Straßenhund tickt immer mal wieder aus :-(

Hallo miteinander,

unser Hund ist jetzt seit einem dreiviertel Jahr bei uns. Er kommt aus dem örtlichen Tierheim, welches ihn von einem Tierheim in Süditalien geholt hat. Vermutlich hat er einige Zeit, vielleicht sogar immer, auf der Straße gelebt. Er ist jetzt ungefähr zweidreiviertel Jahre alt.

Dank Hundeschule und intensiver Arbeit hat er schon einiges gelernt. Es gibt etliche Problempunkte, wenn man mit ihm das Haus verläßt (Begegnungen mit fremden Hunden, mit Autos, mit Radfahrern, beim Abrufen… *schwitz), aber ich gehe es Schritt für Schritt an. Meine Trainerin ist sehr zufrieden mit uns *stolzbin*.

Ein riesiges Problem aber ist seine Panik vor fahrenden Autos. Er hat ein gebrochenes und schief zusammengewachsenes Beinchen, hat also sicher schon eine schlimme Erfahrung (mit einem Auto ?) gemacht. Seine Reaktion (auf alle angstbesetzten Situationen übrigens) ist lautes Bellen und Angreifen :frowning:. Daher jagt er fast jedes Auto.

In der (Kleinst-)Stadt ist dies nicht so schlimm, man muss aber unbedingt die Leine kurz (nicht straff) halten, sonst stürzt er sich völlig ohne Vorwarnung auf die Fahrbahn. Schwierig ist es bei unseren Spaziergängen: Irgendwo ist zwangsläufig immer ein Weg, wo ab und zu ein Auto oder ein Traktor fährt. Ich nehme ihn natürlich gleich an die Leine, wenn ich Verkehr kommmen sehe. Oft fährt das eine oder andere Fahrzeug in sehr großer Entfernung, quasi am Horizont. Das interssiert ihn nicht weiter, aaaaaber so alle paar Wochen tickt er auch da aus und rennt weg - direkt zum Auto hin, nicht mehr abrufbar, völlig außer sich. Ich kann dann aus riesiger Entfernung und schweißgebadet beobachten, ob der Autofahrer den (kniehohen) Hund rechtzeitig erkennt und bremst oder ob ich den Tierarzt rufen muss…

Da auf unseren Hauptstrecken der Friedhof in ferner Sichtweite ist, fahren schon manchmal Autos, kürzlich kam sogar Gegenverkehr, mir blieb fast das Herz stehen ! Es ist schlicht nicht möglich, so weit außerhalb mit ihm zu gehen, dass garantiert nirgendwo ein Fahrzeug auftauchen kann.

Meine Trainerin meint, das absolut sichere Abrufen auch in Krisensituationen sei eben ein langer Lernprozess (und ich übe wirklich intensiv, an verschiedenen Orten, mit viel Leckerli, so, dass er nie erkennt, ob es nur Training ist oder ob er dann an die Leine muss), aber es ist ja ihr Job, optimistisch zu sein. Ich selbst habe langsam das Gefühl, da ist eine tiefgreifende „Macke“ wegen seiner Vergangenheit, und ich werde dies niemals wirklich in den Griff bekommen.

Seid ehrlich, besteht Hoffnung ? Kann man sagen, dass wir bei zwei Jahren als Straßenhund auch mindestens zwei Jahre für, sagen wir mal, eine zu 80 % gelungene Erziehung brauchen ? Auch für seine kleineren „Macken“ ? Wir lieben ihn übrigens trotzdem, so isses nicht :wink:

Danke und viele Grüße,

Inselchen - die einen eigensinnigen Hund wollte und jetzt hat *g*

Hallo,

im Allgemeinen ist es so, dass Erfahrungen, die Hunde im Junghund- bzw. Welpenalter machen, weit prägender sind als später gemachte. Demzufolge sind sie natürlich entsprechend schwerer „abzuerziehen“. Und - tut mir leid, dir das sagen zu müssen - manchmal kann man entsprechende Verhaltensweisen auch nicht vollkommen beseitigen, sondern nur abmildern.

