Überprüfe Dein Weltbild - sehr lang
Hi, Firefly,
ich bin zwar kein Psychologe o. ä. und insoweit kein Fachmann, trotzdem ein paar Gedanken zu Deinen Zeilen. Ist ja direkt aus dem Leben 
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Es gibt Gründe dafür, warum Du so bist, wie Du bist und warum Du so empfindest. Unter anderen Umständen wärst Du vielleicht ein anderer Mensch geworden. Dann hättest Du halt andere Probleme. Was solls? Du darfst Dich für Deine Emotionalität auf keinen Fall verurteilen.
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Ein Mensch ist kein Roboter, der nach reinen Zweckmäßigkeitsüberlegungen handelt. Es ist durchaus „normal“ das Gefühl und Verstand voneinander abweichen.
Man muss sich halt irgendwann entscheiden, was einem wichtiger ist und vor allem, mit welcher Lösung man am besten leben kann, d.h. wobei man sich WOHL FÜHLT.
- Du kannst Dich emotional nicht abgrenzen und Du verabscheust es, anderen Menschen weh tun zu müssen, weil Dir das selbst weh tut.
Du siehst Dich als „Täter“ immer auch aus der Perspektive des „Opfers“ und das führt zu dem ewigen „Einerseits - Andererseits“, das ewige Dilemma und die permanente Entscheidungsunfähigkeit.
Das ist sehr anstrengend und nervt tierisch. Man ist dann oft schlecht drauf und ärgert sich ÜBER SICH SELBST.
Und das empfindet man wieder als ungerecht, denn schließlich macht man sich ja nur Gedanken über andere, anstatt wie die Axt im Wald durchs Leben zu gehen und nur seine eigenen Interessen zu sehen und dafür wird man dann auch noch bestraft mit schlechter Laune.
Es gibt oft keine Lösung, WENN man es jedem recht machen will ohne selbst auf der Strecke zu bleiben.
Und wenn Du mal ehrlich bist und ganz tief in Dich hinein hörst:
Die Rücksichtnahme auf die Belange anderer und Deine Weigerung, anderen weh zu tun, ist letztlich nicht so selbstlos, wie es den Anschein hat. Du vermeidest damit doch vor allem Deinen eigenen Schmerz. Und das ist letztlich egoistisch, was aber nicht als Vorwurf gemeint ist. Mein darf nicht nur egoistisch sein, man MUSS es sogar sein.
Du drehst in Deinen Gedanken Deinen eigenen Film: Was könnte der oder die denken, wenn ich das jetzt mache oder sage. Die ewige Angst, anzuecken und sich Feinde zu machen, etc.
Vergiß es einfach und zwar aus folgendem Grund:
Deine Annahmen in Bezug auf andere sind wahrscheinlich ohnehin falsch.
Beispiel: Ich hatte mal nen Kumpel, der kam aus ziemlich ärmlichen Verhältnissen. Eltern alkoholkrank und arbeitslos und ständig finanzielle Probleme. Er tat mir leid, weil er sich nie etwas leisten oder kaufen konnte. Er lief in schrecklichen alten Klamotten herum und hatte aus meiner Sicht ein trostloses Leben. Daher wollte ich ihm eines Tages von mir ein paar Sachen zum Anziehen geben und ein paar DVDs, etc.
Oha, da war aber die Hölle los. Er war stinksauer. Er meinte, wenn er es nicht mehr schaffen würde, sich Klamotten zu kaufen, würde er sich lieber das Leben nehmen, als von mir Almosen anzunehmen.
Tsja, mit dieser Reaktion hatte ich nicht gerechnet. Ich dachte, er freut sich!!!
Aber was heißt das? Ganz einfach: Ich habe die Situation anhand MEINES Wertesystems und MEINES Weltbildes bewertet und bin zu einem ganz anderen Ergebnis gekommen, als der Betroffene selbst. Ich hab Mitleid empfunden, obwohl der Betroffene selbst seine Situation gar nicht so trostlos gesehen hat.
Anderes Beispiel:
Ich bin die Woche über beruflich in einer anderen Stadt und komme nur alle paar Wochen mal nach hause in meine Heimat.
Ich habe dann eigentlich immer Lust, diese Wochenenden alleine zu verbringen und mich zu erholen. Andererseits will ich aber auch meine Kumpels sehen und was unternehmen.
Früher dachte ich immer, ich müßte mich auf alle Fälle bei jedem melden, dass ich wieder mal daheim bin, obwohl ich oftmals keine Lust hatte, etwas zu unternehmen. Ich dachte mir immer, man würde es mir übel nehmen, wenn ich daheim bin, und mich bei niemandem melde.
Wenn ich mich wirklich mal nicht gemeldet hatte obwohl ich heimgefahren bin, dann hab ich meine Wohnung nie verlassen, weil ich Angst hatte, ich würde gesehen und man wäre mir dann böse, weil ich „heimlich“ daheim bin.
Das war immer sehr anstrengend und belastend für mich und vor allem völlig unnötig.
WAS FÜR EIN BLÖDSINN. Alle hatten Verständnis dafür, dass ich auch mal meine Ruhe will. Niemand war mir böse, dass ich mich nur jedes zweite oder dritte mal melde.
Das heißt doch aber, dass ich mir all die Jahre vorher einen unnötigen Druck gemacht habe, weil ich Angst vor Konflikten hatte. Dies hat aber auf falschen Annahmen meinerseits beruht!!!
Also, vergiss es einfach. Verlasse endlich diesen Verein und DU wirst sehen, dass Dir das niemand übel nimmt. Hör auf, die Welt aus den Augen anderer zu sehen. Du liegst wahrscheinlich ohnehin daneben. Hör auf Dich zu quälen.
Sei Dir bewußt, das viele Deiner Annahmen NUR IN DEINEM KOPF existieren und die Realität unabhängig von ihnen funktionier.
LG Rolo