Stimmungsschwankungen sehr stark - was tun?

Hallo,

ich leide sehr unter Stimmungsschwankungen, mache auch eine Therapie seit wenigen Wochen. Der Therapeut meinte, es würde sehr lange dauern, bis wir alles wieder in den Griff bekommen haben.
Der Psychiater will mir dafür Tabletten (Citalopram) geben, aber ich mag so wenig Chemie wie möglich nehmen.

Allerdings strengt es mich total an: in der einen Minute bin ich völlig happy und singe vor mich hin, 10 min später fange ich total das heulen an und kann mich lange nicht mehr beruhigen. Meist passiert das, wenn z.B. nur der kleinste negative Gedanke kommt, z.B. Angst vor Hartz IV (bin derzeit ohne Arbeit), oder Angst vor Schulden, vor dem Leben usw.

Diese Wechselbäder schlauchen total. Aber so lange ich nicht quasi „auf dem Fenstersims stehe“, wollte ich eigentlich keine Tabletten dagegen nehmen, da ich Angst habe, dass sie noch mehr im Körper „kaputt“ machen, als das „Kraut eh schon fett“ ist, weil mir dauernd übel ist usw., was die Psyche eben so schön an körperlichen Symptomen in petto hat.

Gibts nicht Strategien, Übungen, wer weiß was …, damit man die Wechselbäder in Sachen Stimmungsschwankungen abmildern kann, wenn nicht schon beseitigen?

P.S.: Entspannungsübungen hab ich schon probiert. Für autog. Training bin ich nicht geschaffen. Jacobsen funktioniert bei mir nicht :frowning:

Danke. Chris

Hallo Chris,

Der Therapeut meinte, es würde sehr lange dauern, bis wir alles
wieder in den Griff bekommen haben.

spürbare Verbesserungen kann man schon in relativ kurzer Zeit (Wochen) erreichen. Erst während der letzten 14 Tage bestätigte sich das wieder, als ich zu Gast in der Uni-Psychiatrie war. Nicht nur, daß man von den Psychiatern erfährt, wie gut die Medizin heute bei etlichen psychischen Störungen helfen kann, sondern auch, daß Patientinnen und Patienten berichten, daß das tatsächlich so ist.

Der Psychiater will mir dafür Tabletten (Citalopram) geben,
aber ich mag so wenig Chemie wie möglich nehmen.

Das Medikament kann Dich dabei unterstützen, Deine Stimmungsschwankungen in den Griff zu bekommen. Wenn sie nicht zu schwer sind, stellt Johanniskraut für Dich vielleicht eine natürliche Alternative dar. Frag mal Deinen Arzt danach. Er kann das für Deine Situation einschätzen.

Gibts nicht Strategien, Übungen, wer weiß was …, damit man
die Wechselbäder in Sachen Stimmungsschwankungen abmildern
kann, wenn nicht schon beseitigen?

Ja, die gibt es. Welche für Dich geeignet sein könnten, sollten Dein Therapeut und Du herausfinden. Sprich ihn darauf an. Es ist seine Pflicht, Dir in dieser Richtung weiterzuhelfen.

P.S.: Entspannungsübungen hab ich schon probiert. Für autog.
Training bin ich nicht geschaffen. Jacobsen funktioniert bei
mir nicht :frowning:

Entspannungsübungen sind bei Stimmungsschwankungen nicht per se angezeigt. Sie können gerade am Anfang die Stimmungstiefs verstärken. Gerade bei schwereren Tiefs wird deshalb anfangs eine Aktivierung empfohlen (z.B. über Sport). Sprich Deinen Arzt und Therapeuten darauf an.

Es gibt so viele hilfreiche Möglichkeiten, kurzfristig Verbesserungen zu erreichen. Auch Du kannst von ihnen profitieren.

Grüße,

Oliver Walter

Hi,
Du hast ja schon ne gute Antwort von Oliver.
Will nur sagen, nimm unbedingt das Medikament!
Du wirst Dich nach zwei Wochen nicht mehr wiedererkennen, die Löcher, in die Du andauernd unerwartet fällst, werden nicht mehr da sein.

Es ist ja nicht auf Dauer gedacht.
Aber aus einer solchen Krise rauszukommen, nur mit Willenskraft, das ist schier unmöglich. Lass Dir von ein bisschen Chemie helfen - dann kann auch in der Therapie sicher mehr erreicht werden, das Dir dann vielleicht ‚coping strategies‘ beschafft, damit Du nicht mehr in eine solche Krise, in der Chemie nötig ist, fällst.

Alles Gute,
Isabel

Leidensdruck?
Hallo,

vielen Dank schon mal. Ich hab immer „Angst“ vor solchen Medikamenten, denn wie ist das eigentlich: wenn ich die nehme (z.B. Citalopram/selek. Serotoninwiederaufnahmehemmer) und es ginge mir tatsächlich irgendwie besser, hab ich dann aber noch den genügenden „Druck“ für meine Therapie?

