Steigerung von Adverbien/Adjektiven in Eng/Frz

Hallo mattilda,

Hallo Lidscha,

also hundert Gründe sind es natürlich nicht, warum „schnell“
ein Adjektiv ist. Aber ein paar sind es schon (und ACHTUNG:
ich spreche von der deutsche Grammatik, also wäre das im
Deutschbrett vielleicht besser aufgehoben).

Es gibt aber auch 100 Gründe, warum man es in diesem Fall Adverb nennen kann. Nur weil der Duden hier eine normative Kraft darstellt, heißt nicht, dass es logisch und absolut unablässlich ist.

Aus historischer Sicht war schnell im adverbialen Gebrauch ein
Adverb (Er rennt schnell.). Das hieß dann ‚Adjektivadverb‘. Im
Althochdeutschen wurde an ein Adjektiv einfach ein -o
angehängt und schon was es ein Adverb. So wie es heute noch im
Englischen oder Französischen und vielen anderen Sprachen ist.
Im Mhd. kam es zur Abschwächung der Ablaute und so wurde das
-o erst zum -e und dann fiel es irgendwann ganz weg
(allerdings haben wir noch ein paar Überbleibsle, wie bei
„lange“ - Er arbeitet lange.). Seither war die Unterscheidung
nicht mehr klar und seither wird diskutiert, um welche Wortart
es sich handelt.

Das Problem ist doch, dass die „Wortart“, losgelöst von der Funktion im Satz, eine leere, sinnfreie Größe ist. Erst durch die Funktion im Satz gewinnt eine Wortart ihren Wert. Und wenn Deklinationsendungen irgendwann verschwinden, heißt ja nicht, dass dann die Wortart ausgestorben sein muss, denn der Charakter bleibt ja erhalten.

Außerdem spricht auch der Duden nach wie vor von Adverbialen:

Das Mädchen rennt schnell.
Das Mädchen renn zum Bus.
Das Mädchen rennt, ohne sich umzudrehen.

Alles Adverbiale. Warum muss der Duden dann unbedingt im ersten Fall aus „schnell“ ein Adjektiv machen?

Der Duden sagt, dass sich zwischen dem prädikativen Gebrauch
(Er ist schnell.) und dem adverbialen Gebrauch (Er rennt
schnell) morphologisch und semantisch nichts ändert. Deshalb
ist ein Wortartwechsel unebgründet und unlogisch. Lediglich
der Bezug mag sich ändern, aber das begründet der Duden auch
und gibt halt verschiedene Funktionen von „schnell“ an (die
mir nicht alle logisch erscheinen). Im Duden wird es also
nicht wirklich begründet, es ist halt so.

Dennoch kann man das in Frage stellen. Der Duden ist keine übergeordnete, superhumane Instanz, sondern dahinter stecken eine Hand voll Menschen. Und die Community der Sprachwissenschaftler ist ja auch bei der Neuen dt. Rechtschreibung nicht in allen Punkten auf des Dudens Seite.

Andere Grammatiker gehen anders vor. Manche sagen, das
Hauptkriterium zur Einordnung eines Adverbs sei seine
Unflektierbarkeit. Bei „Der Mann rennt schnell“. ist schnell
aber prinzipiell schon flektierbar - es ist halt nur
unflektiert. Also im Grunde ist es Wortklauberei. Man spricht
von einem Nullmorphem als Suffix an „schnell“. „schnell“ wird
hier gebildet aus „schnell + [nichts]“.

Um bei der Ausgangsfrage zu bleiben: im Englischen und Französischen ist (Un-)Flektierbarkeit kein Kriterium für Adverb oder nicht, sondern eben gerade der Bezug. Jede englische Grammatik würde sagen, im Satz:

The girl is running fast(er).

Ist „fast(er)“ ein Adverb, und flektierbar.

Dann gibt es oft spezielle Formen eines Adjektiv, um es zum Adverb zu machen. Bsp im Frz.: „bon“ -> „bien“. Andererseits kann „bien“ auch als Adjektiv verwendet werden (und ist dann halt auch eins).

