Stromeinspeisung

Hallo Leute,

Es ist ja so, dass es in Deutschland nur ein Stromnetz gibt, wo dann jeder Anbieter seinen Strom einspeist (nehme ich jedenfalls mal an). Jeder Anbieter bekommt ja sicher für jede eingespeiste kwh Geld.
Angenommen ich wechsele jetzt den Stromanbieter. Eigentlich ändert sich rein technisch ja nichts für mich (vielleicht anderer Zähler?).

Jetzt die Frage:
Wie genau funktioniert das denn mit der Einspeisung? Der neue Anbieter müsste doch jetzt wegen mir mehr Strom einspeisen, wenn man das so sehen kann? Und bei den vielen Anbietern, wer bestimmt denn, wieviel jeder Anbieter ins Netz einspeisen muss?

Ich hoffe ihr versteht was ich meine, hab’s vielleicht nicht ganz einfach ausgedrückt.

Vielen Dank - Marksman

Es ist ja so, dass es in Deutschland nur ein Stromnetz gibt,
wo dann jeder Anbieter seinen Strom einspeist (nehme ich
jedenfalls mal an). Jeder Anbieter bekommt ja sicher für jede
eingespeiste kwh Geld.
Angenommen ich wechsele jetzt den Stromanbieter. Eigentlich
ändert sich rein technisch ja nichts für mich (vielleicht
anderer Zähler?).

Noch nicht mal das. Alles eine Buchungsfrage.

  1. Alle Einspeiser füttern das europäische Verbundnetz.
    Sie verkaufen ihren Strom an der Energiebörse. (mit skurilen Folgen, dort wird zu absoluten Schwachlast-Zeiten auch schon mal Strom verschenkt)

  2. Die Verbindungsnetzbetreiber leiten die Energie durch und bekommen dafür Entgelt.

  3. Dein Stromanbeiter letztlich misst, was Du bekommen hast und rechnet mit Dir ab.

Ach so, also ist es falsch zu sagen, dass die Summe dessen was eingespeist wird auch tatsächlich verbraucht wird?
Und wie ist das dann, wenn ich zu einem Anbieter wechsle, der nur Ökostrom verspricht, also keine fossilen Quellen? Das ist doch dann quatsch, oder? Kann mir ds grad nicht so recht vorstellen irgendwie, da das ja ein Netz ist…

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]

Ach so, also ist es falsch zu sagen, dass die Summe dessen was
eingespeist wird auch tatsächlich verbraucht wird?

Es wird nicht zu viel Energie produziert. Es gibt verschiedene Kraftwerkstypen die unterschiedlich schnell zu regeln sind. Dabei fahren einige die Grundlast andere die Spitzen und Mittellast ab http://de.wikipedia.org/wiki/Spitzenlast. Die Kraftwerke werden so gefahren das die Strommenge immer passt http://de.wikipedia.org/wiki/Kraftwerksmanagement. Zu viel produzierte Energie würde ein Spannungsanstieg im Netz bedeuten. Sollte ein Kraftwerk einmal zu viel Energie erzeugen und diese nicht schnell genug geregelt werden können wird der Dampf durch den Schornstein „hinaus geblasen“.

Und wie ist das dann, wenn ich zu einem Anbieter wechsle, der
nur Ökostrom verspricht, also keine fossilen Quellen? Das ist
doch dann quatsch, oder? Kann mir ds grad nicht so recht
vorstellen irgendwie, da das ja ein Netz ist…

Du bekommst den Strom den alle bekommen. Nur Du zahlst halt den Tarif für den Ökostrom (Grundlast).

Gruß
Holger

Ach so, also ist es falsch zu sagen, dass die Summe dessen was
eingespeist wird auch tatsächlich verbraucht wird?
Und wie ist das dann, wenn ich zu einem Anbieter wechsle, der
nur Ökostrom verspricht, also keine fossilen Quellen? Das ist
doch dann quatsch, oder? Kann mir ds grad nicht so recht
vorstellen irgendwie, da das ja ein Netz ist…

Zum "Öko"strom: Schaue Dir einmal diesen Artikel an:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26671/1.html

stefan

Und wie ist das dann, wenn ich zu einem Anbieter wechsle, der
nur Ökostrom verspricht, also keine fossilen Quellen? Das ist
doch dann quatsch, oder? Kann mir ds grad nicht so recht
vorstellen irgendwie, da das ja ein Netz ist…

Du bekommst den Strom den alle bekommen. Nur Du zahlst halt
den Tarif für den Ökostrom (Grundlast).

Stimmt, der gleiche Storm, nur sorge ich eben dafür, dass der Anbieter unterstützt wird, der seinen eingespeisten Strom eben nicht fossil prodiziert. Oder?

