stationäre Therapie?

Liebe www-ler !

Meine Freundin (ja ich weiß, das klingt jetzt gelogen…is aber nicht) will in den Schulferien evtl. zur Behandlung von Borderline (schreibt man das so??) in eine spezielle Klinik gehen.
Sie ist in ambulanter Therapie aber sagt, dass sie es doof findet, die Therapeutin nur 2mal im Monat zu sehen.

Ich weiß nicht warum, aber sie sagt, öftere Termine werden ihr nicht gegeben und deshalb will sie jetzt ihre Therapeutin nach Überweisung in eine Klinik bitten.

Meine Frage (und Befürchtung) ist folgende:
Lohnt sich das für 2 Wochen (ich kannte bisher nur Langzeitaufenthalte), oder wird dadurch mehr „kaputt gemacht“, als geholfen?
Sie fragt mich ständig um Rat, und ich weiß über solche Kliniken so wenig… :frowning:
Zudem finde ich, dass sie suizidgefährdet ist, aber ihre Thera nimmt das nicht so ernst (ich meine, wenn ich mit ihr über ne Brücke gehe, springt sie total plötzlich aufs Geländer und balanciert auf 10m Höhe über ner Hauptstraße).
Das macht mir total Angst, aber meine Freundin sagt, Risikobereitschaft gehört zum Krankheitsbild -das hätte nichts mit Selbstmord zu tun…
Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber mir geht es hier hauptsächlich darum, wass ich meiner Freundin raten soll? Ich meine, ich hab sie richtig lieb, und wenn die Klinikfritzen sie dann mit Pillen zupumpen…??

Bitte einfach mal um Rat, vielleicht hat ja jemand hier Erfahrung mit stationären Therapien gemacht und kann mir weiterhelfen… (?)

Ratsuchende Grüße
Lyra Jordan

Sehr geehrte Frau Jordan,

>>> :Meine Freundin (ja ich weiß, das klingt jetzt gelogen…is

aber nicht) will in den Schulferien evtl. zur Behandlung von
Borderline (schreibt man das so??)…

Ja, man schreibt das so. Gemeint ist die so genannte „Emotional instabile Persönlichkeitsstörung vom Borderline-Typus“, kurz auch „Borderline-Persönlichkeitsstörung“ genannt.

>>> … in eine spezielle Klinik gehen.

Sie ist in ambulanter Therapie aber sagt, dass sie es doof
findet, die Therapeutin nur 2mal im Monat zu sehen.
Ich weiß nicht warum, aber sie sagt, öftere Termine werden ihr
nicht gegeben und deshalb will sie jetzt ihre Therapeutin nach
Überweisung in eine Klinik bitten.

Das ist in der Tat ein Problem. Die meisten niedergelassenen Psychotherapeuten haben sehr lange Wartefristen, und man kann dann froh sein, wenn man einen 50-minütigen Termin pro Woche kriegt (mehr würden außerdem auch die Krankenkassen in den meisten Fällen nicht bezahlen). Bloß einmal in 14 Tagen erscheint mir aber gerade bei diesem Störungsbild doch ein bißchen wenig zu sein…

>>> :Meine Frage (und Befürchtung) ist folgende:

Lohnt sich das für 2 Wochen (ich kannte bisher nur
Langzeitaufenthalte), oder wird dadurch mehr „kaputt gemacht“,
als geholfen?

Zwei Wochen sind in der Regel viel zu kurz.
Es sei denn, es handelt sich lediglich um eine so genannte „Krisenintervention“, z.B. bei akuter Selbstmordgefahr.

>>> :Sie fragt mich ständig um Rat, und ich weiß über solche

Kliniken so wenig… :frowning:

Vielleicht kaufen Sie oder Ihre Freundin sich mal einen guten Patientenratgeber, wie z.B. das Buch von Ingrid Sender: „Ratgeber Borderline-Syndrome“, CIP-Medien, München 2000 (Sie können sich auch im Buchhandel beraten lassen), damit Sie das Krankheitsbild besser verstehen lernen. Einen guten Ruf hat z.B. die Station 8 der Psychiatrischen Universitätsklinik Freiburg (Ansprechpartner: Oberarzt Dr. med. Martin Bohus), aber ich weiß ja nicht, wo Ihre Freundin wohnt. Eigentlich sollte die Therapeutin eine geeignete Klinik empfehlen können - *wenn* sie überhaupt einen stationären Aufenthalt für sinnvoll hält.

>>> :Zudem finde ich, dass sie suizidgefährdet ist, aber ihre Thera

nimmt das nicht so ernst (ich meine, wenn ich mit ihr über ne
Brücke gehe, springt sie total plötzlich aufs Geländer und
balanciert auf 10m Höhe über ner Hauptstraße).
Das macht mir total Angst, aber meine Freundin sagt,
Risikobereitschaft gehört zum Krankheitsbild -das hätte nichts
mit Selbstmord zu tun…

„Netter“ Kommentar (gegenüber einem nahestehenden Menschen, der sich berechtigte Sorgen macht)… Die Suizidalität ist bei Borderlinerinnen besonders schwer zu beurteilen, da sie sich ja auch ohne Tötungsabsicht ständig Selbstverletzungen zufügen (wie z.B. Ritzen am Unterarm). Andererseits können natürlich auch diese Patientinnen wirklich Selbstmord begehen.
Damit sind Sie als Laie überfordert, normalerweise ist das Aufgabe der Therapeutin.

>>> :Ich weiß nicht, ob das stimmt, aber mir geht es hier

hauptsächlich darum, wass ich meiner Freundin raten soll? Ich
meine, ich hab sie richtig lieb, und wenn die Klinikfritzen
sie dann mit Pillen zupumpen…??

Das ist quatsch. Die Borderline-Persönlichkeitsstörung wird in den Kliniken auf der *Psychotherapie*-Station behandelt, d.h., Medikamente stehen da *nicht* im Vordergrund (außer vielleicht mal vorübergehend bei einem akuten Spannungszustand oder Suizidalität).

>>> :Bitte einfach mal um Rat, vielleicht hat ja jemand hier

Erfahrung mit stationären Therapien gemacht und kann mir
weiterhelfen… (?)

Es gibt außer den Selbsthilfebüchern und Patientenratgebern auch im Internet sicherlich zahlreiche Erfahrungsberichte von Betroffenen und ein entsprechender Austausch (versuchen Sie eine Suchwortmaschine und schauen Sie, ob Sie etwas geeignetes und seriöses finden).

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. med. Stefan Müschenich

Ich vergaß zu erwähnen, daß sich in der Behandlung der Borderline-Persönlichkeitsstörung die so genannte „Dialektisch-behaviorale Therapie“ (DBT) nach Marsha Linehan besonders bewährt hat.
Sie kann ambulant oder stationär (so auch in Freiburg) durchgeführt werden.

Müschenich

Sehr geehrter Herr Müschenich!

Vielen Dank für Ihre ausführlichen Informationen. Ich denke ich werde erstmal einem ihrer Hinweise (Buch, Internet…) nachgehen, da ich als Außenstehende Person in Sachen Therapie wohl eh nichts machen kann.

Immerhin bestätigen Ihre Aussagen meine Meinung, dass 2Wochen Klinikaufenthalt nicht sinnvoll sind, jetzt werde ich nur noch versuchen müssen, meine Freundin davon zu überzeugen…
…oder ich überlasse ihren Wunsch einfach dem Beurteilunngsvermögen ihrer Therapeutin.

Nochmal Danke!
Grüße
L.J.