[StBerG] was kann man vom SteuerBERATER erwarten?

Hallo,

die ungewöhnliche Rechtschreibung im Betreff hat ihren Sinn, da ich mich (selbst Freiberufler) langsam frage, ob man unsere ganzen Steuerberater nicht besser Steuererklärungsausfüller nennen sollte.

Ich habe jetzt gerade die Arbeit unseres nun dritten Steuerberaters (nur mangels Zeit habe ich nicht schon viel mehr ausprobiert) bekommen, und muss mal wieder feststellen, dass dabei von Beratung überhaupt keine Rede sein kann. Sind meine Ansprüche zu hoch, wenn ich erwarte, dass jemand mehr macht als seine mehr oder weniger gut ausgebildeten Belegerfasser mit Arbeit zu versorgen und dann auf das Knöpfchen drückt um die Formulare auszudrucken, die Rechnung gleich mit dazu packt und das Thema damit für erledigt erachtet?

Als Anwalt mit deutlichem Beratungsschwerpunkt und -ansatz ist es für mich einfach selbstverständlich, dass ich bei potentiell wiederkehrenden Geschichten meinen Mandanten mit auf den Weg gebe, was sie in Zukunft besser machen können. Gerne generiere ich damit natürlich auch etwas zusätzliches Geschäft, wenn ich anrege Verträge oder ABGs zu überarbeiten, …

Da würde ich bei einem Steuerberater, der ja damit rechnen kann, dass er jährlich nicht schlecht an mir verdient erwarten, dass er sich das Zahlenwerk einmal ansieht um dann geeignete Hinweise zu geben, wo es ggf. Optimierungspotential gibt. Angesichts einer recht komplexen private Einkommenssteuererklärung, der zu bearbeitenden Kanzlei und einer weiteren GbR (wo es überall ganz nette Umsätze gibt), kann ich mir jedenfalls einfach nicht vorstellen, dass man als Laie alles „richtig“ macht und entsprechend steuerlich bereits optimal aufgestellt ist.

Alle bisherigen Berater habe ich ausdrücklich dazu aufgefordert, nach Optimierungspotential zu suchen (was ich selbstverständlich auch gerne bezahlen werde), aber jedes Mal das selbe Spiel. Mehr oder weniger dicke Rechnungen (der letzte berechnete fast € 50,-- pro Monat für die laufende Buchführung der GbR in der es pro Monat nur zwei Belege gab, und wollte dann zusätzlich noch fast € 500,-- für den dazugehörenden Abschluss - ja, ich kenne Gebührenordnungen, aber auch Mittel und Wege in begründeten Fällen um sie herum), dazu ein unkommentierter Stapel Formulare und maximal ein Anschreiben von einer Seite in dem gnädigerweise noch mal steht, was unter dem Strich rausgekommen ist, und dass man bitte die Rechnung innerhalb der nächsten zwei Wochen begleichen solle.

Mein Vater hatte mal einen ehemaligen Steuerfahnder, dem es im Ruhestand einfach Spaß machte, auch mal auf der anderen Seite zu stehen, und der ganz inoffiziell (der Guteste ist inzwischen leider schon viele Jahre unter der Erde) für einige Leute die Erklärungen machte. Der sah auf einen Blick, wo man Dinge umtitulieren konnte, wo Dinge nicht ausgeschöpft worden waren, die aufgrund der Lebensumstände eigentlich anfallen könnten, …

Erwarte ich zu viel, wenn ich dies von einem ganz offiziellen Steuerberater auch haben will? Wie sind eure Erfahrungen?

Gruß vom Wiz

Erwarte ich zu viel, wenn ich dies von einem ganz offiziellen
Steuerberater auch haben will? Wie sind eure Erfahrungen?

Gruß vom Wiz

hallo,

  • wurde keine abschlussbesprechung vor oder nach erstellung des abschlusses gemacht ?

