Strategien zum Schlußstrich ziehen

Hallo liebe Experten!

Gibt es irgendwelche Strategien, Tipps oder Ähnliches, wie man es sich vereinfachen kann, unter bestimmten Gegebenheiten einen Schlußstrich zu ziehen?

Ich bin leider ein Mensch, der sich emotional sehr schwer abgrenzen kann und bei Ereignissen oder Menschen die mich sehr berührt haben, fällt es mir oft schwer, einen Schlußstrich angemessen und vor Allem endgültig zu ziehen. Dadurch holt mich die Vergangenheit immer wieder ein und das belastet mich oft doch sehr.

Zum besseren Verständnis zwei unabhängige Beispiele:

Ich habe vor ca. 1 Jahr den Kontakt zu einem meiner besten und engsten Freunde wegen einer persönlichen Krise abbrechen müssen. Erneuter Kontakt ist keinesfalls möglich, wir sind aber nicht im Bösen auseinander gegangen. Mir war diese Person sehr wichtig, ich kannte sie zu dem Zeitpunkt der „Trennung“ schon fast 7 Jahre.
Nun ist es aber eben aus versch. Gründen nicht mehr möglich, die Freundschaft aufrechtzuerhalten. Ich weiß das, ich weiß auch, dass da kein Weg dran vorbei führt. Aber dennoch kann ich mich damit nicht ganz abfinden. Immer wieder schleichen sich Gedanken und Gefühle ein, ich vermisse diese Person sehr. Möchte aber gleichzeitig endlich damit abschließen können, weil ich darunter leide.

Eine zweite Gegebenheit, etwas weniger dramatisch, aber doch auch für mich belastend, ist Folgende:
Ich bin seit 10 Jahren in einem Verein tätig. Als Vorstandsmitglied, Trainer und auch aktiv Mitwirkende. Wie es nunmal sein kann, wenn mehrere Menschen und somit verschiedene Meinungen aufeinandertreffen, kam es schon vor einiger Jahren immer wieder zu Streitereien, welche sich bis zum heutigen Tage gesteigert und zugespitzt haben. Es ist für mich nicht mehr tragbar, in diesem Verein weiterhin tätig zu sein, weil es mich mehr aufregt, als dass es noch ein Freizeitspaß ist.
Doch auch hier wieder: seit fast 2 Jahren red ich nun davon, den Verein zu verlassen und mich einem andern anzuschließen, aber ich schaffs einfach nicht. Ein paar von den Leuten dort, sind mir natürlich an’s Herz gewachsen und ich habe ja auch mitgeholfen, den Verein aufzubauen. Aber mein Entschluss steht (eigentlich) fest…

Ich wäre wirklich dankbar für ein paar Anregungen, wie man sich leichter tut, mit etwas abzuschließen…

Beste Grüße!

firefly

Überprüfe Dein Weltbild - sehr lang
Hi, Firefly,

ich bin zwar kein Psychologe o. ä. und insoweit kein Fachmann, trotzdem ein paar Gedanken zu Deinen Zeilen. Ist ja direkt aus dem Leben :smile:

  1. Es gibt Gründe dafür, warum Du so bist, wie Du bist und warum Du so empfindest. Unter anderen Umständen wärst Du vielleicht ein anderer Mensch geworden. Dann hättest Du halt andere Probleme. Was solls? Du darfst Dich für Deine Emotionalität auf keinen Fall verurteilen.

  2. Ein Mensch ist kein Roboter, der nach reinen Zweckmäßigkeitsüberlegungen handelt. Es ist durchaus „normal“ das Gefühl und Verstand voneinander abweichen.

Man muss sich halt irgendwann entscheiden, was einem wichtiger ist und vor allem, mit welcher Lösung man am besten leben kann, d.h. wobei man sich WOHL FÜHLT.

  1. Du kannst Dich emotional nicht abgrenzen und Du verabscheust es, anderen Menschen weh tun zu müssen, weil Dir das selbst weh tut.