Möglicherweise wäre in deinem Fall eine Art „Konfrontationstherapie“ hilfreich. Mach das aber bitte auf keinen fall auf eigene Faust, sondern nur zusammen mit einem erfahrenen Ausbilder. Der Hund wird mit der angstmachenden Situation in „homöopathische Dosen“ konfrontiert. Beispiel: Dein Hund sitzt angeleint neben dir und in einer Entfernung, die er gerade noch als grenzwertig empfindet, fährt ein Auto vorbei (da brauchst du dann eventuell einen Bekannten dafür). Bleibt der Hund sitzen, wird er kräftig gestreichelt und gelobt. Klappt es nicht, muss die Entfernung beim nächsten Mal noch größer sein. Wiederhole einen gelungenen Versuch keinesfalls gleich wieder. Möglicherweise klappt es beim zweiten Mal nähmlich nicht und der positive Abschluss der ersten versuchs ist damit auch im Eimer. Wenn’s also geklappt hat, loben, streicheln und nicht vergessen:zum lockern der aufgebauten Spannung ausgelassen mit dem hund spielen. Lass ihndabei aber noch an der Leine, dass er nicht doch noch stiften geht!

Eine weitere Möglichkeit ist das Arbeiten mit der sogenannten Schleppleine. Muss aber sagen, bin ich nicht unbedingt ein Freund davon. Schleppleinen sind diese ultralangen Leinen, an deren Ende mman ein oder mehrere dicke Knoten bindet. Der Hund geht an der leine, Auto taucht auf, Hund stürmt los. Am Ende der Leine stllt man seinen Fuß fest drauf (braucht man richtig gut Kraft!) und der Hund wird in vollem lauf abrupt gestoppt. Das musst du aber ganz, ganz unbedingt einen Ausbilder machen lassen, ist nämlich wirklich nicht so einfach wie es aussieht. Wie gesagt, Schleppleine ist nicht unbedingt die von mit favorisierte Methode, ich finde es ziemlich negativ. Hat aber schon oft geholfen.

Ich wünsch dir auf jeden Fall viel, viel Konsequenz (immer, immer, immer positives Verhalten loben! Unerwünschtes ist natürlich trotzdem „Pfui!“.) und viel, viel Geduld (wirst du brauchen!)

Harry

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Ist es wirklich Angst?
Hallo Inselchen,

ich habe selbst einen Spanier mit Angstproblem, bei dem ich manchmal dachte „Jetzt geht gar nichts mehr!“, der mich aber immer wieder Lügen gestraft hat und sich super entwickelt. Doch hin und wieder spielen wir immer noch einmal wieder das „Zwei-Schritte-vor-ein-Schritt-zurück“-Spiel.

Dank Hundeschule und intensiver Arbeit hat er schon einiges
gelernt. Es gibt etliche Problempunkte, wenn man mit ihm das
Haus verläßt (Begegnungen mit fremden Hunden, mit Autos, mit
Radfahrern, beim Abrufen… *schwitz), aber ich gehe es
Schritt für Schritt an. Meine Trainerin ist sehr zufrieden mit
uns *stolzbin*.

Und womit? Mit Fug und Recht! :smile:
Das Stolzsein meine ich.

Ein riesiges Problem aber ist seine Panik vor fahrenden Autos.
Er hat ein gebrochenes und schief zusammengewachsenes
Beinchen, hat also sicher schon eine schlimme Erfahrung (mit
einem Auto ?) gemacht. Seine Reaktion (auf alle angstbesetzten
Situationen übrigens) ist lautes Bellen und Angreifen :frowning:.
Daher jagt er fast jedes Auto.

Eines macht mich an dieser Stelle (und weiter unten) stutzig: Die Erklärung (Angst), warum er Autos jagt.

In Angst begründete Reaktionen, sei es das Nach-vorne-gehen und Angreifen, wie du es von deinem Hund schilderst, oder das Ausweichen und Weglaufen, wie es meiner treibt, habne normalerweise nur ein Ziel: Das „Ding“, das Angst erregt, auf Distanz zu halten oder zu bekommen. Hinter etwas herzurennen, das einem Angst einjagt, und das sich bereits von einem fort bewegt, also die Distanz selbstgewählt zu verringern, wäre vollkommen unsinnig.

