Sterben einer nahen Person akzeptieren (lang)

Liebe Expertengemeinde!

Es fällt mir momentan sehr schwer, mit der schweren Erkrankung meiner Kollegin fertig zu werden. Wir arbeiten seit 10 Jahren zusammen und sind ein eingeschworenes Team. Seit ihrem 30. Geburtstag kämpft sie gegen Krebs, und jetzt ist er so heftig zurückgekehrt…

Vor 7 Jahren hatte sie zum ersten Mal Brustkrebs, seitdem 3 mal, mit Chemo und Bestrahlungen. Seit gut 4 Jahren hatte sie jetzt Ruhe, weil sie regelmäßig Hormone bekam, die diesen Krebs unterdrücken sollten.
Nun hat sie vor Weihnachten Metastasen im Rücken gehabt, die durch Bestrahlung nicht zurückgegangen sind, sodass sie vor 2 Wochen eine Chemotherapie beginnen musste. Jetzt hat sie aucn noch erfahren, dass ihr Hüftknochen bereits zerstört ist und sie nächste Woche ein neues Hüftgelenk bekommen muss.

Sie ist ein so lieber Mensch und ich weigere mich innerlich zu akzeptieren, dass sie all dies durchmachen muss. Wir waren mal sehr eng befreundet; nach ihrer ersten Chemo gab es einen Bruch, als ich krank wurde. Nach einer Eiszeit haben wir aber bei der Arbeit wieder zusammengefunden und sind in diesem Rahmen einfach wieder sehr gute Freundinnen geworden. Wir sind ein tolles Team und sie ist mir sehr wichtig.

Nun erscheint mir diese Wiederkehr des Krebses so heftig und aggressiv, dass die Wahrscheinlichkeit, dass sie diesmal daran sterben wird, wohl kaum noch zu leugnen ist. Und das macht mich so traurig und verzweifelt!

Erst konnte ich mich noch durch Verdrängen ‚über Wasser halten‘ und sagte mir, dass die Bestrahlung erfolgreich sein wird und sie dann vielleicht wieder ein paar Jahre Ruhe hat.

Aber nun? Es ist so furchtbar zuzusehen, wie diese Krankheit sie so nieder macht. Sie war bei jeder Chemo und Bestrahlung immer total tapfer und hat nie rumgejammert. Und ich finde es so unfassbar, was sie alles verkraften muss.

Der Kontakt zu ihr ist sehr spärlich, sie schottet sich verständlicherweise ab. Sie hat einen tollen Mann, der sie unterstützt und sicher machen sie jetzt einfach vieles zu zweit aus. Ich weiß, dass ich ihr nicht helfen kann und sie durch eine Nachricht von mir hin und wieder einfach wissen lasse, dass ich sie mag und vermisse.

Mein Problem ist einfach, dass mich das zur Zeit wirklich fertig macht. Ich denke viel an sie und habe Angst, vor dem, was kommen mag. Ich bin so erschöpft und merke diesen inneren Widerstand, nicht akzeptieren zu wollen, dass sie nicht das gleiche Recht wie alle hat, alt zu werden und ein schönes Leben zu leben.

Wer weiß, wie ich damit besser zurecht kommen kann?

Danke fürs Lesen, auch wenn’s so lang war.

LiebeGrüßeChrisTine

Hallo ChrisTine,

ein Patentrezept erwartest Du wohl kaum und ich habe auch keins, ansonsten wäre man ich unserer schnelllebigen Zeit, in die Trauer scheinbar so gar nicht passt, ein gemachter Mann . . .

Ich glaube also, dass Du auf dem „richtigen Weg“ bist: Du stehst zu Deiner Trauer und in gewisser Weise auch zu Deiner Hilf- und Ratlosigkeit, anstatt sie zu verdrängen oder zu überspielen.

Trauer braucht Zeit; Da lässt sich nichts zwingen. Nach dem Verlust eines geliebten Menschen gilt eine Trauerzeit von bis zu 3 Jahren übrigens als „normal“ und durch den erneuten Ausbruch der Krankheit hast Du zurzeit im übertragenen Sinne Kollegin und Freundin verloren. Ihr kannst Du im Moment soweit halfen, dass Du sie wissen und spüren lässt „ich denke an Dich und bin für Dich da, wenn Du mich brauchst“. Daraus kannst Du für Dich vllt. den Trost ziehen, dass Du Deiner Freundin bis zuletzt zur Seite stehst und sie auch und besonders auf ihrem schwierigsten und ggf. letzten Weg begleitest.