Du siehst Dich als „Täter“ immer auch aus der Perspektive des „Opfers“ und das führt zu dem ewigen „Einerseits - Andererseits“, das ewige Dilemma und die permanente Entscheidungsunfähigkeit.

Das ist sehr anstrengend und nervt tierisch. Man ist dann oft schlecht drauf und ärgert sich ÜBER SICH SELBST.
Und das empfindet man wieder als ungerecht, denn schließlich macht man sich ja nur Gedanken über andere, anstatt wie die Axt im Wald durchs Leben zu gehen und nur seine eigenen Interessen zu sehen und dafür wird man dann auch noch bestraft mit schlechter Laune.

Es gibt oft keine Lösung, WENN man es jedem recht machen will ohne selbst auf der Strecke zu bleiben.

Und wenn Du mal ehrlich bist und ganz tief in Dich hinein hörst:

Die Rücksichtnahme auf die Belange anderer und Deine Weigerung, anderen weh zu tun, ist letztlich nicht so selbstlos, wie es den Anschein hat. Du vermeidest damit doch vor allem Deinen eigenen Schmerz. Und das ist letztlich egoistisch, was aber nicht als Vorwurf gemeint ist. Mein darf nicht nur egoistisch sein, man MUSS es sogar sein.

Du drehst in Deinen Gedanken Deinen eigenen Film: Was könnte der oder die denken, wenn ich das jetzt mache oder sage. Die ewige Angst, anzuecken und sich Feinde zu machen, etc.

Vergiß es einfach und zwar aus folgendem Grund:

Deine Annahmen in Bezug auf andere sind wahrscheinlich ohnehin falsch.
Beispiel: Ich hatte mal nen Kumpel, der kam aus ziemlich ärmlichen Verhältnissen. Eltern alkoholkrank und arbeitslos und ständig finanzielle Probleme. Er tat mir leid, weil er sich nie etwas leisten oder kaufen konnte. Er lief in schrecklichen alten Klamotten herum und hatte aus meiner Sicht ein trostloses Leben. Daher wollte ich ihm eines Tages von mir ein paar Sachen zum Anziehen geben und ein paar DVDs, etc.

Oha, da war aber die Hölle los. Er war stinksauer. Er meinte, wenn er es nicht mehr schaffen würde, sich Klamotten zu kaufen, würde er sich lieber das Leben nehmen, als von mir Almosen anzunehmen.

Tsja, mit dieser Reaktion hatte ich nicht gerechnet. Ich dachte, er freut sich!!!

Aber was heißt das? Ganz einfach: Ich habe die Situation anhand MEINES Wertesystems und MEINES Weltbildes bewertet und bin zu einem ganz anderen Ergebnis gekommen, als der Betroffene selbst. Ich hab Mitleid empfunden, obwohl der Betroffene selbst seine Situation gar nicht so trostlos gesehen hat.

Anderes Beispiel:

Ich bin die Woche über beruflich in einer anderen Stadt und komme nur alle paar Wochen mal nach hause in meine Heimat.
Ich habe dann eigentlich immer Lust, diese Wochenenden alleine zu verbringen und mich zu erholen. Andererseits will ich aber auch meine Kumpels sehen und was unternehmen.

Früher dachte ich immer, ich müßte mich auf alle Fälle bei jedem melden, dass ich wieder mal daheim bin, obwohl ich oftmals keine Lust hatte, etwas zu unternehmen. Ich dachte mir immer, man würde es mir übel nehmen, wenn ich daheim bin, und mich bei niemandem melde.

Wenn ich mich wirklich mal nicht gemeldet hatte obwohl ich heimgefahren bin, dann hab ich meine Wohnung nie verlassen, weil ich Angst hatte, ich würde gesehen und man wäre mir dann böse, weil ich „heimlich“ daheim bin.
Das war immer sehr anstrengend und belastend für mich und vor allem völlig unnötig.

