Hi Windbeutel,
ich empfehle dir grundsätzlich mal das Buch „Der Konfuzianismus“ von Hans van Ess, das ist vom Beck Verlag, kostet die üblichen 7,90€ und behandelt das ganze bündig und weitgefächert.
Konfuzianismus ist in Philosophie und Religion zu unterteilen. Was es von beiden definitiv ist ist eine uralte Streitfrage und genauso schwer zu beantworten wie die Frage, ob das Ei oder das Huhn zuerst da war. Wahrscheinlich ist es einfach beides und wird auf unterschiedlichen Ebenen betrieben - umso politischer und elitärer, desto Philosophie
Während es Volkskonfuzianismus gab, der sehr religiös war, und im privaten vielleicht auch eher eine religiöse Interpetation, über die man freilich wenig weiß. Die Chinesen achten ihre Privatssphäre.
… was hast du denn da gelesen? Einige Fragen sollten bei einer Vorstellungs schon geklärt sein, komischer Text.
Mich interresiert, ob idese Religionsgemeinschaft soetwa wie
einen Klerus hat?
Nein.
Wenn ja wie sieht dieser aus?
Es gibt keinen.
Mönche?Lehrer?Priester?
Es gibt Lehrer. Priester gibt es in der chinesischen Religion generell nicht, maximal Tempelvorsteher, die eine ganz andere Funktion haben, und Orakelbetreuer sowie Geistmedien. Die haben alle Jobs, die teilweise im Priester drin sind, aber richtige Priester gibt es nicht.
Mönche kamen erst mit dem Buddhismus auf und wurden vom Daoismus übernommen. Der Konfuzianismus lehnt das ab.
Die Lehrer sind gewöhnliche gebildete die im Dienste des Staates stehen, Beamtenjobs haben, Archivarbeiten ausführen, philosophieren etc.
Erst später als man nicht mehr alle einstellen konnte oder sogar Stellen gestrichen wurde gab es mehr freie Philosophen, politische Opposition und freie Gelehrte, die z.B. aus Hauslehrer dienten.
Die Tempel sind zu 90% des Jahres leer, sie werden nur zu Festen betreut. Dort lebt niemand, aber es gibt Lehrer, weil Konfuziustempel in der Regel mit einer Akademie verbunden sind. Die Menschen die Hilfe suchen kommen von allein in den Tempel, ein Selbstläufer.
Ausnahme ist der Konfuziustempel in Qufu, dieser ist aber nur ein monströser Ahnenschrein.
Wie sieht das Leben eines solchen
Geistlichen aus?
Er musseinigermaßen betuchte Eltern haben, lernt ewig, macht seine Beamtenprüfungen und strebt den höchsten Grad dieser, den Jinshi, an. Das schafft freilich nicht jeder und nur die besten Jinshi bekommen die besten Jobs z.B. Zensor oder Berater des Kaisers, darunter Großgoverneure unddiverse Lokalbeamte sowie sonstige Jobs in Ämtern.
Dann sucht sich der Beamte eine möglichst junge Frau und zeugt mit ihr so lange Kinder, bis ein Sohn dabei rauskommt, der den Ahnenglauben befriedigt so dass Papa Konfuzianer wenn er tot ist nicht verhungert.
Er selbst führt Zeit Lebens natürlich auch regelmäßig Ahnenrituale aus und bedenkt das Qingming (Gräbefegen)fest.
Lebt er Zölibatär, oder darf er heiraten?
Er MUSS heiraten. Essenz des Konfuzianismus sind die fünf Beziehungen:
Herrscher - Untertan
Vater - Sohn
Alte - Junge (Brüder)
Mann - Frau
Freund - Freund
Die einzig Gleichberechtigte davon ist die des Freundes. Alles andere ist Hierarchisch, braucht sich aber auch notwendig.
Um die Welt nicht ins Chaos zu stürzen (davor hatten die stark ritualistischen Konfuzianer Angst) muss ein Mann heiraten und Kinder zeugen, damit der Sohn den Ahnenkult fortführen kann. Ansonsten erlischt die Familienlinie und mit der Zeit würde die Menschhheit aussterben!
gehören auch Frauen zum Klerus?
Nein, Frauen waren den Männern untergeordnet. Sie gehören ins innere des Hauses und hatten dort ursprünglich sehr große Macht. Die Schwiegermutter hat auch sehr starke Macht über die Frau unter ihr (also die ihres Sohnes). Frauen waren nicht so frei wie heute, hatten aber Möglichkeiten und umso reicher die Familie, desto gebildeter konnten die Töchter sein.
Dies änderte sich in der Song Dynastie mit dem Neo-Konfuzianismus, der die Stellung der Frau radikal erniedrigte und sie beinahe Rechtslos machte. Sie durften fast nichts tun, vor allem nicht in der Stadt, wenn der Mann starb - egal wie jung - durften sie nicht wieder heiraten, wodurch sie natürlich, wenn sie sich dran hielten, in großer Armut lebten. Daran wurde sich nicht sehr oft gehalte aber in erster Zeit, als diese Regel durchgedrückt werden sollte, ging es den Witwen sehr schlecht.
Und zum Schluß gibt es auserhalb Asiens Konfuziustempel?
Nein, gibt es nicht. Braucht es auch nicht. Jeder Auslandschinese der das Bedürfnis hat Konfuzius zu verehren kann dies tun. Ist aber ungewöhnlich, Konfuzius selbst wollte keine Götzenverehrung.
(Der religiöse KOnfuzianismus hatte Statuen, doch im 16. Jh. gab es eine Art Bildersturz und sie wurden durch Ahnentafeln oder Schrifttafeln ersetzt). Die einzige Statue die es jetzt noch in Konfuziustempeln gibt ist seine eigene, und die dürfte es eigentlich auch nicht geben…
Er wird in der Volksreligon aber mit dem Gestirnsgott Kuixing gleichgesetzt und oft als Gott der Literaten angerufen, auch wenn es darum geht, Prüfungen zu bestehen. Darum ist er im heutigen China wieder wichtig geworden.
Es würde mich freuen, wenn sich jemand findet der mir diese
Fragen beantworten kann.
Vielen Dank im voraus
Hoffe ich konnte dir etwas helfen.
lg
Kate