Stecken die Kinder die Trennung wirklich so weg

Hallo,

mein Cousin 45 (Schlafmütze), seine Frau 36 (Energiebündel), 3 Kinder 5-8.
Sie liebt plötzlich einen anderen (40, gesch.), er zieht nach 1/2 Jahr aus.
Er ruft eben an und erzählt uns, dass er ausgezogen ist.
Seit 1/2 Jahr sind wir (von beiden gemeinsam) eingeweiht.

Jetzt meine Fragen:
Stecken die Kinder das alles so weg, wie er behauptet?
Verstehen die überhaupt, was da abgeht?
Was denken die Kinder in dieser Situation?
Haben die einen Art Schutzmantel, der sie noch nicht alles verstehen läßt?
Diese Kinder wissen ja noch nicht, was Scheidung ist.

Ich (vh. 2 Ki.), Patenonkel von dem Ältesten (8).
Wie begegne ich jetzt meinem (aufgeweckten) Patenkind, wenn er das Weihnachtsgeschenk(!) abholen kommt?

Gruß ratsuchender Patenonkel und Cousin Finus

Hallo,

traurige Sache für die Kinder.
Nach einer Stunde kann es ihnen doch auch noch gut gehen. Ich denke mal morgen, oder Übermorgen kommt ihnen die Sache komisch vor.
Aber wie sie es einstecken, das kann dir niemand im Vorraus sagen.
Der Große wird es wohl am ehesten merken, was genau los ist. Die Kleineren werden es noch nicht verstehen.
Wenn der Große kommt, behandle ihn wie eh und je.
Sei für ihn da, wenn er dich braucht.
…wartet doch aber erst einmal ab…vielleicht gibt es ja noch ein Happy End.
Manu

Nein
Hallo Finus!

mein Cousin 45 (Schlafmütze), seine Frau 36 (Energiebündel), 3
Kinder 5-8.
Sie liebt plötzlich einen anderen (40, gesch.), er zieht nach
1/2 Jahr aus.
Er ruft eben an und erzählt uns, dass er ausgezogen ist.
Seit 1/2 Jahr sind wir (von beiden gemeinsam) eingeweiht.

Jetzt meine Fragen:
Stecken die Kinder das alles so weg, wie er behauptet?

Nein, das tun sie nicht. Eine Scheidung ist ein grundlegender Eingriff in das Leben der Kinder, der nicht „so einfach weggesteckt werden kann“. Eine Trennung der Eltern ist immer sehr problematisch für ein Kind und kann - manchmal - auch schwerwiegende psychische Folgen für das weitere Leben haben.
Ich bin selbst Scheidungskind und habe mich als Erwachsene dann durch diverse Bücher zum Thema gearbeitet und bin dann erst so manchen meiner „Mechanismen“ und ihren Ursprüngen auf die Spur gekommen.

Wenn du mehr über dieses Thema wissen willst, findest du u.a. auf folgenden Internet-Seiten Informationen:
http://www.stover.de/scheidung.htm
http://www.scheidungskinder.de/home/index.php
http://www.scheidungskinder.ch/
http://www.trennungskinder.de/
http://www.geo.de/GEO/medizin_psychologie/psychologi…

Verstehen die überhaupt, was da abgeht?
Was denken die Kinder in dieser Situation?

Das lässt sich so pauschal m.E. nicht beantworten.

Haben die einen Art Schutzmantel, der sie noch nicht alles
verstehen läßt?

Schön wär’s.

Diese Kinder wissen ja noch nicht, was Scheidung ist.

Nein, aber Papa ist plötzlich nicht mehr da. Mama ist traurig oder wütend oder oder oder … ALLES ist anders. Das sichere Zuhause ist auf einmal weg, die ganze Welt auf eine verstörende Weise verändert etc.

Meiner Ansicht nach ist es extrem wichtig, dass die Eltern sich darüber Gedanken machen (und sich u.U. auch fachliche Beratung holen), wie sie die ganze Angelegenheit so regeln, dass sie für die Kinder am wenigsten belastend ist.

Eine Scheidung ist schon für die Eltern schwierig, die Kinder sind ihr allerdings ohne irgendeine Möglichkeit der Einflußnahme vollkommen ausgeliefert. Je fairer und offener die Eltern das Ende ihrer Liebesbeziehung regeln, desto besser für die Kinder.
Es ist wichtig, dass die Eltern mit den Kindern reden, ihnen erklären, was geschieht und warum, sie ernst nehmen etc. - insbesondere, da Kinder dazu neigen, die Schuld für diese Änderung in ihrer Welt bei sich selbst zu suchen.
Sehr hilfreich kann auch eine andere enge Bezugsperson der Familie/des Kindes sein, die für das Kind da ist und mit dem es auch reden kann.