WAS FÜR EIN BLÖDSINN. Alle hatten Verständnis dafür, dass ich auch mal meine Ruhe will. Niemand war mir böse, dass ich mich nur jedes zweite oder dritte mal melde.

Das heißt doch aber, dass ich mir all die Jahre vorher einen unnötigen Druck gemacht habe, weil ich Angst vor Konflikten hatte. Dies hat aber auf falschen Annahmen meinerseits beruht!!!

Also, vergiss es einfach. Verlasse endlich diesen Verein und DU wirst sehen, dass Dir das niemand übel nimmt. Hör auf, die Welt aus den Augen anderer zu sehen. Du liegst wahrscheinlich ohnehin daneben. Hör auf Dich zu quälen.

Sei Dir bewußt, das viele Deiner Annahmen NUR IN DEINEM KOPF existieren und die Realität unabhängig von ihnen funktionier.

LG Rolo

Hallo firefly,

leicht ist richtig, auch wenn’s auch schwer fällt, wird gelegentlich burlesk gesagt. Im Prinzip ist das Schlußstrich ziehen recht einfach, in der Praxis jedoch oft schwierig.
Wer lernt, ändert sich, wenn wir neues lernen sind wir nicht mehr die selben wie zuvor. Wenn wir ein neues Verhalten lernen, riskieren wir unsere Identität, mal drastisch ausgedrückt.
Als erstes überlege ich mir in solchen Fällen, wer bin ich, bzw. wer will ich sein?
Jemand der sich nach etwas Verlorenem sehnt und darunter leidet oder jemand, der zwar traurig ist, aber doch seinen Wert oder seine Bestimmung neu findet und sich nicht aus seiner Mitte kippen lassen will.
Letzteres hast du bereits getan, du hast den Wunsch etwas abzuschließen. Du brauchst es nur noch tun.
Zuneigung und Abgrenzung sind nur scheinbar ein Gegensatz. Ohnmacht und Hilflosigkeit sind die Empfindungen, die wir in der Regel schlechtesten ertragen können. Das zuzulassen dieser Gefühle hilft den Moment zu erkennen, wann wir aufgeben müssen, wann wir das Schicksal des Anderen/der Anderen aus der Hand geben sollten. Wer Ohnmacht und Hilflosigkeit nicht fühlen kann, will den Kampf nicht aufgeben, klammert sich an das vernichtende Schicksal des Anderen/der Anderen.
Soweit so gut, die Tat des Änderns ist nicht mit einmal getan, der ‚süße‘ Schmerz des Vergessens dauert an. Ich sage mal banal, die Erinnerung ist wie ein Stehaufmännchen, einmal vergessen, dem Wehmutsgefühl keinen Raum zu geben, schon ist es es wieder auferstanden.
Es gibt, um das Tun zu verdeutlichen, ein alte und ziemlich bekannte Indianergeschichte.

Ein alter Indianer saß mit seinem Enkel am Lagerfeuer. Es war schon dunkel geworden, und das Feuer knackte, während die Flammen in den Himmel züngelten.
Der Alte seufzte und sagte nach einer Weile des Schweigens:
„Weißt du, wie ich mich manchmal fühle? Es ist, als ob da zwei Wölfe in meinem Herzen miteinander kämpfen.
Einer der beiden ist bequem und wehleidig, voller Sehnsucht nach verlorenem, kann nicht vergessen, und möchte haben, was er nicht bekommen kann. Der andere hingegen ist mutig und fleißig, kann sich selbst aushalten und Schmerz ertragen, ist sich selbst treu und neuen Erlebnissen aufgeschlossen.
Der Junge fragte schließlich: „Welcher der beiden wird den Kampf um dein Herz gewinnen?“
„Der Wolf, den ich füttere,“ antwortete der Alte.

Die Tat ist das ‚Füttern‘ der Gefühle, wie lange es dauert bis du gelernt hast, deine Mitte zu finden kann ich nicht vorhersagen, doch eines Tages unerwarteterweise ruhst du darin.

