Stillen

Hallo liebe Wissenden!

Kurze Frage an Fachleute(falls es hier solche gibt): was kann man über eine Frau sagen, die meint ihr eigenes Kind zu stillen sei ekelhaft?

Ich weiss, daraus kann man kein Profil erstellen, da es aber nicht grade gängige Meinung ist (und mir persönlich ziemlich seltsam erscheint), muss es doch etwas über so eine Mutter aussagen, oder täusche ich mich da?

Grüsse, eure Seltsam

Ich bin zwar kein Fachmann.
Weiß aber, dass dieses Phänomen relativ häufig vorkommt.

Für viele Frauen ist die Vorstellung, Milch zu geben, wie eine Kuh, absurd bis ekelhaft.

Dass der Mensch, angeblich etwas Erhabenes, da auf seine tierischen Funktionen reduziert wird, können viele nicht vertragen. Es ist meines Erachtens auch die Hauptursache für das Dilemma, das insbes. auch die katholische Kirche mit der Sexualität und Fortpflanzung hat.

Eine andere Ursache könnte darin liegen, dass Stillen Lustgefühle erzeugt, bei manchen Frauen mehr, bei manchen weniger. Ja und manche Frauen kommen sich ob dieser Lustgefühle einfach schlecht vor und wollen sie möglichst vermeiden.

Die Ursachen liegen wohl in falscher Erziehung, falscher Haltung zum Körperlichen überhaupt, auf den Charakter der Frau als Mutter, lässt sich daraus nicht schließen.

Gruß, Nemo.

Hallo,

also bis ich mein Kind bekommen habe, fand ich stillen auch ekelhaft. Da saugt einer deine Brüste leer. Der Busen verändert sich, sieht anders aus. Mein Mann hat mich zwar immer unterstützt beim stillen, hat aber auch gesagt, dass er sehr ursprünglich findet. Zu Beginn fand er es auch gewöhnungsbedürftig.
Letztendlich habe ich dann fast 2 Jahre gestillt und fand es schön.

Was sagt es über eine Mutter aus, die es ekelhaft findet?
Wer stillt den heute noch öffentlich? Entweder bekommt das Kind die Flasche oder die Mutter versteckt sich irgendwo zum stillen. Es ist kein gewohnter, natürlich Ablick mehr.
Genauso wie Geburt. Etwas ganz normales, aber weißt du wie viele Frauen es ekelhaft finden? ( Mal von den Schmerzen etc. abgesehen.)
Es ist meiner Meinung nach nicht ein Problem der Mutter, sondern der Gesellschaft.
Zumal jede Mama das Recht hat, selber zu entscheiden wie sie ihr Kind ernährt. Wenn sie nicht stillen will, ist das genauso ok wie die Gabe von Ersatznahrung.

Gruß

auf den Charakter der Frau
als Mutter, lässt sich daraus nicht schließen.

… wenn das so stimmt, dann ist der Versuch gescheitert, eine Frau mit Hilfe wissenschaftlicher Erkenntnisse in die Ecke zu stellen …oder habe ich was falsch verstanden?

Gruß
PW

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… wenn das so stimmt, dann ist der Versuch gescheitert,
eine Frau mit Hilfe wissenschaftlicher Erkenntnisse in die
Ecke zu stellen …oder habe ich was falsch verstanden?

Sieht so aus. Kann sich aber durchaus auch um Selbsthinterfragung handeln.

Gruß, Nemo.

Hallo,

Wie oft siehst Du stillende Frauen? Mir begegnet vielleicht alle drei Jahre mal eine.
Wie oft siehst Du Brüste ohne Silikon und ohne perfekte Rundung? Ich sehe mich nur viel zu oft mit Abbildungen kaum verdeckter „perfekter“ Brüste konfrontiert (damit werden sogar Fahrzeuge verkauft).

Eine Frau die stillen ekelhaft empfindet hat wohl einfach nur ein bischen zu stark das angenommen was in Medien und Öffentlichkeit suggeriert wird.
Genauso finden heute fast alle Haare unter den Achseln eklig, unrasierte Beine, Cellulite, Männer mit Vollbart, kurze Hosen, Milch die nicht homogenisiert und ultrahocherhitzt ist, Fleisch mit Fettmaserung, Obst mit Flecken usw usw

Gruss
M.

