Sterilisation einer großen Hündin

Hallo, liebe Community,

habe zwei Berner-Mix-Welpen mit nunmehr 9 Monaten.
Nun haben wir überlegt, unsere Lady sterilisieren zu lassen. Wir wohnen im ländl. Raum Ba-Wü (jede Menge Rüden in der Nachbarschaft).
Ich bin dabei aber noch sehr unschlüssig.

1.) Wann der beste Zeitpunkt ist, ob vor oder nach der 1. Läufigkeit?

2.) Wie - lediglich Unterbindung der Eileiter oder besser Total-OP?

3.) Auswirkungen auf das Verhalten?
Ich las in meinem Hundebuch, daß große Rassen nach diesem Eingriff oft inkontinent werden - worauf ich natürlich nicht sonderlich erpicht bin; zudem das Verhalten einer dominanten Hündin dann u. U. aus dem Ruder läuft und sie zickig bis extrem giftig werden könnte - was mich wiederum zögern läßt.
Zumal unsere Madame schon sehr dominant ist - bisher aber total lieb - der Rüde kann sich so gut wie gar nicht durchsetzen (er ist bereits kastriert)

Wer hat hier mit großen und selbstbewußten Hundemädchen Erfahrungen?

4.) In welchem Bereich bewegen sich die Kosten?

Bin für jeden Rat dankbar - ob Alter, Art und Weise bzw. ob es Gründe gibt (wenn man nicht züchten will) was generell dagegen spricht - und auch einen Anhaltspunkt für die Kosten…

Liebe Grüße an alle Hundeeltern und -liebhaber! :smile:

Hallo!
Die gleiche Frage beschäftigte mich vor einem Jahr.
Ich habe mich gegen eine Sterilisation entschieden und habe es nicht bereut. Die Informationen hatte ich mir hierzu bei verschiedenen Tierärzten und in einer Klinik geholt.
Mir wurde gesagt:
Wenn, dann besser vor der ersten Läufigkeit und eine Total-OP um weitere Krankheiten, die regelmäßig auftreten zu verhindern (welche das waren habe ich mir nicht gemerkt).
Danach wird oft das Fell stumpfer und feiner. Gewichtszunahme ist auch häufig der Fall.

Die Kosten bei einer 20 kg schweren Hündin betragen bei uns in der Gegend 400 Euro - wenn alles gut geht.
Die Hündin einer Bekannten wachte aus der Narkose nicht mehr auf…
Das hatte mich endgültig überzeugt alles so zu lassen wie es ist.

Gruß

Hallo Greta,

Ich bin dabei aber noch sehr unschlüssig.

solange du unschlüssig bist, solltest du es lassen.

1.) Wann der beste Zeitpunkt ist, ob vor oder nach der 1.
Läufigkeit?

Falls die Vermeidung von Brustdrüsenkrebs die Hauptmotivation für den Eingriff wäre, dann vor der ersten Läufigkeit.
Ansonsten im Anöstrus - ca. drei Monate nach Ende einer Läufigkeit.

2.) Wie - lediglich Unterbindung der Eileiter oder besser
Total-OP?

Wenn, dann würde ich zur Total-OP raten, da Erkrankungen der Gebärmutter auch bei kastrierten Hündinnen relativ häufig sind.

Eine Unterbindung der Eileiter oder die Entfernung der Gebärmutter bei gleichzeitigem Belassen eines oder beider Ovarien, halte ich für einen „Kunstfehler“.
Die Schwere des Eingriffs steht in keinem Verhältnis zum Ergebnis. Die Hündin würde läufig, gedeckt, scheinschwanger, lediglich nicht trächtig.

3.) Auswirkungen auf das Verhalten?
Ich las in meinem Hundebuch, daß große Rassen nach diesem
Eingriff oft inkontinent werden - worauf ich natürlich nicht
sonderlich erpicht bin;

Kastrationsbedingte Inkontinenz tritt v.a. bei großen Hunderassen regelmäßig auf. Meist lassen sie sich medikamentös gut beherrschen, allerdings oft nur durch eine dauerhafte Behandlung.
Hunde mit seidigem Fell, v.a. roter Cocker, Setter und Langaardacker bekommen ein Plüschfell. Das Haarkleid von Berner Sennenhunden könnte etwas stumpfer werden.
Es kann sein, dass die Hündin nach der OP deutlich weniger Futter benötigt. Übergewicht kommt nicht von der Kastration, sondern vom zuviel Fressen - das hat der Besitzer in der Hand.

zudem das Verhalten einer dominanten
Hündin dann u. U. aus dem Ruder läuft und sie zickig bis
extrem giftig werden könnte - was mich wiederum zögern läßt.
Zumal unsere Madame schon sehr dominant ist - bisher aber
total lieb - der Rüde kann sich so gut wie gar nicht
durchsetzen (er ist bereits kastriert)
Wer hat hier mit großen und selbstbewußten Hundemädchen
Erfahrungen?

Großartige Verhaltensänderungen treten bei Hündinnen meist nicht auf. Das Benehmen anderen Hunden gegenüber, sei es innerhalb, als auch außerhalb der Familie hängt meines Erachtens weit mehr vom Besitzer ab. Gerade wenn mehrere Hunde im Haushalt sind, bedarf es einer guten Führung mit klarer „Spielregeln“.

Zickigkeit und Giftigkeit sprechen auch nicht gerade für Selbstbewusstsein.

