Straftat vor zwei Jahren

Hallo,

Person X hatte vor ca. 2 Jahren ein unschönes Erlebnis: Er wurde von einer Freundin um Hilfe gebeten und zu einer Wohnung gerufen, in der über die letzten beiden Tage ein sechzehnjähriges Mädchen von 3 Männern vergewaltigt worden war.
X konnte nichts anderes mehr tun, als sofort hinzufahren, die Polizei zu verständigen und bis zu deren Eintreffen auf die beiden Mädchen aufzupassen.
Die drei Täter wurden auch noch am selben Tag verhaftet, jedoch schon am nächsten wieder frei gelassen. Zumindest die ersten beiden Beamten am Tatort schienen dem Opfer auch nicht besonders viel Glauben zu schenken.
Die Anzeige wurde auch nach einigen Wochen zurückgezogen, was aber bekanntlich nichts heißen muss.
X ist die ganze Geschichte seitdem nicht mehr aus dem Kopf gegangen. Er würde gern wissen, was aus dem Mädchen geworden ist und wie es ihr geht, eventuell auch erfahren, ob die Vergewaltigung damals vielleicht doch nur erfunden war. Er geht aber davon aus, dass dies nicht der Fall ist, da dass Opfer ihm damals auch noch von einer vorhergehenden Vergewaltigung recht glaubhaft erzählt hat.
Es ist nun verständlich, dass er nicht einfach anrufen und sagen kann:“Hallo, ich bin XY, wir haben uns doch damals bei dieser blöden Geschichte in München kennengelernt und ich möchte gern wissen wies dir jetzt geht.“
Daher meine Fragen:
Muss X damit leben, dass er nie mehr erfahren wird, was aus dem Mädchen wurde und was damals wirklich passiert ist, oder ist es vertretbar, sich bei ihr zu melden?
Wenn ja, wie geht man am besten und schonendsten vor?

Gruß,
Markus

Hallo Markus,

Er
wurde von einer Freundin um Hilfe gebeten
Es ist nun verständlich, dass er nicht einfach anrufen und
sagen kann:“Hallo, ich bin XY, wir haben uns doch damals bei
dieser blöden Geschichte in München kennengelernt und ich
möchte gern wissen wies dir jetzt geht.“

mir ist der Zusammenhang ‚von Freundin um Hilfe gebeten‘ und ‚bei dieser Geschichte kennengelernt‘ nicht ganz klar.

Warum findest du es verständlich, dass man nicht einfach anrufen kann?
Warum ist der Kontakt abgebrochen?

ist es vertretbar, sich bei ihr zu melden?
Wenn ja, wie geht man am besten und schonendsten vor?

Muss die Kontaktaufnahme denn unbedingt beinhalten, dieses Thema anzusprechen?
Was spricht dagegen, sich einfach so zu melden. Dann kannst du ja herausfinden wie es ihr geht, ohne von dem Vorfall anzufangen.
Wenn sie darüber reden möchte, wird sie das sicher tun. Falls nicht, dann nicht.

Es kann dir natürlich passieren, dass sie sich an diesen Vorfall erinnert und abblockt. Besonders, wenn es die einzige Begebenheit sein solltet, die euch verbindet.

Sollte sich wieder ein näherer Kontakt ergeben, kannst du auf das Thema dann auch später noch eingehen. Da musst du dann halt nach deinem Gefühl vorgehen. Ich glaube das kann man als außenstehender schlecht beurteilen, wenn man die Person und die genauen Vorgänge und ‚Verwicklungen‘ nicht kennt.

Gruß Marion

Hallo Marion,

sorry, da hab ich mich wohl mißverständlich ausgedrückt.
Die anrufende Freundin war nicht das sechzehnjährige Opfer, sie war nur mit der Situation total überfordert und hat deshalb angerufen.
Das Opfer habe ich an dem Tag zum ersten und letzten mal gesehen.
Dass das damalige Opfer durch Anruf oder Brief von mir an die Sache erinnert würde ist deshalb leider unvermeidlich, und dass das für sie nicht angenehm wäre ist mir auch klar - wenns denn wirklich damals so war wie sie behauptet hat, was ich aber eigentlich immer noch glaube.
Irgendwie hab ich halt das Gefühl, dass das ganze für mich Sensibelchen damals auch ein bißchen viel war, mit zwei /verständlicherweise!) völlig fertigen Mädels da rum zu stehen und zu warten, ob die Täter zuerst wiederkommen oder ob die Polizei schneller ist.

Gruß,
Markus

Wie ist es mit der Möglichkeit zu schreiben?
kurzes Statement, Dir geht das nicht aus dem Kopf-
Du würdst gern wissen, wie es Ihr geht, wenn sie mag kann sie Dich kontaktieren, Deine Adresse/Nummer.