Mit leichtem Gruß
Billerbong

Veränderungen sind einfacher als Du glaubst!

Hallo Firefly,

ich kenne das nur zu gut, was Du hier beschreibst. Genau wie Du konnte ich mich nur sehr selten und meist nur mit dem Rücken an der Wand abgrenzen. Die meiste Zeit habe ich mich einfach nur hilflos gefühlt, weil ich wußte, es würde mir gut tun mich abzugrenzen und nein zu sagen - egal ob es nun eine Freundschaft war oder auch nur einen Gefallen, den ich nicht wirklich erfüllen wollte. Dann hab ich angefangen Seminare zu besuchen und ich weiss nicht was. Nach fast vier Jahren bin ich dann durch Zufall wegen des Jobs auf einem Schnupperabend bei NLP (neuro linguistisches programmieren) gelandet. Jetzt war ich erst etwas entsetzt, kannte ich nur das mehr als negative Bild von diesem TV Typen „schacka“ , doch in Herrn Tille habe ich einen super einfühlsamen Seminarleiter gehabt. Ich habe nach der Prectioner Ausbildung auch noch den Master gemacht und habe dabei mehr über mich, meinem Verhalten und meinem Leben gelernt als ich jemals gedacht hätte. Ich habe auch gelernt, das da, wo man sich selbst oder andere einen „falsch programmiert haben“ - eben nicht nein sagen zu können und darunter zu leiden - auch eine zweite Möglichkeit besteht. Nämlich genau herausfinden was man selbst will und es dann auch umzusetzen. Um das alles zu erlären ist mein Mail zu viel Text. Aber wenn Du darüber etwas wissen möchtest, dann geh doch mal auf seine homepage - www.nlp-trainings-tille.de
So hab ich meinen Weg für mich gefunden und bin heute nicht mehr so abhängig von anderen sondern kann mich auch echte Freundschaften einlassen und auch auf der Arbeit und im Umgang mit Kollegen/Kunden mich sehr viel besser abgrenzen und mein gesamtes Auftreten hat sich nachhaltig positiv verändert. Heute habe ich sogar personal Verantwortung - vor vier Jahren undenkbar!

Ich wünsche Dir viel Erfolg auf Deinen Weg und drück Dir fest die Daumen, dass Du findest was Du brauchst!

Alles Liebe,
Sanaiha

Hallo,

NLP ist wirklich ne interessante Geschichte. Hab mich vor einiger Zeit auch mal etwas näher damit beschäftigt, aber bin letztlich doch nicht am Ball geblieben - keine Ausdauer :smile:

Deine „zweite Möglichkeit“ finde ich noch fast interessanter: „Finde heraus, was DU wirklich willst und setze es um“
Wenn ich wüßte, wie das geht! Das klingt für mich ein bisschen so, als würde man einem total überschuldeten Typen empfehlen „zahle Deine Schulden zurück und genieße das Leben“

Woher soll man wissen, was man wirklich will und was für ein Mensch man eigentlich ist???

Da wird man wahnsinnig, wenn man alle Wünsche und Bedürfnisse oder Ängste ständig hinterfragt: Warum will ich das und jenes? Woher weiß ich das? Will ich das wirklich oder denke ich nur, ich müßte das wollen? etc etc etc

Ich glaube auch, dass es ein gigantischer Gewinn wäre, wenn man genau wüßte wer man ist, aber ich glaube nicht wirklich, dass soetwas möglich ist.

Irgendwie beißt sich bei solchen Überlegungen die berühmte Katze in den eigenen Schwanz.

LG Rolo

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netter versuch

Aber wenn Du darüber etwas wissen möchtest, dann geh
doch mal auf seine homepage - www.nlp-trainings-tille.de
So hab ich meinen Weg für mich gefunden (…)

ja, klar.

und ich heiße susi und habe meinen partner bei www.für-doofe.com gefunden.
schau doch einfach mal rein, ist auch kostenlos und die chantal freut sich schon ganz doll auf dich!!!