Auch wenn es derzeit hammerhart für Dich ist - Du kannst stolz auf Dich sein, dass Du diesen Weg gehst, den viele meiden oder ganz schnell verlassen.

Liebe ChrisTine,
ich habe auch eine Kollegin gehabt, die Brustkrebs bekommen hat. Diese Kollegin lebt noch. Ich kenne darüber hinaus mehrere Menschen, die Krebs bekommen haben, teilweise noch leben.
Ich könnte dazu noch viel sagen/schreiben (im Sinne von Rüdiger Dahlke), doch das würde zu lang.
Die heutzutage einzige als wirksam anerkannte Möglichkeit, Krebs zu bekämpfen, nennt sich Chemotherapie. Dabei wird dem Körper sehr viel Gift zugeführt.

Nicht jeder kann das vertragen, nicht bei jedem hilft das. Eine Kollegin von mir hat trotz OP Krebs-Reste im Lungenbereich, die jetzt mit Chemotherapie behandelt werden.
Ich persönlich werde niemals müde werden, an andere Methoden zu glauben: In Wien gibt es ein ganz besonderes Krankenhaus (für Krebspatienten): Dort wird gleichzeitig auch eine schamanische Ambulanz angeboten (http://www.gruppe94.at/, E-Mail: [email protected]). Die Patienten können wählen, wie sie behandelt werden wollen - nur herkömmlich, und herkömmlich zusätzlich schamanisch…
Die Initiatoren dieses Zusatzangebots unterstehen der Foundation for Shamanic Studies Europe und sind m.E. mit Sicherheit keine Betrüger. Sie nutzen „nur“ Kanäle, welche die Menschheit seit Anbeginn ihrer Zeit nutzt - oft mit erstaunlichen Ergebnissen.

Das war das, was mir dabei - als Hilfsangebot - einfiel.
Wie Du mit Deiner Situation umgehen kannst - außer „Liebe geben“ fällt mir da nichts ein…
Gruß, Susanne

Hallo Christine,
Auch ich habe zu Beginn diesen Jahres einen ganz netten Kollegen mit gerade mal 33 Jahren verloren.
Er ist unmittelbar vor mir ganz plötzlich verstorben.
Mir hat der beigefügte Hörbeitrag sehr viel Kraft gegeben.
Liebe Grüße
Leia

http://www.yoga-vidya.de/de/service/blog/2008/05/13/…

war klar

Sie nutzen „nur“ Kanäle, welche die
Menschheit seit Anbeginn ihrer Zeit nutzt - oft mit
erstaunlichen Ergebnissen.

klar. wer nichts zu verlieren hat, kauft gern jeden käse.

http://www.simonton.de/cd_s_kassetten.php

e.c.

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Hallo SusannE!

ich habe auch eine Kollegin gehabt, die Brustkrebs bekommen
hat. Diese Kollegin lebt noch. Ich kenne darüber hinaus
mehrere Menschen, die Krebs bekommen haben, teilweise noch
leben.

Ja, aber meine Freundin hatte 3x Brustkrebst mit Metastasen in Lunge und Leber. Nun hat sie Metastasen im Rücken und im Hüftknochen. Scheint also ein wesentlich heftigerer Fall zu sein. Das schrieb ich schon im UP.

Ich könnte dazu noch viel sagen/schreiben (im Sinne von
Rüdiger Dahlke), doch das würde zu lang.
Die heutzutage einzige als wirksam anerkannte Möglichkeit,
Krebs zu bekämpfen, nennt sich Chemotherapie.

Das stimmt so nicht.Genauso ‚anerkannt‘, je nach Tumorart, ist auch Bestrahlung.

Dabei wird dem
Körper sehr viel Gift zugeführt.

