Hallo, Oliver,
Falls bekannt ist, daß die Indikatoren dasselbe Konstrukt
messen, bräuchte man dann eine Faktorenanalyse?
Die Faktorenanalyse ist nützlich um ein Messmodell zu spezifizieren. In diesem Fall würde man die Faktorenanalyse einsetzen, um das Messmodell zu überprüfen und die Pfadkoeffizienten zu bestimmen. Mit deren Hilfe können dann die gemessenen Indikatoren zu einem Konstrukt zusammengefasst werden. Dies war das Ziel des Unterfangens. Ginge das auch ohne Faktorenanalyse?
Mit der Aussage „es gibt nur einen Faktor“ kann ich - je mehr
ich mich mit der Faktorenanalyse beschäftige - immer weniger
anfangen: Existieren Faktoren wirklich (als Gegenstände? als
Prozesse?) oder sind es nur mathematische Konstruktionen, um
lineare Gleichungssysteme zu lösen?
Sie sind mathematische Konstruktionen. Sie abstrahieren bestimmte Gemeinsamkeiten zwischen den verschiedenen Indikatoren. Dadurch haben sie einen heuristischen Wert: Sie helfen hilfreiche Konstrukte zu entdecken. Diese müssen dann aber erst validiert werden, bevor ihnen eine inhaltliche Bedeutung zugeschrieben werden kann.
Selbst wenn die Ergebnisse einer Faktorenanalyse
darauf hindeuten, daß sich die linearen Zusammenhänge in einer
Datenmatrix durch einen Faktor gut beschreiben lassen, so
bedeutet das nicht, daß sich die linearen Zusammenhänge nur
durch einen Faktor gut beschreiben lassen
Das ist ein ganz wichtiger Punkt. Man kann ein Modell nicht „beweisen“, indem man eine konfirmative Faktorenanalyse rechnet. Sinvolle Aussagen kann man nur durch den Vergleich mehrerer Strukurmodelle erhalten.
- davon, daß sie
durch einen Faktor (oder mehrere) „verursacht werden“ ganz zu
schweigen.
Wenn man bedenkt, dass die Ergebnisse der FA auf Korrelationsdaten beruhen, ist es verwunderlich, dass in Strukturmodellen überhaupt gerichtete Beziehungen eingezeichnet werden. Dies täuscht vor, man hätte diese Aussage durch die FA gewonnen. In Wirklichkeit ist dies aber nur eine Annahme, auf welcher die Modellspezifikation beruht.
Du hast auch erwähnt, dass es unendlich viele Lösungen für die Gleichungssysteme gibt. Dies finde ich sehr problematisch, weil der Anwender nur eine dieser Lösung sieht. Kann es theoretisch auch zwei sehr unterschiedliche, aber ähnlich gute Lösungen geben? Wie kann man überprüfen, dass dies nicht der Fall ist?
Viele Grüße,
Falk