mein guter alter (Selbstbau-) Stereoverstärker brummt (Netzfrequenz bzw. 2x). Das kommt eindeutig vom Trafo her: Es ist sofort weg, wenn ich per Netzschalter ausschalte, und die Spannung für den Verstärker aber noch für einige Sekunden gehalten wird.
Ein Bekannter sagte mir, „einen Kondensator von ca. 2 uF sekundärseitig an den Trafo schalten“, also parallel zum Gleichrichter.
Bringt das was? Ist das üblich? Wie ist die Funktion dieses Kondensators? Was kann ich noch machen?
mein guter alter (Selbstbau-) Stereoverstärker brummt
schon immer? Für sich allein oder mit angeschlossener Signalquelle? Bei welcher Lautstärkeinstellung? Was für ein Verstärker (eigene Schaltung oder Bausatz)?
Gruß
Axel
mein guter alter (Selbstbau-) Stereoverstärker brummt
(Netzfrequenz bzw. 2x).
Läßt „guter alter“ darauf schließen, daß der Verstärker schon länger in Betrieb ist, zunächst einwandfrei funktionierte und jetzt brummt? Das ist insofern von Bedeutung, weil sich damit grundsätzliche Schwächen des Aufbaus und der Verdrahtung ausschließen ließen. Also: Arbeitete der Verstärker jemals ohne Brummen?
Das kommt eindeutig vom Trafo :her: Es ist sofort weg, wenn :ich per Netzschalter :ausschalte…
Siehe Eingangsfrage. Unabhängig davon ist die Schlußfolgerung aus dem Versuch voreilig. Beim Ausschalten sind nämlich auch die Ladeströme für die Elkos in der Stromversorgung sofort Null. Genau diese Ladeströme - oft masseseitig - sind eine häufige Ursache für 100 Hz- Brummen.
Ein Bekannter sagte mir, „einen Kondensator von ca. 2 uF
sekundärseitig an den Trafo schalten“, also parallel zum
Gleichrichter.
Bringt das was?
Blindstrom. Sonst nichts.
Ist das üblich?
Ja, aber nicht so riesig im µF-Bereich und auch nicht, um Brummen zu vermeiden, sondern um Hochfrequentes wegzubügeln. Aber auch dafür sind das zumeist Maßnahmen ohne Nährwert.
Wenn nicht gerade ein Elko ausgetrocknet/taub ist oder aufgrund eines Fehlers irgendwo ein viel zu hoher Strom fließt, hat Brummen regelmäßig konstruktive Ursachen, nämlich ungeschickte Lage des Netztrafos, Verdrahtung (z. B. zum Netzschalter) in der Nähe empfindlicher Vorverstärkerstufen und die mit Abstand häufigste Ursache ist ungeschickte Wahl eines „Hauptmassepunktes“. Letzteres wird oft durch zwar ohmsch richtige, aber überhaupt nicht durchdachte, vom Autorouter produzierte CAD-Layouts verursacht. CAD ist eine feine Sache, aber für etliche Details sind Programme zu doof und der Entwickler muß die kritischen Stellen und Signalwege per Hand routen.
wenn der Verstärker bis vor kurzem noch einwandfrei lief, dann könnte das Brummen durchaus von einem kaputten Eingangssignalkabel kommen. Dass der Brumm mit dem Ausschalten verschwindet, ist ganz natürlich, da muss am Netzteil nichts kaputt sein. Ein Elko an dieser Stelle und in dieser Größenordnung ist sinnlos.
ungeschickte Wahl
eines „Hauptmassepunktes“. Letzteres wird oft durch zwar
ohmsch richtige, aber überhaupt nicht durchdachte, vom
Autorouter produzierte CAD-Layouts verursacht. CAD ist eine
feine Sache, aber für etliche Details sind Programme zu doof
und der Entwickler muß die kritischen Stellen und Signalwege
per Hand routen.
Hallo Wolfgang,
mit brummen kämpfe ich auch, aber aus einem anderen Grund. Wie wählt man einen vernünftigen Hauptmassepunkt? (Fürs nächste Mal).
In Deinem Verstärker gibt es ein Bezugspotential, nämlich Masse. Genau ein einziges Bezugspotential gibt es aber nur in einem Punkt ohne flächige oder räumliche Ausdehnung. Das ist natürlich praxisfremd. Tatsächlich gibt es ausgedehnte Masseleitungen in der Verdrahtung oder auf dem Layout. Diese Leitungen hat man als Widerstandsbahnen und nicht als widerstandslose Verbindungen zu betrachten. Auf diesen Widerstandsbahnen fließen alle möglichen Ströme und verursachen Spannungsabfälle, was zur Folge hat, daß es gar kein einheitliches Massepotential in der Schaltung gibt.
