Hallo Wolfgang,
Deine Meinung halte ich wie so oft für etwas extrem. Der Tag der meisten Unternehmer hat nur 24 h und in diese reichen oft nicht aus um ihre Kernaufgaben zu erledigen.
Eine Baufirma mit 2 Angestellten…
Wie hoch könnten :Schätzungsweise dafür die :Steuerberaterkosten…
In einer Baufirma fällt i. d. R. Lohn- und Akkordabrechnung
an. Solche Dinge außer Haus zu geben, ist träge und teuer.
Eine Lohnbuchalterin, diverse Fortbilungen und eine ordentliche Software mit jährlichem Update ist auch nicht billig. Ob träge oder nicht kommt ganz auf die Person an
.
Vom
Fahrzeug, über Kreissäge, Betonmischer, Gerüst bis zum
Kompressor sind Anlagegegenstände vorhanden, die instand
gehalten und abgeschrieben werden müssen.
Es gibt
Materialbestände von ein paar Paletten Steinen bis zu
Leichtbauprofilen, die am Jahresende in der Inventur
auftauchen, also bewertet werden müssen.
Und wie sagt Dir der Steuerberater.
Laufend findet
Materialeinkauf statt, müssen Kleinwerkzeuge beschafft werden.
Gelegentlich werden Hilfskräfte benötigt, die bei der BG
anzumelden sind. Außerdem ist monatlich eine
Vorsteueranmeldung zu machen. Detaillierte Angebote und ebenso
detaillierte Rechnungen müssen geschrieben werden, auf
angemessene Abschlagszahlungen der Kunden ist zu achten und
der Geldeingang muß überwacht werden. Mitarbeiter schleppen
gelegentlich „gelbe Scheine“ an, bekommen Kinder, lassen
Freibeträge in die Lohnsteuerkarte eintragen und wollen diese
bei der Lohnsteuer berücksichtigt wissen. Kurz: Es fällt ein
Haufen Zeug an.
Womit wir wieder beim Zeitproblem wären.
Viele Dinge sind nicht an Betriebsfremde delegierbar und wenn
man es dennoch versucht, ist der eigene Aufwand so hoch, daß
man die Arbeit lieber gleich selbst macht.
Bei einer ordentlichen Organisation die mit dem Stb erarbeitet wird nicht unbedingt.
Dabei hat man alle
Akten bei der Hand und nicht die Hälfte außer Haus in einem
fremden Büro. In einem Meisterbetrieb sollte die kaufmännische
Abwicklung kein Problem sein, weil der Erwerb des
Meisterbriefs die genannten Dinge beinhaltet.
Soweit die Theorie, ich hör dann aber immer nur: „BWL war so langweilig und wissen tue ich überhaupt nichts mehr!“.
Das sind aber oft nicht die schlechtesten Unternehmer, die schlechtesten sind die, welche meinen nach ein paar Stunden BWL in der Meisterschule alles sleber zu können und besser zu wissen.
Dumm dran sind
nur die Leute, die glauben, ohne ausreichende kaufmännische
Kenntnisse ein Unternehmen führen zu können. Das aber ist ein
grundlegender Irrtum, denn ein Steuerberater ist niemals
Ersatz für ausreichende kaufmännische Kenntnisse des Inhabers.
Das ist schon richtig, er kann aber bei einer ordentlichen Betreuung, welche natürlich Geld kostet, ganz schön viel ausgleichen. Der Unternehmer kann sich auf das wirklich wichtige konzentrieren.
Ein Steuerberater ist ein armer Teufel, wenn er aus dem
Belegsammelsurium eines kaufmännisch Unbeleckten eine halbwegs
brauchbare Buchführung zaubern soll.
Oder aus der Buchführung eines solchen einen Jahresabschluss.
Da werden dann
Tankquittungen präsentiert, auf denen neben einer Zeitung noch
ein im Stehen verzehrtes Brötchen, ein Schokoriegel und eine
Schachtel Zigaretten auftauchen.
Aber nur einmal, dann wird das mit dem Mandanten geklärt und kommt im Regelfall nicht mehr vor.
Solche und hunderterlei
ähnliche „Spaßbringer“ läßt sich der Steuerberater teuer
bezahlen, wie er sich selbstverständlich jedes Personalkonto
und jede einzelne Meldung für wen und was auch immer bezahlen
lassen muß. Auf diese Weise kommen leicht 1.000 €, 2.000 €
oder auch deutlich mehr p. a. für einen Kleinstbetrieb allein
für den Steuerberater zusammen, ohne daß überhaupt eine
Steuerberatung stattgefunden hat.
Peanuts gegen das Gehalt einer zusätzlichen Bürokraft oder eines anderen der die Arbeit des U. amchen muss, weil der nur noch im Büro sitzt.
Letztlich werden nur
Minimalanforderungen für Finanzamt und Sozialkassen erfüllt.
Um eine Steuerberatung im Sinne des Wortes überhaupt in
Anspruch zu nehmen, fehlt es solchem Geschäftsinhaber an
elementaren kaufmännischen Kenntnissen.
Der Steuerberater kann nicht riechen, wie es im Betrieb seines
Mandanten aussieht. Es kann z. B. nicht wissen, daß die teure,
über mehrere Jahre abzuschreibende Putzmaschine schon längst
das Zeitliche gesegnet hat
Ein Stb sollte bei jedem JA nachfragen ob Gegenstände des AV noch alle vorhanden sind, im Notfall die Liste durchgehen.
und der Mandant ist unfähig, die
Zahlen seines eigenen Betriebes zu verstehen.
Der Stb wird es ihm erklären.
Der Mandant als
kaufmännischer Analphabet weiß nicht, was sich über die
Inventur alles steuern läßt und der Steuerberater kann auch
nicht helfen, weil er für verschiedene Bewertungen etwas vom
Geschäft des Mandanten verstehen müßte.
Im Regelfall tut er dies, sonst wird er von jedem Betriebsprüfer über den Tisch gezogen.
Woher auch soll der
Steuerberater wissen, daß die für einen irrwitzigen Preis
eingekauften und auf Lager gelegten Baustahlmatten eine
Risikovorsorge rechtfertigen, weil auf dem Stahlsektor gerade
der Teufel los ist.
Auch Stb leben nicht hinter dem Mond und lesen Zeitung, nützt allerdings rein steuerlich gesehen garnichts.
Wie soll der Steuerberater ahnen, daß die
offene Forderung gegen einen klammen Kunden eigentlich nichts
mehr wert ist… usw.
Wer in der Baubranchen nicht jede größere Forderung auf Werthaltigkeit prüft (bzw. nachfragt), sollte nicht Stb werden.
Weitere Kommentare erspar ich uns jetzt.
Fazit: Was Du willst ist der Mustersuperallroundunternehmer den es so selten geben wird aber nicht mal der wird ohne Steuerberater auskommen.
Ich möchte allerdings Deinen Beitrag hier nicht schlecht machen, Du hast im Kern der Sache nicht unrecht, nur ist es mir zu extrem und es passte eigentlich nicht zu der Frage.
Grüße
Chris