Stilmittel: Überzeugung ohne überzeugend zu wirken

Hi

Ich hab mir mal so überlegt, dass es ja ganz sinnvoll wäre, wenn ein Redner (z.B. ein Politiker) oder ein Schreiber einer Argumentation oder eines Essays, beim Leser bzw. Zuhörer nicht so rüberkommt, als würde er mit jedem Mittel versuchen, ihn zu überreden.
Ich hoffe das ist so verständlich.
Ich möchte nämlich jemanden per Brief zu etwas überreden - man könnte auch böswillig sagen ihn manipulieren. Aber ist diese Person halt sehr misstrauisch und wirft einem schnell vor, man wolle ihn ja „nur überreden“ und blockiert dann sofort alles weitere.

Gibt es dafür einen Fachbegriff? Bestimmt… ich komm nur selbst nicht drauf.

Grüße

Laralinda

Tach,

was hältst Du von „argumentieren“?

Gruß - Rolf

was hältst Du von „argumentieren“?

Tja beim Argumentieren ist es wohl offensichtlich, welche Meinung man vertritt - da werden alle Mittel benutzt, um sein Gegenüber von seiner Meinung zu überzeugen.

Ich meine eher sowas wie Captatio benevolentiae, bloß das dieses am Anfang einer Rede vorkommt und nicht im Argumentieren selbst

Ich meine eher sowas wie Captatio benevolentiae, bloß das
dieses am Anfang einer Rede vorkommt und nicht im
Argumentieren selbst

In der Rhetorik wird der Begriff „persuasio“ sowohl für Überreden
als auch für Überzeugen verwendet, siehe
http://www.li-go.de/definitionsansicht/rhetorik/pers…
und
http://www.li-go.de/definitionsansicht/rhetorik/move…

Gruß
Kreszenz

Hi Laralinda,

Gibt es dafür einen Fachbegriff?

eine einseitige (dialektische) Erörterung?

Gandalf

Na gut, Laralinda, dann will ich etwas genauer werden, was ich offenbar schon vorher hätte tun sollen:

Unter Argumentieren verstehe ich die rationale Aufzählung der Argumente des Für und des Wider. Das Ganze endet natürlich mit dem Sieg dessen, was Du erreichen willst.
Dies bedarf also genauer Planung, damit Du mit dem überzeugenden, ultimaten, unschlagbaren Argument schließen kannst.
Und wenn Du Dir ganz viel Mühe und Arbeit machen willst, kannst Du Deiner Argumentation noch noch mit einer manipulativen Tendenz unterlegen - Enzensberger hat das die Palimpsest-Technik genannt. (Ein Palimpsest ist ein antikes Pergament, dessen ursprüngliche Beschriftung radiert wurde, damit es noch einmal benutzt werden konnte. Mit modernen technischen Methoden lässt sich der ursprüngliche Inhalt wieder sicht- und lesbar machen.)
Aber das erfordert natürlich noch mehr Planung.

Gruß - Rolf

Argumentum ad rem vs. argumentum ad hominem
Nur zur Ergänzung!

In der Rhetorik wird der Begriff „persuasio“ sowohl für Überreden
als auch für Überzeugen verwendet

Überreden versucht es mit den argumenta ad hominem, also psychologischen Tricks, den anderen zu einer anderen Meinung zu bewegen.

Überzeugen dagegen verwendet argumenta ad rem, also sachlichen.

Erstere ist meist wirksamer, weil letztere Wissen voraussetzt.

Gruß Fritz

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Hallo Fritz,

um das noch weiter zu ergänzen:

Eigentlich stehen sich nicht die argumenta ad rem und die ad hominem gegenüber, sondern Quintilian stellt in der „Ausbildung des Redners“ die loci a re und die loci a persona gegeneinander (wobei sich ja aus den Loci dann die Arguemente bilden lassen). Beide Gruppen kann man dann aber sowohl „sachlich“ als auch „unsachlich“, also in Form von Trugschlüssen, verwenden. Mehr Informationen hier: http://www.uni-tuebingen.de/uni/nas/projekte/lehrbuc…

Argumenta ad hominem sind eine Form des trugschlüssigen Argumentierens, der Wiki-Artikel ist ziemlich gut: http://de.wikipedia.org/wiki/Sophismus_%28Rhetorik%29

Grundsätzlich ist ein Argument nicht von sich aus trugschlüssig (außer den logischen Trugschlüssen), sondern in Abhängigkeit vom Kontext. Überreden und Überzeugen erkennt man also auch nur im Kontext.

Grüßle
Susan

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Hi,

Quintilian hat die Rhetorik die „seelenwendende Königin“ genannt und ich glaube, das ist es, was du meinst: Rhetorik. Viele denken bei Rhetorik an die gestelzten Politiker-Reden, platte Werbespots oder Debattierklubs (die zwar super das Argumentieren trainieren, aber auch nicht die ganze Rhetorik).

Aber Rhetorik ist und kann viel mehr und wenn sie richtig angewendet wird, merkt man nicht, dass sie angewendet wird. Rhetoriker nennen das auch das „Verbergen der Kunst“. Der Zuhörer soll glauben, eine Idee oder Überzeugung würde in ihm von ganz alleine entstehen, und er darf nicht merken, wieviel Mühe und Berechnung der Redner darauf verwendet hat.

Der Fachausdruck dafür ist „Dianoia“, was eigentlich „Vernunft“ heißt, in der Rhetorik aber für die „Gedankenführung durch den Redner“ verwendet wird.

Manipulation ist übrigens ähnlich definiert, hat aber einen entscheidenden Unterschied: Der Zuhörer kommt zu einer Überzeugung, die für ihn eigentlich schädlich ist. (Also zum Beispiel zu der Vorstellung, ein Schokoriegel sei ein adäquates Ernährungsmittel für Kinder.)

Eine Auflistung von geeigneten Figuren oder rhetorischen „Tricks“ kann ich dir nicht liefern (und wird dir hier auch sonst niemand liefern können), weil die Wirksamkeit von Rhetorik von vielen verschiedenen Faktoren abhängt und wir ja weder dich noch deinen Bekannten noch eure Beziehung zueinander richtig kennen.

Grüßle
Susan

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

ot
Hallo, Susan,

das ist eine schöne und hilfreiche Ergänzung.
Danke!
Dafür *

Gruß Fritz

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Suggestion o.w.t.
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