Steinobst schlitzen - Wann?

Liebe Gärtler,

mit dieser Anfrage greife ich den Hinweis von Fritz a.d.Uw. auf, den ich lieber öffentlich als direkt danach frage, weil ich denke, daß das von allgemeinem Interesse ist:

Du hast aus einem älteren Lehrbuch berichtet, daß speziell Quetschen und Mirabellen dazu neigen, den Saftstrom im eigenen Stamm durch zu fest entwickelten Bast zu bremsen, und daß man ihre Vitalität und einen gedrungenen Aufbau fördern kann, wenn man den Bast am Stamm oberflächlich schlitzt.

Beim Entfernen der letzten Frühjahrs-Leimringe ist mir an der Nancy-Mirabelle und an der Bühlerzwetschge (beide fünf Jahre alt) aufgefallen, daß die tatsächlich unter dem Ring, wo die Borke weniger verholzt ist, innerhalb von drei Monaten den Stamm sichtbar dicker ausgebaut haben als auf der übrigen Länge.

Ich möchte also den Rat zum Schlitzen annehmen, aber ich frage mich, wann der richtige Zeitpunkt ist? Passt das jetzt zum Sommer, oder sollte das besser im März zum Austrieb gemacht werden?

Für Unterstützung dankt

MM

Lieber Martin,

Es heisst „ritzen“…bin doch kein Schlitz…

Die äussere Haut von Kirschen, Pflaumen, Zwetschgen ist tot.
Diese tote Haut wirkt wie ein enges Korsett, welche Frauen damals zu meiner Brunstzeit getragen haben.

Da bekam man richtig den Drang solches zu erlösen …grins.

Mein grosses Vorbild in Sachen Obstbau:

Niklaus Gaucher (4. Auflage 1908 noch erhältlich)

erfand diese Methode, wie auch das Ringeln als Wachstumsbremse.

Mit dem „Ritzen“ verhindert man senkrechte, explosionsartig
entstehende Risse bis auf das nackte Holz.
Geritzt wird ca. alle 5cm ringsum, 45° zur Stammachse.

Schwachwachsende Leitäste fördern mit tiefen Schnitten bis auf das Holz auf der unteren Seite der
Aeste, überlappend ca.10cm lang, nennt man schlitzen.
Dies im Gegensatz zum Ritzen, längs der Achse.

Ritzen und Schlitzen kann man das ganze Jahr.

Gruss

Fritz
a.d.Uw.