Hallo Sibylle,
Ich habe
den Eindruck gewonnen, daß Kinder ein Monster brauchen, vor
dem sie sich auch mal fürchten können und so mit dieser Furcht
umgehen lernen. Setzt man ihnen sozusagen kein Monster vor,
machen sie sich selber welche, die dann aber schlecht benannt
und auch schlecht besiegt werden können.Gott sei Dank bin ich genauso wenig wie Du durch ein
langwieriges Studium der Psychologie vollends verblendet bzw.
blind für Kinder.Ich habe den selben Eindruck wie Du gewonnen. Kleine Kinder
sehnen sich geradezu danach mit ‚bösen Figuren‘ erzählerisch
und spielerisch konfrontiert zu werden. Das Wichtigste bei
jedem Märchen, jedem Film war für meinen kleinen Sohn immer zu
wissen wer die Guten und wer die Bösen sind.Er genoß es … furchtsam und lachend zugleich, wenn ich ihm
(durch lautes Fußgetrappel) die böse Hexe machte … vor der
er dann laut schreiend und lachend zu gleich … floh.Und ein Zweites hast Du ebenfalls sehr gut benannt:
Kinder bauen sich auf jedenfall ihr eigenes Weltbild. Kleinen
Kindern scheint es sehr wichtig zu sein Gut von Böse zu
trennen. Ignoriert man diesen Trieb (?) … schustern sich die
Kinder (wie in dem Beispiel des Sohnes Deiner Freundin) ihr
eigenes und womöglich noch viel grausameres/angstvolleres
Weltbild zusammen.Gruss Jacobias
All dies, Jacobias, ist kein Argument für den Struwwelpeter.
Es ist richtig, dass Kinder sich gerne spielerisch gruseln -
aber mit der Gewissheit, dass es nicht ernst ist, dass am Ende
alles gut wird…In Märchen, den Grimm’schen Volksmärchen zumindest, ist dies
auch gewährleistet: Am Ende sind die Gefahren überwunden, das
Gute siegt.
Liebe Messalina,
ich habe ganz begeistert und viele Märchen vorgelesen … nicht nur Hänsel und Gretel, Schneewitchen oder Aschenputtel …
sonder auch Gevatter Tod, die kluge Else und die sieben Schwaben.
Im Gegensatz zu den drei Erstgenannten verhält es sich bei den drei Letztgenannten aber genau anders herum. Das Gute siegt nicht. Auch wird in manchen Märchen (Gebr. Grimm) eine Lehre vermittelt, ähnlich wie beim Struwelpeter.
Aber das ist NICHT die Botschaft des
Struwwelpeter. Sondern: Wenn du dich nicht brav verhältst,
wird es böse mit dir enden.
Dieses Buch war immerhin als Erziehungshilfe gedacht.
Bis auf die Daumenlutschergeschichte, die ich, eigener Kindheitserinnerung wegen, für etwas verunglückt halte, würde ich die Worte brav und Erziehungshilfe beim Struwelpeter nicht verwenden.
Es geht doch um Verhalten, welches Konsenquenzen zeitigt und nicht um Bravsein. Spiel nicht mit dem Feuer … pass auf wohin Du trittst … hat doch weniger mit Bravsein zu tun als vielmehr mit Überleben.
Teilweise wird Moral vermittelt (die Geschichte vom Mohren ist doch immer noch aktuell) … die aber vermitteln Märchen auch.
Übrigens:
Das Wichtigste bei
jedem Märchen, jedem Film war für meinen kleinen Sohn immer zu
wissen wer die Guten und wer die Bösen sind.Wer sind denn beim Struwwelpeter die Guten, und wer die Bösen?
Der Friederich zum Beispiel, erinnern Sie … der war ein wahrer Wüterich … ein Böser also … die Opfer waren die Tiere … der Hund, der wehrte sich und durfte von Friedrichs Teller essen … denn der lag ja im Bett … und bekam nur bittere Medizin.
liebe Grüsse
Ihr tapferer Jacobias.
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