Ansonsten danke an alle für die Antworten und Links! Jetzt kann ich’s mir vorstellen.

Mark

Ach so, also ist es falsch zu sagen, dass die Summe dessen was
eingespeist wird auch tatsächlich verbraucht wird?

Nee, das ist sogar genau richtig. Es wird immer soviel verbraucht, wie eingespeist wird. Weil:

  1. Wenn weniger verbraucht wird, steigen Spannung und Frequenz. Durch den Anstieg der Spannung verbrauchen aber die meisten Geräte auch gleich mehr. (Glühlampe brennt heller,…)
  2. Spannung und Frequenz werden überwacht. Die Kraftwerke passen sich der abgenommene Leistung an. Gut, ein KKW kann nicht mal so eben auf 50% runter gehen. Aber ein Wasserkraftwerk z.B. kann sich sehr schnell anpassen.

Und wie ist das dann, wenn ich zu einem Anbieter wechsle, der
nur Ökostrom verspricht, also keine fossilen Quellen?

Das ist entweder

  1. Ein Anbieter, der sowieso schon Strom aus erneuerbaren Energien herstellt und diesen Strom nun gerne teurer verkaufen will.
  2. Ein Anbieter wie 1., der aber zusätzlich was für die Umwelt tut, indem er aus diesen zusätzlichen Einnahmen was für den Ausbau der umweltfreundlichen Energiegewinnung tut.

Das ist
doch dann quatsch, oder? Kann mir ds grad nicht so recht
vorstellen irgendwie, da das ja ein Netz ist…

Richtig, produziert wird dieser Strom ja sowieso. Es ist nur die Frage, ob man was für sein Gewissen tuen will.
Z.B. Wird von den Stadtwerken Iserlohn „Ökostrom“ von „Pure Power St.Moritz“ angeboten. Egal, ob 1000 Kunden den Tarif nehmen oder gar keiner, davon wird in der Schweiz nicht eine kWh mehr oder weniger produziert.
Es wird Dir also deutscher Steinkohlenstrom teuer verkauft, das Geld geht in die Schweiz, dort bekommt es PurePower.
Die Energie von PurePower wird natürlich vor Ort verbraten, dort zum Normalpreis an Schweizer Kunden verkauft.
Unter dem Strich bezahlst Du Ökopreise für Normalstrom und der Schweizer Normalpreise für Ökostrom. Also ist es mathematisch völlig korrekt, solange nicht in D mehr Ökostrom verkauft wird als in CH produziert wird.
Für die Umwelt wäre es hilfreich zu wissen, was denn nun „PurePower St. Moritz“ mit den Einnahmen macht.

Ach so, also ist es falsch zu sagen, dass die Summe dessen was
eingespeist wird auch tatsächlich verbraucht wird?
Und wie ist das dann, wenn ich zu einem Anbieter wechsle, der
nur Ökostrom verspricht, also keine fossilen Quellen? Das ist
doch dann quatsch, oder? Kann mir ds grad nicht so recht
vorstellen irgendwie, da das ja ein Netz ist…

Zum "Öko"strom: Schaue Dir einmal diesen Artikel an:
http://www.heise.de/tp/r4/artikel/26/26671/1.html

Interessanter Artikel. Danke.
Und „Naturstrom“ wird erwähnt, da will ich nämlich hinwechseln. :wink:
Ist billiger als mein jetziger Anbieter.

Mark

Das ist
doch dann quatsch, oder? Kann mir ds grad nicht so recht
vorstellen irgendwie, da das ja ein Netz ist…

Richtig, produziert wird dieser Strom ja sowieso. Es ist nur
die Frage, ob man was für sein Gewissen tuen will.
Z.B. Wird von den Stadtwerken Iserlohn „Ökostrom“ von „Pure
Power St.Moritz“ angeboten. Egal, ob 1000 Kunden den Tarif
nehmen oder gar keiner, davon wird in der Schweiz nicht eine
kWh mehr oder weniger produziert.
Es wird Dir also deutscher Steinkohlenstrom teuer verkauft,
das Geld geht in die Schweiz, dort bekommt es PurePower.
Die Energie von PurePower wird natürlich vor Ort verbraten,
dort zum Normalpreis an Schweizer Kunden verkauft.
Unter dem Strich bezahlst Du Ökopreise für Normalstrom und der
Schweizer Normalpreise für Ökostrom. Also ist es mathematisch
völlig korrekt, solange nicht in D mehr Ökostrom verkauft wird
als in CH produziert wird.

Ok, ist ja wieder mal (wie so vieles) ne Frechheit. Lt dem Heise-Artikel sollte man sich also an einen der drei Anbieter halten, die ohne dieses REDS-Zertifikat arbeiten.