Nicht jeder kann das vertragen,

‚Vertragen‘ kann das kein Mensch, es ist nur oft das geringere Übel.

nicht bei jedem hilft das.
Eine Kollegin von mir hat trotz OP Krebs-Reste im
Lungenbereich, die jetzt mit Chemotherapie behandelt werden.
Ich persönlich werde niemals müde werden, an andere Methoden
zu glauben:

Solange du selbst nicht betroffen bist, glaub ich das gern!

In Wien gibt es ein ganz besonderes Krankenhaus
(für Krebspatienten): Dort wird gleichzeitig auch eine
schamanische Ambulanz angeboten (http://www.gruppe94.at/,
E-Mail: [email protected]). Die Patienten können wählen, wie
sie behandelt werden wollen - nur herkömmlich, und herkömmlich
zusätzlich schamanisch…
Die Initiatoren dieses Zusatzangebots unterstehen der
Foundation for Shamanic Studies Europe und sind m.E. mit
Sicherheit keine Betrüger. Sie nutzen „nur“ Kanäle, welche die
Menschheit seit Anbeginn ihrer Zeit nutzt - oft mit
erstaunlichen Ergebnissen.

Nur, dass ich danach nicht gefragt habe!

In den letzten 7 Jahren hat sich meine Freundin mit zig Heilmethoden auseinandergesetzt. Sie ist krank, aber nicht doof. Was sie schon beim ersten Mal genervt hat, war, dass ständig Leute kommen und sagen „hast du dies schon probiert, willst du das nicht mal machen?“.

Sie hat sich entschieden, den konventionellen Weg zu gehen, weil sie ihrem Professor vertraut. Und ich werde nicht anfangen, da noch reinzupfuschen. Sie wird sich ihre Entscheidung gründlich überlegt haben, und das respektiere ich.

Vor allem finde ich es nicht richtig, immer noch die Heilung, vielleicht sogar „Spontanheilung“ zu beschwören, wenn offensichtlich ist, dass es wohl zu spät ist. Ihr dann immer vor Augen zu führen, dass es doch noch Heilung geben könnte, finde ich nicht richtig:
Zum einen, weil ich ihr nie unterstellen würde, sich nicht für die richtige Heilmethode entschieden zu haben.
Zum anderen, weil falsche Hoffnung niemandem hilft.
Und: Das ständige Leugnen des bevorstehenden Todes führt manchmal dazu, dass man sich nicht einmal verabschieden kann.
Das will ich nicht!!!
Sie muss sich damit auseinandersetzen, dass sie vielleicht bald stirbt, und sie sollte sich damit auseinandersetzen dürfen! Und dafür möchte ich ansprechbar sein, und nicht immer nur nach irgendeiner „Hoffnung“ schielen und den Tod immer ausklammern. Das empfinde ich nämlich aus als respektlos.

Das war das, was mir dabei - als Hilfsangebot - einfiel.
Wie Du mit Deiner Situation umgehen kannst - außer „Liebe
geben“ fällt mir da nichts ein…

Danke, aber soweit bin ich schon.

Gruß ChrisTine

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Hi Tom!

Ich glaube also, dass Du auf dem „richtigen Weg“ bist: Du
stehst zu Deiner Trauer und in gewisser Weise auch zu Deiner
Hilf- und Ratlosigkeit, anstatt sie zu verdrängen oder zu
überspielen.

So hab ich das noch gar nicht gesehen.

Auch wenn es derzeit hammerhart für Dich ist - Du kannst stolz
auf Dich sein, dass Du diesen Weg gehst, den viele meiden oder
ganz schnell verlassen.

Danke für deine lieben Worte. Haben wirklich ein bisschen geholfen!

LiebeGrüßeChrisTine

Hallo Leia!

Auch ich habe zu Beginn diesen Jahres einen ganz netten
Kollegen mit gerade mal 33 Jahren verloren.
Er ist unmittelbar vor mir ganz plötzlich verstorben.

Jemanden so plötzlich zu verlieren ist bestimmt auch ganz furchtbar!

Mir hat der beigefügte Hörbeitrag sehr viel Kraft gegeben.
Liebe Grüße
Leia

http://www.yoga-vidya.de/de/service/blog/2008/05/13/…

Dann werd ich mir das mal anhören! Vielen lieben Dank dafür!