In der (Kleinst-)Stadt ist dies nicht so schlimm, man muss
aber unbedingt die Leine kurz (nicht straff) halten, sonst
stürzt er sich völlig ohne Vorwarnung auf die Fahrbahn.

Wie genau sehen diese Situationen aus? Was geschieht in den zwei, drei Sekunden, bevor er sich auf die Fahrbahn stürzt?

Schwierig ist es bei unseren Spaziergängen: Irgendwo ist
zwangsläufig immer ein Weg, wo ab und zu ein Auto oder ein
Traktor fährt. Ich nehme ihn natürlich gleich an die Leine,
wenn ich Verkehr kommmen sehe. Oft fährt das eine oder andere
Fahrzeug in sehr großer Entfernung, quasi am Horizont. Das
interssiert ihn nicht weiter, aaaaaber so alle paar Wochen
tickt er auch da aus und rennt weg - direkt zum Auto hin,
nicht mehr abrufbar, völlig außer sich.

Und wieder: Warum sollte er hinrennen, wenn er Angst davor hat?

Da auf unseren Hauptstrecken der Friedhof in ferner Sichtweite
ist, fahren schon manchmal Autos, kürzlich kam sogar
Gegenverkehr, mir blieb fast das Herz stehen ! Es ist schlicht
nicht möglich, so weit außerhalb mit ihm zu gehen, dass
garantiert nirgendwo ein Fahrzeug auftauchen kann.

Außerdem bringt es auf die Dauer ja auch nichts, da sich dann ja nichts ändern kann.

Meine Trainerin meint, das absolut sichere Abrufen auch in
Krisensituationen sei eben ein langer Lernprozess (und ich übe
wirklich intensiv, an verschiedenen Orten, mit viel Leckerli,
so, dass er nie erkennt, ob es nur Training ist oder ob er
dann an die Leine muss), aber es ist ja ihr Job, optimistisch
zu sein.

Natürlich muss sie dir auch Mut machen! :smile: Mehr als 50% der Arbeit besteht ja in der Arbeit mit dem Menschen und nicht mit dem Hund. Aber das sagt sie nicht nur, weil sie optimistisch ist, sondern weil es einfach stimmt. Beim sicheren Abrufen in jeder Situation und sei sie auch noch so interessant für den Hund, handelt es sich wirklich um das schwierigste Kommando von allen.

Ich selbst habe langsam das Gefühl, da ist eine
tiefgreifende „Macke“ wegen seiner Vergangenheit, und ich
werde dies niemals wirklich in den Griff bekommen.

Seid ehrlich, besteht Hoffnung ?

Ja! Wie lange das allerdings dauert, kann dir niemand sagen.

Wichtig ist vor allem, dass dein Hund lernt, dass es einen erlaubten Bewegungsradius um dich herum gibt, den er dann von sich aus im Normalfall nicht mehr vergrößert und dass er sich an dir orientieren muss.

Ich habe sehr gute Erfahrung mit dem Schleppleinentraining gemacht. Eine 15-m-Leine wurde am Geschirr (nie am Halsband!) befestigt und anfangs habe ich sie auch festgehalten und nicht schleifen lassen. Mein Hund ist ein paar Mal in die 15 Meter reingelaufen, aber nach einer Weile hat er gemerkt, wie weit er laufen konnte und selbst darauf geachtet.

Mit ihm an der Schleppleine habe ich dann intensiv das Kommen geübt: höchstens zweimal gerufen, ist er nicht gekommen, wurde er mit einem nicht zu festen Ruck erinnert, dass er herankommen soll, war er da, wurde er gaaaaaanz toll gelobt und bekam ein Leckerchen.
Außerdem habe ich abrupte 180°-Wendungen gemacht, einmal seinen Namen gerufen und bin dann mit der Leine losgelaufen (nicht gegangen), ohne mich umzusehen. Er hat ziemlich schnell gemerkt, dass er auf mich achten muss. Natürlich gab es hin und wieder einen Ruck, aber die Wahrscheinlichkeit, dass er sich dabei verletzt, ist mehr als gering. Sooo schnell bin ich nun auch nicht gelaufen.
Übrigens fanden alle diese Dinge das erste Mal unter Anleitung und auf Anregung meiner Hundetrainerin hin statt.

