Hallo,
woher er das hat, kann ich Dir leider auch nicht sagen, aber
es gibt eine Reihe von Islam-Wissenschaftlern (westlichen,
zugegeben), die meinen, im Koran gebe es eine Reihe von
christlichen Hymnen, die Mohammed aufgenommen habe, bis hin zu
der radikalen These, Mohammed sei, bevor er seine
Offenbarungen erhielt, arianischer Christ gewesen.
Das ist ein wenig absurd, wo es doch so wenige Christen in der arabischen Halbinsel. Was richtig ist, ist dass behauptet wurde, er hätte seine Aussagen von den Juden (die waren öfter dort zu finden). Allerdings gab es widerum in Mekka nicht so viele Juden. Die waren eher im Süden angesiedelt (heutiges Jemen zumeist).
Wie dem auch sei, diese sog. Islamwissenschaftler (ich zweifle an den meisten, aber das ist meine Sache) vergleichen die mehrmals übersetzte Bibel mit dem übersetzten Koran. Und wer hat den Koran zumeist übersetzt? Richtig: ehemalige Christen! U.A. deshalb wird bei den Übersetzungen des Korans stets von Interpretationen ausgegangen. Die Sprache, mit der gesprochen wird, ist dann meist eine, die an die Bibelsprache angelehnte.
Ich kann aus eigener Erfahrung sagen, dass der Bibeltext auf arabisch ganz und gar nicht der Sprache des Korans in seiner Urform (auf arabisch) entspricht.
Wenn wir allerdings die Inhalte vergleichen, dann ist (aus islamische Sicht) klar, dass es viele Korrelationen gibt, da es ehemals dieselbe Religion ist mit derselben Botschaft.
Ich kann im Augenblick die Stichhaltigkeit dieser Thesen nicht
beurteilen, weil meine Buchhandlung sich außerstande sieht,
mir die entsprechenden Bücher zu verschaffen. Ich werde mich
aber ganz gewiß wieder melden, wenn ich sie gelesen haben
werde.
Es gibt leider noch keine guten europäischen Arabischkenner, die sich mit der Thematik beschäftigen. Wie gesagt, eine Abhandlung, die Schlüsse zieht aus der Übersetzung des Korans ist für uns Muslime nicht betrachtenswert (s.o.).
Bei der Gelegenheit drängt sich mir der Eindruck auf, daß es
im Islam eine solche historisch-kritische Forschung, wie es
sie in der abendländischen, der protestantischen zumal,
Theologie gegeben hat, nicht geben kann, weil ja der Koran das
von Allah unmittelbar geoffenbarte Wort Gottes ist, an dem zu
kritisieren schon den Tatbestand der Gotteslästerung erfüllt.
Ist die Vermutung vermessen, daß es dem Islam - wenn er sich
dieser Forschung nicht öffnet - möglicherweise ebenso ergehen
wird wie der katholischen Kirche, die nur unter den
allergrößten Schwierigkeiten bereit und in der Lage war, sich
den Wissenschaften zu stellen - der Kosmologie sowohl wie auch
der historisch-kritischen Exegese?
Ich glaube nicht. Der Unterschied liegt in der Kirche. Die gibt es nicht im Islam.
Auf der anderen Seite gab es im islamischen schon mal einen Streit, indem es um wissenschaftliches Vorgehen kontra (Nichthinterfragen). Ein bedeutender Wissenschaftler (ich habe seinen Namen jetzt vergessen) wollte die Anatomie von Tieren und Menschen anhand von Leichen beschreiben. Im Islam ist es im höchsten Masse verboten Leichen zu schänden und so haben viele Gelehrte ihn dafür gerügt. Er hat es durchgezogen und konnte die Medizin einen grossen Schritt weiterbringen. Bis heute gibt es einzelne Debatten darüber, ob man das darf, aber der Umstand, dass es keine Institution gibt, die ihm das einfach im Namen Gottes verbieten kann ist etwas, was man im katholischen Christentum nicht kennt. Ausserdem waren (wie ich schonmal sagte) die meisten Naturwissenschaftler auch gleichzeitig zumindest Gelehrte in ihrer Religion und konnten sich argumentativ verteidigen, wenn es um islamische Rechtsprechung ging.
Des weiteren: gewiß glauben alle drei monotheistischen
Religionen an einen Gott. Ist die Frage nicht aber mindestens
zu stellen, ob es sich denn in der Tat um den gleichen Gott
handelt? Der Name tut es nicht: ich kann drei verschiedene
Möbelstücke Tisch nennen, und dennoch sind es drei
verschiedene Tische bei der gleichen Bezeichnung. Wenn Gott in
der einen Religion andere Eigenschaften und andere
Handlungsweisen zugeschrieben werden als in einer anderen,
sind es dann nicht doch zwei verschiedene Götter?
Die Koranübersetzung:
„Und streitet nicht mit dem Volk der Schrift (gemeint sind Christen und Juden), es sei denn auf beste Art und Weise, außer mit jenen von ihnen, die Unrecht handeln. Und sprecht: ‚Wir glauben an das, was zu uns herabgesandt wurde und was zu euch herabgesandt wurde. Unser Gott und euer Gott ist ein und derselbe. Und Ihm sind wir ergeben.‘“(29,46)
Hope to have shed some light unto this matter.
PS: Sprachen sind ne schöne Sache. Auf deutsch hört sich dieser Satz soooo komisch an 
Gruss, Omar Abo-Namous
http://www.islaminhannover.de