Hallo!
Seit kurzer Zeit „bedrängt“ mich ein Finanzberater mit dem Thema Steuern sparen. Immobilien, so sagt er, wäre die :beste Möglichkeit meine Steuer vom Finanzamt zurück zu holen. Er sprach davon, dass man mit :denkmalgeschützten Immobilien sogar sehr viel Steuern sparen kann.
Das stimmt. Aber mir ist noch niemand begegnet, der nur Steuern sparen wollte. Steuern kannst Du nämlich auf sehr einfache Weise sparen und sogar auf Null drücken: Erziele einfach keine Einnahmen! Schon zahlst Du keine Steuern mehr. Oder stecke Dein Einkommen in ein Vermietobjekt, das sich nicht vermieten läßt. Zahllose Leute haben genau diesen „genialen Trick“ genutzt und zahlen keine Steuern mehr. Diese Leute sind zwar ruiniert, aber sie haben Steuern gespart. Willst Du wirklich nur Steuern sparen?!
Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird das Rezept Deines „Finanzberaters“ aufgehen und Du wirst Steuern sparen. Mit der gleichen Wahrscheinlichkeit wirst Du hinterher händeringend nach einer Möglichkeit suchen, aus der Nummer schnellstmöglich wieder heraus zu kommen und Dich danach sehnen, Steuern zahlen zu dürfen.
Jetzt möchte er ganz schnell eine Wohnung reservieren, da es einer der letzten Wohnungen in diesem speziellen :Angebot sei.
Spätestens an diesem Punkt solltest Du den Herrn „Finanzberater“ an die frische Luft befördern. Er will Dich nämlich nach allen Regeln der Kunst über den Tisch ziehen und Dir eine Schrottimmobilie andrehen.
Man kann mit Immobilien durchaus Geld verdienen, wenn man von Immobilien etwas versteht, den regionalen Immobilienmarkt genau kennt und über ein Konzept verfügt, das in die regionale Marktlage paßt. Dabei reicht aber niemals das Konzept anderer Leute, ganz egal, wer irgendwelche Expertisen und Gutachten verfaßte.
Beim Investment in Immobilien gilt das Gleiche wie für jedes andere Engagement: Man investiert mit Gewinnerzielungsabsicht und schmälert damit sein zu versteuerndes Einkommen. Dabei investiert man zunächst mehr, als man Steuern spart. Im ersten Moment zahlt man also drauf und hofft auf eine Rendite des eingesetzten Geldes. Ob diese Hoffnung trügt oder nicht, ist insbesondere eine Frage der eigenen Sachkunde und nicht eine Frage des Geraunes irgendwelcher „Finanzberater“. Wenn sich die Baukosten einer Immobilie im geplanten Rahmen halten und sich der Steinhaufen hernach ordentlich vermieten läßt, kann die Rechnung aufgehen. Andernfalls bist Du der Gelackmeierte. Das gilt auch für denkmalgeschützte Immobilien. Dort locken tatsächlich gute Abschreibungsmöglichkeiten, denen aber regelmäßig deutlich höhere Bau- und Sanierungskosten sowie Unwägbarkeiten gegenüberstehen, als sie bei einem zeitgemäßen Neubau auftreten. Von besonderen Steuergeschenken kann dabei keine Rede sein.
Ganze Heere halbseidener Abzocker und Dünnbrettbohrer machen sich den Umstand nutzbar, daß viele Zeitgenossen den gesunden Menschenverstand einfach abschalten, sobald „Steuern sparen“ in die Diskussion kommt. Dabei ist noch kein Fall bekannt geworden, daß jemand von pünktlich gezahlten Einkommenssteuern in den Ruin getrieben wurde. Aber ungezählten Leuten brach der Versuch das Genick, Steuern zu sparen.
Gruß
Wolfgang