Später haben wir dann mit schleifender Leine gearbeitet und dann auch das Kommando „Warte“ eingeführt.
Neben häufigeren Richtungswechseln beim Spaziergang kam dann auch das Verstecken hinzu, so dass er lernte, dass ich, wenn er nicht in regelmäßigen Abständen auf mich achtet, auch einmal einfach weg sein kann. Er gehört zwar nicht zu den Hunden, die das zutiefst erschüttert, aber so ganz wohl ist auch ihm dann nicht.

Was das Autojagen betrifft, würde ich wirklich versuchen herauszufinden, was ihn dazu motiviert. Nur dann kannst du ganz gezielt dagegensteuern.

Viel Erfolg und noch viel Spass (trotz allem oder gerade deswegen!)
Christiane

Hallo Christiane,

*sternchengeb* !

Gute Frage, ob es tatsächlich Angst ist. Ich dachte auch schon an einen fehlgeleiteten Jagdtrieb als Ursache.

In Angst begründete Reaktionen, sei es das Nach-vorne-gehen
und Angreifen, wie du es von deinem Hund schilderst, oder das
Ausweichen und Weglaufen, wie es meiner treibt, habne
normalerweise nur ein Ziel: Das „Ding“, das Angst erregt, auf
Distanz zu halten oder zu bekommen. Hinter etwas herzurennen,
das einem Angst einjagt, und das sich bereits von einem fort
bewegt, also die Distanz selbstgewählt zu verringern, wäre
vollkommen unsinnig.

Das leuchtet eigentlich ein *grübel*.

In der (Kleinst-)Stadt ist dies nicht so schlimm, man muss
aber unbedingt die Leine kurz (nicht straff) halten, sonst
stürzt er sich völlig ohne Vorwarnung auf die Fahrbahn.

Wie genau sehen diese Situationen aus? Was geschieht in den
zwei, drei Sekunden, bevor er sich auf die Fahrbahn stürzt?

Bestes Beispiel: Der Weg über die Brücke in den Ort (fast täglich) - schmaler Gehweg, frühmorgens relativ viel Verkehr (je eine Spur für jede Fahrtrichtung). Wir nähern uns der Brücke, der Hund duckt sich regelrecht und legt die Ohren an. Ich tröste nicht, erinnere höchstens an das „bei Fuß“ (wobei er trotzdem immer zieht). Auf der Brücke zieht er dann viel mehr, hat es sichtlich eilig, drüberzukommen.

Dann kommt das erste Auto, er legt noch mehr die Ohren an, falls das geht, Auto ist auf unserer Höhe und er zerrt urplötzlich Richtung Fahrbahn - so, dass er ohne Leine (oder wenn man nicht vorgewarnt ist und zu locker hält) direkt unter den Rädern liegen würde :frowning:

MANCHMAL aber reagiert er nicht weiter, aber ängstlich scheint er immer zu sein.

Besonders schlimm sind Dieselmotoren, Fahrzege mit Anhänger oder landwirtschaftliche fahrzeuge (wir leben recht ländlich …).

Und wieder: Warum sollte er hinrennen, wenn er Angst davor
hat?

Ja, stimmt. Auf Entfernung rennt er ja auch nur alle paar Wochen los, meistens schaut er da nicht mal auf, wir sind auch weit weg vom Motorengeräusch.

Natürlich muss sie dir auch Mut machen! :smile: Mehr als 50% der
Arbeit besteht ja in der Arbeit mit dem Menschen und nicht mit
dem Hund. Aber das sagt sie nicht nur, weil sie optimistisch
ist, sondern weil es einfach stimmt. Beim sicheren Abrufen in
jeder Situation und sei sie auch noch so interessant für den
Hund, handelt es sich wirklich um das schwierigste Kommando
von allen.