Übrigens: Selbst wenn man dem einen oder anderen Kind in der akuten Situation oder auch den ersten Monaten oder Jahren nach der Scheidung nicht unbedingt „etwas anmerkt“, heißt das nicht, dass das Kind „die Sache weggesteckt hat“. Oft machen sich die psychischen Folgen erst Jahre später bemerkbar.

Grüße,
Christiane

Hallo Finus,

Radio Eriwan-Antwort: Im Prinzip… (c:
Kinder können mit einer Trennung/Scheidung unter guten Voraussetzungen umgehen lernen, ohne daß sie sofort oder später bleibende Schäden davontragen. (Es gibt bereits Literatur zu dem Thema.) Aber: dazu gehört u.a. daß Eltern die Paar-Konflikte konsequent von der Eltern-Ebene trennen und das gelingt nicht vielen.
Für Kinder stürzt buchstäblich eine Welt ein, wenn ihre Familie zerbricht, egal in welchem Alter sie sind. Eltern (und andere Erwachsene des nahen Umfelds) meinen oft, weil Kinder die Trennung und ihre eigenen Gefühle bei der Angelegenheit nicht thematisieren, daß sie alles ganz gut wegstecken - das ist ein Irrtum. Was könnten Kinder denn sagen? Sie stecken in einem Loyalitätskonflikt, weil sie beide Eltern lieben. Hilfreich ist es, immer wieder Gesprächsangebote zu machen. Wenn ein Kind dann nicht direkt darauf eingeht, sollte man keinen Druck machen, aber immer wieder die Bereitschaft signalisieren, über die Situation zu reden. Ansonsten kann bei den betroffenen Kindern das Gefühl entstehen, daß alle Erwachsenen die Trennung für normal und richtig halten oder aber daß diese ein Tabu-Thema ist, das eben nicht angesprochen werden „darf“.

Im Falle deines Neffen könntest du zum Beispiel nachfragen, wie es ihm geht; ob er Fragen hat, die er seinen Eltern nicht stellen mag etc. Anhand seiner Reaktion wirst du einschätzen können, ob eine weitere Nachfrage angebracht ist, oder du das Thema vorläufig(!) ruhen läßt.
Kinder dürfen Zorn, Wut, Trauer, Angst etc. bei der Trennung der Eltern empfinden - und es ist wichtig, daß sie keine Schuldgefühle für diese Gedanken haben. Und vor allem, daß ihnen vermittelt wird, daß beide Eltern sie weiterhin genauso lieben wie vorher, daß sie nicht (mit-)verantwortlich für die Trennung sind.

Grüße vom

Sams

Er ruft eben an und erzählt uns, dass er ausgezogen ist.
Seit 1/2 Jahr sind wir (von beiden gemeinsam) eingeweiht.

Jetzt meine Fragen:
Stecken die Kinder das alles so weg, wie er behauptet?

Hallo zusammen,

wie jetzt, er ist einfach so mal eben ausgezogen, ohne Vorwarnung gegenüber den Kindern?

Dann dürfte das dicke Ende noch kommen, denn dann wäre es jetzt für gute Tipps eigentlich schon zu spät. Damit Kinder eine solche Situation möglichst gut bewältigen können, muss man die Sache schon im Vorfeld richtig anpacken, und das heißt: Aktive und offene Kommunikation mit den Kindern!

Wenn eine Trennung unausweichlich wird, kommt es im Vorfeld üblicherweise zu Streitigkeiten zwischen den Eltern und diese bekommen die Kinder selbstverständlich mit, ob man dies will bzw. glaubt oder nicht. Und da muss dann auch die Kommunikation gegenüber den Kindern sofort ansetzen, wenn klar ist, dass die Eltern sich trennen werden. D.h. klar machen, dass es unüberwindbare Probleme gibt (altersgerecht die passende Detailebene zu finden ist nicht einfach), dass die Kinder hieran nicht schuld sind, dass sich beide Elternteile weiterhin gleichermaßen um die Kinder kümmern wollen und sie lieb haben, der Entschluss zur Trennung aber von den Kindern nicht beeinflussbar ist.

Und dann die Kinder in die einzelnen Schritte der Trennung (altersgerecht) offen mit einbinden. D.h. Papa packt nicht einfach plötzlich seine Sachen und ist weg, wenn die Kinder von der Schule kommen, sondern man sagt mit ausreichender Vorwarnung, dass Papa sich eine andere Wohnung suchen wird, diese gefunden hat, die Kinder ihn dort in Zukunft besuchen werden (ggf. diese schon mal gemeinsam besichtigen) und dann zu einem bestimmten Termin auszieht, vorher die Sachen packen wird, … Man schleppt die Kinder nicht plötzlich zu einem Gerichtstermin oder erzählt ihnen, dass die Eltern jetzt geschieden sind, sondern erklärt ihnen altersgerecht den Ablauf den Verfahrens.