NLP ist in letzter zeit etwas aus der mode gekommen, da braucht es neue marketing-wege.

oder?

e.c.

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Hallo Rolo!

Woher soll man wissen, was man wirklich will

Gerade heute sprach ich mit ner Freundin, die genau dasselbe frug-- auch ständig zerrissen zwischen hin und her.

Die Lösung ist doch GANZ EINFACH:
Spätestens dann, wenn es einen wirklch ankotzt-- will man es NICHT mehr!

Solange man noch irgendwo bleibt-- ganz egal wo-- Beziehung, Verein etc…solange hat man noch irgendwas davon!

es gibt sicher Menschen, die da den Kopf vor das Gefühl schalten können und man sich rational sagt, daß irgendwas keinen Sinn mehr hat.
Viele Menschen aber verharren dann zwar in einer Unzufriedenheit-- die dann aber noch nicht DAS Mass erreicht hat, daß man eine Grenze zieht!

lieben Gruss
Kitty

Hi, Kitty

tsja, das ist die Frage, ob Dinge, die einem ankotzen, Dinge sind, die nicht gut für einen sind.

Anders ausgedrückt: Man kann durchaus Dinge hassen, die einem eigentlich guttun und man kann umgekehrt Dinge lieben, die einen zerstören.

Ich hab z. B. ne Bekannte, die geht fast jeden Abend shoppen. Irgendwas kauft sie meistens. Nicht immer teure Sachen aber trotzdem viel zu viel. Es macht ihr unglaublich Spaß einkaufen zu gehen, aber es wäre besser, sie würde es nicht tun. Die Bude ist voll mit Krempel und das Bankkonto ist ständig überzogen.

Das Lust- oder Unlustprinzip ist glaube ich kein guter Indikator dafür, was gut oder schlecht für einen ist.

LG Rolo

Hallo Rolo!

Das hast Du was zu sehr auf nur eine Ebene gezogen :wink:

Ich sage ja nicht, daß man in seinem Leben nur als Hedonist rumlaufen sollte!

Nur in Bezug auf Kontakt zu Menschen und der Fragestellung, wie man sich abgrenzen kann, wenn man es „eigentlich“ doch will-- bleibe ich dabei, daß man solange an einer Beziehung festhält, wie man noch irgendwas davon hat!

Bei manchen ist die Leidensfähigkeit klar grösser als bei anderen-- aber meiner Erfahrung nach hat es noch nie gut getan sich nur auf den Kopf zu verlassen, der es vielleicht sinnvoll findet einen Kontakt abzubrechen um dann später immer wieder das Gefühl zu haben, es war doch nciht so gut!!

Was vielleicht auch reinspielt- ist der so oft vertretene Gedanke, daß man den Menschen was schuldig sei!
Man darf sie nicht enttäuschen etc…zB wenn man aus nem Verein gehen möchte…

Wenn man dabei mal betrachtet, daß sich jeder selbst der Nächste ist und jeder nur aus rein egoistischen Motiven handelt-- wird man sich da vielleicht leichter tun!

Egal WIE gut ich zu jemandem bin-- ich bin es, weil es MIR gut tut!!

Dieser Egoismus ist überhaupt nichts Negatives-- ich betrachte das sogar wertfrei.

Zu alledem kommt auch noch dazu-- der gute Spruch „die einen kennen mich- die anderen können mich“…wem es um MICH geht, der wird sich zu mir wenden, wenn ich mich verändere und was unklar ist!
Andere…sind es dann sowieso nicht wert…

lieben Gruss
Kitty

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Hi, Kitty,

1:0 für Dich. Ich geb auf. Du hast ja recht :smile:

Was vielleicht auch reinspielt- ist der so oft vertretene
Gedanke, daß man den Menschen was schuldig sei!
Man darf sie nicht enttäuschen etc…zB wenn man aus nem
Verein gehen möchte…

Genau das ist es: Die eigene Interpretation der VERMUTETEN Gedanken anderer…Das ist echt ein Übel. Die Belange anderer über die eigenen Belange stellen. Das kommt aus der Kindheit. Ist wohl vor allem erziehungsbedingt. Man nennt das wohl den depressiv veranlagten Typus, wobei mit „depressiv“ in diesem Zusammenhang nicht pathologisch gemeint ist.

