…wie der Spiegel-Kommentar am 13. 07. 2001 berichtet:
Der Kampf um das Zwangspfand für Einwegflaschen und Getränkedosen beweist: Selbst schwache und in sich zerstrittene Lobbys finden bei deutschen Landesregierungen mehr Gehör als eine satte Mehrheit der Wähler.
Die Länderfürsten Stoiber und Clement machen sich lächerlich.
Ein weit verbreitetes Gerücht besagt, dass es sich bei Doktor Edmund Stoiber um ein von Ehrgeiz zerfressenes, humorloses Exemplar der Gattung Mensch handelt. Diese wenig schmeichelhafte Charakterisierung des Münchner Ministerpräsidenten ist in ihrem zweiten Teil nachweislich falsch.
Der Beweis?
Als der in München ansässige „Verein gegen betrügerisches Einschenken e.V. (VGBE)“ vor einiger Zeit sein immerhin 25-jähriges Jubiläum feierte, steuerte der Oberbayer ein launiges Grußwort bei. Darin würdigte der bekennende Teetrinker die „historischen Verdienste“ der Eichstrich-Vereinigung für die mittlerweile erreichte „hervorragende Schankmoral“ im Lande, um anschließend eine andere „drohende Gefahr für die bayerische Bierkultur“ zu beschwören. Aus „nördlichen und westlichen Weltregionen“, schwappe nämlich eine „Lawine des Dosenbieres über unsere Heimat“.
Zur Abwehr des „weißblech- und aluminiumbewehrten Frontalangriffs“ schlug der besorgte Ministerpräsident vor, „strategische Allianzen über den Tresen hinweg“ zu bilden.
In diesen Tagen setzt Stoiber sein Ansinnen um.
Die strategischen Allianzen allerdings bildet er nicht mit dem Berliner Dosen-Gegner Jürgen Trittin, der die umwelt- und klimaschädigenden Ex- und Hopp-Büchsen mit Hilfe eines Pfands von 50 Pfennig von Straßen, aus Parks und Wäldern verbannen will, sondern mit den Profiteuren des Dosenunwesens.
Die weiß-blauen Brauer sind sauer auf Stoiber, und es gehört zu den Absurditäten des zähen Dosenscharmützels, dass Stoiber und Co. ihren Sondereinsatz für Großbrauereien, Handelsriesen und Discounter ausgerechnet mit der Sorge um das traditionelle Mehrweg-System begründen.
Die skurrile Erwartung nämlich, die Leute kauften mehr Knitterbüchsen, wenn sie dafür zusätzlich Pfand bezahlen müssten, gehört zu den zahllosen Ungereimtheiten und Legenden, die Stoiber und die Büchsenlobby derzeit fast täglich streuen.
Nur nebenbei: In einer Klageschrift gegen das Pflichtpfand vor dem Landgericht Berlin begründet die Wirtschaft ihren Widerstand unter anderem mit vorhersehbaren massiven Einbrüchen beim Absatz ihrer Einweg-Produkte. Alles andere ist Propaganda.
Edmund Stoibers verstörende Abkehr von der bayerischen Bierkultur ist trotz allem zwanglos zu erklären - mit dem ersten Teil der eingangs erwähnten Charakterausstattung des CSU-Vorsitzenden.
Edmund Stoiber will - Dementis hin, Dementis her - Kanzlerkandidat der Union werden und braucht dafür Erfolge gegen den Amtsinhaber in Berlin. Im Dosenkrieg, der am Freitag den Bundesrat erreicht, könnte gelingen, was bei Steuer und Rente so schrecklich danebenging.
Ist das sachgerecht? Nein, nur höhere Politik.
Dafür allerdings braucht der Bayer in der Tat strategische Allianzen. Die umfassen nicht nur seine in Teilen durchaus skeptischen Parteifreunde, sondern auch die Genossen Kurt Beck in Mainz und Wolfgang Clement in Düsseldorf. Beide lehnen das von der Bundesregierung beschlossene Dosenpfand ab und beweisen so ganz nebenbei, dass in der Konsensrepublik Deutschland inzwischen selbst mittelmäßig organisierte, noch dazu in sich zerstrittene Lobbys mehr Gehör finden als eine satte Mehrheit der Wähler und Wählerinnen, die das Trittin-Pfand in sämtlichen Umfragen herbeisehnt. Beck und Clement hoffen, dass am Ende nur der ungeliebte grüne Umweltminister beschädigt zurückbleibt.
Ein grandioser Irrtum: Für den grünen Buhmann allein würde Stoiber nicht die eigene Basis verschrecken. Er haut Trittin, um Schröder zu treffen - mit freundlicher Unterstützung aus Düsseldorf und Mainz.
Wolfgang Clement, dessen politische Karriere nicht mehr weiter nach oben führen kann, gefällt sich immer mehr in der Rolle, in der einst der Niedersachse Gerhard Schröder brillierte und die die Parteioberen in der Bonner SPD-Baracke bis zur Weißglut trieb: als rücksichtsloser Provinzfürst mit erheblichem Störpotenzial. Möglich, dass Gerhard Schröder dem Treiben schweigend zusieht, weil er sich an sich selbst erinnert.
****ENDE DES KOMMENTARS******
Recht hat er - und Stoiber?
Naja…in Bayern eckt nun auch an - siehe da !
Gruss
))