Du könntest z.B. in der Polizeidienststelle freundlich fragen, ob sie Dir -adressebzogen- dabei helfen und das Ganze weiterleiten können.
Ob sie Kontakt aufnimmt oder nicht, bleibt dann bei Ihr

Gruß

frosch

Hallo Markus,

kann denn die Feundin, die Dich damals gerufen hat nichts näheres sagen?

Gandalf

Hallo Markus,

Leider können wir Sensibelchen uns nicht immer die stressfreien Situationen aussuchen. X hat damals völlig richtig gehandelt, das einzig Richtige getan und eigentlich alles, was X tun konnte.

Dass die Situation für X schockierend war und immer noch lebhaft in Erinnerung ist, kann ich sehr gut verstehen. Ist auch völlig normal. Wir sind eben keine Spider Mans, Supermans, Zorros and Co., die im Vorbeigehen und mit müdem Lächeln die Menschen retten.

Ich wage nun, den Gegensatz von dem zu behaupten, was in früheren Postings stand: ich würde keine Nachforschungen betreiben, was aus dem Mädchen geworden ist.

Erstens, weil, wie Du schon richtig sagtest, wird es umweigerlich daran erinnert, was ihr passiert ist. Und vielleicht hat es immer noch mit diesem Trauma zu kämpfen, vielleicht will es alles vergessen?

Zweitens, vermute ich, ehrlich gesagt, dass das Problem eher an X liegt, der dann versucht, einen Ventil zu finden, indem er das Mädchen kontaktieren will. X hat diesen Fall bis jetzt nicht verarbeiten können: die Bilder kommen wieder, die Fragen „Warum?“ und „Warum ausgerechnet ich?“, die Zweifel „Ob es wohl richtig war?“ usw. Das ganze war ein tief einschneidendes Erlebnis für X (wäre auch für jeden normalen Menschen gewesen).

Daher sollte X m.E. zuerst versuchen, damit fertig zu werden. Vielleicht selbst, vielleicht unter Hinzuziehung von professioneller Hilfe (übrigens, die Menschen, die in Rettungsdiensten aller Art tätig sind, kennen diesen Zustand. Für sie gibt es wie auch für Opfer psychologische Hilfe. Denn nicht nur die Opfer erleiden einen psychischen Zusammenbruch, sondern auch die Helfer).

Wenn X schwer fällt, die Idee mit dem Kontakt zu verwerfen, dann könnte man die Sache zum Beispiel dahingehend entwickeln und umformen, dass X tatsächlich einen Brief an das Mädchen schreibt (wie bereits in einem anderen Posting vorgeschlagen), sich in diesem Brief ausspricht, den Brief aber nicht abschickt.

Ist nur ein Vorschlag.

Viel Glück

Huhu Markus,

sorry, da hab ich mich wohl mißverständlich ausgedrückt.

du musst dich nicht entschuldigen! Ich hab’s halt nicht geblickt, aber nun ist alles klarer.

Dass das damalige Opfer durch Anruf oder Brief von mir an die
Sache erinnert würde ist deshalb leider unvermeidlich, und
dass das für sie nicht angenehm wäre ist mir auch klar

Demnach hat deine Freundin also auch keinen Kontakt zu ihr.

  • wenns
    denn wirklich damals so war wie sie behauptet hat, was ich
    aber eigentlich immer noch glaube.

Irgendwie klingen da Zweifel heraus. Du erwähnst immer, ‚falls es so war‘.
Liegt das eher daran, dass du den Vorfall am liebsten ungeschehen machen würdest, oder dass die Situation in der du das Mädchen vorgefunden hattest, nicht unbedingt den Eindruck hinterließ, dass sie 2 Tage lang von 3 Männern vergewaltigt wurde?

Hat sie sich eigentlich bei dir bedankt? Habt ihr euch unmittelbar danach nochmal getroffen, oder bist du ihr nur das eine Mal begegnet?

Irgendwie hab ich halt das Gefühl, dass das ganze für mich
Sensibelchen damals auch ein bißchen viel war, mit zwei
/verständlicherweise!) völlig fertigen Mädels da rum zu stehen
und zu warten, ob die Täter zuerst wiederkommen oder ob die
Polizei schneller ist.

Das kann ich gut verstehen. Hat mit Sensibelchen im negativen Sinne aber nichts zu tun.

Ich stelle jetzt einfach einige Fragen, die ich mir selbst stellen würde um zu ermitteln, um was es mir geht, meine Ängste, Wünsche Hoffnungen zu ergründen.

