Strahlenbelastung Szintigramm Computertomographie

Hallo würde mich über Infos zu diesem Thema sehr freuen. Ich hatte innerhalb eines Monats auf Grund einer Lungenembolie folgende Untersuchungen:
1CT, einen Tag darauf ein Szintigramm, 3Wochen später eine CT Angiographie (Ich nehme es zumindest an, da ich in die Röhre musste und es wurde Kontrastmittel gespritzt, Grund war der Verdacht auf eine neue Embolie)dauerte keine 5Minuten. Eine Woche später eine Herzkatheteruntersuchung. Kann mir jemand etwas zur Strahlenbelastung sagen? Zum Krebsriskiko? Ich bin ziemlich beunruhigt! Das alles geschah vor 4 Jahren falls das Alter der Geräte etwas zur Sache tut. Danke schon mal!

Hallo

Also die Szintigraphie ist ein ganz anderes Verfahren als CT, bei der Szintigraphie werder dem Körper schwach Radioaktivestoffe zugeführt welche sich dann gegebenenfalls entsprechent anlagern und nach kurzer Zeit zerfallen („auflösen“).
Beim CT und Angiographie werden Röntgenstrahlen verwendet.Zuviel davon ist schädlich und kann(kann) das Krebsrisiko erhöhen. Bei einen Lungen CT bekommt man etwa die gleiche Strahlung ab wie bei einen Langstreckenflug(auf Grund von natürlicher Strahlung ,je weiter von der Erde weg je höher die Strahlung).
Also im Grunde kann man sagen das du vor 4Jahren mit allen Untersuchungen zusammen ca.2mal von Frankfurt nach NewYork und zurück geflogen bist.
Ich denke es gibt viele Geschäftsläute die ,die Strecke öfter im Jahr fliegen.
Natürlich sollte auf so viel Strahlung wie möglich verzichtet werden,aber wegen den Untersuchungen brauen sie sich keine Gedanken machen.
Ich hoffe ich konnte ihnen helfen.
Und sie haben großes Glück gehabt, denn die Lungenembolie gehört zu den am häufigsten übersehenen und falsch diagnostizierten Todesursachen.

Keine Angst vor der Strahlung und viel Spaß noch im Leben.

Hallo Bianca,

vorweg: Ich bin kein Experte für medizinisches Röntgen! Ich komme aus dem Bereich der industriellen Röntgenprüfung, also z.B. der Qualitätssicherung in der industriellen Produktion. Meine Antwort ist also mit gewisser Vorsicht zu genießen. Es handelt sich eher um eine Abschätzung, die allerdings auf fundierten Grundkenntnissen beruht und sicher nicht völlig falsch ist.

Über das Szintigramm würde ich mir gar keine Sorgen machen. Dabei werden zwar radioaktive Materialien in den Körper gebracht, und „radioaktiv“ klingt immer gleich sehr erschreckend, aber es sind nur sehr kleine Mengen. Deshalb ist die davon ausgehende Dosis (die „Dosis“ ist das Maß für die Strahlenbelastung) geringer als bei einer „normalen“ Röntgenuntersuchung. Bei der CT sieht die Sache schon etwas anders aus: Die Strahlenbelastung bei einer CT ist sehr viel höher als bei einer normalen Röntgenuntersuchung.

Trotzdem sehe ich absolut keinen Grund, dass Du Dir ernsthaft Sorgen machen solltest, geschweige denn in Panik zu geraten!

Sicher ist die Dosis bei einer Lungen-CT sehr hoch. Jeder Mensch ist aber permanent einer natürlichen Strahlung aus dem All ausgesetzt. Während einer CT bekommst Du das zwei bis fünffache der Dosis ab, die Du normalerweise innerhalb eines Jahres durch die natürliche Strahlung aufnimmst. Das klingt erst einmal nach sehr viel, ist aber halb so wild. Vielflieger (Piloten, Stewardessen, etc.) sind durch die permanente „Nähe“ zum All einer viel höheren Belastung durch natürliche Strahlung ausgesetzt, und zwar zwei- bis viermal höher als normal. Das heißt, ein Vielflieger bekommt pro Jahr in etwas die Strahlendosis einer CT ab. Und Studien haben belegt, dass Piloten und Stewardessen kein erhöhtes Krebsrisiko haben!

