Stauffenberg und das Attentat

Hallo,

in verschiedenen Büchern und Fernsehdokumentationen habe ich anklingen gehört, dass die Attentäter vom 20. Juli 1944, wäre es geglückt, den Deutschen tatsächlich gar nicht so viel Besserung gebracht hätten.

Begründet wird dies damit, dass die Pläne über das weitere Vorgehen von Stauffenberg und den anderen Attentätern letztlich gar nicht so viel besser waren.

Stauffenberg war sicher kein überzeugter Nationalsozialist, seine Vorstellungen von einer Staatsführung jedenfalls sollen aber möglicher Weise auch nicht gerade demokratisch angehaucht gewesen sein. Aussage einiger Zeitzeugen, an die ich mich erinnere: „Wir wären vom Regen in die Traufe gekommen.“

Letztlich sei auch das Motiv für das Attentat weniger die Verurteilung der nationalsozialistischen Verbrechen als vielmehr die Kritik an der militärischen Führung gewesen.

Es würde mich interessieren, ob jemand hierüber genauere Kenntnisse hat, bzw. ob da überhaupt etwas dran ist.
Gruß
Dea

Stauffenberg war sicher kein überzeugter Nationalsozialist,
seine Vorstellungen von einer Staatsführung jedenfalls sollen
aber möglicher Weise auch nicht gerade demokratisch angehaucht
gewesen sein.

Möglicher Weise? ;o)
Wohl eher definitiv - Demokraten waren die Attentäter um Stauffenberg definitiv nicht, aber das ist weniger der Punkt. Da mit der Entmachtung der Nationalsozialisten auch eine Entmachtung von SS und Gestapo einhergegangen wäre, wäre die Marschrichtung in eine definitive Besserung der Lage - militärisch, als auch in Sachen Menschenrechte - definitiv klar gewesen. Und das eben speziell, weil der Widerstand in diesem Fall von Offizieren ausging, andere Gruppen hätten solche Wirkungen kaum oder gar nicht herbeiführen können!

Gruß ANdreas

Hallo,

in verschiedenen Büchern und Fernsehdokumentationen habe ich
anklingen gehört, dass die Attentäter vom 20. Juli 1944, wäre
es geglückt, den Deutschen tatsächlich gar nicht so viel
Besserung gebracht hätten.

Die Stauffenberg-Gruppe und die SS (Schellenberg/Himmler)
wollten Mitte 1944 im Grunde das Selbe erreichen
(Beseitigung Hitlers, Verhinderung des Sieges der
Roten Armee im Osten und/durch Zugeständnisse und
Vereinbarungen gegenüber den Westalliierten).

Aber aus unterschiedlichen Motivationen!

Auf der einen Seite die SS-Technokraten, die
mit Logik und Präzision ihre „Machtfrage“ rational
behandelten - und auf der anderen Seite „antiquierte“
Royalisten mit christlichen Überzeugungen und humanistischem
Verhaltenskodex.

Ob irgend etwas „besser“ als die Eroberung halb
Deutschlands durch die Russen und das Niederbrennen
praktisch aller größeren deutschen Städte im letzten
Kriegsjahr durch Briten und Amerikaner gewesen
wäre - wer weiss?

Grüße

CMБ

Hallo,

da bleibt wohl Vieles für alle Zeiten Spekulation.
Tatsächlich waren die Motive der verschwörer ja sehr verschieden und die politischen Ansichten gleichermaßen. Einig war man sich nur in 2 Dingen: Hitler muß weg und der Krieg ist so nicht mehr zu gewinnen.

Es waren einige leute mit eingebunden und informiert, die dem Großbürgertum zuzurechnen waren - nach allem was wir wissen, war da eine Art zivile Regierung geplant - keine Militärdiktatur. Aber schon da war vieles noch unklar, manche der ins Auge gefaßten personen waren wohl noich gar nicht informiert bzw. gefragt worden, ob sie überhaupt dazu bereit wären.
Im Großen und Ganzen war es wohl ein Putschversuch von Offizieren - die machten sich wenig Gedanken über die zukünftige Regierung sondern sahen mehr das drohende militärische Scheitern als Problem. Und die hatten einfach die Vorstellung, nach Beseitigung der Führung und Installation einer neuen Regierung dann einfach Verhandlungen mit den Westmächten, eventuell auch mit den Russen, wegen eines baldigen kriegsendes aufnehmen zu können.
Ich persönlich halte schon diese Vorstellung für utopisch - nach allem, was da geschehen war, wäre wh nur eine Art Kapitulation in Frage gekommen unter Bedingungen, zu denen diese Militärs nie bereit gewesen wären.