4.) In welchem Bereich bewegen sich die Kosten?

Je nach Technik, Narkoseaufwand, verwendeter Materialien u.s.w. in einem Bereich von ca. 300.- bis 500,- Euro.

Gruß

Johnny

Hallo Greta

1.) Wann der beste Zeitpunkt ist, ob vor oder nach der 1.
Läufigkeit?

Kastration vor der ersten Läufigkeit vermindert das Krebsrisiko für das Gesäuge auf 0,5%; zwischen der ersten und 3.-5. Läufigkeit liegt das Risiko bei 8%, danach bei 26%.

2.) Wie - lediglich Unterbindung der Eileiter oder besser
Total-OP?

Wenn Du von Sterilisation sprichst, ist das per definitionem die Ligatur (das Abbinden) der Eileiter. Das ist auf jeden Fall abzulehnen. Du kannst wählen zwischen der Ovariektomie (Entfernung der Eierstöcke) und der Ovariohysterektomie (Entfernung von Eierstöcken und Gebärmutter. Neueren Untersuchungen zufolge gibt es keine signifikanten Unterschiede in der Häufigkeit von Inkontinenz bei beiden OP-Methoden und auch die beschworene „Stumpfpyometra“ kommt eher selten vor. Trotzdem würde ich die Ovariohysterektomie vorziehen - was weg ist, ist weg und macht keinen Ärger mehr.

3.) Auswirkungen auf das Verhalten?

I.d.R. keine negativen - eher im Gegenteil. Die Notwendigkeit zur Verteidigung von männlichen Artgenossen gegen Konkurrentinnen und von Futter- und anderen Recourcen für den eigenen Nachwuchs entfällt.

Ich las in meinem Hundebuch, daß große Rassen nach diesem
Eingriff oft inkontinent werden - worauf ich natürlich nicht
sonderlich erpicht bin; zudem das Verhalten einer dominanten
Hündin dann u. U. aus dem Ruder läuft und sie zickig bis
extrem giftig werden könnte - was mich wiederum zögern läßt.
Zumal unsere Madame schon sehr dominant ist - bisher aber
total lieb - der Rüde kann sich so gut wie gar nicht
durchsetzen (er ist bereits kastriert)

Zickig und dominant gehören nicht zusammen. Eher im Gegenteil: eine dominante Hündin braucht nicht zu zicken, vor der hat jeder Rüde auch so Respekt. Wirkliche Dominanz ist übrigens sehr selten. Meist ist es eher Eifersucht oder die Verteidigung bzw. Beanspruchung von Resourcen, die die Aggression auslösen. Eine dominante Hündin hebt die Augenbraue und das Rudel steht stramm - da ist kein Keifen und Zicken notwendig. Das was Du beschreibst klingt eher nach der hündischen Variante von „Stutenbissigkeit“ :smile:

Wer hat hier mit großen und selbstbewußten Hundemädchen
Erfahrungen?

Ich - und meine habe ich im Alter von 3 Jahren kastriert, als ich sie übernommen habe. Es hat ihrem Verhalten keinen Abbruch getan, sie war nie inkontinent und hat (s.o.) bis zu ihrem Tod (mit 12 Jahren) eine komplette Hundegruppe „regiert“. Trotzdem gab es nach anfänglichen Auseinandersetzungen nie die Frage, wer von uns beiden der Chef war. Sie hat sich als Beta ins Rudel gestellt und diese Position ohne große Anstrengung gehalten. Auf dem Hundeplatz ist sie noch heute legendär und ich bin nicht der einzige, der sie schmerzlich vermisst!

4.) In welchem Bereich bewegen sich die Kosten?

Die Kosten richten sich nach der GOT (Gebührenordnung für Tierärzte) und liegen i.d.R. so um die 400,00€. Das richtet sich natürlich nach dem Aufwand (1 Operateur oder 2, Injektionsnarkose oder Inhalation, Klammern oder Intrakutannaht, welche Überwachung während der OP, OP in der Sprechstunde oder separater Termin, Überwachung in der Aufwachphase oder kriegst Du den schlafenden Hund in’s Auto gelegt, Antibiose oder keine - wobei ich mich von einigen dieser Varianten entschieden distanziere, aber ich weiß, daß es sie gibt).

Bin für jeden Rat dankbar - ob Alter, Art und Weise bzw. ob es
Gründe gibt (wenn man nicht züchten will) was generell dagegen
spricht - und auch einen Anhaltspunkt für die Kosten…

Wenn Du nicht züchten willst, ist die Kastration im jungen Alter sicher besser als die hormonelle Verhütung, die doch häufiger mit einer Gebärmuttervereiterung einhergeht - und dann muß i.d.R. alles raus…

Liebe Grüße an alle Hundeeltern und -liebhaber! :smile:

Ich hoffe, das hat Dir geholfen

Schönes Wochenende

Archie

Vielen Dank für Eure Statements in meiner Entscheidungsfindung (vorläufig) bin ich ein ganzes Stück weitergekommen - ich werde erstmal alles belassen wie es ist. Ich habe nicht vor, sie mit Hormonen zu behandeln gegen die Läufigkeit - sondern lieber aufzupassen - bzw. zum Laufen raus zu fahren mit ihr, wo man wenig andere Hunde trifft - und notfalls hat sie immer noch ihren Bodyguard *g*, der nichts mehr anrichten kann!

Nochmals Danke Euch allen!