Ob es jetzt ein oder zwei CT-Untersuchungen waren, Du kannst davon ausgehen, dass dadurch Dein Krebsrisiko nicht relevant erhöht worden ist. Andere Umweltfaktoren (aktives oder passives Rauchen, Ernährung, etc.) spielen im Vergleich zur CT eine viel viel wichtigere Rolle.

Aber Du bist verunsichert, und meiner Meinung nach geht von dieser Verunsicherung eine größere Gefahr aus als von der eigentlichen Strahlenbelastung. Generell funktioniert der „Placebo-Effekt“ sehr gut, aber leider in beide Richtungen: Wenn jemand ganz fest daran glaubt, dass ein Medikament wirkt, dann wirkt es meistens auch, egal ob es eine echte medizinische Ursache dafür gibt oder nicht (ich weiß das aus persönlichen Erfahrungen). Andererseits, wenn jemand ganz fest daran glaubt, dass Ereignis XYZ eine bestimmte Krankheit in ihm auslöst, dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass diese Krankheit tatsächlich ausbricht, auch wenn es keinen medizinischen Grund dafür gibt.

Fazit: Mach Dir keine Sorgen. Regelmäßige Krebsvorsorge-Untersuchungen sind ab einem gewissen Alter angebracht, aber nicht wegen der Strahlenbelastung von zwei CTs, sondern ganz allgemein.

Ich hoffe, meine Antwort kann ein bisschen helfen, Dir die Angst zu nehmen.

Gruß
Uwe

Hallo Bianca,

leider können Infos zu Ihrer Frage ohne genauere Informationen über die Geräte-Einstellungen bei den einzelnen Untersuchungen nicht 100%ig exakt sein. Alle Einrichtungen die Röntgen- oder Nuklearmedizinische Untersuchungen durchführen sind aber durch die Röntgen- bzw. die Strahlenschutz-Verordnung gezwungen diese Daten, insbesondere die gemessene Dosis, zu dokumentieren und diese Aufzeichnungen 10 Jahre lang aufzubewahren. Wenn Sie’s also ganz genau wissen wollen, können Sie diese Aufzeichnungen anfordern. Die daraus möglichen Dosisberechnungen für alle Körperregionen sind aber nur bei der Fage nach einem eventuellen Schaden für ungeborene Kinder so exakt nötig.

Untersuchungen in den vergangegen Jahren haben gezeigt, dass bei einer CT des Thorax in dem von Ihnen geschilderten Abstand nicht mit einem Schaden, insbesondere der Entstehung einer Krebserkrankung, zu rechnen ist. Strahlenschäden im Brustkorb-Bereich sind in den vergangegen Jahren gesichert nur bei einem Verfahren aufgetreten:
Bei sehr langen (reine Durchleuchtungszeit über 1 Stunde) Behandlungen im Herzkatheter-Labor mit Einbringen mehrerer Stents oder Katheter-gestützter Behandlung von Herzrhythmusstörungen traten bei einigen Patienten Sonnenbrand-artige Hautrötungen auf.
Über Krebs-Erzeugung durch Röntgenstrahlen bei der Mammografie wird diskutiert. Bei der Mamografie werden aber eine ganz andere (Energie-)Art der Röntgenstrahlung eingesetzt als bei der CT, daher brauche ich auf diese Gefahr nicht weiter einzugehen.
Bei der Lungenszitigrafie werden radioaktive Stoffe mit sehr energiereicher Gammastrahlung ("ultraharte Röntgenstrahlung"eingesetzt. Diese Strahlung verlässt nahezu vollständig den Körper, es „bleibt also noch weniger im Körper stecken“ als bei Röntgenstrahlen. Bisher ist kein Fall bekanntgeworden, bei dem es zu einem Schaden durch ein Lungenszintigramm gekommen ist. Gefahr besteht eindeutig nur bei Schwangeren, daher ist diese Untersuchung dann verboten.

Zusammenfassend möchte ich Ihnen sagen, dass Sie nicht mit einem Schaden durch die geschilderten Untersuchungen mit den ausreichenden zeitlichen Abständen rechnen müssen. Der Ablauf ist für mich nachvollziehbar und gerechtfertigt. Die Lungenembolie ist eine lebensbedrohliche Erkrankung. Die Chance daran zu sterben oder dauernde, schwere Schäden zu behalten, ist erwiesenermaßen sehr hoch. Die Chance von Strahlenschäden durch die Untersuchungen ist eher theoretisch und eher rechnerisch / statstisch, nicht zuletzt weil dazu keine Berichte vorliegen.

Herzliche Grüße!