LiebeGrüßeChrisTine

Hallo ChrisTine,

die Hoffnung stirbt zuletzt.
Egal, ob die Patientin an den Professor, oder an Schamanen glaubt.

Vor allem finde ich es nicht richtig, immer noch die Heilung,
vielleicht sogar „Spontanheilung“ zu beschwören, wenn
offensichtlich ist, dass es wohl zu spät ist. Ihr dann immer
vor Augen zu führen, dass es doch noch Heilung geben könnte,
finde ich nicht richtig:

Nocheinmal: die Hoffnung stirbt zuletzt.

Momentan ist nach einem Trümmerbruch mein rechtes Handgelenk fast unbeweglich. Die Ärzte sagen, es wird schon wieder gut, bzw. wesentlich besser. Meine „Freundinnen“ meinen, sie glauben nicht, dass das jemals wieder was wird, nachdem ich das Gelenk seit 7 Monaten nicht mehr bewegen kann.

Ja, Mist, verdammtnochmal. Wer steckt drin? Im Handgelenk? In der Bandscheibe? Im Kopfschmerz? Im Krebs? In der Depression? usw.
Es gibt solche und ganz andere Erfahrungen. Ich finde es menschenverachtend, einem Mitmensch ein „…ich glaube nicht, dass…“ entgegenzuschmeissen.

Und das Wichtigste zum Schluss: glaubt nicht, dass der/die Betroffene sich NICHT mit dem Schlimmsten auseinander gesetzt hat. Nur, weil die Person mit anderen nicht darüber reden will, heisst das noch lange nicht, dass sie sich an eine Utopie klammert.

Maralena
(der auf dieses Posting ein Gruß schwer fällt)

Hallo Maralena!

die Hoffnung stirbt zuletzt.
Egal, ob die Patientin an den Professor, oder an Schamanen
glaubt.

Da geb ich dir recht, und meine Freundin ist von allen immer noch die zuversichtlichste. Deshalb würde ich ihr die Hoffnung auch niemals nehmen! Darum geht es nicht!

Momentan ist nach einem Trümmerbruch mein rechtes Handgelenk
fast unbeweglich. Die Ärzte sagen, es wird schon wieder gut,
bzw. wesentlich besser. Meine „Freundinnen“ meinen, sie
glauben nicht, dass das jemals wieder was wird, nachdem ich
das Gelenk seit 7 Monaten nicht mehr bewegen kann.

Es geht also um dich. Schon mal was von „Projektion“ gehört?

Ja, Mist, verdammtnochmal. Wer steckt drin? Im Handgelenk? In
der Bandscheibe? Im Kopfschmerz? Im Krebs? In der Depression?
usw.
Es gibt solche und ganz andere Erfahrungen. Ich finde es
menschenverachtend, einem Mitmensch ein „…ich glaube nicht,
dass…“ entgegenzuschmeissen.

Hab ich das getan??? Willst du damit sagen, dass ich mich ihr gegenüber menschenverachtend verhalten habe, nur weil ich bereit war, auch über den Tod mit ihr zu reden?

Eine andere Freundin von mir hat vor einem halben Jahr ihren besten Freund verloren, der auch schon 5 Jahre gegen Krebs gekämpft hat, ähnlich wie meine Freundin.
Sie haben auch über den Tod geredet und es hat ihm gut getan, wie er sagte. Und es hat nicht automatisch bedeutet, dass man ihm die Heilung nicht gewünscht oder mit ihm darauf gehofft hätte.
Der Tod ist Teil des Lebens, und bei meiner Freundin steht er nun etwas konkreter im Raum. Ich finde es falsch, das immer zu tabuisieren. Es gibt kein entweder oder. Es gibt sowohl die Hoffnung auf Heilung als auch die Möglichkeit, dass sie stirbt. Und da möchte ich ihr für beide Themen als Ansprechpartner dienen können.

Und das Wichtigste zum Schluss: glaubt nicht, dass der/die
Betroffene sich NICHT mit dem Schlimmsten auseinander gesetzt
hat.

Doch, dessen bin ich mir sicher.