Beispiel: Das neg.-Beinchen des Brückengleichrichters im Netzteil ist irgendwo an Masse angeschlossen und einige Leiterbahnzentimeter weiter ist das neg.-Beinchen des Siebelkos angelötet. Der komplette Ladestrom des Siebelkos - das kann ein recht hoher Impulsstrom sein - fließt über die erwähnten paar Zentimeter Leiterbahn und verursacht dort einen Spannungsabfall genau der gleichen Form wie der Ladestrom des Siebelkos. Diese paar Zentimeter Leiterbahn werden zur Signalquelle, wenn man z. B. den Bezugspunkt des Vorverstärkereingangs an das eine Ende der Leiterbahn anschließt und die Abschirmung des vom Plattenspieler kommenden Signals an das andere Ende der Leiterbahn mit dem Impulsstrom lötet. Dann hat man unbeabsichtigt in Reihe mit dem Musiksignal eine Brummquelle geschaltet.
Kurz: Bei der Erstellung des Layouts/des Verdrahtungsplans achtet man darauf, daß es im Signalweg keine Pfade gibt, die gleichzeitig von anderen als Signalströmen durchflossen werden.
In der beschriebenen Weise bekommt man Signalverarbeitungen/Verstärker mit gutem Störabstand zustande. Dagegen taugt die Methode nichts, nachträglich mit irgendwelchen Elkos etwas ausbügeln zu wollen. In der Schaltung entstehende Störungen kann man bestenfalls dämpfen, aber nicht beseitigen.
habe das Prinzip verstanden. Ist das auch schon problematisch bei kleinen Stömen, z.B. in meiner Aktivweiche? Blöderweise habe ich alles auf eine Massebahn gezogen, das Signal, die OPVs und auch die kleinen Cs, die bei den OPVs parallel in den Spannungsversorgungen sind. Ich habe ein dezentes Brummen, das erst auftritt, wenn die Endstufeneingänge an die Weiche angeschlossen sind. Allerdings brummt es auch schon, wenn die Weiche stromlos ist.
Die Endstufen brummen alleine auch leicht, aber wenn ich die Masse des Endstufennetzteils auf den Schutzleiter lege (ja, habe das Gehäuse geerdet), ist Ruhe.
Dass noch so viele Elkos nicht bringen, wenn sie sich auf eine schwingende Masse abstützen, leuchtet ein. Sieht man auch im Oszi.
Wie sollte ich den Massepunkt im Gehäuse wählen, immerhin sind da 7 Platinen drin?
Das ist eigentlich schon ein neues Thema, denke ich
Die Endstufen brummen alleine auch leicht, aber wenn ich die
Masse des Endstufennetzteils auf den Schutzleiter lege (ja,
habe das Gehäuse geerdet), ist Ruhe.
Dein Gehäuse bildet mit der restlichen Schaltung einen Kondensator und scheint so eine Spannung einzukoppeln.
Wenn du nun das Netzteil mit dem Gehäuse verbindest ist diese Spannung kurzgeschlossen und Ruhe im Stall …
Du hast nun technisch folgende Möglichkeiten:
Die Endstufe erden. Damit kannst du aber Erdschleifen hinbekommen, wenn du irgendetwas an deiner Endstufe anschliesst. Dem könntest du entgegenwirken indem du symetrische EIngänge verwendest oder die Eingänge z.B. mit Übertragern galvanisch von der Aussenwelt trennst.
Du erdest die Endstufe über einen Kondensator.
Du findest den Einkopplungsweg heraus und kannst möglicherweise dort eingreifen, mit z.B. einer zusätzlichen Abschirmung.
Es gibt grundsätzliche Regeln, aber der Teufel steckt im Detail und ist via Fernanalyse schlecht einzugrenzen.
Die Endstufe erden. Damit kannst du aber Erdschleifen
hinbekommen, wenn du irgendetwas an deiner Endstufe
anschliesst.
Muss ich versuchen. Ohne Erdung der Endstufen wird das Brummen zumindest nicht lauter, wenn ich den Verstärker mit anderen Komponenten verbinde.
Dem könntest du entgegenwirken indem du
symetrische EIngänge verwendest oder die Eingänge z.B. mit
Übertragern galvanisch von der Aussenwelt trennst.
das ganze ist noch etwas komplizierter. Es ist ein Aktivverstärker und das Brummen wird recht nervig unangenehm, wenn ich die Endstufen mit der Weiche verbinde. Mit Trennübertrager war es noch lauter.