Und noch viel wichtiger: Man bereitet die Kinder darauf vor, dass im Freundeskreis Gerüchte entstehen, böse Dinge passieren können, … und fragt immer mal wieder nach, ob sich dies verwirklicht hat, und spricht - um dem gleich vorab zu begegnen - möglichst frühzeitig auch mit Freunden und Bekannten und insbesondere auch den Eltern der besten Freunde der Kinder über das Thema.

Und dann sollte man natürlich zusehen, dass die räumliche Trennung nicht unbedingt von heute auf morgen so Knall auf Fall eine komplett neue Situation herbeiführt, sondern man sich möglichst verständigt, dass im Anfang der Partner noch möglichst viel mit in der ehelichen Wohnung ist (ich weiß, ist ganz schwer, wenn der verbliebene Ehepartner schon einen neuen Partner hat und mit dem jetzt möglichst schnell möglichst viel Zeit verbringen will, aber für die Kinder unglaublich hilfreich) und dies dann über einen Zeitraum einiger Wochen erst bis zur getroffenen Umgangsregelung führt.

Sollten diese Chancen hier vertan worden sein, muss sich der ausgezogene Papa jetzt auf massive Probleme bei den Kindern und insbesondere auf das Verhältnis zwischen ihm und den Kindern gefasst machen.

Gruß vom Wiz

Nur leider sehen die Elternteile die die Kinder behalten - i.d.R. die Mütter - das nur sehr selten ein, dass die Kinder unter dieser Situation extrem leiden. Was nicht heißen soll, das es auch Fälle gibt wo der andere Partner oder beide das nicht einsehen.

Hallo Dobbs!

Nur leider sehen die Elternteile die die Kinder behalten -
i.d.R. die Mütter - das nur sehr selten ein, dass die Kinder
unter dieser Situation extrem leiden. Was nicht heißen soll,
das es auch Fälle gibt wo der andere Partner oder beide das
nicht einsehen.

Verstehe ich das jetzt so, dass deines Erachtens nur der Elternteil, bei dem die Kinder die meiste Zeit sind, einsehen „muss“, dass es schwierig und belastend für die Kinder ist?

Grüße,
Christiane

Hallo Wiz,

wie jetzt, er ist einfach so mal eben ausgezogen, ohne
Vorwarnung gegenüber den Kindern?

nein, ich vergaß das zu erwähnen, ich weiß, dass er nicht einfach so mal eben ausgezogen ist, ohne Vorwarnung gegenüber den Kindern,
…und ich denke auch, dass eine aktive und offene Kommunikation mit den Kindern stattgefunden hat (die Mutter ist Lehrerin einer nicht-staatlichen Schule).

Ich wollte die (Nicht-)Beziehung der Eltern auch gar nicht weiter diskutieren (obwohl es der Kernpunkt ist), ich wollte nur wissen, ob die Kinder das so wegstecken, wie er behauptet.

Und dazu habt ihr (Wiz, Sams und Ninquelote) mir wertvolle Hinweise und Denkanstöße gegeben, danke

Gruß Finus

Hallo,

die Frage ist doch, was man überhaupt erwartet? Im Leben passieren viele Dinge, die irgendwie weg gesteckt werden müssen…Umzüge, der Tod eines Haustieres, Schulwechsel…

Die Scheidung der Eltern ändert die Lebenssituation eines Kindes natürlich grundlegend…ob es zur Katastrophe wird hat viel mit der konkreten Situation zu tun. Ich kenne jedenfalls mehr Kinder, die unter der schlimmen Familiensituation VOR einer der Trennung leiden, als Kinder, die dann erst Schwierigkeiten bekommen. Täglich mit ansehen zu müssen, wie sich die Eltern streiten oder aber kühl miteinander umgehen traumatisiert durchaus auch. Für die Kinder kann eine Trennung der Eltern (und damit die Klare Situation) eine große Erleichterung werden. Hinzu kommt, das Scheidungen heute nicht mehr selten sind und Kinder sich im Vergleich zu anderen Kindern nicht mehr wie früher als Außenseiter sehen müssen. Geschwisterkinder kommen außerdem leichter mit Trennungen klar, auch weil sie sich nicht allein betroffen fühlen müssen.

Wichtig bleibt, das wurde schon geschrieben, dass die Eltern neben aktiven Kontakt von der getrennten Seite, nach der Trennung ihre persönlichen Konflikte nicht über die Kinder austragen…dazu muß man sich zwingen. Daran sollten sich übrigens auch Großeltern halten, oft kommt nämlich auch von da einiges an Spitzen.

Mit Deinem Patenkind gehe ganz offen um, es ist ja das gleiche Kind wie vorher. :wink:

Gruß Maid :smile:

Hallo Maid,

danke für deine Antwort.
Ich nehme momentan alles (was ihr an Beiträgen schreibt) auf und verarbeite es nach und nach.

Mit Deinem Patenkind gehe ganz offen um, es ist ja das gleiche Kind wie vorher. :wink:

Es sind interessante Ratschläge dabei, die ich aufnehme und mit einbeziehen werde.

Gruß Finus