Nur, weil die Person mit anderen nicht darüber reden
will, heisst das noch lange nicht, dass sie sich an eine
Utopie klammert.

Das hat kein Mensch behauptet.

Maralena
(der auf dieses Posting ein Gruß schwer fällt)

Dann lasses doch bleiben!

Liebe Grüße und Alles Gute für dein Handgelenk!

wünscht dir

ChrisTine

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Hallo ChrisTine,

ich kann deinen Gedankengang sehr gut nachvollziehen. Leider kann ich dir auch keinen Universaltipp geben, sondern nur persönliche Erfahrungen- ich hoffe, dass ich nicht zu sehr von mir ausgehe.

Ja, aber meine Freundin hatte 3x Brustkrebst mit Metastasen in
Lunge und Leber. Nun hat sie Metastasen im Rücken und im
Hüftknochen. Scheint also ein wesentlich heftigerer Fall zu
sein.

War bei meiner Mutter ähnlich: Metastasen in Rücken, Lymphsystem, Leber, Lunge und Bauchspeicheldrüse.

In den letzten 7 Jahren hat sich meine Freundin mit zig
Heilmethoden auseinandergesetzt. Sie ist krank, aber nicht
doof. Was sie schon beim ersten Mal genervt hat, war, dass
ständig Leute kommen und sagen „hast du dies schon probiert,
willst du das nicht mal machen?“.

Das habe ich bei meiner Mutter auch beobachtet. Das schlimmste ist, dass diese ganzen (sicher gutgemeinten) Ratschläge noch psychischen Druck aufgebaut haben à la: „wenn du unsere Tipps nicht ausprobieren willst, deine Sache, dann beschwer dich nicht, dass du qualvoll stirbst.“

Natürlich kenne ich auch jemanden, die durch einen Wunderheiler wieder gesund wurden, aber im Vergleich zu der Gesamtzahl der Onkologie-Patienten, die wir getroffen haben, fällt der nicht ins Gewicht.
Was ich sagen will: Natürlich kann und darf man bis zuletzt an ein Wunder glauben, aber man sollte aufpassen, dass man den Sterbenden dadurch nicht noch demotiviert.

Sie wird sich ihre
Entscheidung gründlich überlegt haben, und das respektiere ich.

Das finde ich ein gute Einstellung, egal wie ihre Entscheidung aussieht.

Ich kann mich nicht hineinversetzen, wie eng eure Beziehung ist, aber es wird wehtun, das kannst du nicht verhindern.
Es gibt viele Faktoren, die schlimm sind: einen Freund leiden zu sehen, die Hilflosigkeit, ihm nicht helfen zu können, Wut auf die Welt deswegen, Angst, weil die eigene Sterblichkeit bewusst wird, die Trauer, wenn letztlich dieser Mensch nicht mehr da ist.

Ich wünschte, ich könnte dir einen guten Tipp geben- aber das kann ich nicht.
Eines musste ich lernen: Du hast ein Recht auf deine Gefühle, du hast das Recht zu weinen, wenn dir danach ist oder wütend zu sein. Du hast allen Grund dazu. Das Leben nimmt dir einen lieben Menschen, es ist nicht egoistisch wütend auf die Welt zu sein (solange diese Gefühle nicht zu dem Mittelpunkt deines weiteren Lebens werden).

Kannst du mit ihrem Mann sprechen, ob du sie - vielleicht regelmäßig- besuchen kannst? Ich habe es bei meiner Mutter bemerkt: Sie wollte sich auch abschotten, aber es gab einige Bekannte, die regelmäßig kamen und vielleicht eine Kleinigkeit mitbrachten oder einfach nur etwas von der Welt draußen erzählten.

Ich denke, dass sowohl sie wie auch die Besucher davon profitierten- man macht sich zumindest weniger Vorwürfe, dass man noch etwas hätte tun können oder noch irgendetwas hätte sagen sollen.

Auf jeden Fall wünsche ich dir alles Gute!

Viele Grüße
Kati

2 „Gefällt mir“

Liebe Kati!

Das habe ich bei meiner Mutter auch beobachtet. Das schlimmste
ist, dass diese ganzen (sicher gutgemeinten) Ratschläge noch
psychischen Druck aufgebaut haben à la: „wenn du unsere Tipps
nicht ausprobieren willst, deine Sache, dann beschwer dich
nicht, dass du qualvoll stirbst.“

Genau das ist der Punkt!

