Hallo!
Jetzt erkläre mir bitte mal jemand, daß das rechtens sein
soll. Ich will hier keinesfalls schönreden, daß er nicht dort
erschienen ist. Nachdem ich mit ihm gesprochen habe, kam dann
auch raus, daß er eigentlich nicht wirklich Interesse an
dieser speziellen AG hat, nur das konnte er ja im Vorfeld
(bevor er sich also angemeldet hat!) noch nicht wissen.
Wenn ich als Erwachsene mich irgendwo anmelde, habe ich doch
eigentlich überall die Möglichkeit Schnupperstunden zu nehmen.
Wieso wird das einem Kind nicht auch zugestanden?
Hat er irgendwie mit dem Lehrer gesprochen, der die AG leitet? Angenommen ich wäre der Lehrer. Wenn ein Schüler käme und mir sagen würde, dass er sich die AG anders vorgestellt hätte, und dass er sich gerne abmelden würde, so hätte ich vermutlich nichts dagegen. Aber einfach fortbleiben ist etwas ganz anderes.
Natürlich hätte er hingehen können und sagen, ich mag nicht
mehr kommen, keine Frage, aber die Lehrerin meinte auch, wenn
er sich angemeldet hat, sei es verpflichtend.
… so lange, bis er sich wieder abmeldet. Ich finde, es ist ein außerordentlich wichtiges Erziehungsziel, dass man sich an Abmachungen hält - und zwar auch dann, wenn es mal unangenehm ist. Dieses Erziehungsziel erreiche ich garantiert nicht, wenn ich von Schülern keinerlei Konsequenz einfordere und die An- oder Abwesenheit bei einer AG völlig beliebig ist.
Du schreibst nicht, was es für eine AG ist. Bei vielen AGs ist es aber so, dass die anderen Teilnehmer unter Umständen darunter leiden, wenn einer fehlt. Man stelle sich eine Theater-AG vor, wo der Hauptdarsteller mal keine Lust hat, zur Probe zu erscheinen. Das geht einfach nicht.
Du hast den Vergleich mit Erwachsenen angestellt: Erstens finde ich, dass es sich auch für Erwachsene gehört, eingegangene Verpflichtungen einzuhalten. Zweitens sollte das bei Erwachsenen funktionieren, ohne dass man mit Erziehungsmaßnahmen droht (Jugendliche sind aber keine Erwachsene, weil sie noch nicht erwachsen sind
… Du verstehst, was ich meine). Drittens gilt für viele Kurse von Erwachsenen die gerade beschriebene gegenseitige Abhängigkeit nicht. Ein Sprachkurs an der Volkshochschule findet auch noch statt, wenn ein Teilnehmer fehlt. Die oben erwähnte Theaterprobe fällt dann unter Umständen flach.
Nun bin ich der Meinung, die AG findet ja in seiner Freizeit
statt. Wieso wird das dann aber jetzt im Klassenbuch vermerkt?
Und Nachsitzen??? Mir geht das ehrlich gesagt gegen den
Strich.
Du ärgerst Dich über eine Strafe. Vermutlich ärgert sich Dein Sohn auch. Genau das ist der Zweck von Strafe: Man sorgt dafür, dass ein Fehlverhalten mit unangenehmen Konsequenzen verbunden ist. Deswegen versucht der Schüler Fehlverhalten zu vermeiden. Das nennt man „Erziehung“. Du musst ja nicht nachsitzen, sondern Dein Sohn. Dann kannst Du das auch ganz neutral betrachten und Deinem signalisieren: „Es gibt die Regel, dass Du zu der AG erscheinen musst. Du hast Dich an diese Reigel nicht gehalten. Jetzt musst Du die Suppe halt auslöffeln.“
Dazu kommt noch, er hat zur Zeit des geforderten Nachsitzens
Gitarrenunterricht. Das habe ich ihr auch gesagt. Die Antwort
war: dann muss er die Gitarrenstunde sausen lassen. Kommt er
nicht zum Nachsitzen, darf er bei der Schulleitung erscheinen.
Ich kann mir den Gitarrenunterricht gerade so leisten und die
Stunde lässt sich auch nicht verschieben. Ich habe dann also
mal eben Geld zum Fenster raus geschmissen…
Nun ist es ja so, dass Dein Sohn im Hauptberuf Schüler ist. Damit ist alles, was sonst so läuft, sein Freizeitvergnügen. (Nicht die AG ist das Freizeitvergnügen, wie Du das sagtest, sondern der Gitarrenunterricht!).
Du findest, dass es ein verhältnismäßig geringes Vergehen ist, die AG zu schwänzen. Auf der anderen Seite findest Du es unerhört, dass er den Gitarrenunterricht versäumt (weil dieser Unterricht Geld kostet). Damit signalisierst Du Deinem Sohn, dass etwas nur dann einen Wert besitzt, wenn man dafür bezahlen muss. Hast Du schon einmal darüber nachgedacht?
Und jetzt noch ein Tipp, der sich wie ein Allgemeinplatz anhört:
Such doch mal das Gespräch mit der Lehrerin. Sie ist bestimmt gerne bereit zu erklären, warum speziell in diesem Fall so vorgegangen wurde. Hat die Schule schlechte Erfahrungen bei der Disziplin in Arbeitsgemeinschaften? Hat sich Dein Sohn auch sonst schon daneben benommen, dass die Lehrer beschlossen haben, diesmal kein Auge mehr zuzudrücken? Und wenn Du sie höflich bittest und ihr die Geschichte mit dem Gitarrenunterricht erklärst, ist es gut möglich, dass sie beim Termin fürs Nachsitzen ein bisschen flexibel ist. Bloß solltest Du Dir von vorne herein im Klaren sein: Einen Anspruch hat Dein Sohn darauf nicht.
Gruß, Michael