Ja, *seufz*, vor allem, weil man so blöd dasteht, wenn der Hund einen ignoriert :wink:

Wichtig ist vor allem, dass dein Hund lernt, dass es einen
erlaubten Bewegungsradius um dich herum gibt, den er dann von
sich aus im Normalfall nicht mehr vergrößert und dass er sich
an dir orientieren muss.

Ich habe sehr gute Erfahrung mit dem Schleppleinentraining
gemacht. Eine 15-m-Leine wurde am Geschirr (nie am Halsband!)
befestigt und anfangs habe ich sie auch festgehalten und nicht
schleifen lassen. Mein Hund ist ein paar Mal in die 15 Meter
reingelaufen, aber nach einer Weile hat er gemerkt, wie weit
er laufen konnte und selbst darauf geachtet.

Mit ihm an der Schleppleine habe ich dann intensiv das Kommen
geübt: höchstens zweimal gerufen, ist er nicht gekommen, wurde
er mit einem nicht zu festen Ruck erinnert, dass er
herankommen soll, war er da, wurde er gaaaaaanz toll gelobt
und bekam ein Leckerchen.
Außerdem habe ich abrupte 180°-Wendungen gemacht, einmal
seinen Namen gerufen und bin dann mit der Leine losgelaufen
(nicht gegangen), ohne mich umzusehen. Er hat ziemlich schnell
gemerkt, dass er auf mich achten muss. Natürlich gab es hin
und wieder einen Ruck, aber die Wahrscheinlichkeit, dass er
sich dabei verletzt, ist mehr als gering. Sooo schnell bin ich
nun auch nicht gelaufen.
Übrigens fanden alle diese Dinge das erste Mal unter Anleitung
und auf Anregung meiner Hundetrainerin hin statt.

Später haben wir dann mit schleifender Leine gearbeitet und
dann auch das Kommando „Warte“ eingeführt.
Neben häufigeren Richtungswechseln beim Spaziergang kam dann
auch das Verstecken hinzu, so dass er lernte, dass ich, wenn
er nicht in regelmäßigen Abständen auf mich achtet, auch
einmal einfach weg sein kann. Er gehört zwar nicht zu den
Hunden, die das zutiefst erschüttert, aber so ganz wohl ist
auch ihm dann nicht.

Super, vielen Dank für die Ausführungen, das werde ich mal testen, meine Trainerin wird das sicher unterstützen.

Was das Autojagen betrifft, würde ich wirklich versuchen
herauszufinden, was ihn dazu motiviert. Nur dann kannst du
ganz gezielt dagegensteuern.

Unter uns - der Hund ist schon ein eigenwilliges Schlitzohr, wahrscheinlich nimmt er die Autos nur als Vorwand, wenn er mal wieder ohne mich ausgehen will :wink:

Danke und viele Grüße,

Inselchen

Hallo Harry,

vielen Dank für Dein Posting *Sternchengeb*.

Das mit der Gewöhnung übe ich - zwangsläufig fast - seit Monaten. Ich begleite fast täglich morgens meine älteste Tochter zur Bushaltestelle (weil das auch eine nette Auspinkelrunde zur frühen Stunde ist) und hole dann Brötchen für den Rest der Familie. Aus Trainingsgründen lasse ich den Hund immer an der Bushaltestelle, die an einem weitläufigen Platz ist, absitzen und Autos beobachten. Ist er gelassen, bekommt er ein Leckerli, bellt er herum, gibt es einen Tadel. Je nachdem, wie er insgesamt drauf ist, gehen wir näher in Richtung Fahrbahn oder weiter weg.

Seit Monaten *seufz* - und er gewöhnt sich nicht daran :frowning:

Das Schleppleinentraining werde ich, wie im anderen Posting gesagt, mit meiner Trainerin probieren, vielen Dank für Deine Ausführngen.

Viele Grüße,

Inselchen

Ein Kommando an den Hund sollte man immer ausschließlich EINMAL geben. Ansonsten trainiert man ihn zum Ungehorsam. „Ach Herrchen ruft, aber ich kann ja noch weiter laufen, weil er eh gleich wieder ruft und ich erst dann kommen muss“ . dies kann in brenzligen Situationen sehr gefährlich sein. Hört der Hund nicht aufs erste Mal, kann er schon unterm nächsten Auto liegen.