Und wie muss man Kinder erziehen, damit diese depressiv veranlagt werden?
Ganz einfach: Man muss in den Kindern Schuldgefühle und schlechtes Gewissen schüren und das zur Erziehungsmethode machen.

Wer kennt das nicht:

Die 80 jährige Erbtante kommt zu Besuch. Sie hat lauter Warzen im Gesicht aus denen schwarze Haare rauswachen und einen schrecklichen Rundrücken und schlimmen Mundgeruch.

Aber sie will natürlich von der kleinen 3 jährigen Steffi nen Begrüßungs-Kuß. Steffi mag aber nicht, weil sie von der alten Frau Angst hat und sich ekelt.

Die Eltern wollen aber, dass die Tante ihren Kuss bekommt, weil sie um die Erbschaft fürchten :smile: Was machen die Eltern? Klar: Sie sagen der kleinen Steffi „Wenn Du der Tante keinen Kuss gibst, ist sie ganz traurig und weint und kommt vielleicht nie wieder zu Besuch“
Also, gibt Steffi der Tante halt doch den Kuss, weil sie ihr jetzt doch Leid tut.

Die Eltern von Steffi nehmen also den Wunsch der Tante nach einem Kuss ernster, als die Angst ihrer eigenen Tochter
.
So lernt Steffi schon sehr früh, dass ihre eigenen Belange, Wünsche und Sorgen keine Rolle spielen und nichts Wert sind.

Oft ist es den Eltern nicht einmal im Ansatz klar, was sie damit ihren Kindern antun. Es ist zwar kein körperlicher oder sexueller Mißbrauch, aber allemal ein seelischer. Ein ziemlich perfider Mechanismus…

Das war jetzt nur ein blödes Beispiel und wenn zwei oder drei Mal im Leben eines kleinen Kindes sowas passiert, wird es wohl auch noch nicht entsprechend konditioniert sein. Aber wenn solche Erziehungsmethoden ständig ablaufen, kann es schon sein, dass das Kind später als Erwachsener mal solche fiesen Probleme hat und sich nicht abgrenzen kann.

Jemand, der soetwas nicht kennt, kann das gar nicht verstehen. Der denkt sich „Warum macht der nicht einfach, was er will und läßt bleiben, was er nicht will?“

Wenn man dabei mal betrachtet, daß sich jeder selbst der
Nächste ist und jeder nur aus rein egoistischen Motiven
handelt-- wird man sich da vielleicht leichter tun!

Das muss man dann erst wieder mühsam lernen, wenn man es überhaupt schafft

Egal WIE gut ich zu jemandem bin-- ich bin es, weil es MIR gut
tut!!
Dieser Egoismus ist überhaupt nichts Negatives-- ich betrachte
das sogar wertfrei.

Da stimme ich Dir voll und ganz zu!!!

Zu alledem kommt auch noch dazu-- der gute Spruch „die einen
kennen mich- die anderen können mich“…wem es um MICH
geht, der wird sich zu mir wenden, wenn ich mich verändere und
was unklar ist!
Andere…sind es dann sowieso nicht wert…

Stimmt an sich auch, aber wenn es blöd läuft, wird man bald sehr einsam und verlassen sein :smile:
Wenn man sich einfach nur drauf verläßt, dass man auch ohne „Selbstmarketing“ beliebt und anerkannt ist, ist das auch ein gewisses Risiko. Aber es ist im worst case auf alle Fälle eine sehr ehrliche Einsamkeit :smile:

Außerdem ist man dan darauf angewiesen, dass die Leute die einen gut finden auch die Sorte Menschen sind, die man selbst gut findet. Was nutzt es, wenn man mit seiner Art nur bei Leuten gut ankommt, die man selber doof findet und die Leute, die man interessant findet, finden einen selbst doof :smile: Ohne Schmeicheleien und Bemühungen um die Gunst von Menschen geht es leider nicht immer

Ebenfalls lieben Gruß, Rolo

Hi,

Das Lust- oder Unlustprinzip ist glaube ich kein guter
Indikator dafür, was gut oder schlecht für einen ist.