Gernot Geyer

Hallo

in verschiedenen Büchern und Fernsehdokumentationen habe ich
anklingen gehört, dass die Attentäter vom 20. Juli 1944, wäre
es geglückt, den Deutschen tatsächlich gar nicht so viel
Besserung gebracht hätten.

Begründet wird dies damit, dass die Pläne über das weitere
Vorgehen von Stauffenberg und den anderen Attentätern
letztlich gar nicht so viel besser waren.

Das hängt von der Sicht des Betrachters ab: den nach dem Attentat an allen Fronten Gefallenen, den in den KZ’s Ermordeten oder in den Städten Ausgebombten hätte eine geglückte Machtübernahme durch die Verschwörer um Staufenberg das Leben gerettet. Ansonsten wäre der Lauf der Geschichte wahrscheinlich aber eine ähnliche geblieben, die Bedingungslose Kapitulation (Casablanca-Konferenz) und die Teilung Deutschlands (Teheran-Konferenz) standen bereits fest und somit hätte auch die Entscheidung über die zukünftige Staatsform nicht mehr in den Händen der Verschwörer gelegen.

Servus.
Neben den mehr oder weniger konservativen und eventuell nicht demokratischen Offizieren war Julius Leber, seines Zeichens SPD-Mann und bereits vor dem Krieg im Widerstand, als Mitglied der zukünftigen Regierung vorgesehen.
MfG Christoph

Danke
Vielen Dank für die interessanten Antworten. Ich freue mich natürlich über jede weitere.
Gruß
Dea

Geschichte sagt nicht, was geschehen wäre, wenn

Hallo, Consuala

anklingen gehört, dass die Attentäter vom 20. Juli 1944, wäre
es geglückt, den Deutschen tatsächlich gar nicht so viel
Besserung gebracht hätten.

Solche Konstruktionen gehören nicht zur Geschichtswissenschaft. Diese
beschreibt, was geschehen ist, nicht was geschehen wäre, wenn …

Freundlich grüss

Rolf

Hallo Dea,

mich wundert etwas, dass niemand die von Dir angedeueten Meinungen als das bezeichnet, was sie sind: Verleumdungen. Besonders infam finde ich die Aussage, nach einem erfolgreichen Putsch wäre es schlimmer geworden. Jaja, stimmt schon: aber für die SS.

Auch wenn die Träger des 20. Juli hauptsächlich Militärs waren (das ergibt sich allerdings zwingend aus der Sachlage), so waren deren Motive keineswegs militärisch. Der 20. Juli ist ja nur das Ende einer langen Reihe versuchter Attentate. Es ging eben vor allem um das Signal: nicht alle sind Nazis. Und die geringe Erfolgschance war den Beteiligten wohlbewusst.

Die Frage der Staatsform war in der Tat nicht geklärt. Aber völlige Einigkeit bestand darüber, Deutschland wieder zum Rechtsstaat zu machen. Das alleine ist aller Ehren wert. Dass Stauffenberg eine elitäre Aufassung hatte, ist politisch nicht zu verdammen. Immerhin war er es, der den erwähnten Leber als Reichskanzler ins Spiel brachte (gegen den konservativen Goerdeler).

Mir scheint, dass es noch heute genügend Motive gibt, die Menschen des 20. Juli verächtlich zu machen. DAS sollte mal aufgearbeitet werden: der Deutschen ungeliebte Widerstandskämpfer.

Gruß,
Andreas

in verschiedenen Büchern und Fernsehdokumentationen habe ich
anklingen gehört, dass die Attentäter vom 20. Juli 1944, wäre
es geglückt, den Deutschen tatsächlich gar nicht so viel
Besserung gebracht hätten.

Begründet wird dies damit, dass die Pläne über das weitere
Vorgehen von Stauffenberg und den anderen Attentätern
letztlich gar nicht so viel besser waren.

Stauffenberg war sicher kein überzeugter Nationalsozialist,
seine Vorstellungen von einer Staatsführung jedenfalls sollen
aber möglicher Weise auch nicht gerade demokratisch angehaucht
gewesen sein. Aussage einiger Zeitzeugen, an die ich mich
erinnere: „Wir wären vom Regen in die Traufe gekommen.“

Letztlich sei auch das Motiv für das Attentat weniger die
Verurteilung der nationalsozialistischen Verbrechen als
vielmehr die Kritik an der militärischen Führung gewesen.

Es würde mich interessieren, ob jemand hierüber genauere
Kenntnisse hat, bzw. ob da überhaupt etwas dran ist.
Gruß
Dea

Hallo,

in verschiedenen Büchern und Fernsehdokumentationen habe ich
anklingen gehört, dass die Attentäter vom 20. Juli 1944, wäre
es geglückt, den Deutschen tatsächlich gar nicht so viel
Besserung gebracht hätten.