Guten Morgen Inselchen!

*sternchengeb* !

Danke. :smile:

Gute Frage, ob es tatsächlich Angst ist. Ich dachte auch schon
an einen fehlgeleiteten Jagdtrieb als Ursache.

Ich habe heute morgen auf der Hundewiese mal rumgehört, was die anderen denn so als Motivation kennen, wenn ein Hund Autos jagt. Die Antwort war immer dieselbe: Jagdtrieb.
Sekundär könnte dazu noch kommen, dass er nicht ausgelastet ist.

In der (Kleinst-)Stadt ist dies nicht so schlimm, man muss
aber unbedingt die Leine kurz (nicht straff) halten, sonst
stürzt er sich völlig ohne Vorwarnung auf die Fahrbahn.

Wie genau sehen diese Situationen aus? Was geschieht in den
zwei, drei Sekunden, bevor er sich auf die Fahrbahn stürzt?

Bestes Beispiel: Der Weg über die Brücke in den Ort (fast
täglich) - schmaler Gehweg, frühmorgens relativ viel Verkehr
(je eine Spur für jede Fahrtrichtung). Wir nähern uns der
Brücke, der Hund duckt sich regelrecht und legt die Ohren an.
Ich tröste nicht, erinnere höchstens an das „bei Fuß“ (wobei
er trotzdem immer zieht). Auf der Brücke zieht er dann viel
mehr, hat es sichtlich eilig, drüberzukommen.

Eindeutig Angst. Meinen beunruhigt so etwas auch. Es ist allerdings besser geworden. Hier wäre wirklich eine langsame (!) Desensibilierung, wie sie schon im anderen Posting erwähnt wurde, eine Möglichkeit.

Dann kommt das erste Auto, er legt noch mehr die Ohren an,
falls das geht, Auto ist auf unserer Höhe und er zerrt
urplötzlich Richtung Fahrbahn - so, dass er ohne Leine (oder
wenn man nicht vorgewarnt ist und zu locker hält) direkt unter
den Rädern liegen würde :frowning:

MANCHMAL aber reagiert er nicht weiter, aber ängstlich scheint
er immer zu sein.

Das wiederum ist ja auch eine andere Situation als die, in der Ferne fahrenden Autos hinterherzuhetzen. Hier will er wohl durch das Nach-vorne-gehen die bereits erwähnte Distanz zum angsterregenden Ding wieder herstellen und das Ding vertreiben. Dass das bei Autos gar nüscht nützt, weiß er ja nicht.

Besonders schlimm sind Dieselmotoren, Fahrzege mit Anhänger
oder landwirtschaftliche fahrzeuge (wir leben recht ländlich
…).

Macht Sinn. Sie machen ja auch am meisten Krach und/oder sind am größten und damit bedrohlichsten.

Natürlich muss sie dir auch Mut machen! :smile: Mehr als 50% der
Arbeit besteht ja in der Arbeit mit dem Menschen und nicht mit
dem Hund. Aber das sagt sie nicht nur, weil sie optimistisch
ist, sondern weil es einfach stimmt. Beim sicheren Abrufen in
jeder Situation und sei sie auch noch so interessant für den
Hund, handelt es sich wirklich um das schwierigste Kommando
von allen.

Ja, *seufz*, vor allem, weil man so blöd dasteht, wenn der
Hund einen ignoriert :wink:

Kenn ich. :smile: Wer nicht? Denen, die behaupten, dass ihr Hund immer und überall hört und dass das schon immer so war, unterstelle ich mal ganz dreist im besten Fall Wunschdenken. :smile:

Unter uns - der Hund ist schon ein eigenwilliges Schlitzohr,
wahrscheinlich nimmt er die Autos nur als Vorwand, wenn er mal
wieder ohne mich ausgehen will :wink:

Bei meinem wird mir auch langsam klar, dass die ängstlichen Verhaltenweisen zumindest teilweise auch „Show“ sind. Er ist ja nicht blöd und dürfte auch schon mitbekommen haben, dass man dadurch manchmal Superleckerchen und vieeeele Streicheleinheiten erreichen kann. Was nicht heißen soll, dass ich in angstbesetzten Situationen versuche, ihn zu trösten, was ja sowieso nicht geht. Sondern dass er von Freunden von mir, vor denen er erst so „schrecklich Angst hat“, öfters mal z.B. Thunfisch bekommt. Und siehe da: Eine Dose Thunfisch und 15 Minuten später ist die Angst futsch!