Das sieht man besonders im Falle von Sucht. Das vermeintlich „Gute“ dient letztlich nur der Selbstzerstörung.

Gruß,

Anja

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Hallo Rolo!

Wenn man dabei mal betrachtet, daß sich jeder selbst der
Nächste ist und jeder nur aus rein egoistischen Motiven
handelt-- wird man sich da vielleicht leichter tun!

Das muss man dann erst wieder mühsam lernen, wenn man es
überhaupt schafft

nein Rolo- da muss niemand etwas „schaffen“!
Es geht dabei um ein ein ganz rationales Ansehen, wie man ein Buch auch lesen und verstehen kann!

JEDER-- tut etwas für andere, weil er was davon HAT!
Tun wir etwas für einen Menschen, den wir lieben-- dann deshalb, weil wir diese Liebe mit diesem Tun auch wieder fühlen können ( wer kennt nicht die Wahrheit „denn die Freude die wir schenken, kehrt ins eigne Herz zurück“??— da ist ja echt was dran!

Schauen wir zB einen Menschen an, der ein sog. Helfer-Syndrom hat-- bei dem alle anderen sagen " wie aufopfernd, wie selbstlos"-- dann stimmt das nicht, denn dieser Mensch zieht daraus ganz viel nur für sich!
Gefühltes Gebrauchtwerden- wichtig sein- Ankerkennung bekommen- usw.

Ja und selbst die Frau, die an der Beziehung zu nem Mann festhält, der sie schlägt hat was „davon“…denn sie bestätigt sich immer wieder das Bild, was sie in sich hat-- daß sie nichts wert ist!

Was vom Kopf dann grotesk wirkt- ist für die Seele ganz einfach-- man will das wiederempfinden, was man kennt…DA fühlt man sich sicher und damit sogar irgendwo gut!

Zu alledem kommt auch noch dazu-- der gute Spruch „die einen
kennen mich- die anderen können mich“…wem es um MICH
geht, der wird sich zu mir wenden, wenn ich mich verändere und
was unklar ist!
Andere…sind es dann sowieso nicht wert…

Stimmt an sich auch, aber wenn es blöd läuft, wird man bald
sehr einsam und verlassen sein :smile:
Wenn man sich einfach nur drauf verläßt, dass man auch ohne
„Selbstmarketing“ beliebt und anerkannt ist, ist das auch ein
gewisses Risiko. Aber es ist im worst case auf alle Fälle eine
sehr ehrliche Einsamkeit :smile:

Außerdem ist man dan darauf angewiesen, dass die Leute die
einen gut finden auch die Sorte Menschen sind, die man selbst
gut findet. Was nutzt es, wenn man mit seiner Art nur bei
Leuten gut ankommt, die man selber doof findet und die Leute,
die man interessant findet, finden einen selbst doof :smile: Ohne
Schmeicheleien und Bemühungen um die Gunst von Menschen geht
es leider nicht immer

Hmm…also wenn ich ehrlich bin, kann ich Dir da gerade nicht folgen!
Meine Lebenserfahrung ist, daß sich immer die Menschen finden, die auch zueinander passen!
Ansonsten gehen die Wege auseinander…

Wenn du schreibst- man ist darauf ANGEWIESEN, daß die Leute einen gut finden, die man selber gut findet ist ein ganz anderer Ansatz als ich durchs Leben gehe…

Bei mir kommt ERST das Gefühl, ob es stimmt…und wenn es stimmt ist es gegenseitig…-- und ich hab wahrhaftig noch nie daran gedacht, daß ich die Leute gut finden muss, weil sie mich gut finden!!

