Hallo,
heute mit einem Käpsele.
Gruß Mic
Lothar Späth (Wirtschaft, Arbeit, Aufbau Ost)
„besaaß kaum je eigene Visionen, aber das Talent, Themen immer als erster zu besetzen … verlor immer dann das Interesse an einem Thema, wenn dessen Glamour verloren war … Laut-Sprecher, vom Ehrgeiz zerfressener Emporkömmmling,
selbstherrlicher Monarch ohne Substanz“ (so beschrieben von seinem ehemaligen Pressesprecher Manfred Zach in dessen Politroman: " Monrepos oder die Kälte der Macht")
ehemaliger Ministerprässident von BaWü. Stürzte 1991 über die „Traumschiff-Affäre“, die sich um die private Inanspruchnahme von saftigen Zuwendungen seitens der Wirtschaft drehte (Urlaub in Kanada auf Kosten von Daimler-Benz, Reise nach Ãggypten auf Kosten von Hetzel, Herrenparty in Malaysia audf Kosten von Blendax, fünfhundert Privatflüge auf Kosten privater Firmen)
Wegen des sich erhärtenden Verdachts der Vorteilsnahme trat er 1991 zurück, gab sein Landtagsmandat ab und verzichtete auf eine erneute Kandidatur fürr den Vorsitz der Landes-CDU.
Ehemaliger Intimfeind Kohls, Putschversuch auf dem Bremer CDU-Parteitag 09/89 scheiterte, weil Späth einen Rückzieher machte und nicht als Parteivorsitzender kandidierte
Späth wurde als „Wahlkampfberater“ inflationär und ohne großen Erfolg eingesetzt: bereits 1994 Kohls Kanzlerberater im Bundestagswahlkampf, ebenfalls 1998 und im desastrasösen Berliner Wahlkampf 2001 an der Seite von Frank Steffel. Angela Merkel stand er bei der Abfassung ihres in der Versenkung
verschwundenen Projekts zur „Neuen sozialen Marktwirtschaft“ zur Seite.
Als Jenoptik-Chef wird er zwar als erfolgreicher Macher des Aufbau Ost gefeiert, aber: Er hat für sein Unternehmen Jenoptik 3,6 Milliarden Mark staatliche Hilfen erhalten - der Börsenwert des Unternehmens soll heute bei nur etwa zwei Milliarden Mark liegen. Von rund 16 000 Beschäftigten sind noch 6 900 geblieben, davon 1 100 in Jena, der Rest im Westen.
Zitate gegen CDU und pro Rot-Grün: CDU hat „zu lange damit gewartet hat, die nötigen Reformen anzufassen.“ (Super Illu, 30.07.1998).
Stattdessen gestand er Schröder zu: „Er hat die Steuerreform
gemacht, er hat die Rentenreform gemacht, er hat was bewegt.“ (Rheinische Post, 22.05.2001)
Seine Mitgliedschaft im Kompetenzteam wird immer mehr zum Risikofall: Immer wieder gibt es klare Meinungsverschiedenheiten zwischen Stoiber und Späth, der sich in die Disziplin der
Wahlkampfteams partout nicht einfügen will - bei der Steuerreform bezweifelte Späth die Durchführbarkeit der Pläne. Beim Aufbau Ost nannte er die Pläne seines Chefs, aus dem Osten eine Sonderinvestitionszone zu machen, verfassungswidrig. Am deutlichsten wurden die Unstimmigkeiten bei der Hartz-Studie. Die begrüßte Späth: „Mit der Union ist dieses Programm umzusetzen“, (Tagesspiegel am 25.6.)
Späth lobte den „dynamischen Ansatz“ der Vorschläge und forderte, „alle müssen sich bewegen“. Im Stern vom 27.6. sprach er sogar von einer „revolutionären Reform“. Stoiber hingegen schwenkte schnell auf eine skeptische Linie ein und pfiff Späth zurück.
In der SWR-Sendung „Wortwechsel“ (ausgestrahlt am 14.7.) schloss Späth nicht aus, im Falle eines SPD-Wahlsiegs auch Schröder zu beraten. Auch die Übernahme eines Ministerpostens schloss er nicht aus. Am 10.7. (vor der Ausstrahlung) dementierte er
bereits wieder: „Unter einem Bundeskanzler Schröder werde ich kein Amt übernehmen und ihn auch nicht beraten.“ (Welt, 11.7.)
Ein Zeichen für die Beliebigkeit und Unzuverlässigkeit Späths, der immer weniger ernst zu nehmen ist.

