Stolz und Vorurteil

Hat schon jemand den Kinofilm (Start: 20.10.) in einer Preview oder im Ausland gesehen? Ich habe sehr unterschiedliche Kritiken gelesen und habe den Eindruck, dass der Film nur diejenigen begeistert hat, die weder das Buch noch die BBC-Verfilmung kennen.

Hat schon jemand den Kinofilm (Start: 20.10.) in einer Preview
oder im Ausland gesehen? Ich habe sehr unterschiedliche
Kritiken gelesen und habe den Eindruck, dass der Film nur
diejenigen begeistert hat, die weder das Buch noch die
BBC-Verfilmung kennen.

Einem echten Jane-Austen-Fan ist es völlig wurscht und schnurzpiepegal, was irgendwelche Kritiker schreiben oder irgendwelche anderen Leute, die den Film gesehen haben, sagen.

Der Fan geht selbstverständlich ins Kino und bildet sich sein eigenes Urteil.

Gruß Gudrun

Hi,

war in der Preview und musste mich innerlich erst mal von der BBC-Verfilmung „abseilen“. Der Film ist sehr liebevoll gemacht, die Plot-Problematik ist sauber herausgearbeitet, die Charaktere sind prima ausgewählt, auch wenn mir die Besetzungen von Elizabeth und von Darcy jetzt persönlich nicht sooo zusagen. Aber warum nicht?! Interessant ist auch der eher bäuerliche Hintergrund der Bevölkerung (im Gegensatz zum städtischeren Habit der BBC-Verfilmung). Lediglich das entscheidende Gespräch zwischen Lady de Burgh und Elizabeth zu nächtlicher Stunde schien mir sehr unpassend (weil nicht etikettegemäß). Ansonsten - reinschauen, vergleichen, mitschmunzeln. Auch diese Austen-Verfilmung lohnt sich.

Grüße,

Susanne

Danach habe ich zwar nicht gefragt und auch nie behauptet, ich würde meinen Kinobesuch von einer Kritik abhängig machen, aber dennoch danke für deinen Beitrag…

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Hi Kerstin,

ich habe den Film in England gesehen. Meine Meinung dazu: Grusel. Grottenschlecht.

Die BBC-Verfilmung ist nicht zu uebertreffen, ich denke, da sind sich alle einig. Und eben deshalb kenne ich auch viele, die sich die Neuverfilmung nicht ansehen wollen, zumal der Trailer schon bekannt ist.

Ich habe mir nach langer Ueberlegung den Film als Jane-Austen-Fan nur deshalb angesehen, weil period dramas im Kino selten sind und ich auch Fan davon bin.

Ohne den Film mit der BBC-Verfilmung mit Colin Firth und Jennifer Ehle zu vergleichen, ist an dem Film einfach alles falsch. Die Besetzung der Hauptcharaktere ist voellig daneben, gut fand ich nur Mrs Bennet, zwei der Toechter und Lady de Burgh. Donald Sutherland mag ich im Allgemeinen, aber als Mr Bennet war er voellig unpassend. Keira Knightley (Elizabeth) kann ich ohnehin nicht ausstehen, ich fand aber ihre schauspielerische Leistung auch nicht besonders. Die Charaktere sind alle so oberflaechlich gezeichnet und ohne Charakterzuege (Ausnahme Mrs Bennet), was natuerlich besonders fatal ist, wenn die Hauptperson, Elizabeth, keine Persoenlichkeit hat. Elizabeth zeichnet sich z. B. durch Intelligenz und Witz aus, was sich in diesem Film nicht wiederfindet. Hier ist Elizabeth nicht anders als jede andere Frau, einfach nur eine Durchschnittspersoenlichkeit.

Matthew MacFadyen (Mr Darcy), in GB vor allem bekannt aus einer Serie, recht gutaussehend, war schauspielerisch ok aber ohne ihn mit Colin Firth zu vergleichen definitiv kein Mr Darcy. Man nimmt ihm den stolzen Aristokraten einfach nicht ab. Selbst seine Stimme wirkt hier unpassend, es ist einfach das Gesamtbild, seine Ausstrahlung.

Der Heiratsantrag von Mr Darcy, eine immens wichtige Szene, findet im Film in einem Gartenpavillion im Regen statt. Uebrigens das einzige Mal in dem Film, dass ich Mr Darcy umwerfend gut aussehend fand, klatschnass. Leider ist diese Szene, in der sich die zwei alles moegliche an den Kopf werfen, vor allem verdorben durch Keira Knightley, die einfach nur fehlbesetzt ist. Viel zu kalte Ausstrahlung und keine Persoenlichkeit. Jennifer Ehle aus der BBC-Verfilmung war eine super Besetzung, sicherlich auch deswegen, weil sie eine warme Ausstrahlung hatte und einfach liebenswert war. Waehrend man fuer Keira Knightley weder Sympathie empfindet noch mit ihr mitfuehlt.

Elizabeth und Darcy starren sich zwar oft an, aber die Chemie stimmt nicht. Romantik und Spannung kommt nicht wirklich auf.

Der Film is 2:07 h lang. Natuerlich fiel da vieles aus dem Buch weg und musste gekuerzt werden. Leider fanden jedoch viele Szenen an Schauplaetzen statt, die nicht der Buchvorlage entsprechen (wie der Heiratsantrag) und wurden zudem zusammengeschmissen.

Das Bennett-Haus sieht mehr wie ein Bauernhof aus. Alle Raeume, die in dem Film gezeigt werden, auch die in Bingley’s Anwesen, sind sehr klein und ueberladen mit Moebeln und anderem Kram, was irritierend wirkt, zumal das sicherlich so nicht ausgesehen hat.

Ich bin waehrend der ersten Stunde fast eingeschlafen und habe auch ernsthaft ueberlegt, einfach zu gehen, weil ich den Film so schlecht fand. Ich hielt nur durch wegen der Szene mit dem Heiratsantrag und dann dachte ich, stehe ich den Rest eben auch noch durch (hier kostet Kino 10 EUR). Bereut habe ich es aber, auch wenn ich nach den Trailern nicht viel erwartet habe.

Insbesondere Leute, die keine Fans von Jane Austen oder period dramas sind, koennen den Film nur todlangweilig finden. Es ist eben keine Romantic Comedy wie z. B. Sweet Home Alabama oder Wedding Date.

Und selbst Austen-Fans, die die BBC-Verfilmung nicht kennen (obwohl es davon nicht viele geben kann), werden wohl ziemlich enttaeuscht sein, weil durch starke Kuerzungen und abgeaenderte Szenen weit entfernt von der Buchvorlage und der Film so fehlbesetzt.

Unglaublich, dass ausgerechnet die Briten sowas produzieren konnten.

Trotzdem, auf Kritiken oder Meinungen kann man sich nicht wirklich verlassen. Daher entweder im Kino ansehen oder sich die DVD leihen (billiger, hinterher weniger aergerlich und auf der Couch kann man bequemer einschlafen als im Kino).

Ich habe mir letzte Woche „Serenity“ angesehen, Kritiken waren sehr gut und der Film sollte recht lustig sein. Ich fand ihn nicht lustig, sehr anders, aber nur ok. Entgegen der Kritiken und meinem Boss, der meinte „I loved it!“ (vermutlich weil der Film so anders ist). So kann’s gehen.

Wuerde mich aber interessieren, ob andere Leute meine Meinung teilen.

Kris