Die Funktion im Satz macht es aus.

Es gibt aber auch welche die sagen, dass es sich bei „Der Mann
rennt schnell“ um ein Adverb handelt (Helbig und Buscha
beispielsweise). Die genaue Begründung kenne ich gerade nicht
aus dem Kopf, müsste ich noch mal in meine Unterlagen schauen.
Ich erinnere mich halt nur, dass wir in der Schule gelernt
haben, dass es sich bei dem Beispielsatz um ein Adverb
handelt. Allerdings habe ich jetzt herausgefunden, dass Helbig
und Buscha der traditionellen Grammatik der DDR „dienten“ und
das würde erklären, warum ich es noch so gelernt habe.

War also nicht alles schlecht drüben:smile: Ich finde diese Definition besser und logischer, in sprachgeschichtlicher Sicht ohnehin.

Auch
mein Bruder (9. Klasse Thüringen) lernt es noch so. Es macht
auch aus historischer und vergleichender Sicht viel Sinn, aber
halt nicht aus sprachlogischer. Deshalb wollte ich gern mal
wissen, wie man mit diesem Wort in anderen Sprachen verfährt.
Dort scheint das Hauptkriterium des Adverbs ja nicht
„unflektierbar“ zu sein!? Wobei natürlich die Frage ist, ob
eine Steigerung mit „more“ oder „plus“ zur Flexion gehört oder
nicht!?!

Wie gesagt: die Grammatiken, die ich kenne, definieren Adverb und Adverbiale aufgrund ihrer Funktion im Satz, also durch den Bezug.

Viele Grüße

OT

LG
die Lidscha

Hallo Oliver!

Es gibt aber auch 100 Gründe, warum man es in diesem Fall
Adverb nennen kann. Nur weil der Duden hier eine normative
Kraft darstellt, heißt nicht, dass es logisch und absolut
unablässlich ist.

Richtig. Aber weil der Duden nun einmal der Standard in den Schulen ist (Oder hast du je ein anderes Wörterbuch als den Duden bei deinen Aufsätzen bekommen?) ist er auch die Grammatik, die ich mir als Grundlage genommen habe. Und nun schaue ich mir andere Grammatiken an (derer es zahlreiche gibt) und gucke mal, wie die das machen.

Das Problem ist doch, dass die „Wortart“, losgelöst von der
Funktion im Satz, eine leere, sinnfreie Größe ist. Erst durch
die Funktion im Satz gewinnt eine Wortart ihren Wert. Und wenn
Deklinationsendungen irgendwann verschwinden, heißt ja nicht,
dass dann die Wortart ausgestorben sein muss, denn der
Charakter bleibt ja erhalten.

Das kann man so sehen, muss man aber nicht. Es gibt unterschiedliche Kategorien, nach denen Wortarten klassifiziert werden können. Der Duden stellt halt zuerst die morphologische Einteilung an (flektiert/unflektiert) und geht dann erst zur Syntax über. Andere machen es anders, und das heißt nicht, dass das eine richtig oder falsch ist.

Außerdem spricht auch der Duden nach wie vor von Adverbialen:

Vorsicht: Adverb(ien) und Adverbiale sind zwei unterschiedliche paar Schuhe! Das eine ist die Wortart, das andere das Satzglied.

Um bei der Ausgangsfrage zu bleiben: im Englischen und
Französischen ist (Un-)Flektierbarkeit kein Kriterium für
Adverb oder nicht, sondern eben gerade der Bezug. Jede
englische Grammatik würde sagen, im Satz:

The girl is running fast(er).

Ist „fast(er)“ ein Adverb, und flektierbar.

Dann gibt es oft spezielle Formen eines Adjektiv, um es zum
Adverb zu machen. Bsp im Frz.: „bon“ -> „bien“.
Andererseits kann „bien“ auch als Adjektiv verwendet werden
(und ist dann halt auch eins).

Die Funktion im Satz macht es aus.

Das ist deine Ansicht, aber diskutiere das mal mit einem Linguisten, der das nicht so sieht. Das wäre spannend :wink:

LG
die Lidscha

Hallo Oliver!