Was das Jagen und Hetzen betrifft: Rennt er auch hinter Fahrrädern, Joggern, Kaninchen, Eichhörnchen etc. her?

Grüße
Christiane

Tipp
Hallo Inselchen,

also ich habe leider kein Pattent-Rezept parrat. Ich denke dein Problem kann viele Ursachen haben. Fährt der Hund den eigentlich mit dir mit dem Auto? Oder hast du das noch gar nicht getestet? Ich habe im Fernsehn übrigens einen Hund gesehen der sehr aggresiv auf Autos reagiert hat bei eine Couch für alle Felle war das dort hat ihm der Hundepsychologe Martin Rütter weitergeholfen. Hier ist die HP:
http://www.ruetter.info/ du kannst ihm ja mal eine E-mail schreiben. Was übrigens das Jagen und die Auslastung angeht so halte ich das für Quatsch ich könnte mit meiner den ganzen Tag laufen der könnte die Zunge bis zum Boden hängen wenn die ein Kaninchen und co. sieht ist die hinterher und ich habe keinen Jagdhund sondern eine 2 jährige Deutsche Schäferhündin.

Mit freundlichen Grüßen Stefan

Da hab ich mal eine blöde Frage: Wenn der Hund aber gerade nicht auf das Kommando hört, kann ich ihn doch nicht laufen lassen? Das würde dann doch heißen, „wenn der Mensch ruft, brauch ich nicht zu reagieren, weil dem ist egal, ob ich höre oder nicht.“ Ich habe mal gelernt, man muß drauf bestehen, daß der Hund dem Kommando folgt, man darf nicht nachgeben. Gerade junge Hunde testen ja doch gern aus, wie weit sie gehen können, und einen ausgewachsenen Hund, der bislang herrenlos war, zu trainieren, ist sicher auch nicht ganz einfach. Kann man da nicht über das Lob viel mehr erreichen? Reagiert er sofort, wird er sehr viel stärker gelobt, als wenn mehrmals gerufen werden mußte.

Bis denne
Schnoof

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

„komm“ oder „hier“ sollten deshalb nur gesagt werden, wenn man sich auch sicher ist, dass der Hund hört. Geübt wird dies am besten unter Aufsicht eines erfahrenen Hundetrainers an der Schleppleine. Kommt Hund nicht beim ersten Rufen, wird das kommen durchgesetzt. Dann folgt natürlich ausgiebiges Belohnen. Die Belohnung ist mit das wichtigsten in der Hundeerziehung neben der Konsequenz an erster STelle.

Ich habe mal gelernt, man muß drauf bestehen, daß der Hund dem Kommando :folgt, man darf nicht nachgeben.

Das drauf bestehen ist das durchsetzen. Soll der Hund sitz machen, gibt man das Kommando ( wenn er schon weiß was das Kommando bedeutet ). Setz sich der hund nicht augenblicklich, setzt man es durch. GEnauso bei allen anderen Kommandos.

Ein Hund der lange frei unter gesellschaft von anderen Hund gelebt hat, ist gar nicht so schwer zu erziehen wie man denkt. Hunde aus Spanien zum Beispiel sind meist sehr gut sozialisiert. Sie wissen wie man sich als nicht ranghöchster zu benehmen hat. Wenn man erst mal die Chefrolle hat, dürfte die restliche Erziehung nicht allzu schwer sein. Natürlich dauert es bei einem älteren Hund länger, aber ich einige habe Bekannte, die totale Härtefälle hatten und diese durch konsequentes Training wieder zu „normalen“ Hunden hinbekommen haben .

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