Was würde es in mir auslösen, wenn ich wüsste, dass es ihr gut geht?
Was würde es in mir auslösen, wenn ich erfahren würde, dass es ihr schlecht geht?
Könnte ich mit einer schlechten Nachricht gut umgehen, oder würde mich das noch mehr bedrücken?
Was, wenn sie verletzt reagiert, weil ich durch meine Kontaktaufnahme alles in ihr aufwühle?
Könnte ich damit umgehen, wenn sie mir dann böse ist?
Könnte ich damit umgehen, wenn sie einen Kontakt ablehnt?
Was würde mich erwarten, wenn sie den Kontakt wünscht und mich bittet, intensiv mit ihr darüber zu reden? Könnte und wollte ich das?
Will ich vielleicht einfach nur Gewissheit, ob die damalige Geschichte wirklich stimmt?
Was würde ich fühlen wenn sich herausstellt, dass sie nicht stimmt? Würde mich das beruhigen, oder eher beunruhigen, oder gar ärgern?

Ich hoffe das ist jetzt ok für dich, dass ich dir diese Fragen an den Kopf knalle. Ich tue dies in der Hoffnung, dass dir die eine oder andere Frage dabei hilft, leichter eine Entscheidung treffen zu können.

Ich bin halt kein Psychologe, sondern ‚nur‘ ein Mensch und weiß daher nicht, was man in deinem Fall rät.

Alles Gute
Marion

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Hallo Marion,

Ich hoffe das ist jetzt ok für dich, dass ich dir diese Fragen
an den Kopf knalle. Ich tue dies in der Hoffnung, dass dir die
eine oder andere Frage dabei hilft, leichter eine Entscheidung
treffen zu können.

Das ist sogar sehr OK für mich und ich danke dir herzlich für die hilfreichen Fragen.

Was, wenn sie verletzt reagiert, weil ich durch meine
Kontaktaufnahme alles in ihr aufwühle?
Könnte ich damit umgehen, wenn sie mir dann böse ist?

Genau das sind die Hauptprobleme. SIE war schließlich das Opfer, ich war nur ganz am Rande beteiligt und hab versucht, das wenige zu tun, das ich noch tun konnte. Und ich denke, dass ich eigentlich kein Recht habe, sie in einen flashback zu stürzen oder andere der vielen möglichen Folgeerscheinungen eines solchen Traumas frisch bei ihr auszulösen, bloß damits mir hinterher vielleicht besser geht. Und auch nur vielleicht :wink:
Ich denke, ich sollte mit der Ungewißheit klarkommen, auch wenn diese irgendwie für mich schlimmer ist als alles genau zu erfahren was damals passiert ist. Die Unsicherheit läßt einfach zu viel Platz für die Vorstellung: Was war alles? Und bei solcheh Gedanken kommt halt meist schlimmeres raus als in der Realität.
Trotzdem: Der Gedanke, dass sie sich jetzt bloß wegen mir wieder mit der Sache beschäftigen muß, obwohl sie sie vielleicht grade erfolgreich verdrängt hat (eine rihctige Verarbeitung halte ich in dem Zeitraum für unwahrscheinlich), würde mich wohl stärker belasten als die derzeitige Situation.

Liebe Grüße,
Markus

Hallo frosch,

mal bei der Polizei und dem Gericht nachzufragen ist eine gute Idee, vielen Dank. Zumindest bei letzterem dürfte auch kein Amtsgeheimnis einer Auskunft im Weg stehen.

Gruß.
Markus

Hallo Gandalf,

kann denn die Feundin, die Dich damals gerufen hat nichts
näheres sagen?

Leider nein, sie wohnte damals nur zufällig in der WG des einen Täters und kennt das Opfer auch nicht näher. Außerdem leidet sie an den Folgen von mindestens ebenso schlimmen Begebenheiten, sodaß ich mit ihr auch nicht über die Geschichte reden kann.

Gruß,
Markus

Hallo Jarotep,

X hat damals völlig richtig gehandelt, das einzig Richtige getan
und eigentlich alles, was X tun konnte.

Danke.

Ich wage nun, den Gegensatz von dem zu behaupten, was in
früheren Postings stand: ich würde keine Nachforschungen
betreiben, was aus dem Mädchen geworden ist.

Erstens, weil, wie Du schon richtig sagtest, wird es
umweigerlich daran erinnert, was ihr passiert ist. Und
vielleicht hat es immer noch mit diesem Trauma zu kämpfen,
vielleicht will es alles vergessen?

Du hast recht. Aus diesem Grund werde ich wohl auch auf einen Kontaktversuch verzichten.

sollte X m.E. zuerst versuchen, damit fertig zu werden.

Sehe ich eigentlich genaus und werde genacu das tun.

Gruß,
Markus