Liebe Expertengemeinde!
Es fällt mir momentan sehr schwer, mit der schweren Erkrankung meiner Kollegin fertig zu werden. Wir arbeiten seit 10 Jahren zusammen und sind ein eingeschworenes Team. Seit ihrem 30. Geburtstag kämpft sie gegen Krebs, und jetzt ist er so heftig zurückgekehrt…
Vor 7 Jahren hatte sie zum ersten Mal Brustkrebs, seitdem 3 mal, mit Chemo und Bestrahlungen. Seit gut 4 Jahren hatte sie jetzt Ruhe, weil sie regelmäßig Hormone bekam, die diesen Krebs unterdrücken sollten.
Nun hat sie vor Weihnachten Metastasen im Rücken gehabt, die durch Bestrahlung nicht zurückgegangen sind, sodass sie vor 2 Wochen eine Chemotherapie beginnen musste. Jetzt hat sie aucn noch erfahren, dass ihr Hüftknochen bereits zerstört ist und sie nächste Woche ein neues Hüftgelenk bekommen muss.
Sie ist ein so lieber Mensch und ich weigere mich innerlich zu akzeptieren, dass sie all dies durchmachen muss. Wir waren mal sehr eng befreundet; nach ihrer ersten Chemo gab es einen Bruch, als ich krank wurde. Nach einer Eiszeit haben wir aber bei der Arbeit wieder zusammengefunden und sind in diesem Rahmen einfach wieder sehr gute Freundinnen geworden. Wir sind ein tolles Team und sie ist mir sehr wichtig.
Nun erscheint mir diese Wiederkehr des Krebses so heftig und aggressiv, dass die Wahrscheinlichkeit, dass sie diesmal daran sterben wird, wohl kaum noch zu leugnen ist. Und das macht mich so traurig und verzweifelt!
Erst konnte ich mich noch durch Verdrängen ‚über Wasser halten‘ und sagte mir, dass die Bestrahlung erfolgreich sein wird und sie dann vielleicht wieder ein paar Jahre Ruhe hat.
Aber nun? Es ist so furchtbar zuzusehen, wie diese Krankheit sie so nieder macht. Sie war bei jeder Chemo und Bestrahlung immer total tapfer und hat nie rumgejammert. Und ich finde es so unfassbar, was sie alles verkraften muss.
Der Kontakt zu ihr ist sehr spärlich, sie schottet sich verständlicherweise ab. Sie hat einen tollen Mann, der sie unterstützt und sicher machen sie jetzt einfach vieles zu zweit aus. Ich weiß, dass ich ihr nicht helfen kann und sie durch eine Nachricht von mir hin und wieder einfach wissen lasse, dass ich sie mag und vermisse.
Mein Problem ist einfach, dass mich das zur Zeit wirklich fertig macht. Ich denke viel an sie und habe Angst, vor dem, was kommen mag. Ich bin so erschöpft und merke diesen inneren Widerstand, nicht akzeptieren zu wollen, dass sie nicht das gleiche Recht wie alle hat, alt zu werden und ein schönes Leben zu leben.
Wer weiß, wie ich damit besser zurecht kommen kann?
Danke fürs Lesen, auch wenn’s so lang war.
LiebeGrüßeChrisTine