Ich denke mir, wenn ich das Zeugs nehme, nehme ich meine PRobleme vielleicht nicht mehr so ernst, dass ich wirklich vehement mit der Therapie arbeite, oder?

Oder ich meine, dass der Therapeut meint, mir ginge es schon besser mit meinen „Problemen“ - wie auch immer - und reduziert vielleicht die Therapie auf nur 1x in 2 Wochen oder nimmt mich nicht mehr so ernst oder geht das Ganze relaxter an … und da, wo die Probleme wirklich hammerhart sind und bearbeitet werden müssen …

Chris

Hallo Chris,

vielen Dank schon mal.

gern geschehen.

Ich denke mir, wenn ich das Zeugs nehme, nehme ich meine
PRobleme vielleicht nicht mehr so ernst, dass ich wirklich
vehement mit der Therapie arbeite, oder?

Wie wahrscheinlich ist das, wenn Du jetzt schon an diese mögliche Gefahr denkst?

Oder ich meine, dass der Therapeut meint, mir ginge es schon
besser mit meinen „Problemen“ - wie auch immer - und reduziert
vielleicht die Therapie auf nur 1x in 2 Wochen oder nimmt
mich nicht mehr so ernst oder geht das Ganze relaxter an …
und da, wo die Probleme wirklich hammerhart sind und
bearbeitet werden müssen …

Wie siehst Du den möglichen Therapieverlauf schon jetzt, bevor die Therapie richtig angefangen hat?

Grüße,

Oliver Walter

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Hallo,

Wie siehst Du den möglichen Therapieverlauf schon jetzt, bevor
die Therapie richtig angefangen hat?

… naja, hm, momentan ist mein Leidensdruck aufgrund der ganzen psychischen und physischen Symptome wahnsinnig groß - und der geduldigste Mensch bin ich auch nicht :wink:

Aber der Druck ist ja nur da, WEIL es einem so SCHLECHT geht.
Wenn ich die Jahre zurückblicke, gab es die Traumata ja auch schon, die ganzen Probleme, aber sie waren eher im Hintergrund und ich merke sie erst in Beziehungen z.B. am stärksten. Momentan, wahrscheinlich durch die Arbeitslosigkeit und das damit bei mir verbundene Gefühl der Sinnlosigkeit, Leere, Hoffnungslosigkeit usw. ist alles wie eine Atombombe über mich hereingebrochen.

Das allerdings ist eine gute „Triebkraft“, um ganz konsequent mit einer Therapie das anzugehen und endlich „gesund“ zu werden.

Ich weiß nicht, wie ich das handhabe, wenn es mir körperlich und psychisch hinsichtlich der Stimmungsschwankungen besser gehen würde, ob ich dann immernoch so „kämpfen“ würde - denn eine große Kämpfernatur vor dem Herrn bin ich leider eben nicht :frowning:

Chris

Hallo Chris,

… naja, hm, momentan ist mein Leidensdruck aufgrund der
ganzen psychischen und physischen Symptome wahnsinnig groß -
und der geduldigste Mensch bin ich auch nicht :wink:

Humor hast Du zumindest und er ist ein mächtiger Verbündeter gegen die

Gefühl der Sinnlosigkeit, Leere, Hoffnungslosigkeit

Vor allem die Hoffnungslosigkeit sticht für mich hervor. Den Ausblick auf die Zukunft - selbst unter der Annahme, daß es Dir besser geht - ist für Dich ein negativer, weil Du darüber nachdenkst, ob dann der Leidensdruck nicht mehr groß genug ist, die Probleme weiter in Angriff zu nehmen.

Was wäre aus Deiner Sicht die Alternative zum Versuch, die Probleme zu bewältigen?

Ich weiß nicht, wie ich das handhabe, wenn es mir körperlich
und psychisch hinsichtlich der Stimmungsschwankungen besser
gehen würde, ob ich dann immernoch so „kämpfen“ würde - denn
eine große Kämpfernatur vor dem Herrn bin ich leider eben
nicht :frowning:

Ich habe den Eindruck, daß Du vor allem das Negative siehst - an Dir (keine Kämpfernatur) oder an der Zukunft („wenn es mir besser geht, höre ich auf, an mir zu arbeiten“). Siehst Du auch andere Dinge vor allem unter einem negativen Gesichtspunkt? Hast Du mal daran gedacht, diesen Aspekt anzugehen?

Grüße,

Oliver Walter

hi!

ich denke (auch aus erfahrung), dass es zwar einen gewissen leidensdruck geben muss, um für sich selbst ertmal zu beschließen, eine therapie zu beginnen, jedoch stellt sich mir beim lesen deiner frage die gegenfrage:

wenn du eine therapie machst, damit es dir besser geht, wie soll das funktionieren, wenn du es verhinderst, dass es dir im verlauf der therapie tatsächlich besser geht weil du angst vor genau diesem erfolg hast??

ich kann dir sagen, dass die erfolge die man erzielt schon ansporn genug sind, die therapie bis zum ende durchzuziehen, und kein vernünftiger therapeut würde dich „halbgenesen“ nach hause schicken.

gruss, linda