Sterbegeldversicherung - vernünftige Anlageform?

Hallo zusammen,

ich bin etwas verunsichert. Habe vor einiger Zeit einen Artikel gelesen, der aussagte, daß Sterbegeldversicherungen sich heute nicht mehr lohnen, da niedrige Rendite, geringe Verzinsung und Inflation frisst Gewinnausschüttung.

Nun habe ich kürzlich bei meinen Eltern eine Sterbegeldversicherung (Sterbekasse „Hoffnung“ in Wuppertal (ehemals Kindersterbekasse „Hoffnung“) für die ganze Familie gefunden und habe mal dort gefragt, was denn für Versicherungsbeträge derzeit ausstehen.

Erschreckenderweise haben meine Eltern (die beide rund 60/70 Jahre eingezahlt haben) den kleinsten Anspruch (rund 1.500 €) und meine Schwester und ich den größten (2.500 bzw. 4.500 € Versicherungssumme), da hier entsprechend höhere Tarife gewählt wurden und meine Eltern nur sehr geringe Beträge eingezahlt haben und diese nie erhöht wurden.

Ich bin mir nun nicht sicher, inwiefern das Geld zum einen dort vernünftig angelegt ist (es geht ja wirklich nur um die Deckelung der Begräbniskosten) und was man ggf. bei diesen Sterbekassen berücksichtigen sollte. Gibt es andere - bessere - Anlagemöglichkeiten für diesen Zweck?

Viele Grüsse und Danke im voraus für Eure Tipps!

Kris

Hallo Kris,

bei den Summen, die Du da nennst, kann man keine „vernünftige“ Bestattung vornehmen.
Eine halbwegs normale Bestattung kostet mit allem Drum und Dran mind. 8000€ (Grabstelle, Gebühren, Sarg, Blumen, Trauerfeier, Grabstein,…)
Sinn und Zweck ist es ja, mit dieser Versicherung seine Bestattung zu bezahlen.
Hast Du Deine Eltern mal gefragt, warum Sie diese Summen ausgewählt haben?
Vielleicht haben Sie noch Geld „auf der hohen Kante“ liegen.
Wenn Sie dies nicht haben, vielleicht wollen Sie „unter den grünen Rasen“…und das ganze ohne großes Aufsehen…dann ist verständlich, warum diese Versicherungssummen so niedrig sind.
Als Deine Eltern damals die Versicherung abgeschlossen haben, haben Sie vielleicht nicht ausreichend mit Inflation gerechnet.
Die Versicherungssumme wahr zu damaligen Zeiten wahrscheinlich angemessen.
Wie Du siehst, gibt es viele Faktoren, warum diese Summen so sind, wie sie sind.
Ich würde vorschlagen, frag Deine Eltern mal ganz direkt, wie Sie sich den Fall vorstellen, wenn Sie selbst, Du oder Deine Schwester morgen sterben würden.
Was für eine Bestattung soll es sein? Wie kostspielig ist das dann?
Wenn Du diese Daten hast, gibt es versichiedene Möglichkeiten:

Es gibt Bestattungsvorsorgeversicherungen, die heute schon vertraglich festhalten, wie die Bestattung später aussehen soll.
Also z.B. welche Blumen, mit oder ohne Trauerfeier, Urne, Seebestattung oder Grabstelle, Eichen- oder doch lieber Mahagoniesarg…usw.
Dies wäre für Dich und Deine Schwester vorteilhaft, da Ihr jetzt per monatlichem Beitrag oder auch Einmalbeitrag Eure Bestattung vertraglich „dingfest“ macht.
Inflation oder fallende Zinsen können Euch dann nix mehr anhaben.
Selbst den Bestatter könnt Ihr Euch heute schon aussuchen.
Hierbei bleibt das Geld bis zum wirklichen Todesfall bei der Versicherung, bzw. beim Deutschen Kuratorim Verband und wird dann direkt an den Bestatter ausgezahlt, der damit seinen Vertrag erfüllen muß!!!
Auch wenn Du z.B. in 2 Jahren sterben würdest und vorher monatlich bezahlt hast, bekommst Du die vollen Leistungen obwohl die Versicherungssumme ja noch nicht erreicht ist.
Vorteil für Deine Angehörigen: Sie müssen sich um nichts kümmern- trauern ist schließlich schon hart genug… (wie ich leider kürzlich am eigenen Leib erfahren mußte.)

Für jüngere Leute ist dies also auf jeden Fall eine gute Sache.

Sicherlich kann man das Geld auch in Fondsanlagen anlegen.
Die bringen bei weitem mehr Rendite.
Nachteil hierbei ist, wenn der Fall der Fälle zu einem Kurstief eintrifft oder kurz nach Fondserstanlage, steht man vor dem selben Problem, wie Du jetzt gerade stehst…man hat kaum Geld zur Verfügung.

Es gibt mittlerweile „lebenslange“ Lebensversicherungen, die auch auf Fondsbasis laufen, bei denen man aber eine Todesfallsumme vereinbaren kann (diese sollte dann der Bestattungskosten entsprechen und sich dynamisch jedes Jahr anpassen).

Für Deine Eltern würde ich jetzt raten, wenn Sie eine schöne aber auch kostenintensive Bestattung haben wollen, dann spart über Fonds.
Das Risiko, das Sie eher sterben als gedacht oder in einem Kurstief müßt Ihr dann eingehen.
Wäre einer von beiden morgen gestorben, hättet Ihr es auch zahlen müssen.
Das bringt die meiste Rendite fürs Geld.

Was Euch „Kinder“ angeht, geht auf Nummer sicher.
Dann lieber eine lebenslange Lebensversicherung, wo später auf jedenfall das Geld reicht oder besser noch eine Bestattungssvorsorgeversicherung, bei der Ihr Eure Leistungen vertraglich fest haltet. Das ist für Eure Angehörigen eine große Entlastung.
Viele Bestatter arbeiten da mit Versicherungen und dem Kuratorium in der Form schon zusammen, so dasss Du dort Andressen bekommst.
Ansonsten schick eine Email, ich geb Sie Dir natürlich auch gern.

Hoffe ich konnte Dir helfen.
LG
Nina

Hi!

Erschreckenderweise haben meine Eltern (die beide rund 60/70
Jahre eingezahlt haben) den kleinsten Anspruch (rund 1.500 €)…

Vielleicht lässt sich diese Summe ja mit erträglichen Beiträgen bei einer anderen Versicherung noch ergänzen. Einige Versicherer bieten ja insbesondere für diese Zielgruppe Sterbegeldversicherungen an.

Gruß
Falke

Hallo Nina,

herzlichen Dank für Deine ausfühlichen Tipps und Ratschläge! Werde das Thema umgehend besprechen! Vielleicht lässt sich da wirklich noch was Vernünftiges rausholen!

Gruß, Kris