Hallo,

die Gründe für das Ablehnen des Stillens sind vielfältig:

  • Körperfeindliche Erziehung der Mutter oder (sexuelle) Gewalterfahrungen können die Beziehung zum eigenen Körper so nachhaltig stören, dass der Akt des Stillens affektiv stark abgelehnt wird. Ekelgefühle können dabei ebenso auftreten, wie das Gefühl des Tabubruchs (nicht selten als Folge von Missbrauch durch die Eltern).

  • Ablehnung des Kindes. Hormonelle Prozesse („Postpartale Depression“), ungewollte Schwangerschaft (Vergewaltigung, Ablehnung des Kindsvaters…) oder schwieriger Schwangerschafts- und/oder Geburtsverlauf können bedingen, dass die Frau ihr Kind emotional nicht annehmen kann. Die Vorstellung, einen intimen Körperkontakt wie das Stillen zuzulassen, kann heftige Abwehrreaktionen auslösen.

  • Die Zwangsvorstellung des „Ausgesaugtwerdens“ kann entstehen, die durch entsprechende Aussagen im Zusammenhang mit dem Stillen begünstigt werden („Jedes Kind ein Zahn“…).

  • Die Brüste werden primär als Symbol der erotischen Anziehungskraft wahrgenommen. Nicht selten scheint diese sogar elementare Grundlage für die Paarbeziehung zu sein. Die Angst davor, dass Stillen diese zerstören könnte, verhindert die innere Akzeptanz des Stillens („Stillen macht Hängebrüste“). Der eigene Mann spielt diesbezüglich eine nicht zu unterschätzende Rolle.

  • Das Gefühl der Überforderung kann entstehen. Besonders in der ersten Zeit nach der Geburt sind viele Frauen noch nicht sicher im Umgang mit ihrem Baby und den Anforderungen, die es an sie stellt. Das kann zur Folge haben, dass Stillen als zusätzlicher Stressfaktor empfunden wird, was wiederum den Milchfluss stören und somit zu einem Kreislauf aus Überforderungs- und Versagensgefühlen führen kann.

  • Fehlende Bereitschaft zur Fortsetzung der Symbiose. Nach der Schwangerschaft, die für die Frau bereits einiges an Rücksichtnahme auf das werdende Leben bedeutet hat, erscheint es nicht jeder Frau erstrebenswert, diese Abhängigkeit zu verlängern, indem sie stillt und damit zur einzigen Ernährerin des Kindes wird. Eine affektive Ablehnung ihr bekannter „Übermütter“ kann dies verstärken.

  • Fehlende Unterstützung. Nicht jede Frau befindet sich in der Situation, in einem annehmenden Umfeld zu leben, sich Hebamme, Arzt und Krankenhaus nach idealen Kriterien aussuchen zu können und/oder einen Mann an ihrer Seite zu haben, der die Freude und die Last des Kinderkriegens und -habens mit ihr teilt.

Eine Aussage über die Mutter in deinem Post treffen zu wollen, schiene mir angesichts der potentiell vorhandenen (und zum Teil schwer wiegenden) Ursachen doch recht gewagt.

Schöne Grüße,
Jule

Hallo!

Kurze Frage an Fachleute(falls es hier solche gibt): was kann
man über eine Frau sagen, die meint ihr eigenes Kind zu
stillen sei ekelhaft?

Nichts. Tut mir leid, aber das ist die bittere Wahrheit.

Es kommt in der Psychologie nicht so sehr darauf an, was jemand tut, sondern warum er es tut. Daß es da diverse Erklärungsmöglichkeiten gibt, hat ja schon Jule schön aufgezeigt.

Ich weiss, daraus kann man kein Profil erstellen

So ist es.

da es aber
nicht grade gängige Meinung ist (und mir persönlich ziemlich
seltsam erscheint)

… willst Du doch ein Profil haben.

Gruß,
Max

Hi,

Kurze Frage an Fachleute(falls es hier solche gibt): was kann
man über eine Frau sagen, die meint ihr eigenes Kind zu
stillen sei ekelhaft?

