Hallo miteinander,
unser Hund ist jetzt seit einem dreiviertel Jahr bei uns. Er kommt aus dem örtlichen Tierheim, welches ihn von einem Tierheim in Süditalien geholt hat. Vermutlich hat er einige Zeit, vielleicht sogar immer, auf der Straße gelebt. Er ist jetzt ungefähr zweidreiviertel Jahre alt.
Dank Hundeschule und intensiver Arbeit hat er schon einiges gelernt. Es gibt etliche Problempunkte, wenn man mit ihm das Haus verläßt (Begegnungen mit fremden Hunden, mit Autos, mit Radfahrern, beim Abrufen… *schwitz), aber ich gehe es Schritt für Schritt an. Meine Trainerin ist sehr zufrieden mit uns *stolzbin*.
Ein riesiges Problem aber ist seine Panik vor fahrenden Autos. Er hat ein gebrochenes und schief zusammengewachsenes Beinchen, hat also sicher schon eine schlimme Erfahrung (mit einem Auto ?) gemacht. Seine Reaktion (auf alle angstbesetzten Situationen übrigens) ist lautes Bellen und Angreifen
. Daher jagt er fast jedes Auto.
In der (Kleinst-)Stadt ist dies nicht so schlimm, man muss aber unbedingt die Leine kurz (nicht straff) halten, sonst stürzt er sich völlig ohne Vorwarnung auf die Fahrbahn. Schwierig ist es bei unseren Spaziergängen: Irgendwo ist zwangsläufig immer ein Weg, wo ab und zu ein Auto oder ein Traktor fährt. Ich nehme ihn natürlich gleich an die Leine, wenn ich Verkehr kommmen sehe. Oft fährt das eine oder andere Fahrzeug in sehr großer Entfernung, quasi am Horizont. Das interssiert ihn nicht weiter, aaaaaber so alle paar Wochen tickt er auch da aus und rennt weg - direkt zum Auto hin, nicht mehr abrufbar, völlig außer sich. Ich kann dann aus riesiger Entfernung und schweißgebadet beobachten, ob der Autofahrer den (kniehohen) Hund rechtzeitig erkennt und bremst oder ob ich den Tierarzt rufen muss…
Da auf unseren Hauptstrecken der Friedhof in ferner Sichtweite ist, fahren schon manchmal Autos, kürzlich kam sogar Gegenverkehr, mir blieb fast das Herz stehen ! Es ist schlicht nicht möglich, so weit außerhalb mit ihm zu gehen, dass garantiert nirgendwo ein Fahrzeug auftauchen kann.
Meine Trainerin meint, das absolut sichere Abrufen auch in Krisensituationen sei eben ein langer Lernprozess (und ich übe wirklich intensiv, an verschiedenen Orten, mit viel Leckerli, so, dass er nie erkennt, ob es nur Training ist oder ob er dann an die Leine muss), aber es ist ja ihr Job, optimistisch zu sein. Ich selbst habe langsam das Gefühl, da ist eine tiefgreifende „Macke“ wegen seiner Vergangenheit, und ich werde dies niemals wirklich in den Griff bekommen.
Seid ehrlich, besteht Hoffnung ? Kann man sagen, dass wir bei zwei Jahren als Straßenhund auch mindestens zwei Jahre für, sagen wir mal, eine zu 80 % gelungene Erziehung brauchen ? Auch für seine kleineren „Macken“ ? Wir lieben ihn übrigens trotzdem, so isses nicht 
Danke und viele Grüße,
Inselchen - die einen eigensinnigen Hund wollte und jetzt hat *g*