Ich danke dir sehr für deine Unterstützung!

LiebeGrüßeChrisTine

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Hallo El Comandante (wen möchtest Du eigentlich kommandieren?!),
Dein destruktives Posting hat hier gerade noch gefehlt.
Wem oder was dienst Du mit solchen Antworten?

Susanne

1 „Gefällt mir“

Hallo ChrisTine,
das Wort Hoffnung, bezogen auf die Behandlungsmöglichkeit, die ich vorstellte, darfst Du getrost ohne Anführungszeichen schreiben.
Dass Du nicht direkt nach Behandlungsmöglichkeiten gefragt hast, war mir schon klar. Nur - ich denke halt: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ich habe es erlebt bei dem Mann einer Freundin, der erst dann aufgab, als ihm eine Ärztin sagte, dass er sterben würde… Bis dahin hat der Mann gelebt. Und zwar knapp ein Jahr lang. Für seine Familie - und für ihn - bedeutete das, dass er bei ihnen war, mit ihnen lebte - und nicht knapp ein Jahr lang starb.
Trotzdem hat er sich in diesem knappen Jahr stark verändert - von einem teilweise schwer erträglichen Macho/Manager-Typen zu einem sehr liebevollen Ehemann/Vater. Hätte er diese Zeit nicht zu dieser Veränderung genutzt, so hätte ihn seine Familie nicht in dieser guten Erinnerung behalten können. Ich habe diesen Mann monatelang begleitet.

Ich bin mir sicher, dass ein Mensch wiedergeboren wird - diese Überzeugung habe ich ihm vermittelt (dieser Glaube lebt bis heute nicht nur im Buddhismus, sondern war früher auch Bestandteil der christlichen Lehre). Was auch immer geschehen ist - dieser Mensch ist gestorben ohne Angst, sondern voller Zuversicht und Liebe. Das hat sowohl ihm als auch seiner Familie gutgetan.
Gruß, Susanne

Liebe Susanne!

Auch wenn es meiner Freundin bestimmt schlechter geht als mir:

Ich glaube, dass auch ich ein Recht habe, hier um Hilfe zu bitten für mein Problem.

Es war gut gemeint von dir, aber es ist bei mir leider überhaupt nicht hilfreich angekommen, dass mir hier Geschichten präsentiert wurden, wie andere mit dem Krebs umgegangen sind.

Ich habe Hilfe gebraucht, wie ich mit dem Problem umgehen kann.

Zur Zeit hab ich gar keinen Zugang zu meiner Freundin. Deshalb könnte ich ihr gar nicht von Wunderheilern, Schamanen und Leuten, die geheilt wurden erzählen. Oder vom Leben nach dem Tod oder Wiedergeburt.

Trotzdem danke, dass du dich mir so zugewandt hast!

LiebeGrüßeChrisTine

bleibt klar

Hallo El Comandante (wen möchtest Du eigentlich
kommandieren?!)

ein wenig küchenpsychologie? wie originell.

Dein destruktives Posting hat hier gerade noch gefehlt.

ich bin lediglich deinem link gefolgt. bezeichnest du es als „destruktiv“, wichtig klingende quellenangaben kurz zu überprüfen, insbesondere bei emotionalen themen?

e.c.

