Hallo!
…wenn die WKA den ganzen Tag läuft, dann kann ich zwar sagen: die hat heute soundsoviel kWh (theoretisch) :erzeugt
Die kWh wurden nicht nur theoretisch erzeugt, sondern tatsächlich ins Verbundnetz eingespeist. Die eingespeiste Energie wird gemessen und vergütet.
… aber an wen hat sie messbar geliefert?
Man kann nur die ins Netz eingespeiste Energie messen. Der Netzbetreiber bezahlt die Lieferung.
…Der Verbraucher ist doch schon gesättigt genug.
Der Begriff „Sättigung“ geht am Sachverhalt vorbei. Wenn zu wenig Last am Netz ist, wird entweder Last zugeschaltet (Pumpspeicherkraftwerk) oder Kraftwerke werden zurück gefahren oder sogar ganz vom Netz genommen.
Ein Pumpspeicherwerk wird wohl kaum anspringen, weil in Friesland mal kurzzeitig ein Lüftchen weht.
In lastschwachen Tageszeiten wird nur etwa 40% der Spitzenlast abgenommen. Die tageszeitabhängigen Lastschwankungen sind sehr genau bekannt. Darauf richten sich die Kraftwerksbetreiber ein. Auch die witterungsabhängigen Schwankungen sind rechtzeitig bekannt, um passend agieren zu können. Wirklich große, unvorhersehbare Last- und Einspeiseschwankungen treten nur bei Störfällen auf und z. B. ein Alu-Werk informiert den Netzbetreiber, bevor irgendwelche gewaltigen Lasten ab- oder zugeschaltet werden.
Ich möchte nur wissen, ob z.B. der WKA Betreiber den erzeugten- oder nur den abgegebenen Strom verrechnet :bekommt.
Der erzeugte und der ins Netz eingespeiste Strom sind identisch. Das muß so sein, weil keine Energiespeicher beteiligt sind und keine Energie im Nichts verschwindet.
Wie wird der Erzeugte gemessen, wenn kein Verbraucher da…
Du meinst den Fall, daß sämtliche Verbraucher im gesamten Europäischen Verbundnetz abgeschaltet sind, also die halbe Milliarde am Netz hängender Verbraucher keinen einzigen Fernseher und keine Fabrik in Betrieb haben? Dann werden sämtliche Kraftwerke schnellstmöglich herunter gefahren.
…oder wie kommt eine Abgabe zustande, wenn (und hier schiele ich noch mal auf den vollen Akku)das :vorhandene Netzt gesättigt ist.
Entweder wird Last zugeschaltet oder Kraftwerke vom Netz genommen. Beides sind normale Betriebszustände.
Wie du richtig anmerkst, ist das Netz kein Akku, aber es kann Überschuss auch nur durch zusätzliche Verbraucher :verwerten; kann aber nicht auf jedes laue Lüftchen,s.o. reagieren.
Wo also bleibt der von der WKA sporadisch eingespeiste Strom?
Wie schon erwähnt, beträgt die Grundlast im Netz ungefähr 40% der Spitzenlast. Das heißt mit anderen Worten, 60% der installierten Kraftwerksleistung muß dauernd hoch und herunter gefahren, vom Netz genommen oder zugeschaltet werden. Außerdem müssen weitere Reserven vorhanden sein, weil auch die großen Grundlastkraftwerke gelegentlich für Tage oder gar Monate ausfallen oder im Fall der Kühlung durch Flußwasser bei längeren Hitzeperioden nur mit verringerter Leistung gefahren werden dürfen. Bei Windkraftanlagen kann übrigens von sporadischem Betrieb keine Rede sein. Die Zeiten der kleinen 100 kW-Windräder an ungünstigen Standorten sind vorbei. Bei den Standorten von Windrädern im Megawattbereich sind die Windverhältnisse gut bekannt und lassen sich in die ohnehin täglich zu fahrende Lastkulisse mit der beträchtlichen Differenz wischen Spitzen- und Grundlast einarbeiten. Von sporadisch erzeugtem Strom kann keine Rede sein.
Habe inzwischen schon WKA Betreiber auf diese Frage angesprochen, aber nur Schulterzucken erhalten.
Theoretisch müsste deren Zähler ja, bei voller Drehzahl der Mühle, aber gesättigtem Netz, stillstehen.
Gemahlen wird in Windkraftanlagen nichts, aber ich ahne, in welche Richtung Deine Frage zielt. Windkraftanlagen liefern nicht nur zufällig Energie, sondern sehr zuverlässig, sofern die geeigneten Standorte gewählt werden. Eine Netztopologie mit vielen Einspeisepunkten ergibt ein stabiles Netz, in dem sich sehr fein Kraftwerksleistung nach Bedarf zu- und abschalten läßt. Die abgeschaltete Windkraftanlage speist natürlich nichts ins Netz, der Zähler steht und es gibt keine Vergütung. Bei zu geringer Windgeschwindigkeit kann eine Windkraftanlage nichts ins Netz einspeisen und auch bei zu hoher Windgeschwindigkeit wird der Rotor aus dem Wind gedreht und festgesetzt. Ohne Not wird man aber eine Windkraftanlage nicht abschalten. Es gibt andere Kraftwerkstypen am Verbundnetz, deren Eigenschaften gebraucht werden, die aber aufgrund hoher Betriebskosten zuerst vom Netz gehen. Die Sache funktioniert bestens, was aber manche Leute nicht daran hindert, vorbei an den tatsächlichen Sachverhalten über „Zufallsstrom“ zu diskutieren. Ich verfolge die Diskussion seit den Zeiten des GROWIAN Ende der 70er/Anfang der 80er Jahre. Wo nicht irgendwas verbrennt, Wasser kocht und heißer Dampf durch eine Turbine strömt, wollen einige Zeitgenossen nicht glauben, daß man damit wirtschaftlich und technisch sinnvoll einen Generator antreiben kann.
Windkraftanlagen sind tatsächlich nicht geeignet, unseren hohen Bedarf an elektrischer Energie allein zu bewerkstelligen. Man muß aber ergänzen, daß bisher kein Kraftwerkstyp bekannt ist, der dazu unter den in Deutschland herrschenden Verhältnissen in der Lage wäre und gleichzeitig bezahlbaren Strom liefert. Mit Wasserkraftwerken ist die große Dynamik zwischen Grund- und Teillast zu bewerkstelligen, aber wir haben nicht genügend Wasserkraft und sind auf einen Mix etlicher verschiedener Kraftwerkstypen angewiesen, wenn wir nicht chinesische Verhältnisse haben wollen. Dort und in vielen anderen Ländern gilt natürlich auch, daß man z. B. einen Kohlenkessel nicht binnen weniger Minuten veränderten Lastverhältnissen anpassen kann. In solcher Lage lebt man mit großen Toleranzen von Netzspannung und Frequenz, versorgt halbwegs kontinuierlich die Produktionsanlagen der Region und benutzt die privaten Verbraucher, um zu konstanter Last zu kommen. Dann gibt es eben Strom nur manchmal, wenn es für den Erzeuger gerade erforderlich ist. Wenn wir das nicht wollen, brauchen wir den Energiemix. Wenn wir das Klima und die Ressourcen im Blickfeld haben und die Kosten im Griff halten wollen, führt an der Nutzung von Wind- und Sonnenenergie kein Weg vorbei.
Gruß
Wolfgang