Bei mir war es umgekehrt - mein 1. Sohn wollte nicht an die Brust und ich habe mich als Mutter und auch als Frau als totale Versagerin gefühlt, weil alle gesagt haben, eine Mutter muss doch ihr Kind stillen können! (1974)

Gruß,
Anja

Ich finde es total schrecklich, dass den Müttern rund ums Stillen so ein gesellschaftlicher Druck gemacht wird! Das ist furchtbar und auch gar nicht verwunderlich, dass es dann so oft nicht klappt. Jeder scheint ein Patentrezept zu haben, was für ein Baby und eine Mutter am Besten ist. Ich glaube, dass abhängig von der eigenen individuellen Situation für jede etwas anderes stimmig und passend ist. Dann wird eben nicht gestillt, na und? Für Mutter und Kind ist eine entspannte liebevolle Fläschchengabe sicher gesünder als erzwungenes Stillen, bei dem sich weder Mutter noch Kind richtig entspannen können.

Liebe Grüße
infi

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Hallo infi,

Dann wird eben nicht gestillt, na und?

Na, poste das mal bei passender Gelegenheit im Eltern-Kind-Brett :smile:. Die Heerscharen der stillbesessenen Übermütter werden über dich hereinbrechen, wie das Jüngste Gericht und dem armen Nachwuchs die schlimmsten Entwicklungsstörungen an den Hals reden, wenn du nicht mindestens bis zum Erreichen des Schulalters… :smile:

Hier verkehrt sich inzwischen die eher stillfeindliche Haltung früherer Jahre ins komplette Gegenteil. Und um zum UP zurückzukehren: Die Pathologisierung stillabwehrender Äußerungen ist letzten Endes nur der Ausdruck des gesellschaftlichen Erwartungsdrucks.

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Darf ich?
Hi!
Ihr sprecht mir aus der Seele. Vom Kopf und Gefühl her wollte ich unbedingt mein Kind stillen. 4 Monate habe ich mich (und ihn wahrscheinlich mehr oder weniger auch) gequält, es war nie entspannt. Ich war ständig fix und fertig, meine Umgebung hat mir vno allen Seiten reingeredet. Mir ging es nicht gut, mir fehlte das Selbstbewusstsein um einfach mein Ding durchzuziehen. Wenn ich heute meinen Sohn essen sehe und seine Laune, wenn er Hunger hat, dann ist mir eigentlich völlig klar, warum das mit dem Stillen nicht klappten konnte…

Bis mir die Kinderärztin streng sagte: Und heute geben Sie ihm bitte eine Flasche. Ich hab geheult wie ein Schloßhund, als ich das Milchpulver kaufte, so fertig war ich, weil ich ja damit mein Versagen minifestierte.

Ich war so heilfroh, dass ich endlich sicher sein konnte, dass das Kind satt ist.

Seitdem sehe ich das auch anders: Stillen: Ja, schön und auch wichtig und wünschenswert. Aber nicht mir Zwang und nicht zu Lasten von Mutter oder Kind oder beiden.

Ich habe übrigens noch ziemlich lange teilweise gestillt.

Grüße
kernig

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Hallo,

also wenn einem die Muttermilch wichtig ist, könnte man ja auch eine Milchpumpe aus der Apotheke leihen und abpumpen. So entfällt der Stress und die Muttermilch gibt es trotzdem. So hat es unsere Tochter gemacht, nachdem sie Probleme beim Stillen hatte.

Gruß
Shannon

Hallo,

für viele Frauen ist diese vorstellung nicht angenehm, weil mit Druck verbunden, versagensängsten,und auch fehlender Privatsphäre.

Nicht wenige Frauen (und noch mehr Männer ) finden es in der Tat ekelhaft. Im Sinne von Körperflüssigkeiten, die unkontrolliert aus einem Rauslaufen, ein schmatzendes Kind an der Brust, Milch die in der Kleidung landet und anfängt vergoren zu riechen, etc.

Übrigens sagt das nichts über den charakter aus, im Sinne von „eine gute Mutter verzichtet auf alles und überwindet alles“.

liebe Grüße

Brenna