3 „Gefällt mir“

Liebe ChrisTine,

ich erinnere mich, daß Du schon vor einiger zeit einmal die Krankheit Deiner Kollegin erwähnt hast. Damals wurde schon deutlich, daß Dich das sehr belastet. Und wie so mancher andere hier auch, ich hatte ebenfalls eine Kollegin, da Brustkrebs bekam und bereits zwei Jahre nach der Diagnose gestorben ist. Zu dem Zeitpunkt haben wir schon nicht mehr zusammen gearbeitet und uns aber durch den Wegfall der Arbeitssituation angefreundet. Damals hat es mich zunächst massiv frustriert, ihre Diagnose zu hören. Denn (und das ist eine andere Geschichte) es war so entsetzlich typisch für sie, Brustkrebs zu kriegen und prompt daran zu sterben. Ich habe mich so unendlich hilflos gefühlt damals, weil ich ihr überhaupt nicht helfen konnte. Auch fiel es mir sehr schwer, ihren Pessimismus und ihre Verbitterung auszuhalten. Sie war da ganz anders als deine Kollegin. Sie ging dann zum Sterben zu ihrer Schwester. Ich wollte sie noch einmal besuchen, aber sie lehnte in dem Moment ab und wollte es verschieben auf eine zeit, wo es ihr wieder besser ging. Dazu kam es nicht und bald darauf war sie tot. Mir fehlte der bewußte Abschied sehr. Um die Tatsache ihres Todes in meine Realität zu holen, bat ich ihren Sohn, sie noch einmal sehen zu dürfen. Er war einverstanden. Sie noch einmal sehen zu können, hat mir sehr geholfen. Auch die Trauerfeier war für mich wichtig, da konnte ich meinen Tränen nochmals freien Lauf lassen (auch weil die Ansprache so grottenschlecht war, daß ich immer dachte: „… das hast Du nicht auch noch verdient…“. Eine zeit später war es dann so, daß wenn ich an sie dachte, sie so ungeheuer präsent war, als bräuchte ich nur zum Telefon greifen, um sie zu erreichen. Das ist lange so geblieben. Das war meine Geschichte.

Vielleicht empfindest Du auch diese Hilflosigkeit. Dieses Gefühl, gepaart mit der Gewissheit, daß Du sie bald verlieren wirst und auch daran nichts ändern kannst, kann viel Kraft kosten. Es wäre so schön, wenn sie, nach allem was sie durchgemacht und ausgehalten hat, am Ende doch gesund geworden wäre, wenn sie am Schluß die verdiente „Belohnung“ für all diese Mühen bekommen würde. Aber das ist fast nie so.

Auf einer sehr subtilen oder manchmal auch sehr klaren Weise, macht es uns selbst auch Angst, wenn wir jemanden so sterben sehen. Denn es könnt uns ganz genauso passieren. Das kann man oft gar nicht immer an sich ranlassen. Es von sich fern zu halten kostet aber auch Kraft.

Das sie sich jetzt so abschottet hat sicherlich eine ganze Reihe von Gründen: sie hat nur noch wenig Kraft, sie will nicht in ihrer Schwäche gesehen werden, fürchtet vielleicht Mitleid, glaubt, etwas wiedergeben zu müssen, was sie aber nicht mehr kann. Auch wenn es Dir schwer fällt, nimm diese Haltung nicht persönlich. Alles Überflüssige im Leben von Sterbenden sollte weggelassen werden. Und dazu gehören eben manchmal auch liebevolle und wohlwollende Menschen. Vielleicht kannst Du ihr einen Brief schreiben, in dem Du all diese Gedanken und Gefühle niederschreibst, für sie, aber auch für Dich. Das wird nicht ohne Tränen gehen, aber diese Tränen können helfen.

Du kannst die Situation nicht dadurch ändern, daß Du Dich zu akzeptieren weigerst, was eine voranschreitende Tatsache ist. Damit schadest Du Dir nur selbst. Es wird schon schwer genug werden, wenn Deine Kollegin stirbt. Wenn Du Dich jetzt langsam darin übst das anzunehmen, kannst Du später trauern statt zu verbittern.

Ja, sie ist ein lieber Mensch und das Leben ist aus unserer Sicht nicht gerecht. Aber Du hast eben diesen liebenswerten Menschen kennen lernen dürfen, Du hattest die Gelegenheit Zeit mit ihr zu verbringen, ihr seid Freundinnen. Das alles ist auch ein Geschenk und selbst wenn diese Zeit endet, dieses Geschenk wirst Du immer behalten können.

Wer weiß, wie ich damit besser zurecht kommen kann?

Rede darüber, immer wieder, suche Dir Menschen (oder Profihilfe) die das mit Dir aushalten. Du bist jetzt schon in der Trauer und das ist in Ordnung. Aber achte dabei auf Dich. Deshalb ist es gut, daß Du hier geschrieben hast.

Liebe Grüße

Avera