Die müssen entweder sehr tendenziös gewesen sein, oder du gibst es nur sehr verkürzt wieder.

Begründet wird dies damit, dass die Pläne über das weitere
Vorgehen von Stauffenberg und den anderen Attentätern
letztlich gar nicht so viel besser waren.

Besser als was? Totaler Krieg bis zum Ende? Weitere KZ-Ausbauten? Mir scheint, ALLES wäre besser gewesen als das letzte Kriegsjahr 1944/45.

Stauffenberg war sicher kein überzeugter Nationalsozialist,
seine Vorstellungen von einer Staatsführung jedenfalls sollen
aber möglicher Weise auch nicht gerade demokratisch angehaucht
gewesen sein. Aussage einiger Zeitzeugen, an die ich mich
erinnere: „Wir wären vom Regen in die Traufe gekommen.“

„Demokratie ist nicht das beste was es gibt, sondern nur das beste, was wir haben.“ – Winston Churchill

Dass jemand zu dieser Zeit die Monarchie wiedereinsetzen will, heißt nicht, daß er a) unehrenwerte Motive hätte und b) besser nichts gemacht hätte.

Im gewissen Sinne ist das Experiment Demokratie nach 1918 ja wohl auch als gescheitert anzusehen.

Letztlich sei auch das Motiv für das Attentat weniger die
Verurteilung der nationalsozialistischen Verbrechen als
vielmehr die Kritik an der militärischen Führung gewesen.

Das ist Quatsch. Eines der Ziele war ganz klar die Einstellung des Krieges… Keine totale Kapitulation zwar, aber eine sagen wir mal in Resten ehrenwerte Einstellung der Kriegshandlungen. Wie das zu bewerkstelligen gewesen wäre, bleibt schleierhaft. Aber das war eben eines der Ziele.

Viele Grüße

OT

Grüß Sie Frau Consuela,

in keinem Kriegsjahr sind soviele Menschen umgekommen wie 1944, ich erinnere daran an Hitlers Befehl " Verbrannte Erde" = beim Rückzug aus besetzem Land, alles, aber wirklich alles zu zerstören. Galt soweit ich weiß, speziell für die Ostgebiete.
Ob Mensch, Pflanze, Immobilien und alles Mobilie.
Deutschland ist 1944 überall in Europa auf dem Rückzug und hinterläßt grausame Spuren ( Italien, Yugoslawien, Rußland, Frankreich, Skandinavien, rundherum im Rückzug.)
Alls Militär ist es eigentlich Sinn der Sache, sein Land zu verteidigen und keine „sinnlosen Morde“ zu begehen. Auf einen ganz kurzen Nenner gebracht.
Die Leute die am Attentat beteiligt waren oder davon wußten, ob als Familienmitglied usw.
hatten alle nur eins im Sinn = Aufhören, mit diesem Wahnsinn !!!

Lesen Sie sich mal die Biogr. von einigen Widerständlern durch, dann werden Sie feststellen, daß es immer noch besser gewesen unter der Führung eines gewissen Rommel, Goerdeler, Bonhoeffer usw. in unklaren Zeiten zu leben.

Was wäre wenn? Diese Frage ist sehr mühsam zu beanworten.
Die Weltlage und Tagespolitik muß man dabei beachten und die Hintergründe verstehen.
Was wäre wenn ?

Zig Städte verschont geblieben wären (u.a. DRESDEN)
die Endlösung lief auf Hochtouren, Flüchtlingsdrama, Partisanenkampf,
Invasion, unvorstellbare Greultaten, der Pazifikkrieg wäre auch schneller „Aus gewesen“, Deutschland wäre fast im Besitz der Atom bombe gewesen, usw…

Das dritte Reich, war vor allem ein Militärstaat und an den wichtigsten Stellen waren Militärs die sich an gewisse Regeln halten,
zumindest in Friedenszeiten bzw. Waffenstillstand.
Kein Soldat ist des Mordens beim Militär, sondern um seine Familie und Mitmenschen zu verteidigen und zu beschützen. (Vom Gedanken)

Frau Consuela, ich bin der Meinung das das was diese Menschen geleistet haben ob gewollt oder ungwollt, mit reingezogen wurden oder mitgelaufen sind, Großartig war !!!

Ich kann mir auch gut vorstellen, das es für ein danach keine detail. Pläne gab, aber wären die auch wirklich wichtig gewesen !!!
Die Geschichte hätte auf jeden Fall eine andere Richtung eingeschlagen

Gruß Karl

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