  • als RA der gebührenordnungen kennt, sollte man doch auch vorher einen preislichen rahmen abstecken können ?

ich habe die erfahrung gemacht, dass oft in großen beratungsgesellschaften die dinge so ablaufen

wir haben eine fa. mit ca. 5 mios umsatz übernommen - der JA bringt ca. 14.000 euros - dort wo die vorher waren, war es noch etwas mehr und es wurde tatsächlich keine besprechung des jahresabschlusses gemacht - du siehst sowas gibt es wirklich…

gruß inder

Hallo Wiz,

die ungewöhnliche Rechtschreibung im Betreff hat ihren Sinn,
da ich mich (selbst Freiberufler) langsam frage, ob man unsere
ganzen Steuerberater nicht besser Steuererklärungsausfüller
nennen sollte.

In den meisten Fällen ist das wohl so, zumindest unterjährig passiert
nichts anderes. Ehrlicher weise muß ich aber auch sagen, bei den
Preisen meines Steuerberaters (komplette Lohn und Finanzbuchhaltung einer Kapitalgesellschaft) ist auch mehr nicht drin.

Erwarte ich zu viel, wenn ich dies von einem ganz offiziellen
Steuerberater auch haben will? Wie sind eure Erfahrungen?

Einmal im Jahr (Jahresabschluß) gehe ich mit meinem Steuerberater
in Medias res. Alle Zahlen und Verträge werden unter die Lupe
genommen. Das kostet mich ca. 2 Arbeitstage, dem Steuerberater
„hoffentlich“ etwas mehr und endet mit einer Bilanz, die ich
ruhigen Gewissens unterschreiben kann.
Der Steuerberater bekommt dafür seinen Obulus und einen Kunden für
das nächste Jahr.

Du siehst, ganz so schlimm sind sie nicht alle.

Gruß
Stefan

Hallo Wiz!

es kommt drauf an. Bei einem Rechtsanwalt ist leider nicht immer viel zu kitten. Im Besten Fall hast du wirklich schon alles richtig und dann kann der StB auch nix mehr machen. Wenn bei RAe die Fremdgelder vernünftig verbucht sind, die Belege hübsch aufsortiert sind und alle Bewirtungsbelege i.O. sind, dann bleibt nicht mehr viel. Alles was weiter geht, geht dann nur über weitere Aktivitäten jenseits der beruflichen Aktivität (Investiotionen in Immobilien & Co. und andere Einkunftsarten). Im Normalfall kann man sich höchstens Gedanken machen, weile Betriebsausgaben nötig sind und welche nicht. Ich hatte in meiner praktischen Zeit mehrer RAe „gebucht“ und bei der 4/3-Rechnung am Ende mit denen gesprochen. Gestalten konnte man höchstens noch mit einer Ansparrücklage bzw. wahlweise beim durchrechnen seins obs zukünftig ein Leasing oder DarlehensKfz wird. Bei einem stand mal Projekt Immobilie an (Großobjekt mit eigenem Büro und Vermietungen), aber da kann man nur beraten, wenn natürlich der Kunde auch Fragen stellt. Bei uns war es bei der Großzahl der Mandatschaft auch so, dass der Steuerfachangestellte die Erklärungen erstellte zum Chef ging und das Ergebnis verkündete ("Es ist wie jedes Jahr, Herr X bekommt nix wieder, die Vorauszahlungen stimmten in etwa … ") und dann hat man den Mist nach Rücksprache per Post versandt bzw. eine Kurzbesprechung gemacht.

mfg vom

showbee

Servus Wiz,

die von Dir beschriebene Problematik existiert zweifellos - im Gegensatz zu anderen freien Berufen haben es die StB geschafft, bis heute noch „zu wenige“ zu bleiben (vgl. die bekannten Durchfallquoten bei der Prüfung). Aber mit flottem Wegbrechen von vielen Arbeitnehmer- und Kleinstunternehmerveranlagungen (das ist bizarrerweise immer noch ein wichtiges Brot-und-Butter-Geschäft) wirds auf diesem Markt endlich auch ein bissel enger - ich schätze, im Lauf der kommenden fünf Jahre wird da einiges in Richtung Leistung passieren müssen, wenn einer am Markt bleiben will.

Umso besser!

meint

MM