Hallo Community.
Ich habe einen alten Holzfensterrahmen angebohrt. Die Fenster stammen aus dem gegenüberliegenden Haus, wo sie gegen neue getauscht wurden. Beim bohren entstand sofort ein beißender, stechender Geruch, die Bohrspäne haben noch Stunden später gerochen und die Bohrstelle riecht mittlerweile seit 3 Tagen sehr stark. Das Holz scheint geschichtet zu sein und hat unter Lack insgesamt eine rötliche Farbe.
Nun die Frage welche Büchse der Pandora habe ich da aufgemacht? Handelt es sich „nur“ um Formaldehyd, aber warum riecht es so lange nach?
Oder weiß jemand das die Beschreibung auf Lindan / PSP hindetet???
Ich möchte einfach nur sichegehen keine Gesundheitsrisiken einzugehen wenn ich diese Fenster einbaue und damit lebe.
Viele Grüße. Bastian
Hallo Bastian,
ich empfehle dringend eine entsprechende Raumluftprüfung - auch wenn es sich „nur“ um Formaldehyd handeln würde (eventuell aus Verklebungen im Fenster) muss ich auf die krebserzeugende Langzeitwirkung von Formaldehyd verweisen (bereits 2006 forderte natureplus deshalb strengere Grenzwerte: http://www.natureplus.org/uploads/media/natureplus_F… ). Möglich sind natürlich auch zahlreiche andere Schadstoffe aus der Holzimprägnierung (Bläueschutz, Insektenschutz „unterhalb“ des Lackes); hier werden selbst heute noch gesundheitskritische Stoffe wie z.B. Propiconanzol eingesetzt/zugelassen, da die Innenseiten von Fenstern aus nicht nachvollziehbaren Gründen noch immer nicht als „Inneraumbestandteil“ eingestuft werden, und daher trotz Verbot von Holzschutz in Innenräumen seit nunmehr über einem Jahr nach wie vor diesbezüglich eingesetzt werden (werden dürfen!). Gerne erhalten Sie bei Benennung/Zusendung Ihrer Postleitzahl von uns Empfehlungen regionaler Fachleute in Ihrer Nähe für eine entsprechende Prüfung .
http://www.sentinel-haus-stiftung.eu/service/
Herzliche Grüße
Josef Spritzendorfer
Hallo Josef,
vielen Dank für deine Antwort.
PLZ ist 69115.
Über eine Empfehlung wäre ich sehr dankbar.
Viele Grüße.
Als qualifizierten Prüfer (Mitglied des Berufsverbandes Deutscher Baubiologen e.V. mit dem gewünschten Tätigkeitsbereich http://www.baubiologie.net/ )
empfehle ich im konkreten Falle die Kontaktaufnahme mit Dr. Reinke
http://www.reinke-baubiologie.de/?page=impressum.html ) für eine Raumluftprüfung vor Ort.
Alternativ möglich: eine „Materialprüfung“ beispielsweise bei einem qualifizierten Institut wie das eco-Institut Köln: http://www.eco-institut.de/ (telefonische Klärung der Anforderungen an die einzusendende Materialprobe)
herzliche Grüße
Josef Spritzendorfer
Hallo,
leider komme ich erst jetzt zum Antworten, probiere aber, die Frage auf Basis der Angaben zu beantworten.
Anscheinend handelt es sich um Schichtholz, kein Massivholz, daher ist Holz und Leim vorhanden. Eine rötliche Farbe lässt ein typisches Weichholz eher ausscheiden.
Bleibt also die Frage, wie alt die Rahmen sind. Falls sie alt genug sind, dann könnte Lindan/PCP, also altes Xylamon gestrichen worden sein. Dieses dringt aber nicht sehr weit ein und verursacht nach meiner Erfahrung auch keinen stechenden Geruch beim Bohren.
Möglich wäre die Kombination Hartholz und stumpfer Bohrer, da dann sehr hohe Temperaturen am Holz erreicht werden und die Leimstellen praktisch „verglühen“. Das ist nicht wirklich gefährlich, riecht aber unangenehm. Formaldehyd käme nur in Frage, wenn es eine Art Spanplatte ist. Generell stellt sich die Frage nach dem k-Wert der Fenster und warum sie überhaupt eingebaut werden sollten. Neue sind zwar teurer, aber aiuch sicherlich besser.
LG
Vielen Dank für dein Antwort.
Leider habe ich mich bei der Art des Holzes dahingehend getäuscht dass es doch nicht schichtartig aufgebaut ist, das war nur die Erscheinung nach der Bohrung.
Ein bekannter meint es wäre Miranti und dieses Holz rieche so. Nach Recherche habe ich herausgefunden dass Sapelli Mahagoni Holz einen scharfen fefferartigen Geruch haben soll. Die Farbe trifft beide Holzarten.
Auch habe ich zwischenzeitlich einen Test gefunden und angewandt, mit dem ich zumindest Chlor (Halogene) im Holz erkennen kann. Der Beilsteintest ist allerdings nicht ohne und soll nur unter professioneller Aufsicht stattfinden: http://www.holzfragen.de/seiten/hsm_reagenzien.html
Das Rahmenholt welches so stark riecht ist nicht mit Chlor belastet und damit auch nicht mit Xylamol o.ä. gestirchen worden. Ob bei Fensterrahmen Teerhaltige Stoffe angewandt wuden (Carbolineum) wird nirgends erwähnt, könnte aber auch noch eine Erklärung sein.
Da das Holz bis tief in den Kern den starken Geruch hat, glaube ich zwischenzeitlich sogar dass es unbehandelt ist.
Viele Grüße.
Bastian