Hallo,

Es ist ja so, dass es in Deutschland nur ein Stromnetz gibt,
wo dann jeder Anbieter seinen Strom einspeist (nehme ich
jedenfalls mal an). Jeder Anbieter bekommt ja sicher für jede
eingespeiste kwh Geld.
Angenommen ich wechsele jetzt den Stromanbieter. Eigentlich
ändert sich rein technisch ja nichts für mich (vielleicht
anderer Zähler?).

Auch der Zähler bleibt.

Jetzt die Frage:
Wie genau funktioniert das denn mit der Einspeisung? Der neue
Anbieter müsste doch jetzt wegen mir mehr Strom einspeisen,
wenn man das so sehen kann? Und bei den vielen Anbietern, wer
bestimmt denn, wieviel jeder Anbieter ins Netz einspeisen
muss?

Eingespeist wird nur bei dem Netzbetreiber.In Bawü z.b. die ENBW.
Da ist es völlig egal zu welchem Anbieter du wechselst.
Der Netzbetreiber wird per Gesetz verpflichtet http://www.solarserver.de/lexikon/erneuerbare_energi…
für Zwanzig Jahre eine bestimmte Stromvergütung zu bezahlen.

Viele Grüße
Markus

Hallo,

Nee, das ist sogar genau richtig. Es wird immer soviel
verbraucht, wie eingespeist wird. Weil:

Langfristigen Stromüberschuss wie Frühjahr oder Hochwasser können nicht mehr in Speicherkraftwerken aufgenommen werden und werden daher ins Ausland verkauft (deshalb die Leitungen ins Ausland). Dass dieser Strom aber nicht als teurer Naturstrom verkauft wird, sonder zu Großhandelspreise (=Atomstrompreise), wird gerne verschwiegen. Im Ausland wird die Produktion des Atomstroms einfach gedrosselt und alles ist wieder in Ordnung.
Bei Strombedarf im Winter wird Strom z.b. nach Österreich importiert.
Der Anteil des Atomstroms, den die Anbieter angeben, ist nur der Saldo. In Wirklichkeit verbrauchen wir viel mehr Atomstrom, aber verkaufen im Gegenzug auch Ökostrom. Aber aktuell ist es so daß wir mehr Strom verbrauchen als produziert werden kann.

  1. Wenn weniger verbraucht wird, steigen Spannung und
    Frequenz. Durch den Anstieg der Spannung verbrauchen aber die
    meisten Geräte auch gleich mehr. (Glühlampe brennt heller,…)

Machst Du Witze ? :wink:

  1. Spannung und Frequenz werden überwacht.

Eben.

Viele Grüße
Markus

  1. Wenn weniger verbraucht wird, steigen Spannung und
    Frequenz. Durch den Anstieg der Spannung verbrauchen aber die
    meisten Geräte auch gleich mehr. (Glühlampe brennt heller,…)

Machst Du Witze ? :wink:

Das ist kein Witz - das wäre so.
http://de.wikipedia.org/wiki/Kraftwerksmanagement#Ei…

  1. Spannung und Frequenz werden überwacht.

Eben.

Wenn das nicht so wäre würden die Generatoren die Turbinen antreiben.
Bei Umformern wird in diesem Fall rückwärts gespeist. http://de.wikipedia.org/wiki/Umformer

Gruß
Holger

  1. Wenn weniger verbraucht wird, steigen Spannung und
    Frequenz. Durch den Anstieg der Spannung verbrauchen aber die
    meisten Geräte auch gleich mehr. (Glühlampe brennt heller,…)

Machst Du Witze ? :wink:

Das ist kein Witz - das wäre so.
http://de.wikipedia.org/wiki/Kraftwerksmanagement#Ei…

  1. Spannung und Frequenz werden überwacht.

Eben.

Wenn das nicht so wäre würden die Generatoren die Turbinen
antreiben.
Bei Umformern wird in diesem Fall rückwärts gespeist.
http://de.wikipedia.org/wiki/Umformer

Helligkeitsschwankungen der Glübirnen, blieben mir bisher jedenfalls verborgen.
Vielleicht sollte ich mal darauf 8en.
Auf jeden Fall dazu gelernt.
Danke.
Grüße
Markus

Helligkeitsschwankungen der Glübirnen, blieben mir bisher
jedenfalls verborgen.

Eine Helligkeitsschwankung um 10% über einen Zeitraum von 8 Stunden wirst Du nicht bemerken.

Vielleicht sollte ich mal darauf 8en.
Auf jeden Fall dazu gelernt.