Das widerspräche dann ja auch der Tatsache, daß Freundschaften auseinandergehen, weil man sich nciht mehr gut findet!!

lieben Gruss
kitty

Hallo, Kitty,

Schauen wir zB einen Menschen an, der ein sog. Helfer-Syndrom
hat-- bei dem alle anderen sagen " wie aufopfernd, wie
selbstlos"-- dann stimmt das nicht, denn dieser Mensch zieht
daraus ganz viel nur für sich!
Gefühltes Gebrauchtwerden- wichtig sein- Ankerkennung
bekommen- usw.

Das sag ich schon immer! Diese angeblich „guten Menschen“ vollbringen zwar vordergründig „gute Taten“ aber ihr Motiv ist egoistisch, was das Ergebnis alllerdings nicht schmälert.

Hmm…also wenn ich ehrlich bin, kann ich Dir da gerade
nicht folgen!
Meine Lebenserfahrung ist, daß sich immer die Menschen finden,
die auch zueinander passen!
Ansonsten gehen die Wege auseinander…

Wenn du schreibst- man ist darauf ANGEWIESEN, daß die Leute
einen gut finden, die man selber gut findet ist ein ganz
anderer Ansatz als ich durchs Leben gehe…

Das liegt vor allem daran, dass Du offenbar andere Erfahrungen gemacht hast. Ich hab die ganze Sache natürlich auch wieder mal etwas überspitzt dargestellt.
Aber es ist schon eher ein Glücksfall, ob man die Leute trifft, bei denen die Chemie stimmt. Man kann das eigentlich nicht forcieren. Man kann nicht sagen „So, heute abend geh ich aus und suche mir ein paar gute Freunde aus“

Bei mir kommt ERST das Gefühl, ob es stimmt…und wenn es
stimmt ist es gegenseitig…-- und ich hab wahrhaftig noch
nie daran gedacht, daß ich die Leute gut finden muss, weil sie
mich gut finden!!

Nein, natürlich nicht. Das ist es ja gerade. Es bringt nichts, wenn man von Leuten bewundert wird, die man selbst nicht mag und umgekehrt.

LG Rolo

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WOLLEN und SOLLEN
Hallo,

das ist ein sehr gutes Beispiel.

Diese ganze Problematik wirkt sich meiner Meinung nach auch direkt auf die Alltagsbewältigung aus:

Nach welchen Kriterien soll man sich richten, wenn der Wille allein kein guter Indikator ist?

Niemand hat Lust Hausaufgaben zu machen oder für die Schule zu lernen. Aber soll man es deshalb einfach lassen?

Mein Onkel hatte mal nen sehr gut bezahlten Job als Dozent. Er hatte eigentlich überhaupt keine Lust auf Unterrichten und es hat ihn immer sehr belastet, andererseits war dieser Job aber wahnsinnig gut bezahlt.

Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie er immer mit sich gerungen hat. Ich hab das früher nicht verstanden, warum er nicht einfach aufgehört hat. Aber es wäre halt leichtfertig gewesen, einen derart gut dotierten Job saußen zu lassen, nur weil man keine Lust hat.

Ich hab auch keine Lust morgens aufzustehen, wenn um 6 Uhr der Wecker klingelt. Aber soll ich deshalb meinen Job kündigen?

ANDERERSEITS:

Wenn man sein Unlustgefühl ständig ignoriert und sich permanent vergewaltigt und sich zu Dingen zwingt, die man nicht mag, schadet man sich vielleicht doch. Oder auch umgekehrt, wenn man sich Dinge verkneift, die einem Spaß machen, etc.

Vielleicht kann man nur glücklich werden, wenn man auf seine Gefühle und nicht so sehr auf seinen Kopf hört?

Was meinst DU?

LG Rolo