Es gibt aber auch 100 Gründe, warum man es in diesem Fall
Adverb nennen kann. Nur weil der Duden hier eine normative
Kraft darstellt, heißt nicht, dass es logisch und absolut
unablässlich ist.

Richtig. Aber weil der Duden nun einmal der Standard in den
Schulen ist (Oder hast du je ein anderes Wörterbuch als den
Duden bei deinen Aufsätzen bekommen?) ist er auch die
Grammatik, die ich mir als Grundlage genommen habe.

Ist ja schon in Ordnung. Nur: von den 100 Gründen bleibt nach Diskussion eben nur einer übrig, und der heißt Duden kraft seiner normativen Bedeutung.

Andere Sprachen – die sich ja nicht grundsätzlich vom deutschen unterscheiden – sehen das für sich anders. Oder besser: die Linguisten anderer Sprachen sehen das für ihre jeweilige Sprache anders. Es ist also nicht primär ein wissenschaftlicher Grund, sondern es menschlicher…

Das Problem ist doch, dass die „Wortart“, losgelöst von der
Funktion im Satz, eine leere, sinnfreie Größe ist. Erst durch
die Funktion im Satz gewinnt eine Wortart ihren Wert. Und wenn
Deklinationsendungen irgendwann verschwinden, heißt ja nicht,
dass dann die Wortart ausgestorben sein muss, denn der
Charakter bleibt ja erhalten.

Das kann man so sehen, muss man aber nicht. Es gibt
unterschiedliche Kategorien, nach denen Wortarten
klassifiziert werden können. Der Duden stellt halt zuerst die
morphologische Einteilung an (flektiert/unflektiert) und geht
dann erst zur Syntax über. Andere machen es anders, und das
heißt nicht, dass das eine richtig oder falsch ist.

Naja, bedeutet das jetzt, dass Linguistik keine (Geistes-)Wissenschaft mehr ist, sondern nur noch ein menschengemachtes, willkürliches Regelwerk?

Außerdem spricht auch der Duden nach wie vor von Adverbialen:

Vorsicht: Adverb(ien) und Adverbiale sind zwei
unterschiedliche paar Schuhe! Das eine ist die Wortart, das
andere das Satzglied.

Das ist mir klar. Daher hatte ich ja auch gemeint, eine Wortart abstrahiert von ihrer Funktion im Satz zu betrachten, liefert nicht viel sinnhaftes. Da sind andere Sprachen wenigstens noch logischer, die die Wortart irgendwo von der Funktion im Satz abhängig machen.

Um bei der Ausgangsfrage zu bleiben: im Englischen und
Französischen ist (Un-)Flektierbarkeit kein Kriterium für
Adverb oder nicht, sondern eben gerade der Bezug. Jede
englische Grammatik würde sagen, im Satz:

The girl is running fast(er).

Ist „fast(er)“ ein Adverb, und flektierbar.

Dann gibt es oft spezielle Formen eines Adjektiv, um es zum
Adverb zu machen. Bsp im Frz.: „bon“ -> „bien“.
Andererseits kann „bien“ auch als Adjektiv verwendet werden
(und ist dann halt auch eins).

Die Funktion im Satz macht es aus.

Das ist deine Ansicht, aber diskutiere das mal mit einem
Linguisten, der das nicht so sieht. Das wäre spannend :wink:

Na dann viel Spass und viele Grüße

OT

LG
die Lidscha

Hallo Lidscha,

noch interessante Links:

http://www.institut1.de/604_Adjektiv_und_Adverb_Wort…

http://www.univie.ac.at/Germanistik/schrodt/grammati…

http://www.pegasus-onlinezeitschrift.de/erga_1_2005_…

Besonders durch den 2. und 3. Text wird zunehmend unklar, warum die ganzen Sprachwissenschaftler Latein als Sprache zum Grammatiklernen propagieren, wenn der Duden dann so eine blanke Definition rausgibt, die vollkommen inkompatibel ist zu anderen Sprachen.

Viele Grüße

OT

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