Ich mache des öfteren Netzanalysen, um - insbesondere bei Firmen - die Belastung des Anschlusses zu klären.
Dabei werden auch die Netzfrequenz und die Netzspannung erfasst.
Bei der letzten Messung kann man sehr schön die Spannungserhöhung gegen 2 Uhr morgens sehen, an allen drei Messtagen so ca. 236V.
Die niedrigste Spannung lag jeweils so bei 225V morgens um 9 - 10 Uhr.
Dabei kann man Einflüsse durch den Spannungsfall in der eigenen Hauptzuleitung zwischen 17 Uhr abends und 7 Uhr morgens ausschließen, da der zu dieser Zeit erfasste Strom ziemlich genau 0A war, trotzdem aber ein klarer Anstieg der Spannung sichtbar ist.
Ich hoffe, man kann das hier erkennen:
http://s5.directupload.net/file/d/1265/zkgyhdr8_jpg.htm

Hallo Mark

Und wie ist das dann, wenn ich zu einem Anbieter wechsle, der
nur Ökostrom verspricht, also keine fossilen Quellen? Das ist
doch dann quatsch, oder?

So ist es. Neulich las ich, dass die Stadt Kassel NUR Ökostrom einkauft, der in Nord-Schweden erzeugt wird. Die lügen sich was in die Tasche. Tatsächlich kommt der Stram aus dem nächstgelegenen KW. Andernfalls müsste zwischen Nord-Schweden und Kassel eine separate, 1500 km lange Leitung bestehen, an die kein anderer rankommt. So etwas kann sich Kassel nicht leisten.

tschüss
herbert

Hallo Carsten

Z.B. Wird von den Stadtwerken Iserlohn „Ökostrom“ von „Pure
Power St.Moritz“ angeboten. Egal, ob 1000 Kunden den Tarif
nehmen oder gar keiner, davon wird in der Schweiz nicht eine
kWh mehr oder weniger produziert.
Es wird Dir also deutscher Steinkohlenstrom teuer verkauft,
das Geld geht in die Schweiz, dort bekommt es PurePower.

Vermutlich sacken die Stadtwerke dieses Zusatzgeld der Dummen ein. Welchen Grund sollten sie haben, das Geld in die Schweiz zu überweisen? Vielleicht wissen die Schweizer gar nicht, dass ihr Name in Iserlohn vermarktet wird. Oder sie machen 50%-50%

Für die Umwelt wäre es hilfreich zu wissen, was denn nun
„PurePower St. Moritz“ mit den Einnahmen macht.

Die lachen sich krumm und bucklig über die deutschen Öko-Heinis.

tschüss
herbert

Abend!

Zu viel produzierte Energie würde ein Spannungsanstieg im Netz
bedeuten.

Sicher?

Also als ich vor ca 15 Jahren noch in einem Grundlastkraftwerk
gearbeitet habe war lediglich die Frequenz das Entscheidene.

Ich denke dies ist heute auch noch so, die Frequnz ändert sich,
nicht die Spannung!

Gruß
Stefan

Hallo Carsten,

Bei der letzten Messung kann man sehr schön die
Spannungserhöhung gegen 2 Uhr morgens sehen, an allen drei
Messtagen so ca. 236V.

In dieser Zeit werden auch die fehlenden Wellen nachgeholt.

Über 24h ergeben sich bei 50Hz 50*60*60*24 = 4’320’000 Schwingungen.
Jede einzelne wird im Verbundnetz über den Tag gezählt.

Bei voller Belastung des Netzes liegt die Frequenz ein bisschen unter 50Hz, wodurch dann das Soll nicht ganz erfüllt wird. Nachts werden dann die Fehlenden Schwingungen nachgeholt, wodurch sich die höhere Spannung ergibt.

Kurzzeitig ist eine Netzfrequenz von 50.0000…Hz nicht garantiert. Der Mittelwert über Tage und Monate wird aber mit 4’320’000 Schwingungen pro 24h garantiert. Ich weiss die genau garantierten Werte nicht mehr, sie liegen aber für die Langzeit nahe bei +/- 0.

MfG Peter(TOO)

Kurzzeitig ist eine Netzfrequenz von 50.0000…Hz nicht
garantiert. Der Mittelwert über Tage und Monate wird aber mit
4’320’000 Schwingungen pro 24h garantiert. Ich weiss die genau
garantierten Werte nicht mehr, sie liegen aber für die
Langzeit nahe bei +/- 0.

Ich hatte früher einen Radiowecker, der hatte die mit Abstand genaueste Uhrzeit im Haus (Funkuhren waren damals Exoten).
Und das Teil war netzsynchronisert.

Vor 35 Jahren lief in meiner damaligen Lehrfirma ein diesbezügliches Messprojekt.

Heute wird das Netz sowieso über den Zeitstandard (PTB) synchronisiert. Dein Funkwecker sollte also etwas genauer sein, als das Netz.

MfG Peter(TOO)

[Bei dieser Antwort wurde das Vollzitat nachträglich automatisiert entfernt]