
Lohnt sich das für 2 Wochen (ich kannte bisher nur
Langzeitaufenthalte), oder wird dadurch mehr „kaputt gemacht“,
als geholfen?
Zwei Wochen sind in der Regel viel zu kurz.
Es sei denn, es handelt sich lediglich um eine so genannte „Krisenintervention“, z.B. bei akuter Selbstmordgefahr.
>>> :Sie fragt mich ständig um Rat, und ich weiß über solche
Kliniken so wenig… 
Vielleicht kaufen Sie oder Ihre Freundin sich mal einen guten Patientenratgeber, wie z.B. das Buch von Ingrid Sender: „Ratgeber Borderline-Syndrome“, CIP-Medien, München 2000 (Sie können sich auch im Buchhandel beraten lassen), damit Sie das Krankheitsbild besser verstehen lernen. Einen guten Ruf hat z.B. die Station 8 der Psychiatrischen Universitätsklinik Freiburg (Ansprechpartner: Oberarzt Dr. med. Martin Bohus), aber ich weiß ja nicht, wo Ihre Freundin wohnt. Eigentlich sollte die Therapeutin eine geeignete Klinik empfehlen können - *wenn* sie überhaupt einen stationären Aufenthalt für sinnvoll hält.
>>> :Zudem finde ich, dass sie suizidgefährdet ist, aber ihre Thera
nimmt das nicht so ernst (ich meine, wenn ich mit ihr über ne
Brücke gehe, springt sie total plötzlich aufs Geländer und
balanciert auf 10m Höhe über ner Hauptstraße).
Das macht mir total Angst, aber meine Freundin sagt,
Risikobereitschaft gehört zum Krankheitsbild -das hätte nichts
mit Selbstmord zu tun…
„Netter“ Kommentar (gegenüber einem nahestehenden Menschen, der sich berechtigte Sorgen macht)… Die Suizidalität ist bei Borderlinerinnen besonders schwer zu beurteilen, da sie sich ja auch ohne Tötungsabsicht ständig Selbstverletzungen zufügen (wie z.B. Ritzen am Unterarm). Andererseits können natürlich auch diese Patientinnen wirklich Selbstmord begehen.
Damit sind Sie als Laie überfordert, normalerweise ist das Aufgabe der Therapeutin.
>>> :Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber mir geht es hier
hauptsächlich darum, wass ich meiner Freundin raten soll? Ich
meine, ich hab sie richtig lieb, und wenn die Klinikfritzen
sie dann mit Pillen zupumpen…??
Das ist quatsch. Die Borderline-Persönlichkeitsstörung wird in den Kliniken auf der *Psychotherapie*-Station behandelt, d.h., Medikamente stehen da *nicht* im Vordergrund (außer vielleicht mal vorübergehend bei einem akuten Spannungszustand oder Suizidalität).
>>> :Bitte einfach mal um Rat, vielleicht hat ja jemand hier
Erfahrung mit stationären Therapien gemacht und kann mir
weiterhelfen… (?)
Es gibt außer den Selbsthilfebüchern und Patientenratgebern auch im Internet sicherlich zahlreiche Erfahrungsberichte von Betroffenen und ein entsprechender Austausch (versuchen Sie eine Suchwortmaschine und schauen Sie, ob Sie etwas geeignetes und seriöses finden).
Mit freundlichen Grüßen,
Dr. med. Stefan Müschenich