So recht kann ich es nicht fassen, was . . .
. . . mich „stört“ (oder auch: mir auffällt) an dieser Fragestellung. Und natürlich will ich auch niemanden unschöne Dinge unterstellen. Deshalb will ich auch in aller Vorsicht formulieren was ich meine.
Ich scheine ja die einzige zu sein (zumindest bisher), der dies hier
Ich bin 20 Jahre alt und meine Freundin ist 17 Jahre alt.
(Hervorhebungen von mir)
nicht nur auffällt, sondern die es auch für nicht unbedeutend hält. Wohlwissend, dass es sehr reife 17-jährige, und noch recht unfertige 20-jährige gibt, ist es doch etwas, das ich beim Lesen des restlichen Artikels dauernd im Hinterkopf hatte. Ich weiß, ich weiß „was sind schon drei Jahre“. Und doch, und doch . . . . in dieser Konstellation finde ich es eben doch nicht unwichtig. Die Tatsache, dass die Freundin sehr viele Hausarbeiten verrichten muss, sagt nichts über ihre persönliche Reife aus.
Ich fände es angemessener sie hätte sich um ihren Schulkram zu kümmern, einen angemessenen Beitrag zur Haushaltserledigung zu leisten und würde ansonsten mit Freundinnen und Klassenkameradinnen den Planeten Mars, samt seiner Bewohner, gerade anfangen zu entdecken. Darüber rumgiggeln wer jetzt mit wem „geht“, wessen neue Frisur „cool“, und wer überhaupt „total süß“ ist. Und nicht wegen häuslicher Überforderung die Klasse wiederholen müssen, und einen 20-jährigen Freund haben, der von ihr als „seiner Freundin“ schreibt, auf eine Weise, die mich einen späteren Satz, dass er dort schläft, nur auf eine Weise interpretieren lässt. Ich kann mich einfach des Eindrucks nicht erwehren, dass ihn das abendliche „Bei-ihm-ausweinen“ eigentlich „nur“ deshalb stört, weil er sich eine andere Abendgestaltung erhofft hatte.
Ich kann mir nicht helfen, aber ich würde von einem jungen Mann, der seiner Freundin aufrichtig zugetan ist mehr erwarten. Mehr als hier zu posten, vor allem würde ich erwarten, dass er energischer handelt. Von sich aus das Gespräch mit der Mutter sucht (ev. mit Hilfe einer unbeteiligten Person von außen, der beide Teile vertrauen), und dabei aber auch ruhig klar macht, dass die Freundin Rechte hat, und er darauf sehen wird, dass diese auch beachtet werden.
Aus vielen Erfahrungen (eigene Jugendzeit, Beobachtungen anderer Familien, später Beruf) heraus richte ich allerdings auf ein solches Gespräch, das auch andere poster empfohlen haben, nicht viel Hoffnung. Derartige Verhaltenweisen der Mutter -die ich verstehen, aber keinesfalls gutheißen kann- sind meist so festgefahren, dass sie schon das gesuchte Gespräch ablehnen wird. Oder zwar vordergründig zu dem Gespräch bereit sein, aber letztlich nicht wirklich zu einem zielführenden Kompromiss, was das Arbeitsaufkommen angeht, bereit sein.(Reine Befürchtung von mir, ich weiß. Aber durch Erfahrungen untermauert.)Selbstverständlich soll das nun nicht heißen, dass dieses dringend erforderliche Gespräch nicht gesucht werden soll. Der poster wird, aus Kenntnis der Mutter heraus, am besten wissen, wie die Erfolgsaussichten sind. Und wie man es am geschicktesten anfängt.
Ich habe es in ähnlich gelagerten Fällen nur so erlebt, dass letztlich -meist nach mehreren Gesprächen, deren Ergebnisse nie lange durchgehalten wurden- nur die Trennung blieb. Also Jugend-Wg, betreutes Wohnen, ein Heim erscheint mir, bei einem jungen Menschen, der in spätestens elf Monaten volljährig wird, wenig sinnvoll. Bestenfalls als Übergang/ Vorbereitung auf etwas in der genannten Art.
Und das ist auch gleich noch ein Punkt, mit dem ich nicht so ganz zurecht komme. Im allgemeinen neigen Mütter, die ihre schwierige Lebenssituation ein bisschen erträglicher machen, indem sie die Töchter ziemlich heftig unterdrücken und ausbeuten, nicht dazu „Fremde“ großen Einblick in die Familie nehmen zu lassen. Es könnte ja jemandem etwas auffallen. Jemand könnte Partei ergreifen, sich -Gott bewahre- einmischen, das Mädchen „aufwiegeln“, Alternativen aufzeigen. Schlimmstenfalls bei fortbestehender „Nichteinsicht“ Behörden einschalten.
Aber diese Mutter gestattet es, dass der zwanzigjährige Freund bei der Tochter übernachtet? Die Gefahr, dass den beiden vielleicht ein ganz furchtbarer Ausweg aus dieser Misere einfällt wird damit RIESENGROSS!! Und für so etwas haben Mütter, die so handeln einen ausgesprochen guten Riecher!! Es sei denn, sie achten jeden Morgen selbst und genauestens darauf, dass sie der kostenlosen Haushaltshilfe nicht verlustig gehen. So nach dem, natürlich unausgesprochenem, Motto: „Ich „erlaube“ ihr schon jetzt einen Sexualpartner, aber dafür muss sie hier eben ordentlich ran“
Auch die Art der Darstellung des Problems kann ich nicht so ohne Weiteres mit der Tatsache in Einklang bringen, dass der junge Mann von sich berichtet zu studieren, Chemie und Physik!
Mmmhh, ich wusste als 14-jährige, dass ich Hilfe bekommen kann, als ich die Probleme in meinem Elternhaus für so schwerwiegend hielt, dass ich dort nicht länger leben wollte. Und das ist 38 Jahre her!! In den öffentlichen Verkehrsmitteln, in jedem Stadtmagazin, jeder Jugendzeitschrift gibt es Hinweise auf Sorgentelefone, Beratungsangebote und Anlaufstellen für den Konflikt/ Krisenfall. Und das alles ist an einem jungen Mann von 20 Jahren vorüber gegangen?
Ich hoffe sehr, dass ich, was den Altersunterschied angeht, zu pessimitisch bin. Und alles ist doch so, dass der junge Mann sehr wohl besorgt ist um die Freundin, bisher halt nur etwas unaufmerksam durch die Weltgeschichte geträumt ist, die hier gefundenen Tipps und Ratschläge dankbar an- und aufnimmt, und die Freundin als Folge dessen, doch noch eine Zeitlang eine bisschen stressfreie Jugendzeit erleben kann.
Herzlichst
Renate